Viva Sevilla

19.01.2007 um 18:44 Uhr

Angst vor der Kälte

Zum Beginn gibts heute mal ne rhetorische Frage, für die ihr mich bestimmt alle hassen werdet:

 "Hat von euch schon mal jemand am 19. Januar mit freiem Oberkörper auf der Dachterasse für die anstehenden Klausuren gelernt?"

Hier in Sevilla geht das nämlich ohne weiteres. Lernkleidung bestand also heute aus kurzer Hose und Flipflops! Warum auch nicht bei 22 °C und strahlender Sonne ;-) 


Als praktisch alle Sevillaner im Oktober nach zehn sehr regnerischen Tagen zu mir meinten , dass es normalerweise im ganzen Winter höchstens so viel regnet, habe ich das noch für nen dahergesagten Spruch gehalten. Mittlerweile ist mir aber klar geworden, dass sie zumindest nicht so ganz Unrecht hatten: Wenn ich mich richtig erinnere hat's hier nämlich mindestens seit Anfang Dezember nicht mehr geregnet (auch als ich in den Weihnachtsferien in Deutschland war, soll hier nur die Sonne geschienen haben).

Jedoch...

...wurde jetzt für die nächsten Tage ein deutlicher Temperatursturz angesagt, so dass nachts die Temperaturen  am Donnerstag auf gerade einmal 2 °C fallen sollen. Das klingt vielleicht nicht so besonders dramatisch, allerdings muss man dabei bedenken, dass die Häuser hier wirklich grottenschlecht isoliert sind und man nur mit einer Art Heizlüfter sein Zimmer beheizt. Der restliche Teil der Wohnung bleibt dann einfach unbeheizt! So hatten wir schon im Dezember (wo die Temperaturen nachts nur auf 7 °C gefallen sind) zum Beispiel in der Küche nur ca. 10°C. Von daher kann ich glaube ich echt froh sein, dass ich aus dem Weihnachtsurlaub Schal und Handschuhe mitgebracht habe (auch wenn ich sie draußen nicht brauchen sollte, könnten sie zum Kochen in der Küche doch ganz schön wertvoll werden *lach*).

Da ihr euch jetzt angesichts der Einleitung dieses Artikels bestimmt denken werdet: "Geschieht dir recht!", dann tut mir wenigstens den Gefallen und denkt mal kurz an mich, wenn ihr in eurer warmen, gut isolierten Wohnung sitzt!

17.01.2007 um 20:39 Uhr

Zurück in Sevilla

So, jetzt bin ich also schon seit neun Tagen wieder in Sevilla....und diese neun Tage waren wirklich superschön!

Gleich am ersten Tag nach meiner Rückkehr mussten Jörn, Olivia und ich unsere Hausarbeit zum Thema "Integration der Türkei in die Europäische Union" (immerhin 28 (!) Seiten lang - komplett auf Spanisch) vor der gesamten "Klasse" (wir sind ja nur ca. 30 Personen in einem Kurs) präsentieren. Insgesamt gesehen lief die halbstündige Präsentation ziemlich gut und hat vielleicht auch gerade deshalb großen Spaß gemacht. Für uns drei ERASMUSler war das Ganze aber auf jeden Fall eine echte Erfahrung, die ich im Nachhinein gesehen auf keinen Fall missen möchte.

Ansonsten habe ich mich sehr darüber gefreut die gesamten Freunde und Mitbewohner nach der Weihnachtspause mal wieder zu sehen. So haben wir z.B. gleich wenige Tage nach meiner Rückkehr einen "Doppelkopf"-Abend veranstaltet, zu dem es natürlich stilecht zum Knabbern nur "Pipas Gigantes" und "Oreo"-Kekse gab. "Pipas Gigantes" sind überdimensional große Sonnenblumenkerne, die man mit dem Mund aufknacken und möglichst lässig mit der Zunge den eigentlich Kern rausziehen muss, danach spuckt man dann mindestens genauso lässig die Schalen auf die Straße. Ist echt ein ziemlicher Spaß die Dinger zu essen und ich kann voller Stolz +lach+ behaupten, dass meine Technik nach ca. vier Monaten in Spanien doch mittlerweile recht ausgereift ist. "Oreo"-Kekse sind, wie viele von euch bestimmt wissen, die weltweit meistverkauften Kekse. Eigentlich kommen die zwar aus den USA, sind aber hier in Spanien auch tierisch populär. So gibt es hier beispielsweise eine Variante, die ist so dick mit Schokolade überzogen, dass man nach zehn Keksen von der Sorte garantiert wegen einem Kalorien-Schock tot umfällt (wer dagegen wetten will, melde sich bitte bei mir *grins*).

