Oranje - Leben in Amsterdam

25.11.2005 um 13:32 Uhr

Was für ein Tag.

von: VicVega

Es begann eigentlich gestern. Eigentlich bin ich bin krank zu Hause. Normalerweise brauche ich keinen Parkschein, da Parkgebühren nur zwischen 9:00 Uhr und 19:00 Uhr erhoben werden, genau während der Zeit, in der ich auf Arbeit bin. Ein Tagesparkticket kostet 12 Euro. Das ist ein satter Preis dafür, dass ein Auto nur in der Gegend rumsteht, aber egal. Gestern vergass ich dummerweise ein Ticket zu ziehen, also bekam ich prompt einen Strafzettel. Im Stadtzentrum hätte man mir eine Klammer an einen Reifen montiert und es wäre richtig teuer geworden. So war es nur teuer. Das Knöllchen kostet mich 12 Euro für das nicht bezahlte Tagesticket und 45 Euro Strafe. Also habe ich mir gedacht, heute gehst Du zur Bank und holst Dir eine Rolle 2 Euro Stücke um Dir immer gleich ein Tagesticket zu holen ohne ständig Kleingeld sammeln zu müssen, da die Parkticketautomaten nur Münzgeld akzeptieren. Das Wetter heute ist beschissen. Eigentlich ist es eine Beleidigung für alle beschissenen Wettertage, den Tag heute beschissen zu nennen, da es hagelt, rtegnet, donnert und blitzt und stürmt. Gott sei Dank ist die Bank, die Rabobank, nur wenige Meter weg. Schnellen Fusses bin ich also zur Rabobank, wo man mir dann erklärte, dass sie nicht einfach Kleingeld wechseln können, dafür aber einen Automaten haben. Man steckt seine Karte rein, wählt den Betrag und erhält anstelle von Banknoten Münzgeld. Das Problem war nur, dass ich mit meiner deutschen Bank ec Karte dort nicht sehr weit kam. Also musste ich in den sauren Apfel beissen und die Strasse runter laufen zur ABN-Amro Bank. In niederländischen Banken zieht man sich übrigens eine Nummer und man erfährt über ein Display wann man an welchem Schalter an der Reihe ist. Das selbe System gibt es auch in Postämtern. In Italien war es genauso, ohne eine Nummer zu ziehen kam man einfach nicht weit. Offensichtlich kann man sich nur in Deutschland in eine Schlange stellen und muss keine Angst haben, dass sich einer vordrängelt. Aber um wieder zurück zu meinem tollen Tag, der gerade mal angefangen hat, zu kommen.... ich ging also zur ABN-Amro Bank und zog mir eine Nummer. Es gab zwei Knöpfe, einmal Kasdienste und einmal overige Dienste. Overige Dienste.... kenn ich, dass heisst übrige Dienste. Also drückte ich diesen Knopf und war dann nach ca. 10 Minuten an der Reihe. Ich fragte die nette Dame ob ich denn 50 Euro in 2 Euro Stücke tauschen könnte, worauf sie mir antwortete, dass ich hier am falschen Schalter sei, weil ich eine falsche Nummer gezogen hatte. Nun gut, nochmal eine Nummer ziehen, diesmal Kasdienste, was wohl Cashdienste also Bargelddienste heisst. Und wieder musste ich ca. 10 Minuten warten bis ich an der Reihe war. Die nette Dame dort erzählte mir dann, dass wenn ich kein Konto bei der ABN-Amro hätte, dann könnte ich kein Geld wechseln. Super! Ich fragte sie dann, wo das denn ginge und sie antwortete, dass ich entweder zur Amstel Station oder zur Centraal Station gehen könne, dort gäbe es Wechselstuben. Nun denn, ich habe mich bedankt, obwohl es eigentlich nichts gab wofür ich mich hätte bedanken können aber die Höflichkeit gebietet es nunmal, und machte mich auf den Weg zur Strassenbahn Haltestelle. Es regnete wie aus Kübeln und die Temperatur befand sich knapp über dem Gefrierpunkt. Da man hier nicht tief buddeln muss um auf Grundwasser zu stossen, war die Höchstlast der Kanalisation erreicht und das ganze Wasser begann sich auf der Strasse in Form von riesigen Pfützen zu sammeln. Glücklicherweise kam die Strassenbahn auch relativ schnell und ich fuhr zur Centraal Station. Dort angekommen fand ich auch gleich die Wechselstube und bekam meine Rolle 2 EuroStücke für 50 Euro und eine Kommision von 1,30 Euro. So, jetzt kann ich parken ohne über die Woche Kleingeld sammeln zu müssen. Also machte ich mich wieder auf den Weg zurück. An der Strassenbahnhaltestelle durfte ich mir dann die roten Lichter der Linie 9 anschauen, was sonst kein Problem gewesen wäre, aber bei einem Sauwetter wie diesem sieht man nur ungern seine Strassenbahn davon fahren. Also habe ich mir gedacht gehst Du Weihnachstgeschenke einkaufen, wo ich eh so selten im Zentrum bin, weil es von Touris überfüllt ist und nur stresst. Da sind wir auch schon beim Vorteil eines solchen Sauwetters, die Tourierate hält sich in erträglichen Grenzen. Also ging ich in einen Laden, kaufte etwas, verliess den Laden und lief gen Dam, wo eine Strassenbahnhaltestelle ist und wo ich mir das zweite Mal die roten Lichter der Linie 9 von hinten anschauen durfte. Okay, dann warte ich diesmal und es waren lange 10 Minuten in der eisigen nassen Kälte Amsterdams. Jetzt bin ich zu Hause und taue langsam auf.

