Der Deutsche Lehrerverband Hamburg zur Bildungs- und Schulpolitik

14.02.2006 um 21:03 Uhr

Hamburger Berufsschulreform widerspricht der Selbstverantworteten Schule und ist Handicap für eine staatlich verantwortete Weiterentwicklung

Der Deutsche Lehrerverband Hamburg lehnt die für die Beruflichen Schulen vorgelegten Reformpläne für mehr Eigenverantwortung als nicht ausreichend ab.
Thomas Schuback (40, stellvertretender DLH-Vorsitzender) :"Dieses Papier ist eine Mogelpackung: Warum erhalten die Beruflichen Schulen weniger Eigenverantwortung als die allgemeinbildenden Schulen in der Hansestadt?" Der DLH lehnt die Schaffung der neuen Behörde "Hamburger Institut für Berufliche Bildung" ab. "Wir benötigen nicht mehr Verwaltung - wir benötigen mehr Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen."
Der DLH fordert, den Einfluss von Interessengruppen auf die Schulen mutig zu beenden. "Wenn die Schulen mehr Verantwortung tragen sollen, dann müssen sie auch die Entscheidungen eigenverantwortlich treffen können. Wenn die Kammern im Kuratorium des "Hamburger Instituts für Berufliche Bildung" mehr Stimmen als die Senatorin haben und gleichzeitig die Wirtschaftsvertreter für die Schulvorstände an den Beruflichen Schulen aussuchen können, dann haben wir neue einschneidende Abhängigkeiten für die Schulleiter und die Schulen."
Die Entscheidungen werden dann nicht vor Ort getroffen - und das obwohl dann die Schule die Verantwortung für diese Entscheidungen übernehmen soll. "Die Hamburger Bürgerinnen und Bürger hatten sich von einer CDU-Regierung mutigere Schritte erhofft - jetzt werden wie in den 70er Jahren lediglich Interessengruppen bedient."
Thomas Schuback: „Herr Bürgermeister, vertrauen Sie den Experten vor Ort - und nicht den Funktionären von Interessenvertretungen. Diese vertreten vor allem ihre eigenen Interessen!" Bereits heute haben die Unternehmen mehr Mitspracherechte als in anderen Bundesländern. Die Zusammenarbeit mit den Betrieben funktioniert an den meisten Schulen in Hamburg sehr gut. Geben Sie den Beruflichen Schulen die Chancen zum Aufbruch in mehr Eigenverantwortung - frei von einer Gängelung durch Funktionäre der Kammern! "
Thomas Schuback : „Diese pädagogisch nicht begründete Berufsschulreform demotiviert Hamburgs Berufsschullehrer in einem Maße, dass die berufliche Bildung erheblichen Schaden erleiden wird. Wird sie am Ende auch die Ausbildungsbetriebe demotivieren, da die Kammern und Innungen die Wirtschaftsvertreter auswählen werden? Dies wird eindeutig zu Lasten der kleinen und mittleren Ausbildungsbetriebe gehen.“

Olaf Krüger (56) befürchtet: „Die berufliche Bildung in Hamburg wird zum Prüfstein der Entstaatlichung.  Die  „gleichberechtigte Teilhabe der Wirtschaft“ ist eine spezielle Art der Privatisierung - eine Privatisierung de Luxe: der Staat zahlt, der Staat trägt die Verantwortung - es entscheiden aber die Kammern."

So bleibt die Besetzung der Entscheidungsgremien nach Einschätzung des DLH verfassungswidrig. Seit Jahren warnt der DLH, dass die berufliche Bildung in Hamburg zum Spielfeld der Juristen verkommt, da die pädagogischen Fragen immer mehr in den Hintergrund rücken.