Abgesehen vom Kartenspielen hat jetzt die Lernphase begonnen. Dementsprechend habe ich mich in den letzten Tagen durch eine 200seitige Makroökonomie-IV-Mitschrift von einer Spanierin gekämpft, die das Fach im letzten Jahr gehört hatte. Dabei stellt die Sprache, zum Glück, mittlerweile kein besonders großes Problem mehr dar. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob das Spanisch auch schon zum ausführlichen Beantworten von Prüfungsfragen unter Zeitdruck reicht. Naja, schaun wir mal! ;-)

Abgesehen von Makro, lerne ich ansonsten noch für das Fach "Economía Mundial" (zu deutsch: Weltwirtschaft), dass meiner Meinung nach deutlich interessanter ist. Diese Woche habe ich zusätzlich wieder Spanisch-Intensivkurs (jeden Tag vier Stunden Unterricht), der echt großen Spaß macht! So mussten wir gestern beispielsweise in Zweiergruppen eine Umfrage durchführen, was dazu geführt hat, dass man sich mit jeder Menge unterschiedlicher Leute länger unterhalten hat. So haben wir beispielsweise ein Ehepaar aus Argentinien kennengelernt, die von der dortigen Wirtschaftskrise erzählen, direkt danach berichtete uns ein älteres Ehepaar, wie ihr Leben unter dem spanischen Diktator Franco war. Die Umfrage hat von daher einerseits einen Riesenspaß gemacht, andererseits auch ne Menge für die eigene Sprache gebracht.

Okay, das wars erstmal für heute....auf mich wartet jetzt die gute Fertig-Tortilla als Abendessen.

04.12.2006 um 12:59 Uhr

Das tägliche Verkehrs-Chaos

Jetzt werde ich noch einen kleinen Artikel dem widmen, was sich jeden Tag auf den Straßen in Sevilla abspielt. Denn das ist häufig ein Phänomen für sich!

Generell gelten in Spanien häufig zumindest "inoffiziell" etwas andere Verkehrsregeln.

Stichwort: "Zebrastreifen"

Das ist noch das harmloseste Thema. Es ist hier völlig normal, dass man seinen Wagen auch mitten auf einem Zebrastreifen parken kann, da regt sich auch so wirklich keiner drüber auf.

Stichwort: Kreisel

Kreisel sind eine tolle Erfindung und hier in Spanien auch ungeheuer populär! Ihr glaubt gar nicht was für einen Spaß es macht, mit einem Mietwagen durch einen fünfspurigen (!) Kreisel zu fahren ;-)

Stichwort: "Rote Ampel"

In Deutschland ist es ziemlich eindeutig: Wenn eine Ampel rot ist, dann bleiben alle Autos stehen. In Spanien gelten jedoch in den Köpfen vieler rote Ampeln erst nach einigen Sekunden als rot. Das führt dazu, dass, wenn sich schon die gesamten wartenden Fußgänger in Bewegung gesetzt haben, weil ihre Ampel auf grün umgesprungen ist, kommt manchmal noch ein Wagen mit einem Mordstempo und quietschenden Reifen angeschossen, um die Ampel doch gerade noch zu kriegen. Ihr glaubt gar nicht, wie schnell Fußgänger einen Meter zurückspringen können. Bisher haben es aber, zum Glück, immer noch alle Fußgänger geschafft (zumindest die, die ich gesehen habe).

Stichwort: "Halten in zweiter Reihe oder die Sache mit dem Warnblinker"

Wohl mein Lieblingsthema! Hier in Sevilla gibt es einen Innenstadtring, wie in den meisten deutschen Städten eben auch. Der hat an den meisten Stellen drei Spuren in jede Richtung. Jedoch sind von diesen drei Spuren immer maximal zwei benutzbar, da die äußerste eigentlich immer von Fahrzeugen mit Warnblinker blockiert wird. An "guten Tagen" wird das ganze sogar noch gesteigert, denn dann stellt sich noch jemand mit Warnblinker neben den anderen mit Warnblinker, so dass im Endeffekt nur noch eine Spur benutzbar ist. .....und das CHAOS IST PERFEKT! Mach das mal in Deutschland!!! *lach*

