... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

15.09.2012 um 17:13 Uhr

Wenn man die Augen zumacht ...

von: Wari

Er singt und singt ...

"Es waren große Stücke, jetzt bleibt nur Schutt und Staub ..."

Und es zerreißt mich, es schnürt mir die Kehle zu. Du mit deinem Lachen, mit deinem wohlwollenden Stillschweigen, mit deinem Hauch, der mich streichelt, wenn deine Hand die meine gesucht hat ... du, dem man in die Augen schaut und darin die Güte der gesamten Menschheit wiederfindet, die einem verlorengagengen schien ...

Ein letztes Mal noch deine Stimme auf dem Anrufbeantworter, bevor ich sie lösche, bevor ich alles lösche, was aus ich und du durch dich für einen Tag ein Uns gemacht hat und durch dich ebenso zerrissen wurde. Ich muss loslassen, kann nicht halten, was sich klitzeklein in den Raum geschoben hat ...

"Wenn man die Augen zumacht, klingt der Regen wie Applaus ..."

 

06.09.2012 um 11:57 Uhr

Rosarote Brillengläser

von: Wari

Mitten auf meiner Nase. Und wehe, es kommt einer, um sie mir abzunehmen! Sie gefällt mir, die rosarote Brille, von der jemand sagte, man brauche sie, um einander annehmen zu können und Fehler Macken zu übergehen, die man sonst nicht akzeptieren könnte.

Das Lachen jedenfalls ist ansteckend, die Vorfreude groß und nichts kann sie trüben, diese kleinen wunderbaren Momente am Morgen, wenn die erste Nachricht auf dem Display des Telefons erscheint und einen grandiosen Tag wünscht, wenn der Abend mit sinnfreiem Humor über gewälzten Horoskopen ausklingt und unser Schmunzeln in die Nacht herüberrettet und für entspannten Schlaf sorgt. Und das alles nur wegen einer einzigen kleinen Nachricht á la: "Sie haben Post."

 

05.08.2012 um 17:17 Uhr

Immer im Kreis herum.

von: Wari

Auch nach viereinhalb Jahren besteht bei mir das dringende Bedürfnis, der alten Schlampe mal richtig eine reinzuhauen. Einfach so.

 

07.02.2012 um 01:18 Uhr

Hochexplosiv!

von: Wari

Ich.

So hochexplosiv, dass ich gerade nicht schlafen kann und meinen Zündstoff mal kurz in Worte fassen muss, um mich abzuregen (ist ja leider keiner mehr wach, den man noch behelligen könnte!).

Als ich die Kinder letzte Woche freudestrahlend vom Hort abholen will, kommt mir der Große mit hängenden Schultern entgegen. Ich, frohgemut, versuche ihn aus der Ferne mit einigen Hampeleien zum Lachen zu bringen ... bis er, bei mir angekommen, schluchzend in meine Arme fällt und sich minutenlang gar nicht einbekommt. Aus meiner äußerst entzückenden Laune heraus säusel ich ihm ein "Es ist alles gut!" hin, woraufhin er, gerade ein wenig Fassung gewonnen, wieder in sich zusammensinkt, seinen Ranzen abwirft und mir unter tiefem Aufheulen hinlegt, dass gar nichts gut sei. Wütend, ängstlich, traurig zerrt er sein Hausaufgabenheft heraus, in dem ich einen Eintrag der Sportlehrerin vorfinde, dass er, trotz vorhandenem Sportzeug nicht am Unterricht teilgenommen hat. Jo, denk ich mir, das kennen wir ja, kann also alles nicht so schlimm sein :-) War es aber, zumindest für ihn. Denn im Gegensatz zu sonst, ist nicht seine Verweigerungshaltung schuld, sondern  .... tja, wenn wir das wüssten.

Fakten: Am Morgen nimmt er sein Sportzeug aus dem Auto und trabt damit zur Schule, stellt es in der Garderobe ab. Vor der Sportstunde will er es holen und es ist nicht da. (In welchen Tiefen der Regale es auch verschwunden sein möge.) Er also zur Lehrerin und beichtet ihr, dass er sein Sportzeug nicht dabei hat, woraufhin er natürlich (mal wieder) nicht am Unterricht teilnehmen kann. Am Ende der Stunde trabt die Sportlehrerin mit ihm nach oben und will die Klassenlehrerin sprechen, die aber gerade keine Zeit hat. Daraufhin gehen großes Kind und Lehrerin in die Garderobe und was liegt da im Regal ....

