... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

30.07.2010 um 23:04 Uhr

Der rote Klatschmohn fehlte.

von: Wari

Die Sonne bruzzelte mir warme Stellen auf den Rücken, als ich auf den Unbekannten wartete, der mir gar nicht so unbekannt war. Und es schloss sich ein Kreis, der sich eben schließen sollte. Er schien schüchtern fast, als hätte sich seine kleine Angst in seinen blonden Locken verfangen und dort eingenistet. Für mich, die ich heute jubilierend durch den Tag gesprungen bin, einen Zacken zu ruhig. Aber gut, aller Anfang will Weile haben. Wir schlenderten also ein wenig ziellos am Strom der Stadt entlang bis ihm einfiel: Ich will da rüber. Wir nahmen die kleine Fähre und ich genoss die Fahrt, weil ich seit Jahren nicht mehr mit diesem kleinen Dampfer hinüber geschippert bin, weil ich das Plätschern mag und das Getragen werden. Das Ablegen und das Ankommen und das Dazwischen auch. Und zu unserem Glück schien die Sonne und wie sie schien. Sie leuchtete am Himmel bis zum letzten Atemzug, was vorzüglich war. Ich mochte diesen Abend, warm schön, anmutend und ich konnte mein Kleid ausführen. Ich fand einen Menschen, der interessant ist, aber - und ich mag jetzt einfach nicht drumherum schwaffeln - er ist mir zu kopflastig. Er hinterfragt nicht nur sich (was ich sehr bemerkenswert finde), sondern er hinterfragt gleich die ganze Welt noch dazu. Manchmal möchte ich aber nichts hinterfragen, manchmal muss sich mir die Welt nicht in allen Einzelheiten ergründen und ich muss mich mir selbst auch nicht in jeder einzelnen Sekunde erklären. Ich wünsche mir ein Sein. Ein fröhliches, ausgelassenes, tanzendes Ich. Wenn mich an einigen wenigen Tagen eine gewisse Traurigkeit packt oder wenn mich meine Emotionen wieder dermaßen im Griff haben, dass ich mich selbst nicht leiden mag, dann mache ich das mit mir aus. Dann setze ich mich gemeinsam mit mir an einen Tisch und fühle, denke, hinterfrage. Aber bitte doch nicht in allen und jeden Lebensbereichen. Scheinbar ist der Unbekannte aber momentan oder vielleicht auch seit einigen, vielen, vielen Monden dazu übergangen Kindheitstraumata zu verarbeiten und will deswegen alles hinterfragen und analysieren. Das bringt eine dezente Schwermut ins Geschehen, die mir nicht steht. Die mir vorallem in einem nicht steht: in einer Partnerschaft. Das klingt für mich ganz schwer nach anstrengend. Und anstrengend will ich nicht haben. Vorallem aber möchte ich keinen Partner, der von vornherein ein Näheproblem hat und dies auch so benennt. Wir haben miteinander gelacht, gescherzt, sicher auch Gemeinsamkeiten gefunden und uns nett verabschiedet. Aber nett ist eben nicht ausreichend für ... ja was eigentlich. Ich weiß nicht, ob sich unsere Wege nochmal kreuzen werden. Momentan weiß ich noch nicht mal, ob ich es möchte. Vermutlich muss ich erst mal die Schwermut aus der Sache rausbekommen, wenn das denn überhaupt geht. Nichts desto trotz hatte ich einen schönen Abend, habe Steine gesammelt und dabei an einen ganz besonderen Freund gedacht. Und hinterher, um die Schwermut vor Ort zu bekämpfen, habe ich Mr. Jungspund angerufen und wollte ihn zum Essen einladen. Dummerweise verweilte der aber gerade in der Stadt meines Seelenschmeichlers, war also nicht heimgekehrt und so konnten wir nur ein paar Worte wechseln. Aber Worte, die eine Wohltat waren, so dass der Abend weniger schwermütig endete. Das Alter vom Unbekannten und die erfrischende Lebenslustleichtigkeit des Mr. Jungspund, das wär´s! :-)