Aber das Härteste, was ich hier im Zusammenhang mit Warnblinkern bisher gesehen habe, war eine Szene aus meinen ersten Tagen in Sevilla:

In Sevilla gibt es in der Altstadt sehr viele kleine Gässchen, die so schmal sind, dass ein Auto so gerade mal durchpasst. Logischerweise wurden diese Strassen dann auch zu Einbahnstraßen erklärt. Jedoch haben einige hartgesottene Spanier die Angewohnheit sich auch in solchen Gassen "mal kurz" mit Warnblinker hinzustellen, so dass die Straße komplett blockiert ist. Eines Tages als ich gerade auf dem Weg zum Einkaufen war, sah ich dann also dort einen Krankenwagen mit Blaulicht hinter einem solchen Wagen stehen. Hinter dem Krankenwagen hatte sich schon eine Schlange von 10-15 Autos gebildet, so dass dieser auch nicht mal kurz zurücksetzen konnte. Der Krankenwagen war also "gefangen". Als ich nach ca. 10 Minuten vom Einkaufen wiederkam, stand dieser Krankenwagen im Einsatz ungelogen immer noch an genau derselben Stelle, weil der Fahrer des Warnblinker-Wagens irgendwie immer noch nicht wiedergekommen war. Da kann man echt nur hoffen, dass der Krankenwagen erst auf dem Weg zu einem Einsatz war und die verletzte Person noch nicht eingeladen hatte.

Aber zum Abschluss doch noch etwas Positives:

Ich habe letztens im Bus auf den kleinen Fernsehern einen Spot zur Kampagne "contra la doble fila" - also gegen das Halten in zweiter Reihe gefunden! Anscheinend hat doch irgendwer verstanden, dass das ein Problem ist und mehr Schaden anrichtet, als es Nutzen bringt!

 

 

04.12.2006 um 12:24 Uhr

Besuch aus Lausanne

So jetzt komme ich endlich mal wieder dazu, Blog zu schreiben:

Vom Samstag, den 25.11., bis zum Freitag, den 01.12., hat mich meine Freundin Marie (die gerade mit Erasmus in Lausanne ist) in Sevilla besucht. War eine superschöne Woche für uns beide! Als es am Samstag, dem Tag ihrer Ankunft, den ganzen Tag wie aus Eimern geregnet hat, hatte ich mir schon ernsthafte Gedanken gemacht, was das wohl in der nächsten Woche werden sollte. Immerhin hatte ich ihr immer erzählt, was für tolles Wetter wir doch hier in Sevilla haben. Zum Glück hatten wir dann am Sonntag auch schon wieder strahlende Sonne und knapp 20 C. So konnte ich ihr dann doch die wunderschöne Altstadt bei strahlender Sonne zeigen und die einen oder anderen Tapas mussten natürlich auch schon dran glauben ;-)

Am Montag haben wir dann unsere Sevilla-Sightseeing-Tour fortgesetzt und waren auch noch ein bisserl shoppen. Am Montag Abend gings dann gemeinsam in meine Lieblings-Tapas-Bar, das "Coloniales", und spätestens ab da, war auch Marie von der Tapa-Kultur begeistert. Von Dienstag bis Freitag hatten wir uns einen Mietwagen genommen, um ein bißchen Andalusien erkunden zu können. Zunächst gings nach Granada, das ich schon mit Kris besucht hatte, und wir haben natürlich auch die weltberühmte "Alhambra" besichtigt. Nach einer Übernachtung in Granada sind wir dann am nächsten Mittag in die Alpujarras gefahren. Die Alpujarras sind kleine Bergorte, die recht weit abgelegen mitten in der Sierra Nevada auf ca. 1000 Metern Höhe liegen. Motto des ganzen Ausflugs dorthin war "Der Weg ist das Ziel", da die Ausblicke in die Täler der Sierra Nevada teilweise echt spektakulär waren. In einem kleinen Bergort kauften wir dann einen Beutel frische Orangen "quasi" direkt vom Baum. Von den Orangen werden meine WG und ich wohl noch bis Weihnachten haben (Der "Beutel" wog so zwischen 7 und 8 Kilo ;-)).  Nach dem Ausflug in die Alpujarras gings nach einem kurzen Abstecher ans Mittelmeer wieder zurück nach Sevilla.

