Viva Sevilla

19.01.2007 um 18:44 Uhr

Angst vor der Kälte

Zum Beginn gibts heute mal ne rhetorische Frage, für die ihr mich bestimmt alle hassen werdet:

 "Hat von euch schon mal jemand am 19. Januar mit freiem Oberkörper auf der Dachterasse für die anstehenden Klausuren gelernt?"

Hier in Sevilla geht das nämlich ohne weiteres. Lernkleidung bestand also heute aus kurzer Hose und Flipflops! Warum auch nicht bei 22 °C und strahlender Sonne ;-) 


Als praktisch alle Sevillaner im Oktober nach zehn sehr regnerischen Tagen zu mir meinten , dass es normalerweise im ganzen Winter höchstens so viel regnet, habe ich das noch für nen dahergesagten Spruch gehalten. Mittlerweile ist mir aber klar geworden, dass sie zumindest nicht so ganz Unrecht hatten: Wenn ich mich richtig erinnere hat's hier nämlich mindestens seit Anfang Dezember nicht mehr geregnet (auch als ich in den Weihnachtsferien in Deutschland war, soll hier nur die Sonne geschienen haben).

Jedoch...

...wurde jetzt für die nächsten Tage ein deutlicher Temperatursturz angesagt, so dass nachts die Temperaturen  am Donnerstag auf gerade einmal 2 °C fallen sollen. Das klingt vielleicht nicht so besonders dramatisch, allerdings muss man dabei bedenken, dass die Häuser hier wirklich grottenschlecht isoliert sind und man nur mit einer Art Heizlüfter sein Zimmer beheizt. Der restliche Teil der Wohnung bleibt dann einfach unbeheizt! So hatten wir schon im Dezember (wo die Temperaturen nachts nur auf 7 °C gefallen sind) zum Beispiel in der Küche nur ca. 10°C. Von daher kann ich glaube ich echt froh sein, dass ich aus dem Weihnachtsurlaub Schal und Handschuhe mitgebracht habe (auch wenn ich sie draußen nicht brauchen sollte, könnten sie zum Kochen in der Küche doch ganz schön wertvoll werden *lach*).

Da ihr euch jetzt angesichts der Einleitung dieses Artikels bestimmt denken werdet: "Geschieht dir recht!", dann tut mir wenigstens den Gefallen und denkt mal kurz an mich, wenn ihr in eurer warmen, gut isolierten Wohnung sitzt!

17.01.2007 um 20:39 Uhr

Zurück in Sevilla

So, jetzt bin ich also schon seit neun Tagen wieder in Sevilla....und diese neun Tage waren wirklich superschön!

Gleich am ersten Tag nach meiner Rückkehr mussten Jörn, Olivia und ich unsere Hausarbeit zum Thema "Integration der Türkei in die Europäische Union" (immerhin 28 (!) Seiten lang - komplett auf Spanisch) vor der gesamten "Klasse" (wir sind ja nur ca. 30 Personen in einem Kurs) präsentieren. Insgesamt gesehen lief die halbstündige Präsentation ziemlich gut und hat vielleicht auch gerade deshalb großen Spaß gemacht. Für uns drei ERASMUSler war das Ganze aber auf jeden Fall eine echte Erfahrung, die ich im Nachhinein gesehen auf keinen Fall missen möchte.

Ansonsten habe ich mich sehr darüber gefreut die gesamten Freunde und Mitbewohner nach der Weihnachtspause mal wieder zu sehen. So haben wir z.B. gleich wenige Tage nach meiner Rückkehr einen "Doppelkopf"-Abend veranstaltet, zu dem es natürlich stilecht zum Knabbern nur "Pipas Gigantes" und "Oreo"-Kekse gab. "Pipas Gigantes" sind überdimensional große Sonnenblumenkerne, die man mit dem Mund aufknacken und möglichst lässig mit der Zunge den eigentlich Kern rausziehen muss, danach spuckt man dann mindestens genauso lässig die Schalen auf die Straße. Ist echt ein ziemlicher Spaß die Dinger zu essen und ich kann voller Stolz +lach+ behaupten, dass meine Technik nach ca. vier Monaten in Spanien doch mittlerweile recht ausgereift ist. "Oreo"-Kekse sind, wie viele von euch bestimmt wissen, die weltweit meistverkauften Kekse. Eigentlich kommen die zwar aus den USA, sind aber hier in Spanien auch tierisch populär. So gibt es hier beispielsweise eine Variante, die ist so dick mit Schokolade überzogen, dass man nach zehn Keksen von der Sorte garantiert wegen einem Kalorien-Schock tot umfällt (wer dagegen wetten will, melde sich bitte bei mir *grins*).

Abgesehen vom Kartenspielen hat jetzt die Lernphase begonnen. Dementsprechend habe ich mich in den letzten Tagen durch eine 200seitige Makroökonomie-IV-Mitschrift von einer Spanierin gekämpft, die das Fach im letzten Jahr gehört hatte. Dabei stellt die Sprache, zum Glück, mittlerweile kein besonders großes Problem mehr dar. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob das Spanisch auch schon zum ausführlichen Beantworten von Prüfungsfragen unter Zeitdruck reicht. Naja, schaun wir mal! ;-)

Abgesehen von Makro, lerne ich ansonsten noch für das Fach "Economía Mundial" (zu deutsch: Weltwirtschaft), dass meiner Meinung nach deutlich interessanter ist. Diese Woche habe ich zusätzlich wieder Spanisch-Intensivkurs (jeden Tag vier Stunden Unterricht), der echt großen Spaß macht! So mussten wir gestern beispielsweise in Zweiergruppen eine Umfrage durchführen, was dazu geführt hat, dass man sich mit jeder Menge unterschiedlicher Leute länger unterhalten hat. So haben wir beispielsweise ein Ehepaar aus Argentinien kennengelernt, die von der dortigen Wirtschaftskrise erzählen, direkt danach berichtete uns ein älteres Ehepaar, wie ihr Leben unter dem spanischen Diktator Franco war. Die Umfrage hat von daher einerseits einen Riesenspaß gemacht, andererseits auch ne Menge für die eigene Sprache gebracht.

Okay, das wars erstmal für heute....auf mich wartet jetzt die gute Fertig-Tortilla als Abendessen.