 

30.07.2010 um 07:47 Uhr

Mal wieder berührt ein Leben ein anderes.

von: Wari

Da ist er nun, der Tag, an dem der Abend etwas Neues zaubern wird. In welche Richtung gehend ist offen. Nichts schwebt mir vor und bislang ruht eine Gelassenheit in mir, von der selbst ich überrascht bin. Sie macht mir keine Angst, weil ich über die letzten Monde hinweg eine neue Selbstverständlichkeit in mir entdeckt habe, die wohltuend und erfrischend ist. Sie macht mich lebendig und offener für Veränderungen, weil ich das Leben als etwas annehmen kann, was es sein sollte. Spannungsreich und durchzogen von liebevollen Begebenheiten, die vorallem eines zeigen. Jeder Tag ist auf seine Art lebenswert. Und liebenswert. Die kurze Mail, in der der Unbekannte seine kleine Angst vor diesem Abend anklingen ließ, versetzte mich in Verzücken, ein Schmunzeln huschte über mein Gesicht, weil es ihn just in jenem Moment so menschlich gemacht hatte. Er, der in bisher allen anderen Mails so in sich ruhend wirkte, er, den scheinbar nichts aus der Ruhe bringen konnte, er hatte dieses zarte Gefühl von Angst. Und ich fragte mich wovor. Denn es kann nichts passieren. Wenn wir, wie er es schrieb, feststellen, dass wir uns mögen, dann werden wir uns wiedersehen. Wenn wir nach diesem Abend sehen, dass es für den Moment nicht sein soll, dass sich unsere Wege auch weiterhin kreuzen, dann werden wir diesen Abend als neue Erfahrung in unsere Leben mitnehmen und keine Zeit mehr miteinander verbringen. Ich werde einfach die liebevolle Regel meines Seelenfreundes beherzigen, nicht so viel schnattern (und das könnte ich heute wahrscheinlich besonders gut, denn ich bin trotz miesem Wetter soooo gut gelaunt) und abends ins Bett fallen mit einem Stück fremden Lebens. Mit diesem Treffen schließt sich ein Kreis, der im März begann und nun geschlossen werden soll. Diesen Gedanken finde ich wundervoll.

 

26.07.2010 um 16:03 Uhr

Es ist unser Nachmittag.

von: Wari

Nicht meiner. Nicht deiner. Einfach unserer. Denn auch wenn uns einiges an Entfernung trennt, sehe ich uns gerade im Garten sitzen und die Sonne genießen, sehe ich die Kleinen mit den Füßen im Bach herumstrampeln, sehe ich dich lachen und lasse mich davon in den Bann ziehen. Ich sehe uns gemeinsam in einem guten Buch stöbern und wie wir das Leben leben. Ich sehe, wie uns die Sonne durch den Kirschbaum zublinzelt und wir die Früchte vom Baum holen, wie wir höher und höher hinauf wollen und du deinem Großen sagst, er solle vorsichtig sein. Ich sehe uns an diesem wundervollen Nachmittag, an dem ich nicht bei dir und du nicht bei mir bist. Aber er gehört immer noch uns - dieser Montagnachmittag. So ist es und so soll es bleiben. Und wenn ich genau hinhöre, dann vernehme ich das leise Klingeln deines Fahrrades vor meinem Küchenfenster. Es sind manchmal auch Tränen der Liebe, die ich vergieße ...

Sei nicht traurig, sondern lach und stell dir vor, wir haben ihn immer noch, diesen Montagnachmittag - nur für uns! Ganz tief im Herzen!

 

26.07.2010 um 15:24 Uhr

Danke Lille!

von: Wari

Denn das passt gerade so wunderbar hierher.

