... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

31.12.2009 um 16:58 Uhr

Bloß nicht zurückschauen.

von: Wari

Denn das Jahr war nicht besonders toll, die letzten Wochen ein auf dem Zahnfleisch kriechen. Und um den jahresabschluss in der gewohnten Manier diesen Jahres zu vollenden, waren die letzten fünf Tage ausgefüllt vom Möbelrücken, Um- und Aussortieren, Wegwerfen, wütend auf mich selbst sein ("Wieso gelingt es mir nicht ein Mal, konstant Ordnung zu halten?"), dem Wunsch, dass ich es endlich irgendwie hinter mich bringe, vorallem aber (und das zog es somit ungeahnt in die Länge) geprägt von mörderischen Rückenschmerzen. Es war wohl zu viel, was ich mir vorgenommen hatte. Da ich aber auf- und umgeräumt (letzteres nach mehr als neun Monaten Chaos) ins neue Jahr starten wollte, nahm ich alle noch irgendwie vorhandenen Reserven zusammen und begab mich in ein letztes großes Möbelschieben. Meine Pläne wurden jäh zerstört, als die Wand kürzer war, als angenommen, der Computer größer, als vorgesehen, der Monitor viel zu hoch. Somit konnte ich die Hälfte aller angedachten Systeme über Bord werfen und saß so manche stille Minute völlig verzweifelt in meinen Kisten, umgeben vom chaotischsten Chaos, das ich mir hier jemals geschaffen hatte. Ich kam zwischen meinen schmerzvollen Rückenschmerzattacken nur weiter, indem ich selbst motivierte - "Wari, mal ganz langsam!", "Du hast genügend Zeit!", "Eins nach dem anderen!". Aber immerhin gelang es mir Stück für Stück Ordnung hinein zu bringen und mit jedem kleinen Ecken, welches zum Vorschein kam, gewann die Freude über den neugewonnenen Raum. Selbst die veränderte Gestaltung, die aufgrund zu kurzer Wände, zu großer Computer und Monitore zum Teil anders wurde, als vorgesehen, selbst dies begann nach ein paar tagen doch irgendwie Wohlgefallen bei mir auszulösen. Und wenn ich dann abends durch die neu gestalteten Räume kroch (scheiß kranker Rücken), lag mir seit langem wieder ein Lächeln auf dem Gesicht. Vorallem der Gedanke, dass nach nunmehr anderthalb Jahren immer mal wieder was verrücken in der Wohnung endlich ein Stand erreicht ist, an dem ich in den nächsten Jahren nichts ändern werde (ja, lacht ihr ruhig - böse Zungen behaupten, ich würde ja doch wieder umräumen ...), verschafft mir inmitten meines letzten großen Kampfes ein gewisses Maß an Freude und Zuversicht für 2010. Ich unruhiger Geist bin endlich angekommen! Und ich kann in meinen eigenen vier Wänden tanzen, arbeiten, leben, mit meinen Kindern herumtollen, die Wohnung betreten, ohne gegen den nächsten Schrank zu laufen. Ich habe wieder Platz!

In all meinen selbst hervorgerufenen Trubel schwingt sich eine Nachricht von Mr. Loverlover, bei der ich dann nicht wusste, ob ich lachen oder heulen soll:

Hallo Wari,

die Zeit vergeht wie im Fluge: 365 spannende Tage sind schon wieder vorbei. Einige davon haben wir zusammen verbracht. Und gar nicht mal so schlecht! Dafür möchte ich dir danken – auch wenn das für dich zu pathetisch klingt. Was ich sagen will, ist: Ich weiß nicht, was das neue Jahr bringt. Aber ich weiß, dass ich die beste ...... der Welt habe!

Dein LoverLover

Äh ... ja. Alles klar! Ich glaube, wir müssen reden.

Als erstes werde ich ihn fragen, was pathetisch bedeutet ...

 

19.12.2009 um 18:18 Uhr

Na Frohe Weihnachten auch!

von: Wari

Oder besser: wenn was schief gehen kann, dann tut es das auch!

