Lehrstellen knapp durch doppelten Abiturienten-Jahrgang?
2010 - das ist das Jahr, in dem in Hamburg einmalig zur gleichen Zeit zwei Abiturientenjahrgänge die grundständigen Gymnasien verlassen werden, die "Turbo-Abiturienten" und diejenigen, die nach 13 Jahren die Abiturprüfung ablegen. Zu Recht warnen das Arbeitsamt, die Handelskammer und der DGB davor, dieses Problem auf die leichte Schulter zu nehmen (vgl. hierzu z.B. die Hamburger Morgenpost).
Sie vergessen dabei aber allesamt, dass ein weiteres Problem jedes Jahr in noch größerem Maße auftritt - nicht nur ein Mal im Jahr 2010: Die Verdrängung der Hamburger Abiturienten durch Bewerber aus anderen Bundesländern. Denn nach einer Untersuchung der Handelskammer Hamburg kommen über 50% der Azubis aus anderen Bundesländern (vgl. unseren Weblog-Beitrag vom Juni 2007). Jedes Jahr erhalten allein aus Mecklenburg-Vorpommern mehr Bewerber eine Hamburger Lehrstelle als sich wahrscheinlich insgesamt durch den doppelten Jahrgang Hamburger Abiturienten zusätzlich um eine Lehrstelle bewerben werden. Insofern relativiert sich das Problem des Doppeljahrgangs erheblich, zumal längst nicht mehr alle Abiturienten in Hamburg ihren Abschluss an einem grundständigen Gymnasium erlangen: Jeder sechste Absolvent kommt mittlerweile von einem Beruflichen Gymnasium und diese weisen keinen doppelten Jahrgang auf, sondern verstetigen die Absolventenzahlen. Die Leidtragenden werden im Übrigen auch weniger die Abiturienten des Doppeljahrgangs sein, sondern die durch sie verdrängten Schüler mit Hauptschul- oder Mittlerem Bildungsabschluss sein.
Angesichts der bisher geringen Erfolgsquote Hamburger Bewerber um Hamburger Ausbildungsplätze fordert der DLH die Bildungsbehörde auf, sich in erster Linie um eine Verbesserung der vorhandenen Schulressourcen (z.B. durch kleinere Lerngruppen) zu kümmern. Hierdurch lassen sich auch kurzfristig Erfolge erreichen, von denen alle Hamburger Schulabsolventen im Kampf um Hamburger Ausbildungsplätze profitieren können - nicht nur die Abiturienten der grundständigen Gymnasien. Die Erfolge einer Reform der Organisationsstruktur würden - wenn überhaupt - erst in vielen Jahren sichtbar werden und damit den Lehrstellenbewerbern im Jahr 2010 nicht mehr helfen.