Am Donnerstag Morgen haben wir uns gegen einen Strand-Tag entschieden, da mittlerweile das Wetter auch hier in Sevilla ein bißchen zu kühl für Strand sein könnte, und haben uns stattdessen noch einen schönen Tag hier in Sevilla gemacht. Am Freitag Morgen gings dann für Marie wieder zurück nach Lausanne.

Ihr seht, es war wirklich eine wunderschöne Woche, die für uns beide echt ein bißchen was von Urlaub hatte!

 

 

 

21.11.2006 um 14:41 Uhr

WG-News

So heute nur mal ganz schnell die aktuellsten WG-Entwicklungen:

Da sowohl Kennedy als auch Christoph und Anastasia in den letzten zwei Wochen aus der WG ausgezogen sind, hat sich die WG-Besetzung nochmal ordentlich geändert:

In der WG wohnen jetzt:

Filli (eine Italienerin), Mathilde (aus Madrid) und Estefania (aus Bilbao) und Theresa und ich (beide aus Göttingen ;-)). Ihr seht also, ich bin der einzige Mann in der WG!

Auch die "Neuen" in der WG sind supernett und Theresa und ich werden bald mal einen Glühwein-Abend veranstalten, da sich insbesondere Estefania kaum vorstellen kann, dass heisser Wein gut schmecken kann. Für mich als bekennenden Glühwein-Fan ist das natürlich eine Herausforderung!

 PS: Mathilde, die "neue" Spanierin hat sich in den letzten Tagen mal hinter das Thema Internet geklemmt und es gibt jetzt berechtigte Hoffnung, dass wir zum 01. Dezember (also zwei Monate nach Vertragsschluss) Internet kriegen werden! Wäre echt ne super Sache und würde vieles erleichtern! Skype ich komme ;-) !!!

20.11.2006 um 19:12 Uhr

Uni, Uni, Uni.....

In den letzten Tagen habe ich viel Zeit auf der Dachterasse verbracht und für die Uni bzw. spanische Vokabeln gelernt. Ausserdem geht es so langsam mit unserer Hausarbeit voran (Thema "Integration der Türkei in die EU"). Da ich die Arbeit ja mit einem Deutschen und einer Schweizerin (aus der französischen Schweiz) zusammen schreibe, laufen sämtliche Diskussionen immer auf Spanisch ab. Das trainiert ganz ordentlich!

Ansonsten laufen die Vorlesungen recht gut! Ich mache in diesem Semester zwei Scheine (plus diverse Sprachkurse):

 1. "Economía Mundial" beschäftigt sich mit der gesamten Weltwirtschaftsordnung und ist wirklich sehr interessant! Man erfährt beispielsweise viel über die unterschiedlichen GATT-Abkommen, die diversen Weltwirtschaftsorganisationen (WTO, IWF usw.). Häufig arten die Vorlesungen in Diskussionen aus, da es unter den Studenten einerseits sehr idealistische Typen (z.T. etwas realitätsfremd) und andererseits sehr wirtschaftlich denkende Typen (mit äusserst wenig Idealismus) gibt. Zwar sind diese Diskussionen dann sehr schwierig zu verstehen, aber wir Erasmus-Studenten tun unser Bestes, um auch daran teilzunehmen. Ansonsten gibt sich der Professor grosse Mühe auch uns "Ausländer" miteinzubeziehen, so wählt er schon mal gerne Deutschland als Beispiel für eine besonders schlechte demographische Entwicklung, um am Ende dann doch zuzugeben, dass es bei Spanien auch nicht wirklich besser aussieht. Insgesamt macht der Schein also wirklich Spass!

2. "Macroeconomía IV" ist wahrscheinlich ein Schein unter dem sich nur die Wirtschaftler unter euch konkret etwas vorstellen können. Genau geht es in diesem Schein, um das liebe Geld. Wozu gibt es überhaupt Geld, welche Formen der Geldnachfrage gibt es, welche verschiedenen Geldpolitiken kann eine Zentralbank verfolgen und welche verfolgen die "Banco de España" und die Europäische Zentralbank. Der Schein ist auch recht interessant, allerdings weitaus theoretischer als "Economía Mundial". Ausserdem läuft die Vorlesung hier als klassischer Frontalunterricht mit Tafel ab, so dass man sich häufig an alte Schulzeiten erinnert fühlt (Economía Mundial ist dagegen eine reine Powerpoint-Vorlesung).