Die Kindermeute hier hat mir heute den letzten Nerv geraubt. Gebrüll ohne Ende, verwüstete Kinderzimmer, jammernde Heulsusen, die eigentlich echte Kerle sein wollen, als ich ihnen sagte, dass sie das Chaos gefälligst aufzuräumen haben. In meiner Not habe ich meine Freundin angerufen und sie gebeten, mir meinen letzten Rettungsanker wiederzugeben: "Liebevolle Disziplin". Klingt doof, aber mit diesem Buch bin ich bisher gnadenlos gut gefahren und es hat mich aus manch verfahrener Situation rausbefördert. Das muss ich mir nachher, wenn ich einigermaßen aufgetaut bin, holen. Auftauen muss ich erst mal, denn nachdem mein Wagen heute nicht anspringen wollte, musste mein Dad in den sauren Apfel beißen und mich in der Gegend herumkutschieren. Natürlich hatten sämtliche Autowerkstätten geschlossen, der Baumarkt in der Nähe läuft ohne Autozubehör und so blieb uns nix anderes übrig, als den nächsten, etwas entfernt liegenderen anzufahren. Über den Preis denkt man dann nicht mehr nach, wenn einem einfällt, was alles zu regeln wäre, wenn man statt der 115 Euronen lieber bis Montag wartet, um den Wagen dann in die Werkstatt schleppen zu lassen. Dem Chef mitteilen zu müssen, dass ich am Montag erst später komme, weil ich leider per Bus, Bahn und zu Fuß zur Arbeit kommen muss, war Grund genug, die vielleicht 20-30 Kröten mehr hinzulegen. Immerhin schnurrt das Wägelchen jetzt wieder wie unser Kater und das war es mir dann wert, auch wenn dies ein zusätzliches Loch in die Kasse reißt. Wat mutt, dat mutt. Ob ich das der Arge in Rechnung stellen kann? Die wollen ja immerhin, dass ich mobil und flexibel bin? Spaß beiseite, mir ist grad schweinekalt - bei 13°MINUS ne Batterie festzuzurren ergibt ein echt beschissenes Gefühl an  Fingern und restlichem Körper, so fern man ausser Schmerzen überhaupt noch irgendetwas fühlt. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

 

11.12.2009 um 11:01 Uhr

Ich gönne mir mein Leben.

von: Wari

Ich habe Probleme ohne Ende (meine ich) und bin doch gerade wieder an einem Punkt, an dem ich mich mit mir selbst so wohlig fühle, dass ich das Leben liebe, dass ich nach vorne schauen kann, dass ich endlich sehe, wohin der Weg mich führt. Ich weiß, es sind kleine Schritte, die ich nun gehen muss, manchmal schleppend, manchmal kann ich sie dennoch meterweit springen. Das Grau draußen verwandelt sich durch mein inneres Chaos in eine Farbenpracht, die das Herz übergehen lässt. Die Stupidität im Job treibt mich zu persönlichen Höchstleistungen in der Freizeit, lenkt meine Schritte in eine Richtung, von der ich mir gewünscht hätte, sie schon viel eher zu spüren. Aber ich brauche die Tiefzeiten, um alles Unnötige abzuwerfen und danach klarer sehen zu können, um das im Kreis drehen beenden zu können. Freunde, Familie ... sie alle sind für mich da ... bewusst, unbewusst. Manchmal sind sie, wenn sie mir ihre Probleme auf den Tisch legen die größten Helfer, weil sie mir bewusst machen, was ich am Leben habe. Sie zeigen mir, ohne es zu wollen, worauf es mir ankommt, sie zeigen mir ein Stück Weg, welches ich nicht gehen mag, welches ich gekonnt überspringen kann, sie zeigen mir, was wichtig ist, ohne es auszusprechen. Und wenn ich Probleme habe, sind sie da, nicht immer, wie ich es vielleicht haben wollte, aber sie sind da, ehrlich, aufrichtig, helfend auf jeden Fall. Jeder auf seine Art und ich liebe alle von ihnen, so wie sie sind. Sie haben mich vorallem einen wichtigen Punkt gelehrt ... dass die meinen Probleme allein meine sind und die ihren die ihren bleiben müssen, weil ich nicht die gesamte Welt retten kann. Sie haben mich gelehrt, dass ich sie loslassen muss, wenn sie wieder aufgestanden sind. Es kommt alles zum richtigen Zeitpunkt, auch wenn ich in manchen Momenten denke, alles nicht mehr aushalten zu können. Meist gibt es dann irgendwoher einen kleinen Stups, der meinen Blickwinkel verändert, so dass es mir möglich wird, die Farben des Lebens zu sehen, einem Regenbogen gleich, den man auch nur aus einem bestimmten Winkel erkennen kann. Ich gönne mir mein Leben ...