Im Beisein der anderen Schüler bezichtigt sie den Großen der Lügnerei und kündigt ihm einen Tadel an. Das macht natürlich binnen kürzester Zeit die Runde.

Und heute schleppt er mir den schriftlichen Tadel an, auf dem sowohl Klassenlehrerin als auch Sportlehrerin unterschrieben haben. Die Klassenlehrerin wollte eigentlich noch mit unserem Großen reden, aber da er letzte Woche krank war, ging das nicht, also gab´s heute eben ohne Gespräch mit ihm das Blatt. Ich soll nun unterschreiben. Und an dieser Stelle kommt meine Wut ins Spiel!

Dass ich unterschreibe, können sie knicken!

Ich bin so unendlich sauer. Auf die Sportlehrerin, weil sie sich etwas zusammenreimt, was sie nicht gesehen hat und auf die Klassenlehrerin, weil sie etwas unterschreibt, was sie nur von einer Seite kennt und ohne dem Großen die Chance gegeben zu haben, etwas dazu zu sagen.

Also trabe ich morgen in die Schule und lasse mir einen Termin geben, damit ich diese Sache klären kann. 

Hätte der Große nämlich den Sportunterricht absichtlich schwänzen wollen, wäre er nicht nochmal zurück zum Auto gekommen, um das Sportzeug zu holen. Er stellt sich zwar manchmal ziemlich dumm an, aber so doof ist er auch nicht. Hätte er mich einfach davon fahren lassen, wäre es tatsächlich so gewesen, dass er es nicht dabei gehabt hätte - so viel Dummheit, sich das Sportzeug in die Garderobe zu legen und dann zu sagen, er habe es nicht dabei, das würde nicht mal ich ihm unterstellen. Und ich kenne meinen Drückeberger! Außerdem hat ihm zu diesem Zeitpunkt der Sportunterricht gerade richtig Spaß gemacht.

Die zwei Lehrerinnen dürfen sich also auf eine nette Fragestunde gefasst machen und dass ich im Falle, sie lassen die Unterstellung, er habe die Lehrerin angelogen, auf diesem Wisch stehen und dann noch wagen, den Tadel ins Zeugnis einzutragen, auf weitere Schritte meinerseits gefasst machen!

War der letzte Satz grammatikalisch, physikalisch, analytisch und politisch korrekt? Is mir wurscht, ich bin eine hochexplosive Mischung!

*ROOOOOOOOAAAAAAAAAAAAAARRRRRR* (Gut gebrüllt Löwin!)

 

22.01.2012 um 15:17 Uhr

Retter in der Not.

von: Wari

Ja, die Stimmung war nicht gerade die beste, die ich beim Empfang meiner Freundinnen gestern Abend hatte und es half auch nichts, dass sie gemeinsam mit mir auf Herrn "Ich hab keine Geduld mit dir" schimpften. Ich bin also leicht lädiert in unsere Frauenrunde eingestiegen. Das tut mir leid, weil es ein herrlicher Abend werden sollte. Da aber bekanntlich die Zeit alle Wunden heilt, meinte die es besonders gut mit mir und half relativ schnell. Dies aber auch unserem abendfüllenden Programm geschuldet.

Im Lieblingsszeneviertel der Stadt angekommen, gaben wir uns Audrey Tautous neuestem Werk "Bezaubernde Lügen" hin, welches mich so erheiterte, dass die Hälfte des Saales sich wohl auch über meine permanenten Lacher köstlich amüsiert hat. Ob das meinen lieben Freundinnen peinlich war oder nicht, darauf konnte ich leider keine Rücksicht nehmen, denn wenn man gern und (normalerweise) viel lacht, dann muss raus, was raus muss. Ich saß also von den 90 Minuten Audrey mindestes zwei Drittel lang gackernd in meinem Kinostuhl und bog mich hin und her. Sehr erfreulich zumindest für mich. In zweierlei Hinsicht. An einigen Stellen gehörte ein bisschen das Vermögen dazu, vorauszudenken, um schon vor dem eigentlichen Gag lachen zu können. Ich gebe es zu, manchmal ist es ungewöhnlich, sich giggelnd auszuschütten, während der Rest des Saales (noch) ziemlich schweigsam in den Sesseln hockt ... aber gut, irgendeiner muss ja die Vorreiterposition übernehmen. :-)