Generell unterscheiden sich Vorlesungen in Spanien aber schon aufgrund der Gruppengrösse von denen in Deutschland! Hier habe ich keinen Kurs indem mehr als 40 Studenten sitzen, während es in Deutschland ja gerne mal einige hundert sind. Mit dem Verständnis klappt es mittlerweile recht gut, auch wenn beide Profs schon einen krassen andalusischen Akzent haben. Andalusischer Akzent heisst insbesondere, dass man von einem Andalusier nur in den seltensten Fällen ein ausgesprochenes "s" hört. Da wird das durch Arnie Schwarzenegger so bekannt gewordene "hasta la vista" schon mal zu einem "hattalavitta". Das macht es nicht gerade einfach, die Wörter später im Wörterbuch wiederzufinden. Ausserdem reden die Andalusier doch im Regelfall sehr schnell (während sie alles andere eher langsam tun ;-))!

Zusätzlich nehme ich noch zweimal pro Woche an einem Erasmus-Spanisch-Kurs teil. Da dieser nicht so besonders effektiv ist, habe ich mir noch eine private Sprachschule gesucht, bei der ich wochenweise einen Kurs dazubuchen kann. Dieser umfasst dann 20 Stunden (!) pro Woche und bringt einfach deutlich mehr als der Erasmus-Sprachkurs. Nochmals herzlichen Dank an die "Sponsoren", die mir diesen Kurs ermöglichen ;-)

Ihr seht also, auch hier in Sevilla, muss man durchaus arbeiten (auch wenn es in der Sonne auf der Dachterasse schon mehr Spass macht, als in der Wohnung bei Regenwetter ;-))

17.11.2006 um 12:22 Uhr

Besuch aus Göttingen & ein kleiner Roadtrip

Heute möchte ich mal etwas ausführlicher, über die letzte Woche berichten:

Eben gerade habe ich Kris zum Bus gebracht, der ihn dann wieder zum Flughafen bringen wird. Kris (ein Kommilitone aus Gö, den ich schon während meiner O-Phase kennengelernt habe) war am letzten Freitag nach Sevilla gekommen, um sich mal ein bisschen Südspanien und das Erasmusleben an sich anzugucken. Dementsprechend sind wir dann gleich am Freitag Abend erstmal in eine der besten Tapas-Bars der Stadt gegangen und sind danach zur Botellón auf den Plaza de Alfalfa gegangen. Dort sind am Wochenende immer 500 - 1000 Leute auf der Strasse und quatschen bei einem Bier oder nem "Tinto Verano" (Rotwein mit Zitronen-Limonade). Am Samstag und Sonntag haben wir dann mit Sightsseeing angefangen, was bei 24 Grad und strahlender Sonne richtig Spass macht. Nachdem wir dann die ersten Sehenswürdigkeiten abgeklappert hatten (immer mal unterbrochen von nem landestypischen "Café con Leche"- ein sehr starker Milchkaffee, der selten mehr als nen Euro kostet), haben wir dann unseren kleinen Drei-Tagesausflug mit dem Mietwagen geplant.

Manfred (auch liebevoll "Manni" genannt - fragt mich nicht, wie wir auf den Namen gekommen sind) war ein Ford Fiesta, der uns während der gesamten Reise gute Dienste geleistet hat. Zunächst ging es nach Córdoba, wo gerade Steffi (eine Freundin aus Göttingen) ihr Erasmus-Jahr macht. Sie hat uns dann auch die gesamte Stadt gezeigt, die "mal wieder" ;-) zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Insbesondere die Mezquita hat mich unglaublich beeindruckt. Die Mezquita war eigentlich eine Moschee, die der Kalif Abd al-Rahman im Jahr 785 in Bau gegeben hat (damals war ganz Südspanien von den Mauren besetzt und Córdoba war Hauptstadt des Maurenreiches auf der iberischen Halbinsel). Als die Christen aber im Jahr 1236 Córdoba wieder eingenommen hatten, bauten sie die Moschee einfach zu einer Kirche um. Deshalb findet man in der Mezquita nun islamische Mosaike direkt neben dem Jesus-Kreuz. Ist wirklich super beeindruckend!