... und euch ein bisschen gute Musik!

Rupa & The April Fishes

 

09.12.2009 um 11:37 Uhr

gestern, heute, morgen.

von: Wari

Im Moment wühle ich mehr oder weniger oft in der Vergangenheit, bewusst und unbewusst, sinnlich und besinnend. Und in diese Reise schob sich das Klassentreffen - zwanzig Jahre lagen zwischen manchem Wiedersehen und es war doch alles in allem eine sehr nette Runde mit viel Gesprächsstoff. Teilweise erinnerte es jedoch durchaus an "mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Pferd, meine Geliebte, mein Gärtner, ...". Mit einem Mal nur noch glückliche Familien, deren Oberhäupter teilweise gnadenlos gute Karriereaufstiege vorwiesen, das Haus hier, die prächtig laufende Firma dort - und ich mitten drin. Ich fühlte mich ab einem gewissen Zeitpunkt herum nicht mehr wirklich wohl, hatte das Gefühl, deplatziert zu sein in einer Gesellschaft, in der alle ihren wohlsituierten, gradliniegen Weg gingen, während ich im Moment mehr oder weniger durch´s Leben stolpere, hin und wieder aufgefangen werde, manchmal stürze und einfach von selbst wieder aufstehen muss. Es war noch lange kein Ohnmachtsgefühl, welches mich in jenem Moment beschlich, aber durchaus eines, welches sich nicht wirklich gut anfühlt. Und nur ich allein konnte es beenden, ohne davon zu laufen. Also beschloss ich, dass mein Leben zwar mächtige Ecken und Kanten hat und haben wird, dass es aber in meinem Sinne bunt, interessant und lebenswert ist. Dass ich zwar so manchen Tag gerne anders leben würde, dass es Veränderungen gibt, die herbeigeführt werden müssen. Aber ich sah auch, dass viele von ihnen an der Oberfläche leben, sie schwimmen oben im Strom mit, während sie die Tiefe und die damit verborgenen Schätze übersehen. Mit keinem von ihnen wären intensive Gespräche möglich gewesen, keiner von ihnen hätte sich so richtig hinter die Kulissen schauen lassen. An diesem Punkt wusste ich, dass lieber hier und da am Weg einfach stehen bleiben möchte, um die Schönheit rechts und links desselben zu entdecken. Und in jenem Moment fühlte ich mich wieder gut, fiel diese "mein Haus"-Last von mir ab und ich fühlte mich vogelfrei, konnte das, was mein Leben ausmacht, lieben, schätzen und für mehr als gut befinden. Und in diesem Sinne durchweg positiv nach vorne schauen.

 

09.12.2009 um 11:13 Uhr

schmeichelnd

von: Wari

Es ist ein großer Fehler, das Komplimente machen aufzugeben. Wenn der Mensch nichts Charmantes mehr sagt, hat er auch keine charmanten Gedanken mehr.


Oscar Wilde

02.12.2009 um 21:50 Uhr

Ostkinder.