22.11.2005 um 21:50 Uhr

Was guckst Du!

von: VicVega

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten sich etwas zu kaufen. Der direkte Weg ist natürlich der in einen Laden zu gehen und sich das Produkt seiner Wahl direkt an der Kasse zu kaufen. Eine andere Möglichkeit ist es einen Versandhaus Katalog aufzuschlagen um sich sein zukünftiges Eigentum auszusuchen, bei der Firma anzurufen oder eine Karte abzuschicken und sein heissersehntes Etwas vom Briefträger ein paar Tage später in die Hand gedrückt zubekommen. Wer über einen online Anschluss besitzt kann seit ein paar Jahren seine Waren auch über das Internet kaufen. Ein paar Klicks und man ist der stolze Besitzer von was auch immer. In den Niederlanden kann man auf noch eine Art und Weise sein Geld loswerden, es handelt sich dabei um den Kijkshop, den Guckshop. Es ist ein Laden, in welchem nur Vitrinen stehen. In den Vitrinen werden die verschiedensten Produkte ausgestellt, Produkte wie Hausgeräte von der Mikrowelle über den Mixer bis hin zum Toaster. Dann gibt es Uhren und Schmuck, Elektronik vom Fernseher bis zur Hifianlage und vieles mehr. Zu jedem Produkt gibt es eine Produktbeschreibung. Die angebotenen Artikel sind im niederländischen Vergleich recht billig. Der Grund ist sehr einfach, der Kijkshop hat fast keine Angestellten. Man kann die Produkte dort auch nicht einfach bezahlen und mitnehmen, stattdessen muss man eine Karte ausfüllen und abgeben. Ein paar Tage später kann man das Produkt dann in der Filiale, in welcher man es bestellt hat abholen. Der Kijkshop ist also so etwas wie ein Katalog zum betreten. Überall sind Boxen mit den Formularen die man ausfüllen kann um sie bei einem (wohl dem einzigen) Bediensteten abgeben kann. Dort bekommt man auch seine Waren ausgehändigt, wenn sie angekommen ist. Gekauft habe ich dort bisher noch nichts, da ich bisher immernur in Deutschland eingekauft habe. Warum? Weil es dort immer noch billiger ist.

16.11.2005 um 21:46 Uhr

Marsmenschen.

von: VicVega

Der Herbst kommt, die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Das Wetter ist mies. Auf meiner Fahrt von Purmerend nach Amsterdam haben nasse Stellen auf der Autobahn trockene Stellen im 500m Rythmus abgewechselt. Es ist ein sehr eigenartiges Wetter momentan. Es wechselt sehr schnell, es ist klirrend kalt und klar und wenige Minuten später wird es weniger kalt, bewölkt, dafür stürmt es und regnet es. Hagel hatten wir heute auch schon, für ca. 3 Minuten. Kein Witz, heute hat sich das Wetter im Minutentakt geändert, was schon sehr nervig ist. Das Wetter hält Niederländer aber nicht davon ab, nach wie vor Sport zu treiben. Es gibt ettliche Jogger hier und ich hasse Jogger. Ich weiss nicht warum, vielleicht ist es nur die Tatsache, dass sie mich daran erinnern, was für eine faule Sau ich doch bin. Sie rennen in der Gegend rum, jung, dynamisch in ihren homophilen Jogginganzügen, während ihnen der Schweiss dunkle Stellen auf demselben hinterlassen und lassen es heraushängen, schaut her, ich bin fit! Da es hier nicht ungefährlich ist zu joggen, da Fahrradfahrer jederzeit aus allen Richtungen kommen können und bei der früh einsetzenden Dunkelheit ein kleiner verschwitzter Jogger gerne mal Opfer eines eben dieser werden kann, tragen Jogger in den Niederlanden lustige Blinklichter um den Hals, auf dem Rücken oder sonst irgendwo am Körper. Ich kann mir vorstellen, dass man in der Eiffel, würde man eine solche Begegnung der dritten Art haben, sofort die Polizei anrufen würde und die Invasion der Marsmenschen melden würde. Nein, ich bleibe eine faule Sau, platziere meinen Hintern vor den Fernseher oder den PC und schreibe etwas für meine Leser.