Nun ja, Audrey hatte es also geschafft, mit ihren bezaubernden Lügen meine Stimmung so auf Hochglanz zu polieren, dass ich dem erst fast von mir abgewählten Tanzabend voller Zuversicht entgegen blickte, auch wenn ich der Müdigkeit geschuldet einige Probleme auf mich zu kommen sah. Alkohol tut dann sein Übriges, aber wenn die erste Fuhre Abgeschlagenheit erst mal erfolgreich hinutergespült ist und man beginnt, Beine, Arme und Hüften gekonnt im Takt der Mucke zu schwingen, dann geht´s nur noch vorwärts. Ich war also bereit, die Party zu schmeißen und schmiss. Feine Sache das! Und der positive Nebeneffekt: Männer! Ich hatte ja nun freie Wahl und konnte meine Blicke schweifen lassen. Und lecker Sahnetörtchen gab es zu sehen. Ins Auge sprangen mir natürlich dezent die älteren Herren der Schöpfung, gern auch schon ergraut auf dem Haupthaar. Fein, fein, fein. Also hier und da mal ein Blick riskiert und im rechten Moment geblinzelt, ein Lächeln erhascht und dann gesehen, dass die ihren Blicke auch hin und wieder zu mir wanderten. Hey, stolz geschwellte Brust, juchhey! Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich bin zwar nicht aus der Tanzübung, obwohl ich vor elf Jahren das letzte Mal offiziell in einer Disco war, aber das mit dem Flirten muss ich dann wohl doch mal wieder ein wenig üben.

Sehr nett auch jener Kandidat, der schon bevor wir die Lokalität eroberten, seinen Blick immer wieder zu uns schweifen ließ. Nun weiß man ja nie so genau, wen von drei jungen Damen sie ins Visir nehmen, wenn man geballt in einer Ladung Freundinnen zusammen sitzt, aber mit der Zeit ließ sich der eine oder andere Blick gezielt orten. Und wenn dann noch der potentielle "Ich blinzel dich an holde Maid"-Kandidat dem entspricht, was man sich unter einem potentiellen "Schieb mir doch mal deine Telefonnummer rüber. JETZT!"-Kandidaten vorstellt, dann ... ja dann kommt man hach schwuppdiwupp in Flirtlaune.

Seine Telefonnummer hab ich leider trotzdem nicht.

Nun denn, wenn das mal kein Grund ist, wieder mal das Tanzbein an genau der selben Stelle schwingen zu gehen :-)

Danke für´s Mitschleifen der alten Dame ;-), meine lieben Seelenretterinnen, das war SEHR wohlig und tat gut!

 

21.01.2012 um 18:41 Uhr

Abgedatet

von: Wari

Da hilft nur noch Klavier spielen oder gute Musik hören!

 

19.01.2012 um 11:29 Uhr

(Up)Gedatet

von: Wari


Sie hat es also tatsächlich getan. Frau Wari hat sich mit einem Vertreter der männlichen Spezies verabredet. Auf ewig ist Alleinsein mit sich ja auch nix und ein wenig Abwechslung tut gut. Den Entschluss, NIE WIEDER übers Internet Kontakt zu jemandem aufzunehmen, hatte ich am ersten Feiertag in dieser "Wir haben uns alle lieb"-Weihnachtsstimmung gekonnt über Bord geworfen *platsch* und eine neue Seite aufgetan, die den meinen Vorstellungen am meisten entspricht. Und mit einem Mal tauchte er auf, schob sich gekonnt mit einer netten Mail in mein Leben und schaffte es dann, dass ich tatsächlich meine Telefonnummer herausgab. Er wollte lieber telefonieren, Mails seien nix für ihn. Und als er irgendwann feststellte, dass wir ja schon ziemlich lange miteinander an der Strippe hingen, stellte ich nur trocken fest, dass es wirklich Zeit wird, ins Bett zu gehen. Jo! Auch eine Art, jemanden auf Abstand zu halten. Er sah es mit Humor und hätte mich am liebsten am nächsten Tag getroffen, so dass bei mir justament alle Alarmglocken schrillten. ´Hey, da will jemand irgendwas von dir - also Finger weg!´ Das ideale Motto, um vielleicht einen neuen Partner zu finden. Aber wer glaubt, dass ihn meine blöde Ansage irgendwie abgeschreckt hat, täuscht sich. Der Mann ließ nicht locker. Was ich während des Telefonates nicht wusste: Er hatte schon mein Foto gesehen. Also half das als vermeintliche Abschreckung auch nicht weiter. *hmpf* Da hatte ich mir ja wieder ganz toll was an die Backe genagelt! Nach einer gewissen Schweige- und Gedankensortierzeit meinerseits, fragte er ein wenig beunruhigt nach und ich ließ mich auf ein weiteres Telefonat ein - ein Gespräch voller Herzlichkeit und jeder Menge Lachen, in dem er feststellte, dass ich eine gute Portion Humor habe (kann man so sagen) und nun konnte er es gar nicht mehr erwarten, mich zu treffen, so dass wir also den anvisierten Date-Tag vorverlegten. Von Samstag auf gestern Nacht. :-)