von: Wari

Und Westkinder, vereint in einem Raum, zusammen mit dem musizierwütigen Lehrer. Der eine Freund spielt Digeridoo, Mr. Loverlover zaubert Bässe aus seinen Instrumenten, die den Raum erbeben lassen und ich spiele dazu Kerbflöte ... es ist ein spontanes Konzert, welches nur echten Ossikindern wirklich was sagt, denn wer kennt sonst schon "Kinder die Musik erklingt"? (Wir erinnern uns - Freitagabend, Sandmann, großes Xylophon, Flöte, Trommel, etc.) Und als wir spontan beginnen, gemeinsam zu musizieren, schwingt eine Fröhlichkeit durch den Raum, von der sich alle getragen fühlen. Es entsteht ein Hausmusikkonzert vom Feinsten und wir alle spüren, solche Momentaufnahmen muss es öfter geben, wir sollten öfter gemeinsam einfach so irgendwas irgendwie zusammen spielen. Wir finden einen Weg, gemeinsam an einem Stück unseres Lebens zu basteln, was uns wichtig ist. Musik. Etwas für die Seele, für´s Lachen, für unsere kleinen und großen Talente, die sich beschwingt in den Raum ergießen. Selten zuvor hatten wir so viel Spaß, wie heute. Es war eine so wunderbare Show, eine Gemeinsamkeit, in der jeder seinen ganz eigenen Part hatte. Und wir haben gezeigt, dass die unterschiedlichsten Instrumente wunderbar harmonisieren können, wenn man sich verbunden genug fühlt. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, es hat uns alle in diesem einen Moment noch näher gebracht, als wir uns ohnehin schon waren.

 

02.12.2009 um 13:40 Uhr

Herzlichkeiten, die Zweite.

von: Wari

Oder eine kleine Anekdote noch für Herrn Zwischenweltler. ;-) Um mal bei meinen charmanten Eroberungen der männlichen Welt zu bleiben oder besser bei jenen, bei denen ich einfach den Kopf und das Herz verlor. Ich habe da noch eine typische Love-Story im Angebot: Skiurlaub. Schnee, Sonne und mitten drin er - der Skilehrer! Klassisch oder? Aber nicht minder schön. Ich hatte nur eine einzige kurze Woche, in der ich es binnen von zwei Tagen schaffte, meinen Verstand völlig zu verlieren, während er den seinen sehr wohl behielt. Zurück blieb ich mit gebrochenem Herzen, der Meinung, nur er könnte der Richtige sein. Ich fotografierte ihn daheim vom Erinnerungsvideo ab, trug dieses Bild wochenlang mit mir herum, bis ich einsehen musste, dass ich ihn wohl nie wiedersehen werde. Himmel, das wäre doch fast eine kleine Geschichte für einen Winterroman, nur dass eigentlich noch weniger lief als wenig, nämlich gar nichts. Aber: Auch diese Geschichte sorgte neulich für viel Spaß, als der ehrenwerte Herr Papa beim gemeinsamen Sonntagsfrühstück gerade Videos überspielte und unter anderem MEIN Skilehrer darin auftauchte. Wir spulten es zurück, spulten es vor und ich meinte nur: "Immer noch ein schöner Mann!" und "Scheiße, was war ich verliebt!" und mit einem Mal mussten wir alle so herzlich lachen ...

PS: Herr Zwischenweltler - leider sieht man sich nicht immer ein zweites Mal, denn heute würde ich sicher dafür sorgen, dass nicht nur ich meinen Verstand verliere *g*

01.12.2009 um 21:27 Uhr

Anderthalb Stunden.

von: Wari

In den meisten Fällen, in denen mich meine Vergangenheit einholt bin ich nicht wirklich begeistert, zu viel, womit ich heute noch Probleme habe, obwohl es Unsinn ist, sich darüber noch den Kopf zu zerbrechen. Vergangene Zeiten kann man nicht zurückholen, geschweige denn ändern. Heute jedoch holte mich meine Vergangenheit im positiven Sinne ein. Mein Physiklehrer rief mich an. Nicht das erste Mal, aber wir amüsierten uns beide prächtig, weil die Sprache irgendwann darauf kam, dass ich damals schwer in ihn verknallt war. Himmel, ich war 14, er mit seinen 27 Jahren frisch von der Hochschule bei uns eingeflogen worden und hatte es binnen kürzester Zeit geschafft, dass ich mein Herz an ihn verlor. Und genau darüber haben wir uns herzlichst ausgelassen. Wer hätte das gedacht, dass man nach mehr als 20 Jahren, diese Dinge, die einem in den Jahren nach dem Schulabgang durchaus peinlich waren, mit genau jenem Menschen bespricht, dem man damals scheinbar gnadenlos verfallen war. An dieser Stelle wusste ich, dass die Welt so schön bunt und rund ist und genau diese kleinen Episoden es sind, die mich doch eigentlich so wunderbar liebenswert machen. Ja so bin ich - herzlich und wenn verliebt, dann richtig :-)