\"Gordian\"

02.04.2005 um 22:13 Uhr

Es nimmt der Augenblick, was Jahre geben

von: Vaysh

Stimmung: nachdenklich

Wir Katholiken sind schon ein komisches Völkchen... Da sieht man uns zu Tausenden auf der ganzen Welt um das Leben eines einzigen Mannes beten. Um das Leben eines alten, kranken Mannes wohlbemerkt, den, wenn er denn überlebt, mehr Schmerz erwartet als Freude (ich schreib das jetzt so, sonst kommt wieder irgend so ein grässlicher Optimist daher der mir erzählen will, dass es IMMER etwas Schönes im Leben gibt). Warum freuen wir uns nicht, dass er endlich seine Belohnung für sein Schaffen auf Erden erhält? Ist es nicht das erklärte Ziel der Christenheit, in den Himmel zu kommen? Und ist da nicht irgendwo sogar die Rede von Wiederauferstehung? Ich meine, es muss ja Gottes Wille sein, wenn er sich nun entschließt, den Papst zu sich zu holen. Und das der in den Himmel kommt steht ja wohl außer Frage. Warum also die Tränen? Warum die Gebete, dass er überlebt? Warum weinen um einen einzelnen Mann mehr Menschen als um die Opfer der Flutkatastrophe? Wäre es da nicht sinnnvoller darum zu bitten, dass er es endlicht hinter sich hat? Ich wüsste gerne, was der Papst sieht, wenn er tot ist. Wird er in sein erhofftes Himmelreich gelangen? Oder wird er erfahren müsse, dass all das, was er sein Leben lang geglaubt hat, nur Erfindung und Verblendung war? Oder ist es doch viel mehr?

Man möge mir meine Worte verzeihen, war ich doch schon immer ein starker Zweifler an der Verherrlichung der Katholischen Kirche und des Papstes. Was mehr sind wir Katholiken als eine der größten Sekten der Welt?

 

Edit: Jetzt kommt gerade eine Sondersendung im TV. Er hat es geschafft. Der Weg ist zu Ende. Warum macht es mich irgendwie traurig?

Der Tod ist nicht der Untergang, der alles aufhebt und zerstört, sondern eine Wanderung und der Beginn eines anderen Lebens, welches ein Ende nicht hat.


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