 

26.07.2010 um 14:29 Uhr

Die Leiden des jungen J.

von: Wari

Na hups, was für ein überraschender Besuch. Es war klar, dass du irgendwann hier auftauchen würdest, genauso wie du wieder verschwinden würdest. Und dazwischen. Spüren. Einfach fühlen und im ersten Moment durchfuhr es mich, weil es sich leer anfühlte. Aber während ich dich hielt, dein Atmen spürte, meine Ruhe an dich weitergab und merkte, dass du dich in jenem Moment fallen lassen konntest, ohne weitere Fragen zu stellen, ohne hektisch aufzuspringen, ohne, dass ich dich vermisst haben musste und dich vermissen würde, spürte ich, dass ich in unserem Wir bei mir angekommen war. Es spielt keine Rolle mehr, ob du mich vermisst, ob du morgen, übermorgen oder gar nicht wiederkommen würdest. Ich ruhte in mir, wie zu keinem Zeitpunkt zuvor. Es war kein Egal, sondern ein wohltuendes Vertrauen, eine derart liebevolle Liebe zu mir selbst, dass es nicht schwerfiel, dich einfach nur so zu halten und zu wissen, du würdest gehen. Endlich bin ich - was uns angeht - bei mir angekommen. Ich wünschte nur, du könntest diese Liebe spüren und würdest dich nicht an etwas klammern, was du einfach nicht besitzen kannst.

 

26.07.2010 um 10:36 Uhr

Neuland.

von: Wari

Letzte Woche: Seele baumeln lassen. Gespräche. Ruhe. Gemeinsam. Einsam.

Und nun werde ich nach all den wunderbaren Zwischenmenschlichkeiten in ein kleines Abenteuer hopsen. Ich werde nicht den Prinzen treffen, mich aber für ein paar Stunden auf einen Menschen einlassen, den ich nicht kenne. Ich kann noch nicht mal behaupten, dass mich seine Zeilen massiv vom Hocker gerissen hätten, aber sie sind so voller wohltuendem Gedankenpotential und Leben. Und ich? Habe nichts zu verlieren. Immerhin hatte ich den Mut, meine am Dienstag bekräftigte These, nie, nie, nie wieder auf eine Anzeige zu antworten, an diesem Wochenende völlig in die Ecke gedrängt und doch geschrieben. Weil das Wie seiner Annonce gerade so in meine Gedankenspiele passte und ich witzigerweise im Zen-Buch just in diesem Teil angekommen war. Es war stimmig, also schrieb ich. Und er schrieb zurück. Und ich.

Fand seine Rationalität witzig ("Klasse, dann müssen wir uns nur noch mögen."), seine Eigenliebe einfach schön und freue mich auf ein Treffen. Nicht aufgeregt, nicht hibbelig und so völlig anders als beim Prinzen damals. Denn diesmal hab ich so gar nichts zu verlieren.

 

25.07.2010 um 13:17 Uhr

Yofi. Oder die Kunst des Verzeihens.

von: Wari

Dieses Buch liegt seit mehreren Monden in meinem Regal. Mal vorsichtig reingelugt und beiseite gelegt für den richtigen Moment. Und irgendwie scheint dieser gekommen zu sein, denn das Kind in mir schreit förmlich nach Verzeihen. Heute ganz massiv, als ich mit meinen Eltern zusammensitze und das Thema von mir selbst in den Raum geworfen wird, ich Gründe anbringe, weshalb ich dem Erzeuger der Kinder eigentlich gern verzeihen würde, wenn ich es denn könnte. Ich benenne also Beispiele, höre mich von Begebenheiten aus den letzten drei Jahren berichten und mir wispert es imOhr, dieser eine so verletzende Satz, den er zweimal wie einen Pfeil in mein Herz bohrte: "Das Kind ist doch nicht von mir!". Beim zweiten Sohn drohte ich, mehr als tief getroffen, an, dass er von mir eigenhändig auf die Straße gesetzt werden würde, sollte er in meiner Gegenwart noch ein einzigstes Mal diese Behauptung aussprechen! All diese Worte, diese tiefsitzenden Wunden, von denen ich meinte, sie würden mit der Zeit langsam verheilen, rissen wieder auf und entluden sich in einem See voller Tränen. Ich war einfach nur traurig. Nicht dass er gegangen war, das gehörte zu meinem Weg dazu. Aber all die Worte, die er mit seinen spitzen Pfeilen tief reinbohrte, haben sich eingebrannt. Bisher kam ich nur durch Verdrängen weiter und erreichte wenigstens, dass ich durch beharrliches Schweigen meine innere Ruhe einigermaßen herstellen konnte. Findet er aber nur eine kleine Chance von Speerspitzenverteilen, könnte ich innerlich zusammenbrechen, auch wenn ich mir äußerlich nichts anmerken lasse.

