VLW zum Gespräch bei Rainer Schulz
Angesichts der anstehenden Schulgesetznovelle in Hamburg waren die Bundesvorsitzende des VLW Frau Dr. Annette Orth sowie ihr Stellvertreter, Dr. Ernst John, mit dem Landesvorsitzenden Thomas Grundt und seinem Stellvertreter Olaf Krüger zum Gespräch beim HIBB-Geschäftsführer Rainer Schulz.
Auch wenn das Wetter in Hamburg sehr heiß war, haben sich die VLW-Vertreter und der HIBB-Chef konstruktiv, offen und sachlich auseinandergesetzt: Der VLW hat deutlich gemacht, dass er die mögliche Einführung von Berufsoberschulen in Hamburg begrüßt und es für unverzichtbar hält, dass die Wirtschaftsgymnasien weiterhin bei den Beruflichen Gymnasien angesiedelt sind. Die Sorgen der Lehrervertreter, dass die Verlierer der Hamburger Schulstrukturreform unter anderem die Wirtschaftsgymnasien sein werden, wurden von Herrn Schulz nur teilweise entkräftet. Es ist damit zu rechnen, dass eine erhebliche Zahl der Wirtschaftsgymnasien die Pforten schließen muss - nicht weil dort keine gute Arbeit geleistet würde, sondern weil die Schüler der Stadtteilschule vielleicht lieber auf ihrer bisherigen Schule bleiben werden statt auf ein Wirtschaftsgymnasium zu wechseln. Positiv aufgenommen hat der VLW den Ansatz der HIBB-Leitung, diese bewährte und notwendige Schulform tendenziell aufzuwerten.
Trotzdem bleibt die Forderung des VLW bestehen, dass jede/r an Wirtschaft interessierte Schüler/in in Hamburg die Möglichkeit haben muss, in vertretbarer Entfernung ein Wirtschaftsgymnasium besuchen zu können!
Sehr kritisch wird hierbei vom VLW die Formulierung des §23 Absatz3 des neuen Schulgesetzes gesehen, dass Schüler nur dann in das Berufliche Gymnasium eintreten können, "wenn sie die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Mitarbeit erwarten lassen und Neigung und Eignung für die berufsbezogene Ausrichtung des Bildungsgangs nachweisen". <<Dieser Absatz darf nicht dazu führen, dass sich angehende Wirtschaftsgymnasiasten einem "Gewissens-TÜV" unterziehen müssen, während Schüler/innen, die in die Oberstufe einer Stadtteilschule oder eines grundständigen Gymnasiumss sich keiner derartigen Aufnahme"prüfung" unterziehen müssen. Dies wäre eine unfaire Ungleichbehandlung der verschiedenen Schulformen, die die Durchlässigkeit des Hamburger Schulsystems untergraben würde und der Gleichwertigkeit allgemeiner und beruflicher Bildung zuwiderliefe,>> so Thomas Grundt, der in Hamburg gleichzeitig als Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbands Hamburg fungiert und angehende Bankkaufleute an der H5 unterrichtet.
Interessiert nahmen die VLW-Vertreter die Ausführungen von Rainer Schulz zur Kenntnis, wie das zukünftige System der Berufsorientierung in allgemein bildenden Schulen flächendeckend integriert werden soll. Einerseits wies Olaf Krüger (Hamburgs dienstältester Personalrat für die Beruflichen Schulen, Lehrer an der Staatlichen Fremdsprachenschule H15) darauf hin, dass bisher wohl kaum ein Handelslehrer dafür ausgebildet worden ist, Siebtklässler an einer Stadtteilschule zu unterrichten. Hier bestehe umfassender Fortbildungsbedarf. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass kein Berufsschulkollege hierzu gezwungen wird. Andererseits sieht der VLW hier vielfältige Chancen für Berufsschullehrer, sich mit ihrer Anbindung an die Berufspraxis in die allgemein bildenden Schulen einzubringen. Damit kann sicherlich vielen Abgänger/innen der allgemein bildenden Schulen geholfen werden, sich beruflich realistisch auszurichten, überflüssige Warteschleifen zu vermeiden und sich gezielter auf die Berufswelt bzw. ein Studium vorzubereiten.
