Der Deutsche Lehrerverband Hamburg zur Bildungs- und Schulpolitik

25.02.2009 um 16:59 Uhr

Superlehrer mit 1 Prozent Gehaltserhöhung?

Bei den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Bundesländer ist  nach Einschätzung des dbb Verhandlungsführers Frank Stöhr die  am 28. Februar beginnende vierte Runde entscheidend. "Jetzt wird es eine Entscheidung geben", sagte Stöhr dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Ausgabe vom 25. Februar 2009) - "entweder ein Verhandlungsergebnis oder aber die Gewerkschaften werden eine Urabstimmung über Kampfmaßnahmen einleiten". Er hoffe auf Einsicht der Arbeitgeber. Für die Vortage kündigte Stöhr weitere große Warnstreiks und Demonstrationen an: "Die Beschäftigten sind verärgert und sauer. Die Arbeitgeber haben für dieses Jahr im Durchschnitt 2,1 Prozent geboten und für das kommende Jahr eine Nullrunde. Das ist nicht akzeptabel".

Umgrechnet wären das ca. 1,05% p.a. Gehaltserhöhung:-(

Fast gleichzeitig liest man in der F.A.Z., dass Superlehrer gesucht werden. Dort schimpfen Bildungspolitiker über die Abwerbepraxis aus dem Südwesten : Dort werden in einzelnen Mangelbereichen der Beruflichen Schulen bis zu 800 Euro brutto als monatliche Zulage bei einem Direkteinstieg ab September 2009 gezahlt. Schön, für das Land, welches sich diese Zulagen leisten kann - und erfreulich für die jungen Kolleg/inn/en!

Mit 1,05% p.a. Gehaltserhöhung wird man jedenfalls kaum die gewünschen "Superlehrer" (was ist das eigentlich?) in den Staatsdienst locken können. Hier muss deutlich mehr auf die Schaufel gepackt werden, fordert der DLH die Arbeitgeber auf.

 

 

 

23.02.2009 um 21:59 Uhr

Schulstrukturreform angesichts neuer Erfolge doch nicht so dringlich?!

Interessant: Im Herbst 2008 war von der Schulsenatorin noch zu hören, dass es in den vorhandenen Hamburger Schulstrukturen nicht möglich sei, die zahl der Schulabbrecher zu senken - deswegen bräuchte Hamburg auch "bessere Strukturen". Jetzt wird durch die Presse bekannt, dass (offenbar in den vorhandenen Strukturen) einerseits ein Höchststand bei der Abiturientenquote (38,5%) und andererseits eine deutlich abgesenkte Schulabbrecherquote (8,2% nach 11,5% im Jahr 2006) erreicht worden ist.

Dann ist die Schulstrukturreform wohl doch nicht so dringend, fragt sich der geneigte Leser, oder? Die Antwort der Senatorin in der taz : "Die Grundprobleme unseres Schulsystems bleiben leider trotz dieser Zahlen bestehen: Es ist nicht gerecht und nicht leistungsstark genug." Darüber besteht nach Meinung des DLH erheblicher Diskussionsbedarf. Und vor allem wird deutlich, dass der enorme Zeitdruck, den die Hamburger Schulpolitik hier aufbaut, nicht sachlich gerechtfertigt ist.

 

 

21.02.2009 um 10:29 Uhr

Bremer Schulsenatorin kritisiert Hamburgs Reformpolitik

In einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT kritisiert die Bremer Schulsenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) die überhastete Hamburger Reformpolitik:

 

"ZEIT: Hamburg mit seinem schwarz-grünen Senat überholt das rot-grün regierte Bremen in der Schulpolitik gerade links. Dort wird nicht nur das Zweisäulenmodell (Gymnasium und Stadtteilschule) eingeführt, sondern auch die Grundschule von vier auf sechs Jahre verlängert. Die Schüler lernen dort also länger gemeinsam. Sind Sie neidisch, wenn Sie das sehen?

Jürgens-Pieper: Ganz und gar nicht. Wenn man die Grundschulzeit verlängert, muss man in den Grundschulen mehr Schüler unterbringen, in den weiterführenden Schulen dafür weniger. Dann müssen in den fünften und sechsten Klassen auch Gymnasiallehrer unterrichten, das erschwert die Bildung von Kollegien. Die Kraft, die ein solcher Umbau schluckt, stecke ich lieber in die Fortbildung von Lehrern und in besseren Unterricht."

Zum Originalinterview.

03.02.2009 um 20:05 Uhr

DLH begrüßt Datenschutz-Forderungen

Der DLH begrüßt den Beschluss der obersten Aufsichtsbehörden für den Datenschutz im nicht-öffentlichen
Bereich zu den Internet-Portalen zur Bewertung von Einzelpersonen
:
"1. Die Datenschutzaufsichtsbehörden weisen darauf hin, dass es sich bei Beurteilungen und Bewertungen von Lehrerinnen und Lehrern sowie von vergleichbaren Einzelpersonen in Internet-Portalen vielfach um sensible Informationen und subjektive Werturteile über Betroffene handelt, die in das Portal eingestellt werden, ohne dass die Urheber erkennbar sind und die jederzeit von jedermann abgerufen werden können.
2. Anbieter entsprechender Portale haben die Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes über die geschäftsmäßige Verarbeitung personenbezogener Daten einzuhalten.
3. Bei der danach gesetzlich vorgeschriebenen Abwägung ist den schutzwürdigen Interessen der bewerteten Personen Rechnung zu tragen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung rechtfertigt es nicht, das Recht der Bewerteten auf informationelle Selbstbestimmung generell als nachrangig einzustufen."

In diesem Zusammenhang weist der Stellv. DLH-Vorsitzende Thomas Grundt darauf hin, dass Lehrer aus Datenschutzgründen nicht die Klassenarbeitsnoten einzelner Schüler vor der gesamten Klasse verlesen. "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen: Die Lehrer werden zu Recht angehalten, den Datenschutz der Schüler zu achten. In bestimmten Internetportalen wird jedoch das Recht der Lehrkräfte auf informationelle Selbstbestimmungmit den Füßen getreten; diese fungieren als elektronischer Pranger. Der DLH bietet seinen Mitgliedern hier Rechtsschutz an, sollten sie betroffen sein."