Und nun stehe ich mit diesem Schlachtfeld da und weiß nicht, wo ich ansetzen soll. Die unweigerliche Konsequenz wäre ein Gespräch mit ihm, um den Sprung von der achso misslungenen "Getrenntes Paar"-Ebene endlich hin zur Elternebene zu finden. Aber das Kind in mir sträubt sich mit Händen und Füßen. Weil ich ihm just in jenem Moment wieder und wieder die Chance bieten würde, mich auf dieser Ebene anzugreifen. Wie also schaffe ich es, diesen kindlich-traurigen Anteil in mir loszulassen, um uns beiden den Weg zu bereiten, auf eine andere wichtige Ebene zu kommen.Welche Möglichkeiten habe ich, um den Schmerz loszulassen und mich nicht weiterhin darin zu verbeißen? Denn momentan hat er mich durch seine vergangenen Gespräche dazu gebracht, genau so zu handeln, wie er es bisher tat und wie  ich es so sehr gehasst habe: Weglaufen!

Ich werde am Montag all meinen nichtvorhandenen Mut zusammennehmen und unsere gemeinsame Beraterin beim Jugendamt anrufen, um einen dringenden Termin bitten und mit ihr ein Gespräch darüber führen. Sie kann zumindest ansatzweise verstehen, was ich möchte, weil sie seine Art kennt, weil sie erlebt hat, wie verletzend er sein kann, sie aber andererseits sehr loyal beide Seiten sieht und vielleicht die erwachsene Frau in mir rufen kann.

 

24.07.2010 um 11:34 Uhr

Bis auf den Grund.

von: Wari

23.07.2010 um 15:09 Uhr

Wer auf allen Wegen geht, verfehlt den Weg nach Hause.

von: Wari

Wenn du heute hier sein wirst, werde ich dich nicht vermisst haben. Ich werde dich nicht lieben, weil du mich brauchst. Ich werde dich auch in Zukunft nicht vermissen, sondern immer nur einen Teil in mir spüren, der nicht im Gleichgewicht ist. Und du wirst sauer sein, weil ich dich doch genau so wie du mich vermisst haben muss. Weil ich doch nicht glücklich sein kann, wenn du nicht in meiner Nähe warst. Weil doch auch ich dich brauchen muss. Aber die Tage, an denen ich in dir etwas gesucht habe, was ich nur in mir selbst finden kann, sind genauso gezählt wie die letzten Centstücke beim Bäcker, wenn dieser abends seinen Laden geschlossen hat. Ich werde dich also nicht lieben, weil du wieder mal Zeit hast, weil du mich gerade schmerzlich vermisst, weil dir etwas fehlt in deinem Leben, was du meinst in mir zu finden. Vielleicht habe ich gerade heute die Stärke, die du immer zwingend in mir suchst, vielleicht bin ich gerade heute besonders liebevoll, weil ich in den letzten Tagen so viel mehr die Liebe dieser Welt sehen konnte. Vielleicht hast du dir gerade deswegen den heutigen Tag ausgesucht, um mich zu finden. Aber du wirst einfach nicht verstehen, dass ich dich nicht liebe, weil. Sondern dass ich einfach um der Liebe willen liebe. Und du wirst dir wieder ein Mal mehr selbst im Weg stehen. Ich kann dich nicht sehend machen, ein Stück fühlend vielleicht, aber all das wird dir nicht reichen. Weil du immer noch etwas halten willst, was nicht dir gehört.