An der Stelle, an der wir uns trafen, hatte ich schon mal gewartet (Blöd oder, sich am selben Ort zu treffen, wie mit dem Prinzen damals. Da kann man so herrlich déjàvuieren!) Und als er so angeschlendert kam, setzte meine Atmung das erste Mal aus und Worte waren wohl etwas, was man im Duden sehr viel eher gefunden hätte, als in meinem Kopf. *pling*plong*schnappatmen*lufthechel*wortesuch* Ich fand sie wieder, nachdem ich mich selber zur Ruhe zwang und dann ergab sich doch noch ein sehr lockeres Gespräch, aber diese Blicke immer ...

Wie wir alle wissen, sollte man beim ersten Date mit potentiellen Kanditaten dies nicht und jenes nicht ...! Sollte man nicht? Was aber, wenn diese warme Hand einem plötzlich liebevoll über die Wange streichelt und der Mann dazu den Blick eines jungen Hundes auflegt, dem Frau wahrlich nicht widerstehen kann? Der Kuss war ebenso weich und warm und herzlich, wie das Telefonat und fühlte sich einfach nur HACH an. Ich konnte meine Blicke nicht von diesem Mann lassen und schwebe auf Wolke EINHUNDERTsieben!

.

Wohliges Erwachen heute Morgen!

.

Allerdings fragte ich mich allen Ernstes, wie ich diesem Mann am Samstag in die Augen schauen soll, wenn wir uns wirklich das erste Mal treffen. Wie bekomme ich diesen Traum von heute Nacht wieder aus meinem Kopfkino? *hmpf*

 

:-)

 

22.12.2011 um 11:40 Uhr

Und schon ist es wieder gestern.

von: Wari

Hach. Es ware so hachig gestern Abend, als der holde Jüngling wie ein blonder Engel durch die Wohnung schwebte und einfach nur gefiel. Der Grizzly, total handzahm, strahlte wie ein Honigkuchenpferd, als der liebste aller liebsten Seelenküsser hier einflog. Ja, es war alles so, wie man es sich wünscht, wenn man ein erstes Aufeinandertreffen anvisiert hat. Beide Wüterichere zeigten mit stolzgeschwellter Brust ihre allerfeinsten Schokoladenseiten, so dass niemand auf dieser Welt meinen würde, dass Zuckerwatteszenarien hier jemals stattfinden könnten. Und ich bin ehrlich gesagt froh drum. Dass sie im entscheidenden Moment spüren, was gerade möglich ist und was nicht. Sicher wäre es für mich ausgesprochen gut gewesen, wenn sie ihre Aufstände rausgelassen hätten, wie immer, dann hätte ich mich hinsetzen und sagen können: "Siehst du, genau DAS habe ich hier jeden Tag. Jeden!" Aber das braucht es nicht. Der Seelenküsser kennt Jungsaufstände und ist empathisch genug, um meine Jammertouren und mein Abgeschlagensein, meine Vorfreude auf kinderfreie Zeiten verstehen und nachvollziehen zu können. Da braucht es also keine Originalfassung von ´Der holde Jüngling und Gebruder Grizzly´. Das vorgeschobene Weihnachtsgeschenk für die lieben Kleinen versetzte selbige in Verzücken und der gestrige Abend wurde vom kleinen blonden Engel heute mit den Worten gekürt: "Mama, kann der Seelenküsser nicht mit seiner Firma in unsere Stadt ziehen, damit er uns öfter besuchen kann? Nicht wegen der Geschenke, sondern weil er wirklich so lieb und nett ist, wie du es immer gesagt hast!" Ich würde ihm liebend gerne diesen Wunsch erfüllen, erwähne jedoch auch, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass des Seelenküssers Frau diesbezüglich sehr traurig wäre, weil sie sicher nur ungern auf seine Anwesenheit in ihrem Leben verzichten würde. Aus selbigen Gründen verzichte auch ich persönlich auf die leibhaftige Entführung des Freundes, stelle aber immer wieder fest, dass ich den lieben Gott bitten sollte, mir einen großen Teddybär wie ihn zum Manne zu schenken. Vielleicht sollte ich 2012 intensiver nach diesem ruhigen und dennoch so bravourösen Fels in der Brandung schauen. Genau diese Art von Mann könnten wir alle drei so gut vertragen :-)

