Die Wahrheit (1. Teil)
Der Regen fällt, ich sitze hier,
schaue aus dem Fenster ja und schreibe...
Ich glaube ich bin ein Winter Typ... Mir gefällt es, wenn es trüb draußen
ist, diese ruhige melancholische Stimmung. Ich habe dann das Gefühl mir selbst
sehr nahe zu sein, mich spüren zu können.
Gerade höre ich die Sirenen, die wohl vor dem Unwetter warnen sollen... Das
erinnert mich an dich, dass du mal hier warst und sie auch losgingen. Warum es
mir einfällt?
Vielleicht, weil ich damals das Gefühl hatte dir nahe zu sein, eine Angst
von DIR kennen gelernt zu haben.
Wir haben telefoniert und uns verabredet, dann habe ich dich angerufen und
gesagt ich hätte doch keine Zeit. Ich habe gelogen, weil ich nicht weiß ob es
gut ist dich zu sehen...
Es ist komisch denn manchmal vermisse ich dich total und dann auch wieder
nicht. Ich weiß, dass ich dich liebe, aber es im Moment nicht der richtige
Zeitpunkt für uns ist. Du sagst es ja selber... Die Frage ist nur wie der
richtige Zeitpunkt aussieht, was ihn ausmacht.
Weißt du es?
Oder ist das alles nur eine Ausrede um es uns gegenseitig leichter zu
machen? Wenn wir uns lieben, dann brauchen wir die Zukunft nicht, wenn wir uns
nicht lieben ebenfalls nicht...
Oder kann man es einfach nicht erklären?!
Zeit, von uns erschaffen, 4 Jahre hatten wir sie...
Alles vergeht so schnell. Noch bin ich jung, noch kann ich machen was ich
will...aber irgendwann wacht man auf und man weiß, es ist zu spät. Ich habe
Angst, dass dies passiert. Klar man
sagt es gibt nie ein “ zu spät”, aber ist das wirklich so???
Ich habe ANGST.
Wo bist du. Wann wirst du diesen Brief lesen?
Am ersten Tag, an dem ich dich gesehen habe, war ich verliebt in dich. Wir
machten Ausflüge, wir saßen Nächte lang wach und redeten. Sarah war immer
dabei, sie schlief die meiste Zeit im Auto während wir die Sterne betrachteten.
Aber du warst verliebt in sie.
Ich höre gerade Musik, unsere Musik... lange ist es her das ich geweint
habe. Ich weine um dich, um mich, um uns.
Die Flasche Wein ist bald leer, du kennst mich, oder?
Ein Jahr später haben wir uns wieder gesehen und geküsst. Ich wusste damals
schon, dass du nie in der Art und Weise so “ verliebt” in mich sein würdest wie
in sie. Doch ich wollte trotzdem bei dir sein, deine Nähe spüren. Neben dir
aufwachen.
Morgens dein schlafendes Gesicht beobachten. Diesen schönen kleinen
Leberfleck über deinen Schmetterlingslippen. Im Schlaf warst du ein kleiner
Junge, voller Hoffnungen voller Liebe und auch so verletzlich.
Warum bist du so in mir? So tief in meinem Herzen. Mein Verstand hat mir
schon tausendmal gesagt: “Sieh ihn nie wieder.” Doch sobald ich nur deinen
Namen höre, bekomme ich Gänsehaut, habe das Bedürfnis dich zu sehen.
Du warst gestern bei mir, wir haben uns geliebt. Du mich und ich dich.
Ich habe dir nichts von diesem Brief erzählt, weil ich nicht weiß wann der
Moment dafür gekommen ist.
Ich habe dir nie vertraut, ich habe mir eingeredet, dass du mich nicht
liebst. Ich habe unsere Lieben miteinander aufgewogen und meine als die bessere
empfunden. Dabei darf so was nie passieren.
Meine Liebe war nicht besser oder intensiver als deine, sie war einfach
anderes. Aber deshalb nicht schlechter. Dies zu verstehen ist mir jetzt erst
möglich und das ist brutal schmerzend.
Ich kann mich an ein einziges mal erinnern, an dem du mir wörtlich gesagt
hast, dass du mich liebst. Es war an unserem ersten gemeinsamen Silvester. Ich
hatte zuviel getrunken und lag nach Mitternacht halb wach, halb ohnmächtig auf der Toilette. Ich war abwesend,
hörte aber deine Stimme, die verzweifelt schrie: “ Wach auf, wach auf, du
darfst jetzt nicht sterben, ich liebe dich doch.”
Baby, ich liebe dich auch.
Du weißt bis heute nicht, dass ich mich an den Abend erinnern konnte.
Man sagt, Zeit heilt die Wunden. In diesem Fall ist es leider nicht so.
Diese Wunde kann nicht geheilt werden, sie wird immer da sein, sie wird mal
mehr mal weniger bluten, aber nie verschwinden. Ich kann dich nicht aus meinem
Leben löschen, du hast mir dazu viel zu viel von dir gegeben. Ich kann keinen
Schuhkarton mit Bildern und
Erinnerungsgegenständen packen und ihn verbrennen. Wenn könnte ich nur ein
Stück von mir selbst töten. Ich muss nun lernen damit umzugehen. Genauso wie du
auch.
Ich glaube, dir wird es schwerer fallen, obwohl ich immer dachte, ich sei
die, nie wieder Lieben könnte, die daran zerbrechen würde, die nie wieder einen
Mann in ihr leben lassen könnte.
2 Photos in vier Jahren, das hat uns ausgemacht.
Danke für das wundervolle Buch. Ich muss lächeln, wenn ich daran denke. Wir
probierten ein Restaurant aus, von dem ich gehört hatte und im schwärmen war.
Es war total mies, und du machtest dich den ganzen Abend über mich lustig. Dann
gabst du mir das Geschenk.
Ich habe dir viel zu oft Unrecht getan.
Teil 2 am 9.01.05