 

23.07.2010 um 14:30 Uhr

Roter Klatschmohn im Obstsalat des Lebens.

von: Wari

Die letzte Woche war gefasst von Kilometerverbrauch, von unendlicher Liebe, Magie, von Zusammentreffen und Auseinandertriften. Der Wechsel von so unterschiedlichen Menschen in dieser kurzen Zeit war faszinierend, selten schön und so unheimlich wohltuend. Ich durfte in dieser einen Woche das Leben von einer Seite kennenlernen, die in den letzten Wochen sehr gelitten hatte. Die versteckt blieb unter all dem "Wir mögen die Lehrerin gemeinsam nicht.", "Wir brauchen dringend Ferien." und "Wer bin ich bloß gerade?". Ich durfte einen Freund in die Arme schließen, den ich so lange nicht gesehen, nicht gefühlt hatte und dem ich mich dennoch so tief drinnen immer nah fühle, mit dem ich wochenlang schweigen kann und selbst in dieser Ruhe von seiner Seite noch wohltuende Energieschübe verspüre. Ich durfte mich einen Tag lang einfach fallen lassen, spürte wohltuende Führung, eine Schulter, die wie fern sie auch räumlich sein mag, Halt bietet, ein Herz, das so offen und rein wie nur wenig andere ist. Ich genoss die Stunden, die diesmal zwar genauso schnell vergingen, wie sonst auch. Aber sie fühlten sich diesmal noch anders an als sonst. Zum ersten Mal wohl wollte ich nicht zu viel für den Augenblick, wollte ich nicht all die nichtgesehenen Momente in dieses eine Treffen steckten. Ich mochte nur den Moment genießen und konnte es diesmal auf eine ganz neue Art. Mein Herz fühlte sich so ganz neu, so ganz liebevoll anders zu diesem Freund hingezogen, der mir genau an diesem Tag so anders liebevoll menschlich erschien und ich bemerkte, welche Veränderungen das Leben im letzten halbe Jahr in mich gezaubert hatte. Es war pures Sein. Ich wollte nicht mehr sein wie er, ich wollte nicht mehr um jeden Preis auf der selben Stufe der persönlichen Entfaltung stehen wie er. Und just in jenem Moment gelang es mir den eigens erzeugten Schleier abzuwerfen und uns genau so zu genießen, wie wir sind. Ich ließ mich einfangen von seinem Lachen, von seinen liebevollen Gedanken, ließ mich mitnehmen auf ein Stück Weg, das so spannend ist wie das Leben selbst, so bunt, so malerisch schön. Es hatte nichts mehr von "Ich muss das alles festhalten!". Dieser Tag war nicht wohltuend - er IST es!

