(Un-)glückliche Liebe?

07.07.2008 um 22:07 Uhr

Du und eine andere

von: ice_box

Wir machen alle Fehler. Es ist dein Charakter, der dich diese Tatsache nicht ertragen lässt. Dieser liebenswürdige Charakter, der dich als Mensch auszeichnet und dich nahezu perfekt erscheinen lässt.
Es hat seinen Grund, warum wir dich nicht wiedererkennen.
Wir alle verändern uns. Es ist dein Charakter, der dich nahezu perfekt aussehen lässt. Es ist ganz normal und verständlich, dass du das nicht wahrhaben willst, weil du genau weißt, dass du sonst richtig gehandelt hast.
Du weißt, dass du auf gut Deutsch gesagt Scheiße gebaut hast.

Mein Kopf ist momentan noch leer. Und ja, ich habe es geschafft, keine Träne darüber zu vergießen, was heute so alles auf mich herabgerieselt ist. Obwohl Rieseln nicht das richtige Wort dafür ist, es waren mehr riesige Felsbrocken, die auf mich eingeschmettert haben. Aber ich habe keine Träne vergossen, zwar kann ich den Schmerz, den ich gefühlt habe, nicht in Worten wiedergeben, aber Hey, es ist wenigstens ein Gefühl. Das kann nur bedeuten, dass ich noch nicht ganz taub geworden bin; ich kann noch immer empfinden, durch Emotionen auf meine Umwelt reagieren.
Aber das, was ich jetzt am liebsten tun würde, ist, einfach die Nerven verlieren, die Kontrolle über mich selbst verlieren. Mir ist aber klar, dass es reifer ist, sich so zu verhalten, wie ich es tue. Ich würde lieber Geschichten über „Mary“ und ihr „Lamm“ erzählen, es würde meine psychische Verfassung am besten schildern. Aber ich werde es nicht tun.
Ich würde dir gerne etwas über Liebe und Leiden erzählen. Aber dessen bin ich Leid. So viele Worte habe ich den beiden schon gewidmet, so viele Zeilen, Seiten voll, ein Buch eben.
Ich vergieße keine Tränen. Es gibt einen Song von einem französischen Rapper, er heißt „L’encre en guise des larmes“ (Tinte statt Tränen), und genau so geht es mir. Ich schreibe meine Gedanken und Emotionen auf, da ich ja jetzt niemanden habe, mit dem ich über so etwas reden kann.
Ganz alleine stehe ich jetzt da, und schreibe.
Wie schon gesagt, jeder andere Mensch auf der Welt hätte ganz anders auf all das reagiert. Aber das ist es ja auch, was mich von ihnen unterscheidet, und das weißt du auch. Man hätte es sich ja auch einfach machen können und auflegen, aber wer hätte etwas davon? Es blieben so viele Dinge ungesagt, verschlossen in einer Art Box, die irgendwann so voll ist, dass sie platzt. Man verliert den Verstand und weiß dann nicht mal mehr warum.
Es gibt Momente, wo ich denke, dass es absolut richtig ist, keine Entscheidung zu treffen, wie es mit uns weitergeht. Weißt du was der Grund dafür ist? Dich im Ungewissen zu lassen. Ich weigere mich irgendwie, es dir leichter zu machen, aus lauter Frust und Schmerz heraus. Aber andererseits denke ich auch wieder, wofür soll ich ihm das noch antun? Du hast wirklich schon genug um die Ohren, da brauchst du dich nicht noch mehr fertig zu machen. Allerdings bin ich ganz ehrlich, und gestehe, dass ich wirklich nicht denke, dass dich das lange bedrücken wird. Und da bin ich mir fast sicher. Und das ist der Punkt, wo ich mir überlege „Ist es wirklich wichtig, wie ich mich jetzt entscheide? Hat es irgendeine Bedeutung, wie ich mich überhaupt jetzt fühle“ Denn du wirst mich schneller vergessen, als du denkst. Glaub mir! So schön und gut unsere „Seelenverwandtschaft“ auch sein mag, es ist einfach dein Charakter, der dich darüber hinwegkommen lassen wird.
Und dabei komm ich mir wirklich so schäbig vor, weil ich es nicht über mich bringen konnte, selbst einen Schlussstrich zu ziehen. Ich hätte es schon längst tun sollen. Wie oft war ich kurz davor, diesen großen Stein endlich von mir zu werfen, von dem, was von meinem Herzen noch übrig geblieben ist. Wie oft hat es mir mein Gefühl befohlen.. Wie oft hat mich mein Gewissen nach meiner eigenen Niederlage geplagt... das kann sich kein Mensch vorstellen.
Und wiederum andererseits würde ich dafür sterben, von dir zu hören, dass du den größten unwiderruflichen Fehler deines Lebens gemacht hast, mich zu verlassen und, dass du mich liebst, dass es dir Leid tut. Dann hätte ich meinen Frieden gefunden.
Alles, was ich gegeben habe, was ich gefühlt habe, was ich WAR, würde plötzlich etwas wert sein.
Das, was vorher keinen Sinn hatte, keine Zukunft hatte, wäre nicht umsonst.
Die Zeit, die ich investiert habe, wäre dann auf einmal eine gelebte und keine verschwendete.
Die Nächte, die wir verbracht haben, wären plötzlich echt und vollkommen.
Das ist alles, was ich brauche.
Diese alles bedeutenden Worte, die endlich Gewissheit bringen, und dann nur noch einschlafen und in einer anderen Welt aufwachen, wo es all den Schmerz nicht gibt, wo Menschen noch Menschen sind, wo sie nicht sterben, nicht weinen.
Aber ich werde keine Tränen vergießen.