 

16.12.2011 um 11:22 Uhr

Eine Runde Zuckerwatte für alle!

von: Wari

Zur Beruhigung der Gemüter!

Zwei Monate ohne Einträge sind ein Grund zur Sorge. Zu berechtigter Sorge. Man könnte es auch so formulieren:

Zwei halbpubertierende Meuterer zu verschenken - im Falle der Abnahme beider im Gesamtpaket erhalten Sie sämtliches Zubehör kostenlos dazu!

Wenn man schon mal versucht hat, Kinder in dieser Welt vernünftig zu erziehen, weiß man, was einen in diversen Grenzerweiterungsversuchen erwartet. Was man nicht weiß: Wie es ist, zwei Jungs in dieser Welt ALLEINE vernünftig zu erziehen. Eine Frauschaft voller Zickenalarm ist der Himmel auf Erden dagegen!

Kleiner Auszug aus einem nicht geschriebenen Tagebuch von Frau Wari:

5.31 Uhr: ´%$"§&%*§& Wecker! Kann den mal jemand ausmachen?´

5.36 Uhr: ´%$"§&%*§& Wecker!´

5.41 Uhr: ´%$"§&%*§&´

5.46 Uhr: ´%$"§&%*§&´

5.51 Uhr: ´%$"§&%*§&. %$"§&%*§&´

5.56 Uhr: *seufz*

6.01 Uhr: Ich stehe auf.

Naja, ich quäl mich aus dem Bett, werf den Wasserkocher an (eine Portion Kaffee zum Aufwachen bitte sehr!), tapse schlaftrunken ins Bad und muss zum 125 000. Mal feststellen ("Hallo? Lernprozess???"), dass es in meinem Alter nicht mehr funktioniert, wenn man sich beweisen will, dass man tatsächlich noch wie ein junger Hüpfer, frisch fröhlich die Nacht zum Tag macht.

*Kaffee schlürf*

Ich küss den Großen mit "Hey Süßer, langsam aufwachen ..." wach, woraufhin der mir das Brummen eines ausgewachsenen Grizzlys entgegenwirft, dem man eigenartigerweise und wider besseren Wissens seinen frischerlegten Braten aus dem Maul nehmen möchte. Schlagartig setzt mein Puls aus und ich versuche mich möglichst langsam und geräuschlos (´Au! Du ver%$§&%!&%$* Feuerwehrauto, musst du hier so blöd rumliegen!´) rückwärts aus der Gefahrenzone zu bringen, da ich so früh am Morgen keineswegs von einem Grizzly gefressen werden möchte. Okay - ich konstatiere, dass Kind Nr.1 heute Morgen mit einer  seide-umwickelten Pinzette angefasst und ohne weitere Erschütterungen irgendwie an den Frühstückstisch befördert werden sollte. Wie ich den Prozess einer schultauglichen Bekleidung des Grizzlys vollziehen soll, ist mir schleierhaft, so dass ich mein Glück vorerst beim kleinen Mann versuche.

Mit einem säuselnden "Hey mein kleiner Mann, langsam wachwerden." kuschel ich mich in diese wunderbar weiche Grube zwischen Kopf und Schulter, die entsteht, wenn ein kleiner blonder Engel zusammengekringelt unter seiner Bettdecke liegt. Herrlich! Ich genieße den Augenblick. Und werde jäh meines Genusses beraubt, als mir der kleine blonde Engel mit einem Mal wutschnaubend seinen Ellenbogen ins Gesicht rammt, um mir unmissverständich klarzumachen, dass Aufstehen jetzt die falsche Aktivität sei. (Anm. d. Red.: Da dies kein jugendfreier Raum ist, in dem die Autorin schreibt, wurden sämtliche jugendgefährdeten, vulgären, fäkalienartigen und menschenverachtenden Aussagen der beiden Missetäter aus diesem Leitartikel gestrichen!)