Nach Córdoba sind wir dann weiter nach Úbeda (einem kleinen 35000-Einwohner-Örtchen - auch Weltkulturerbe) gefahren und haben dort in nem Hostel übernachtet. Das was wir dort aber am meisten genossen haben, war der frische Serrano-Schinken. Ausserdem kriegt man zu jedem Bier, dass man bestellt automatisch eine Tapa dazu. Sehr praktisch, so hatten wir am Ende 4-5 Bier getrunken, waren pappsatt und das ganze für gerade mal 8 Euro pro Person.

 Am nächsten Morgen gings dann sehr früh mit Sightseeing in Úbeda los, um dann gegen 11 nach Granada loszufahren. Granada ist die Stadt, die am längsten von den Muslimen gehalten werden konnte. Erst 1492 konnte sie von den Christen eingenommen werden. Deshalb hat Granada auch heute noch eng verwinkelte islamische Viertel, wo man Shisha rauchen und Tee trinken kann. Vor allem steht in Granada aber auch die weltberühmte Alhambra, die einfach unglaublich beeindruckend ist. Die Alhambra ist eine Mischung aus Palast und Festung, die ähnlich wie in Córdoba, zunächst von den Mauren erbaut wurde, später aber von den christlichen Königen massiv umgebaut wurde. Die ganze Anlage wird von riesigen Gartenanlagen umgeben, durch die man stundlang laufen kann. Insgesamt waren Kris und ich gut vier Stunden lang in der Alhambra und der Audio-Guide, den wir uns zum Glück geleistet hatten, hat sich wirklich gelohnt.

Am Mittwoch sind wir dann auf die Idee gekommen, einen Schneeball in der Sierra Nevada werfen zu wollen, die die Granada majestätisch überragt. Das hat leider nicht  ganz geklappt, da bei 2100 Metern die Strasse in einem Ski-Ort endet und der Lift in den Schnee war leider noch nicht in Betrieb. Trotzdem waren die Ausblicke über Andalusien einfach wunderschön! Danach sind wir noch für einige Stunden nach Malaga ans Mittelmeer gefahren, das mich persönlich aber nicht ganz so umgehauen hat. Liegt vielleicht daran, dass es kein Weltkulturerbe ist ;-) Gegen elf am Mittwoch Abend sind wir dann wieder in Sevilla angekommen. Gestern Abend waren Kris und ich dann noch in einer Flamenco-Bar, damit er auch dieses typisch andalusische Highlight mal gesehen hat.

Insgesamt war es eine superschöne Woche und ich hoffe, dass Kris einen guten Eindruck von Andalusien gekriegt hat. Wer jetzt den Eindruck gekriegt hat, dass ich hier ja gar nicht studiere, den kann ich beruhigen: An diesem Wochenende werde ich mich in die Unisachen stürzen und gemeinsam mit Jörn (aus Münster) und Olivia (aus Genf) die Hausarbeit zum Thema "Integration der Türkei in die EU" beginnen.

07.11.2006 um 15:22 Uhr

Wochenende in Lissabon

So, hier kommt also der bereits angekündigte Bericht über das Wochenende in Lissabon:

Am Freitag Morgen um 7.00 Uhr (für spanische Verhältnisse gnadenlos früh) trafen Matthias und ich uns mit ca. 50 weiteren Erasmus-Studenten um an der organisierten Fahrt nach Lissabon teilzunehmen. Von den 50 Studenten waren so ca. 15 Italiener, 10 Franzosen und ca. 10 Deutsche. Die Restlichen kamen zum Teil aus den exotischsten Ländern, wie z.B. Island. Nach ca. 4 Stunden Fahrt erreichten wir unser erstes Ziel: Évora , das knapp hinter der portugiesischen Grenze liegt. Die ganze Stadt wurde vor einigen Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt, da dort gut erhaltene Gebäude aus den verschiedensten Epochen direkt nebeneinander stehen. Sieht wirklich beeindruckend aus, wenn dort ein fast 2000 Jahre alter Römertempel direkt neben einer romanischen Kathedrale steht. Nach ca. drei Stunden Aufenthalt gings dann weiter nach Lissabon (nochmal ca. 2 Stunden Fahrt).