Ca. April/Mai 2007


01.05.2008 um 23:00 Uhr

La femme morte

von: ice_box

Der Richtige

Er zeigt mir die schillernde Seite der Welt,
die schönsten Farben,
die in der Realität nicht zu existieren scheinen.
Millionen vergossene Tränen trocknen leise in der Stille,
so friedlich, dass ich in ihr versinke.
Die vereisten Fasern in meiner Brust schmelzen,
als er mich berührt, mich ganz für sich einnimmt,
Besitz von mir ergreift, mir die Augen öffnet,
mir zeigt, dass es nichts mehr gibt,
wenn das Schicksal sein wahres Gesicht zeigt.
Der Augenblick, wenn du niemandem vertrauen kannst,
an nichts mehr glauben, wenn du siehst,
dass nur er dir die wahre Freiheit gibt.

Doch was ist mit dir?
Hast du mir etwas zu sagen?
Willst du mir nicht etwas beichten?
Kannst du mit der Schuld leben,
mit dieser schweren Last auf deinen starken Schultern?
Dachtest du wirklich, ich glaube jedes Wort,
das deinen vertrauten Mund verlässt?
Wusstest du wirklich nicht,
dass ich dich einst so sehr liebte,
dass ich dich am liebsten getötet hätte,
um diesem Fluch zu entkommen?

Aber jetzt ist mein Moment da,
und doch bin ich dankbar und glücklich,
dass ich ihn vor dir erlebe.
Mit seinen schillernden Farben,
seiner friedlichen Stille,
der ewige Frieden.
Das wahre Leben, das er mir offenbart.
Er ist der Richtige in meinen Augen,
er ist der einzige, dem ich vertraue,
dem ich glaube, AN DEN ich glaube.
Er zeigt mir, dass es ein vollkommenes Leben gibt
ohne Schmerz, ohne Hass, ohne Leid,
ohne Lügen, ohne Enttäuschungen,
und ja, ohne diesen Fluch, den sie Liebe nennen.
Er weiß, was ich in meinem Leben brauche,
er weiß, was mich immer wieder verletzt,
mir die Luft zum Atmen nimmt,
mir den Verstand raubt, meine Gedanken trübt,
mich erfrieren lässt.
Er wird nicht zulassen, dass sie meinen Augen ihr Strahlen nimmt,
dass sie meine Seele noch mehr verschließt,
dass mein Herz schon wieder gebrochen wird,
schon wieder zerfetzt, schon wieder erschlagen.
Niemand erkennt mich wieder.

Aber jetzt ist der Augenblick endlich gekommen!
Werfe deine ganze Schuld auf mich!
Mach mich für alles verantwortlich!
Such den Fehler nicht bei dir!
Befrei dich von quälenden Schuldgefühlen!
Bereinige dein Gewissen!
Werde frei!
Ich werde all deine Scham mitnehmen,
wenn er mich berührt, Besitz von mir ergreift,
ich werde auf ihn zulaufen!
Der Moment, auf den ich eine Ewigkeit gewartet habe!
Er ist endlich da!
Vor mir steht der Richtige...
In der Gestalt des hellen Lichts
am Ende des Tunnels,
am Ende dieser Welt.
Und nimmt mir nun den unendlichen Schmerz.


30. Juni 2007