Der Deutsche Lehrerverband Hamburg zur Bildungs- und Schulpolitik

21.12.2005 um 21:46 Uhr

Anstehendes Schulreformgesetz in Hamburg geht in die Diskussion

Heute hat die BBS an alle Mitglieder in den Kammern (Eltern-, Schüler-, Lehrerk.) und im Landesschulbeirat (LSB) den Hinweis gemailt, dass zur Zeit der Entwurf  des Schulreformgesetzes bei der Druckerei läge und in den nächsten Tagen versandt würde. Die demokratisch legitimierten Gremien (Kammern und LSB) hätten dann Zeit bis zum 20.1.06, ihre Stellungnahmen hierzu abzugeben.
Wie man aus der BBS hören konnte, liegt mittlerweile die 19. Fassung dieses Gesetzesentwurfs vor, an dem offenbar bis zur letzten Minute mit heißer Nadel gestrickt wird.
Die gemäß Schulgesetz dann anzuhörenden Kammern bzw. der LSB dagegen erhalten lediglich zwei Schulwochen Zeit, um sich in die Thematik einzuarbeiten und Stellung zu beziehen.
Dieses Vorgehen macht es diesen Gremien nahezu unmöglich, sich mit vertretbarem Aufwand in sachgerechter Form mit diesem enorm wichtigen Gesetzesentwurf zu befassen: Bei den Beruflichen Schulen beinhaltet dieses Reformgesetz die radikalsten Veränderungen in der Hamburger Berufsbildungslandschaft in den letzten 30 Jahren - den beratenden Gremien lässt man dagegen nicht einmal 20 Arbeitstage Zeit, sich hierzu zu äußern!
So ganz nebenbei hat der DLH erfahren, dass zudem eine Öffnungsklausel in diesem Gesetzesentwurf enthalten sein soll, die eine Verlagerung der Wirtschafts- und Technischen Gymnasien aus dem Synergie-Verbund der Beruflichen Schulen an die allgemein bildenden Schulen ermöglichen soll.
Diese Klausel wäre äußerst schädlich für die Qualität der Beruflichen Gymnasien einerseits und andererseits auch nachteilig für die übrigen Beruflichen Schulen.
Näheres hierzu erfahren Sie hier, sobald der Entwurf uns in seiner offiziellen Fassung vorliegt.
Trotz dieser nicht erfreulichen Entwicklung wünscht der DLH allen Schüler/innen, Eltern, Lehrer/innen und Bildungsinteressierten ein frohes Weihnachtsfest und erholsame Feiertage!

11.12.2005 um 15:22 Uhr

Atomisierung der beruflichen Ausbildung ist ein Irrweg

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLW), Dr. Wolfgang Kehl, warnt nachdrücklich vor der Schaffung weiterer Splitterberufe in der dualen Ausbildung. In Anbetracht der Flexibilität, Mobilität und Fähigkeit zu lebenslangem Lernen, die vom heutigen Arbeitnehmer in einer globalisierten Wirtschaft erwartet würden, sei es - so Wolfgang Kehl - unabdingbar, in einer breit angelegten Berufsausbildung mit der Vermittlung von Basis- und Zusatzqualifikationen ein solides Fundament zu legen. „Die Splitterberufe qualifizieren nicht in der Breite, die bisher ein wichtiges Qualitätselement des deutschen Ausbildungssystems war. Nur wenn die jungen Menschen durch die Ausbildung eine Berufsperspektive in einem breiten Beschäftigungsfeld erhalten, ist ihre Ausbildung zukunftssicher", erklärte der VLW-Vorsitzende. „Hier haben die Sozialpartner eine hohe Verantwortung gegenüber dem dualen Berufsausbildungssystem. Mit einer Zersplitterung wird seine Zukunftsfähigkeit untergraben."

Außerdem habe sich gezeigt, dass diese hoch spezialisierten Berufe keine zusätzlichen Ausbildungsplätze geschaffen, sondern lediglich zu
Substitutionseffekten bei anderen Berufen geführt hätten. Es müsse auch gesehen werden, dass die Kleinberufe nicht ortsnah beschult werden können, was ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen das Angebot von Ausbildungsplätzen sei. Splitterberufe führten in der Regel nicht zu funktionsfähigen Lerngruppen vor Ort. Das bedeute in letzter Konsequenz Verschwendung von öffentlichen Mitteln - für zu kleine Klassen oder für die Finanzierung von Fahrtkosten bei Bezirks- oder Landesfachklassen.

Diese Konsequenzen sollten beachtet werden, wenn die Sozialpartner
Nachfolgeberufe - z. B. für die Werbekaufleute - schaffen.