Lissabon ist mit ca. 2.5 Millionen Einwohnern die grösste Stadt Portugals und dort wohnen ca. 25 % der gesamten Bevölkerung (kleiner Dreisatz: Portugal hat also ca. 10 Millionen Einwohner ;-)). Beeindruckend war gleich die Ankunft in Lissabon, denn dabei überquert man den Tejo über die "Puente de Vasco da Gama". Das ist eine rote Brücke, die einem schon beim ersten Anblick irgendwie bekannt vorkommt. Es handelt sich dabei nämlich um einen exakten Nachbau der Golden Gate Bridge in San Francisco. Am ersten Abend haben wir dann erstmal noch ein bisschen die Stadt erkundet und sind danach durch die diversen Barviertel gezogen. Dabei habe ich einmal den Fehler gemacht, mir in ner Kneipe nen Weisswein zu bestellen.......an sich ne gute Idee.......allerdings bin ich schon beim Preis von 70 Cent etwas stutzig geworden......der Geschmack war wirklich dementsprechend! Portugal hat mit Sicherheit gute Weine, aber der war's mit Sicherheit nicht!

Naja gut, mit leichten Kopfschmerzen gings dann am nächsten Morgen um 9.00 Uhr auf zur Stadtführung. War wirklich super interessant und wir haben zwei weitere Orte des Weltkulturerbes kennengelernt. Das wirkliche Highlight der Reise (zumindest für mich) kam dann aber am Nachmittag: Das zur Expo 98 erbaute Ozeanarium (war bis vor kurzem das grösste Aquarium Europas)! Wie die meisten von euch wahrscheinlich wissen, habe ich was die Unterwasserwelt angeht durchs Tauchen nen leichten Schaden ;-) Das Ozeanarium war jedenfalls der Wahnsinn!!! Es gibt dort eine ca. 20 Meter hohe Wassersäule, mit einem ungeheuren Volumen, in der insgesamt 6 Haiarten, 6 Rochenarten (inkl. einem 4-5 Meter breiten Manta-Rochen) und diverse Muränenarten leben. Einfach der Hammer!Selbst Leute die nicht tauchgeschädigt sind, waren restlos begeistert und der Eintritt war mit knapp 9 Euro wirklich gut verkraftbar.

Am Samstag Abend hat sich dann die gesamte Erasmus-Gruppe ins Nachtleben gestürzt und ist in diverse Diskotheken direkt am Fuss der "Golden Gate Bridge" gegangen. Dementsprechend war es dann auf der Fahrt nach Sintra am nächsten Morgen, unserem letzten Ziel vor der Rückkehr nach Sevilla, recht ruhig im Bus. Sintra (wieder mal Unesco-Weltkulturerbe) ist ein kleiner Ort, in dem diverse Generationen von Königen ihre Sommerresidenz hatten. Einer von diesen Königen war mit Ludwig II. von Bayern verwandt und hatte definitiv auch dessen Verrücktheit! Er hat nämlich das portugiesische Pendant zu Neuschwanstein gebaut. Totaler Kitsch! Sieht wirklich aus, als würde das Schloss eigentlich zu Legoland gehören.

Gegen elf am Sonntagabend sind wir schliesslich wieder in Sevilla eingetroffen. Insgesamt war es ein supercooler Ausflug, bei dem man sich manchmal wie bei ner Mischung aus Klassenfahrt und Kaffeefahrt vorkam (geführte Bustour eben). Hat sich aber echt gelohnt! Überraschend war für mich ansonsten, das man in ganz Portugal problemlos mit Spanisch zurecht kommt. Jeder Portugiese versteht auch Spanisch!

02.11.2006 um 17:15 Uhr

Kurzer Lagebericht

Wie die meisten von euch ja wissen, bin ich seit dem 19.09.2006  bis ca. Anfang / Mitte Februar mit dem Erasmus-Programm der EU in Sevilla. Da wir leider immer noch kein Internet in der Wohnung haben (Internet ist in Spanien zwar auch sehr populär, aber längst nicht so verbreitet wie in Deutschland), habe ich während der ersten Zeit kein Blog geschrieben. Da es aber in der Uni viele gute Computerräume gibt, schreibe ich jetzt also von dort aus.

Da es aber auch aus dem ersten Monat einiges zu erzählen gibt, werde ich immer mal nen kleinen Bericht von Sachen einstreuen, die wir in den letzten Wochen unternommen haben.

Jetzt aber erstmal ein kurzer Lagebericht:

Mittlerweile kann ich echt sagen, dass ich mich hier gut eingelebt habe. Ich wohne jetzt seit ca. einem Monat in einer 6er-WG die mit dem Rad ca. 10 - 15 Minuten vom wunderschönen Stadtzentrum entfernt liegt.