Meine Lust, weiterhin säuselnd auf den kleinen blonden Bengel einzugehen, katapultiert schlagartig in den Minusbereich. Zur Eskalationsvorbeugung verlasse ich den Raum diesmal nicht schleichend und rückwärts. sondern zielstrebig gen Küche. Zu meinem Glück liegt weder die Stullenbüchse vom Kleinen da, was in der letzten Zeit sowieso so gut wie nie vokommt ("Hallo? Lernprozess???", noch hat der Große damit aufgewartet, so dass ich zumindest schon mal nix befüllen muss, denn hier gilt die eiserne Regel: Wer seine Büchse nicht abends in die Spüle verfrachtet hat, geht am nächsten Tag leer aus!

Mühseelig strecken sich meine müden Glieder empor, um´s Geschirre zu holen und mechanisch veranlasst den Tisch zu decken. Nach einem Blick auf die Uhr, werfe ich dem Grizzly und dem blonden Jüngling zu, dass sie aufstehen sollen. Auf den Körperkontakt verzichte ich zugunsten meiner Gesundheit. Der Grizzly schnaubt, der Jüngling brüllt: "Wo sind meine Sachen?", ich denke: ´%&$§%&*+#$§&% ...´ (Anm. d. Red.: Mit DER Einstellung wird das nix!) und rufe ihm zu: "Das weiß ich nicht, du hast dich doch gestern Abend ausgezogen!"

*Tisch weiter eindecken*

Der Jüngling: "Ich kann nicht aufstehen - es ist so kalt!"

Ich: "Dann nimm deine Sachen und geh ins Bad, dort ist es warm!"

Der Jüngling: "Ich kann nicht!"

Ich: ´&/`%$+§"&*#$%"&%´

Der Grizzly taucht am Frühstückstisch auf: "Och nee, es ist ja gar kein Nutella mehr da - dann ess ich nichts!"

Ich: "Na dann isst du nichts!"

Der Grizzly: "Ja, NIEEEEE (stark und gedehnt betont!) gibt es hier was, was mir schmeckt!"

Ich: *Hmpf*am kopf kratz* Blick zur Uhr. "Holder Jüngling, du hast noch zehn Minuten!"

Der Jüngling: "ICH - KANN - NICHT - AUF - STE - HEEEEEN!"

Ich: *Hmpf* ´Na dann nicht ...´

Der Grizzly stopft sich derweil widerwillig ein Marmeladenbrot hinein und straft mich ob der gestoppten Nutella-Versorgung mit einem Blick, als ob ich ihm gedroht hätte, nicht nur seine frisch erlegte Beute, sondern auch noch das Marmeladenbrot zu entziehen.

"Holder Jüngling, du hast noch fünf Minuten!"

Der Jüngling: "ICH - KOM - ME - JA - SCHOOOOON!!!" (Anm. d. Red.: 100 dB - als gesundheitsgefährdend eingestuft!)

Fünf Minuten später sitzt er am Tisch und bekommt Panikattacken, weil seine Zeit um ist. Das tangiert mich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich, weil ich dieses Schauspiel jeden Tag habe und mein Blutdruck nur gesenkt werden kann, wenn ich mich totstelle.

Ich stelle mich also in den kommenden Minuten mausetot! Bin fast gar nicht mehr zu sehen! Und bekomme innerlich einen Herzinfarkt nach dem anderen, weil ich Unpünktlichkeit hasse und weiß, dass der Grizzly AUF KEINEN FALL zu spät kommen will. Das aber ist dem Jüngling schnuppe. Der trottet mit der Gemütlichkeit eines Kamels in sein Zimmer (Falsche Richtung!) und taucht erst auf künstlich-freundliche Nachfrage wieder auf, zieht mit der selben Gemütlichkeit seine Schuhe an, entdeckt dabei, dass sein Gegenüber im Spiegel genau die gleichen Bewegungen ausübt wie er, woraufhin ich nur noch darauf warte, dass er hinter dem Spiegel nachschaut, ob dort auch noch ein Jüngling sitzt. Zu diesem Zeitpunkt bin ich klinisch tot, gefühlt zumindest, weil ich tausend Tode sterbe, wenn die Unpünktlichkeit nicht nur in greifbare Nähe rückt, sondern Gestalt angenommen hat.