Schon am nächsten Abend traf ich auf Menschen, die ich nie zuvor gesehen hatte und bei denen es fraglich ist, ob ich sie jemals wiedersehen werde. Auf dem Weg dorthin bemerkte ich allerdings, wie sich alte Muster in meinem Kopf zusammenbrauten und ich die neugewonnenen Freiheiten vom einfach Ich-Sein fesseln wollte. Ich wollte um so viele Preise etwas sein, was ich nicht sein konnte, um zu gefallen und gemocht zu werden, um interessant zu erscheinen, um .... ja was eigentlich? Um irgendwann auf diesem Weg zu erkennen, dass ich nichts scheinen kann, was ich nicht bin. Ich bin also nicht perfekt, ich kann launisch sein, ich kann lachend durch dir Welt laufen, ich kann auch mal zurückstecken, ich kann austeilen, ich kann auch mal wütend sein, ich kann liebevoll sei, ich kann mich nicht mögen, ich kann auch mal gute Miene zu bösem Spiel machen. Aber mit einem Mal wurde mir so deutlich, dass ich nicht mehr anders scheinen wollte, als ich bin, nur um zu gefallen. Also war ich an jenem Abend eben ich, nicht ein Stückchen von diesem oder jenen Menschen, sondern einfach ich. Das machte auf jeden Fall auch die Feststellung erträglich, dass Freund S. sein Herz an die Freundin gehangen hatte, die ich vor ein paar Wochen mit ihm in Verbindung gebracht hatte. Ich war raus aus dem Spiel, das eigentlich kein Spiel war, dass das Herz zeitweise in Verzückung gebracht hatte. Ich war aber trotz aller Feststellungen immer noch ich. Und zum ersten Mal wollte ich allem zum Trotz auch nur ich bleiben. Und fühlte mich mit diesem Wollen so richtig gut, denn ich konnte mich ein mal mehr von einem Brauchen lösen, welches kein guter Start für eine Beziehung zu einem Menschen wäre.

Und mit diesem Losgelöstsein reiste ich einen weiteren Tag später zu meiner Freundin, um den Geburtstag ihres Sohnes zu feiern. Ich fand ausgelassene Menschen, konnte mich wohlfühlen, fand unsere Liebe ungebrochen in jenen Momenten, als wir gemeinsam lachten, als wir gemeinsam sentimental wurden, als wir einfach inmitten des Geburtstagstrubels unser Wir jubeln ließen. Es sind die kleinen Momente, die wichtig sind, in denen sich so viele bunte Farben finden lassen, dass wir damit dem Grau des restlichen Sommers einen ganz neuen Anstrich verpassen können. Es trennen uns zwar viele Kilometer, es wird nichts mehr so spontan sein, wie es bisher war, aber ich sehe nun in all diese Wandlungen, dass deswegen die Freundschaft nicht schlechter sein muss. Sie wird in Teilen anders sein, aber sicher nicht minder schön. Und meine Liebe, auch wenn der Weg steinig ist und du momentan vielleicht noch am Anfang eines Weges stehst, den ich teilweise schon gegangen bin, so glaube mir, genau diesem Anfang wohnt ein solcher Zauber inne, dass es sich lohnt, jeden einzelnen Schritt zu gehen, so steinig dieser Weg auch manchmal sein mag. Setz dich hin, wenn du nicht mehr laufen kannst oder lass dich ruhig ein Stück tragen. Vom Leben. Bleib du du, Schritt für Schritt und hab keine Angst vor dem Auf und Ab des Weges. Du darst auch neben all der Stärke auch schwach sein, darfst den kopf auch mal hängen lassen und an einer Weggabelung auch mal nicht wissen, wohin du gehen sollst! So lange du dich nicht aus den Augen verlierst, wird alles gut sein.

Nach dieser Woche unter Menschen sein, bin ich nun wieder hier, allein mit mir selbst. Und ich tanze, lache mit mir selbst, genüge mir ein Mal mehr selbst und bin froh, dass ich mich ein Stückchen besser kennengelernt habe. Ich bin. Froh.

 

21.07.2010 um 12:24 Uhr

Halbblut.

von: Wari

Während ich mein Wägelchen mit gemütlichen 120 Sachen über die Autobahn schippere, schossen die verschiedensten Gedanken zu diesem einen Satz durch meinen Kopf, der so unerwartet im Telefonat mit dem Großen gefallen war. "Sie bekommt ein Baby." beiläufig fast erwähnt. Und da auch ich nur Menschin bin, überkommen mich Gefühlswallungen, die in alle Richtungen reichen. Auch wenn sich die leise Vorahnung auf diesen Fakt schon mit dem Neukauf seines Fahrzeuges eingeschlichen hatte, so mischen sich in meinem Innersten Wut, schwindende Hoffnungen, Verzweiflung, Ohnmacht zusammen zu einem Wirrwarr in das ich irgendwie eine Ordnung bringen möchte.