Momentan wohnen Kennedy (eine Amerikanerin), Anastasia (eine Russin, die aber seit vielen Jahren in Deutschland lebt), ihr Ehemann Christoph (bleibt noch den gesamten November zu Besuch), Estefania (eine Spanierin aus Bilbao) und Theresa (aus Göttingen) mit mir zusammen in der WG. Da aber jeder von uns auch immer Mal Besuch kriegt, variiert die Besetzung der WG fast ständig!

Das Highlight in unserer WG ist ganz klar die Dachterasse. Da die Temperaturen hier immer noch super angenehm sind (fallen auch nachts kaum unter 15 ºC), sitzen wir, wenn das Wetter gut ist, fast jeden Abend mit nem Wein oder nem Bierchen auf der Dachterasse.

 Damit kommen wir schon zum nächsten Thema:

 Das Wetter. Bisher hatten wir ziemlich viel Glück mit dem Wetter, denn es ist hier, selbst für sevillanische Verhältnisse, noch ziemlich warm d.h. ich trage eigentlich jeden Tag nur T-Shirt und kurze Hose. Allerdings mussten wir auch schon lernen, dass es sich in Sevilla auch ganz schön einregnen kann. Und vor allem: Wenn es regnet, dann aber auch richtig! Da die Kanalisation hier aber nicht so gut ausgebaut ist wie in Deutschland, stehen dann schon mal gerne die gesamten Strassen unter Wasser! Ist recht lustig anzugucken, nur doof, wenn man gerade um die Zeit in die Uni oder zum Sprachkurs muss. Naja, vier Stunden lang klitschnass im Sprachkurs zu sitzen ist auch ne Erfahrung ;-)

 Woran man sich als "normaler" Deutscher aber mit Sicherheit erstmal gewöhnen muss, sind die Langsamkeit und die Lässigkeit der Leute! Eng damit verbunden ist das Thema der Siesta! Nach nem guten Monat hier in Andalusien, ist mir mittlerweile ins Blut übergegangen, dass man hier eben nicht einfach mal um drei Uhr nachmittags einkaufen gehen kann! Da ist einfach jeder Laden zu! Nur in absoluten Touri-Ecken (die auch dementsprechend teuer sind) hat man vielleicht das Glück Lebensmittel kaufen zu können. Ansonsten gilt: Zwischen 14.30 Uhr und 17.30 Uhr geht man eben nicht einkaufen.

Richtig klasse, ist aber die Tapa-Kultur, für die Sevilla auch ziemlich berühmt ist. Dabei ist "Tapa" einfach eine Grösseneinheit beim Essen. Normalerweise gibt es in Restaurants jedes Essen in den Grössen "ganze Portion" (ein echter Riesenteller) , "halbe Portion" und "Tapa". Tapas kosten im Regelfall so zwischen 1.50 Euro und 2.50 Euro und man kriegt sie von jeder nur erdenklichen Speise. Tapas sind insbesondere gut, wenn man sich nicht für eine Sache auf der Speisekarte entscheiden kann. Dann nimmt man eben einfach zwei bis drei verschiedene Tapas und ist am Ende auch satt und hat nicht mehr als 6 bis 7 Euros bezahlt.

Okay, das solls erstmal für heute gewesen sein. Morgen früh gehts für Matthias (einen Kumpel aus Tübingen) und mich mit ca. 50 weiteren Erasmus-Studenten übers Wochenende nach Lissabon. Bin schon gespannt. Einen Bericht findet ihr dann ab Montag oder Dienstag auf dieser Seite!

 

02.11.2006 um 17:05 Uhr

Intro

So, jetzt habe also auch ich endlich ein eigenes Online-Tagebuch (kurz: "ein Blog"). Auch wenn ich sicherlich nicht jeden Tag genug Zeit/Lust haben werde, um einen Eintrag zu machen. Trotzdem will ich versuchen alle Freunde / Familie ein bisschen an meinem Auslandssemester teilnehmen zu lassen.

Natürlich freue ich mich aber auch weiterhin über Mails von euch und antworte gerne drauf. Momentan ist das allerdings alles noch ein bisserl schwierig, da wir leider in unserer WG immer noch kein Internet haben (und wohl auch erst frühestens in zwei Wochen kriegen werden). Ich werde aber trotzdem versuchen euch über diese Seite auf dem Laufenden zu halten. Also, viel Spass beim Lesen