Der Grizzly faucht den Jüngling an, woraufhin der vom Schuhe anziehen ablässt und sich dem Grizzly wutschnaubend zuwendet. Aus dem Kamel wird in Sekunden ein stampfendes Walross, das leider nicht multitaskingfähig ist. Mir ist es jedoch ehrlich gesagt wurscht, ob sich der Jüngling die Schuhe anzieht oder ein Kamel oder ein Walross. Hauptsache die Schuhe kommen mal dahin, wo sie hin sollen!

Zur Deeskalation schiebe ich den Grizzly vor die Tür, schmeiß den Ranzen vom Walrosskamel in den Hausflur, nehme seine Jacke dazu und raunze ihn an, dass er JETZT gefälligst vor der Türe weitermachen soll, damit WIR wenigstens schon mal zum Auto gehen können! Das Walross fäkaliert seine Ausdrucksweise, ich schalte auf Durchzug und trabe geladen zum Ausgang.

Ich atme frische Luft und werfe einen Miniminiblick nach hinten, um zu schauen, wie groß unsere Chancen sind, heute noch los zu kommen.

Och nö!! Das Walross ist wieder zum Kamel mutiert, welches jedoch gepaart mit dem Blick eines Geiers kein wirklich schöner Anblick ist. Und schneller geht´s so auch nicht!

Die Heckklappe kracht (er/es) herunter, als ob wir einen M1 Abrams fahren würden.

An der Schule entlasse ich einen einigermaßen aufgetauten Grizzly und ein walrössernes Kamel, das mir schlechtgelaunt ein "Na dann tschüss!" entgegen wirft.

Als sie um die Ecke biegen, atme ich auf!!!

Die ersten gemeinsamen Stunden dieses Tages habe ich doch bestens gemeistert!

 

Anm. d. Red.: Dieser Bericht ist keinesfall geeignet, um werdende Eltern mit einem kleinen Schmankerl zu überraschen. Eine Nachahmung wird nicht empfohlen und Folgeschäden sind nicht auszuschließen. Sollten Sie dennoch eine Fortsetzung von "Eine Runde Zuckerwatte für alle!" wünschen, so hinterlassen Sie eine kurze Nachricht!

03.10.2011 um 23:55 Uhr

Ein Mann der klaren Worte.

von: Wari

Der Kindesvater ist echt ne arme Sau. Nie hat er was zu lachen, wenn er mich sieht. Heute musste ich ihn extra laut begrüßen, damit ihm ein zaghaftes "Hallo" über die Lippen kommt. Und als ich ihn fragte, ob er denn die Kinder am Wochenende vor den Ferien nochmal zu sich holen will, weil er sie ansonsten erst nach drei Wochen wiedersieht, druckst er herum und meint dann allen Ernstes zu mir: "Na macht es dir nichts aus?" (Oder so ähnlich jedenfalls ...). HALLO! Ich böte das doch nicht an, wenn es mir was ausmachen würde. Könnte der gnädige Herr vielleicht mal mit einem klaren Ja oder Nein antworten oder muss er das erst wieder wochenlang mit seiner Gutsten ausdiskutieren? Komischerweise war er bei seiner Erkundigung nach der Unterhaltsverzichtserklärung nicht so zögerlich, da wusste er schon genau, was er wollte. Mensch Leute, hört das denn nie auf?

Da könnte ich meinem Jüngsten glattweg recht geben, wenn der sich einen anderen Vater wünscht. Manchmal, ja manchmal bin ich geneigt, ihm zuzustimmen.

 

