\"Gordian\"

13.03.2009 um 12:30 Uhr

Der Zweite

von: Vaysh

Kölner Stadtarchiv: Zweite Leiche gefunden

"Jetzt ist es sicher ..."

Von David Ohrndorf

Es regnet und ein kalter Wind weht am Bauzaun vor der Unglücksstelle - trotzdem sind am Donnerstagabend (12.03.09) viele Anwohner des Severinsviertels und Freunde des letzten noch Vermissten hierher gekommen. Am Abend hat die Feuerwehr eine zweite Leiche unter den Trümmern des Stadtarchivs gefunden.

Blumen werden an Unglücksstelle niedergelegt; Rechte: WDR/OhrndorfBild vergrößern

Bekannte des Vermissten legen Blumen nieder

Es ist still geworden an der Unglücksstelle. Am Donnerstagabend fahren keine polternden Beton-Transporter durch die Tore der Bauzäune und auch die LKW, die den Schutt sonst regelmäßig abtransportieren, machen eine Pause. Gegen 21 Uhr verlässt ein Leichenwagen das Gelände. Am frühen Abend hatten Helfer der Feuerwehr die Leiche gefunden. Die Identität ist noch nicht ganz klar, aber als ein Polizeisprecher erklärt, es handele sich um eine "männliche, südländisch aussehende Person" macht das am Bauzaun schnell die Runde. Der vermisste 24-Jährige stammt aus Marokko.

Kein "Wunder von Köln"

Besucher an Zaun; Rechte: WDR/OhrndorfBild vergrößern

Stille am Bauzaun

Ein Bekannter des vermutlich gerade tot geborgenen Designstudenten wischt sich mit dem Ärmel die Tränen aus dem Gesicht. "Jetzt ist es sicher", schluchzt er und sein Bruder ergänzt: "Wir hatten doch noch auf ein Wunder gehofft." Im Wind wehen noch einige Luftballons, die Anwohner an einem Zaun befestigt hatten, nachdem am Sonntag (08.03.09) ein 17-jähriger Bäckerlehrling tot geborgen worden war. Die Ballons tragen Aufschriften wie "Khalil halt durch" oder "Wir freuen uns dich wiederzusehen". Aber den Zaungästen ist klar: ein "Wunder von Köln" wird es wohl nicht mehr geben.

Schramma: Stadt betrauert zweites Todesopfer

Absperrung vor Unglücksstelle; Rechte: WDR/OhrndorfBild vergrößern

Die Arbeiten an der Unglückstelle dauern an

Die meisten die gekommen sind, blicken stumm durch den Bauzaun in Richtung des Schutthügels. Gegen 18 Uhr hatten Spürhunde hier erneut angeschlagen, wenig später war die Leiche entdeckt worden. Sie lag nur wenige Meter von der Fundstelle des ersten Toten entfernt, aber mit 9,50 Metern unter Straßenniveau wesentlich tiefer. Bürgermeister Fritz Schramma äußerte sich in einer Mitteilung bestürzt. Auch wenn die Aussichten auf eine lebende Bergung unwahrscheinlich gewesen wären, "gab es dennoch Hoffnung".

Die geborgene Leiche wurde mittlerweile zur Gerichtsmedizin gebracht. Laut einem Polizeisprecher wird die Identität spätestens Freitagmittag (13.03.09) endgültig festgestellt worden sein.

Quelle: wdr.de

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