12.11.2005 um 18:30 Uhr

Endlich wieder ein Eintrag.

von: VicVega

In letzter Zeit fehlte mir eben diese oder ich hatte einfach keine Lust etwas zu schreiben, da ich die letzten Tage nicht gerade fit war und mir deshalb letzte Nacht mal eine 13 Stunden Schlafsession gegönnt habe. Heute ist mir immernoch etwas schwummerig aber ich bin wenigstens nicht so elendig müde. Bei der Arbeit habe ich vor dem Computer gesessen und nicht wirklich etwas gearbeitet. Wäre wohl besser zu Hause geblieben. Naja, jetzt kuriere ich mal übers Wochenende aus und wenn es mir am Montag immer noch schummerig ist, dann bleibe ich halt mal zu Hause.
Momentan geht hier die Sinterklaasmanie los und es ist tatsächlich so wie meine Kollegen es mir beschrieben haben. In den Kindersendungen sieht man den Nikolaus auf einem Schiff mit schwarzen Sklaven nach Holland schippern um den Kindern ihre Geschenke zu bringen. Für Menschen die in Geschichte nicht so bewandert sind sei gesagt, dass die Niederländer als eine der kolonialen Grossmächte sehr viel Geld mit der Ausbeutung von Sklaven verdient haben. Man könnte jetzt meinen, dass es vielleicht nicht wirklich politisch korrekt ist, wenn Sklaven in einem Land mit solcher Geschichte im Kinderfernsehen den Nikolaus in die Niederlande schippern, aber es sind die Schwarzen selbst, die in den Niederlanden die Sklaven erhalten wollten, als man darüber beriet sie aus ethischen Gründen zu ersetzen. Mein Supervisor hat mal bemerkt, dass es schon peinlich ist, dass das bekannteste niederländische Wort in der Welt das Wort Apartheid ist, denn die Niederlande waren nicht immer so tolerant und multikulturell wie sie es heute sind. Das Überbleibsel der niederländischen ostindischen Kompanie, ein Nachschubhafen für niederländische Schiffe am Kap der guten Hoffnung die auf ihrem Weg nach Indien um Afrika segeln mussten, ist nämlich Südafrika. Man baute dort den Hafen, wo heute Kapstadt liegt. Es wurden Bauern aus den Niederlanden eingeschifft um dort Nahrungsmittel herzustellen. Schiffen auf ihrem langen Weg aus den Niederlanden dienten diese Nahrungsmittel als Proviant für den restlichen Weg nach Indien. Diese Bauern, auf niederländisch Boeren, auf deutsch Buren, gründeten dann den Burenstaat, das was heute Südafrika ist. Der Geist der Kolonialisierung hat man dort am längsten erhalten, die Unterdrückung anderer durch Bereicherung seiner selbst, ganz im Sinne des von den Niederländern erfundenen Merkantilismus. Aber heute hat man selbst am Kap der guten Hoffnung erkannt, dass dieses Relikt aus alten Zeiten nicht alos erhaltenswert angesehen werden kann.
Ein anderes Kap, nämlich das Kap Hoorn, hat auch etwas mit den Niederländern zu tun. Ich glaube ich habe es schonmal bemerkt, das erste Schiff, welches auf der Suche nach neuen Seewegen für die Ostinische Kompanie um das Kap gesegelt ist, war ein Schiff aus Hoorn. Nun ist Hoorn eine Stadt in den Niederlanden, welche selbst an einem Kap liegt, deshalb trägt diese Stadt auch den Namen Hoorn, da Hoorn das niederländische Wort für Kap ist. Kap Hoorn heisst also eigentlich Kap Kap.