20.09.2011 um 15:42 Uhr

Neues aus der Rubrik Blindfische

von: Wari

Alles was uns über unser Kind herangetragen wurde, kam mir irgendwie bekannt vor. Dass der Kleine oft eine Maske trage, hinter der sich sein wahres Ich verborgen hat, dass er sich auf bestimmte Dinge fixiere, um Aufmerksamkeit zu bekommen (Lieblingsspiel derzeit: Verletzungen zeigen und begutachten lassen) und dass man oftmals genauer nachfragen muss, um etwas herauszupopeln, all das ist nicht neu. Und wenn man genau hinschaut, hat man das auch schon mitbekommen. Aber Herr Blindfisch-Papa tappt wie so oft im Dunkeln und fragt die Beraterinnen, ob sie denn glauben, dass die Gruppenarbeit mit dem Lütten irgendetwas bei jenem bewirkt habe. Er hätte nicht den Eindruck, weil er in letzter Zeit wieder so oft mit dem Wunsch ankäme, dass die Eltern doch wieder zusammen sein sollten, bzw. der Vater wenigstens näher heranziehen soll. An seine Entgleisungen der Gesichtszüge gegenüber dem Kleinen mag ich nicht denken, wenn ich nur seine verbissene Mimik sehe, während er dies erzählt. Es spiegelt sich eine Härte und eine Übellaunigkeit wider, die einem schon als Erwachsenem Angst machen. Auf die Frage, was er denn erwartet hätte, was sich verändert, druckst er (auch nicht neu!) und meint, dass doch wenigstens ein bisschen Verständnis seitens des Kindes da sein könnte. Es schüttelt innerlich meinen Kopf und äußerlich bin ich geneigt, mein Augenrollen für mich zu behalten, weil genau das, was er seinem Kind abfordert, für ihn scheinbar nicht gilt. Verständnis für sein Kind, für die Gefühle seines Kindes, für die Wünsche seines Kindes. Das Kopfschütteln nimmt mir eben jene Beraterin ab und wandelt mein Augenrollen dann in greifbare Worte um.

Es ist und bleibt wie ich es schon immer gesehen habe: Der werte Herr Blindfisch wollte mit dieser Gruppe bei seinem Kind eine Lösung für seine Situation herbeiführen. Und es ist und bleibt, wie ich es vorhergesehen habe: Die Lösung liegt nicht beim Kind, sondern ganz allein in seinem Umgang und der Akzeptanz der Kinder durch die Neue. So lange er an diesem Punkt immer wieder in die falsche Denkrichtung abbiegt, kann er sich wünschen, was er will. Er wird auf lange Sicht gesehen nur darauf hinarbeiten, dass sich der Kleine immer weiter von ihm entfernt. Das einzig gültige Zauberwort heißt immer noch (um wieder auf´s alte Thema zurückzukommen): HINSEHEN!

 

11.09.2011 um 13:14 Uhr

Geschlossen

von: Wari

Dass Kinder ihre Eltern bedingungslos lieben, egal, was diese mit ihnen anstellen, ist allen klar. Dass sie jedoch keinen Schaden nehmen, wenn man ihnen nimmt, was sie sind, das stelle ich stark in Frage. Nein, ich weiß es, dass es durchaus einen großen Schaden anrichten kann. Dass die Seele sich verschließt und man nur schwer wieder den Kontakt zu sich selbst herstellen kann. Dass man nicht ist, wer man sein sollte. Und es kann so verdammt hart sein, diesen Weg zu gehen. Ich hab es mir leicht gemacht und bin die ersten 123 km gefahren. Bin noch lange nicht am Ziel, aber immerhin schon unterwegs. Mit vielen Gedankenverstrickungen, mit tränenreichen Seelendurchquerungen im Schleudergang. Froh jetzt allein zu sein und sich nichts und niemandem erklären zu müssen. Wütend. Traurig, Ängstlich. Gebeutelt mal wieder. Am Anfang mal wieder. Bereit, einen anderen Weg zu gehen, um nicht den selben Fehler zu machen, wie eine Generation vor mir. In die ohnehin hier vorherrschende Stille wird noch ein bisschen mehr Schweigen treten. Weil es für manche Wege keine Beschreibung gibt ...

 

06.09.2011 um 06:38 Uhr

Überraschungseffekte

von: Wari

Dass Kindern Fragen zum Thema Sex und Aufklärung immer so ganz spontan einfallen, ist richtig gut, weil man just in jenem Moment einfach nur noch authentisch antworten kann. Jetzt wissen die Jungs und ihre Freunde also (mal wieder) bescheid. Nix mit Blümchen und Bienchen. Und wir zwei Mamas sind uns ziemlich sicher, dass der Jüngste der Jungs Sex irgendwann nicht mehr eklig findet ;-)

 

10.08.2011 um 21:03 Uhr

Ich hatte es ihnen versprochen.

von: Wari

Und wusste nicht, dass es so schnell gehen würde. ABER ... wir waren diesen Monat in:

 

Afrika

 

Schön war´s!

 

30.07.2011 um 06:58 Uhr

Herzensschönheit.

von: Wari

Liebe.

Wunderbare Liebe.