"Die armen Jungs!" rollte sich von der rechten Hirnhälfte in die linke. Und von links wieder zurück. Der Erzeuger der Jungs ist doch jetzt schon nicht in der Lage, ihnen das notwendige Gefühl von Gesehen- und Geliebtwerden zu geben - wie um alles in der Welt sollte es dann also mit dem nächsten Nachwuchs werden? Vernünftigerweise zerbricht man sich über ungelegte Eier nicht den Kopf, aber bei dermaßen großen emotionalen Verletzungen innerhalb der letzten zweieinhalb Jahrem macht diese Weisheit einen großen Bogen um meinen Verstand und versandet mitten im Schmerzzentrum. All die Hoffnungsschimmer, dass die Jungs väterlicherseits jemals die Liebe und Aufmerksamkeit bekommen, derer ihre kleine Seelen bedürfen,  zerplatzen an diesem einen Satz und seinen hirnwindlichen Nachgängen. Sie werden also in Zukunft nicht mehr auf Platz 3 und 4 rangieren, sondern eines schönen Tages mit voller Wucht auf die darunterliegenden Plätze wandern. Ich hätte ihnen wahrlich gewünscht, dass ihr Erzeuger ihnen den "mein eigen Fleisch und Blut" - Platz im Herzen übereignet hätte- längst überfällig. Stattdessen werden sie also mit weiteren Einbußen der emotionalen Aufmerksamkeit leben müssen, was der ohnehin fragwürdigen "ich hab euch alle 14 Tage soooo lieb" - Mentalität keinen besseren Status verleihen wird.

Zu den bisherigen "wir verbringen unsere wenige gemeinsame Zeit beim Unkrautjäten" - Wochenenden werden sich "seid leise, 'blablubb' schläft!"  und "wir können jetzt nicht hier und da hin fahren, dafür ist 'blablubb' noch zu klein!" - Situationen einfinden, die den Jungs erfolgreich zeigen werden, an welcher Stelle sie in diesem "Das ist jetzt meine Familie." - Ranking stehen.  Bleibt an dieser Stelle zu wünschen, dass es, wie´s der Große so schön formulierte, hoffentlich nur eins wird!

Und in all diese Gedanken schleicht sich die unheimlichste aller unheimlichen Fiesigkeiten meinerseits, ob ich dem Erzeuger der Jungs ans Herz legen soll, diesmal - trotz hoher Kosten - einen Vaterschaftstest machen zu lassen. Denn mit DER Frau hätte er allen Grund dazu!

Mein Anstand (danke Mum!) wird es mir leider verbieten, diesen Gedanken auszusprechen.

 

19.07.2010 um 08:00 Uhr

Nur dein liebes Gesicht.

von: Wari

18.07.2010 um 21:52 Uhr

Nur ein einziger Augenblick.

von: Wari

Als wir am Teich saßen und in der Ferne dieses leise Grollen vernahmen, klang alles so wild romantisch schön. Wir saßen und träumten unsere Leben bunt, ließen unsere Freundschaft aufleben und genossen die Momente, die wir nur für uns zu zweit hatten. Und als wir gen Heimat radelten, hatte ich wirklich todesmutig gemeint, wir würden es schaffen. Ich zählte die Sekunden und wusste, es war weit genug weg. Doch als wir den Feldweg hinunterrasten, meinte ich, es würden die letzten Sekunden unseres Lebens. Die Naturgewalt, die auf Postkarten malerisch schön anmutend zu sehen war, wirkte in jenem Moment nicht mehr schön. Sie machte nur noch Angst, weil wir auf unseren Rädern den höchsten Punkt auf diesem freien Feld abgaben und mir schossen in diesem Moment die wildesten Gedanken durch den Kopf. Am schlimmsten der Punkt, dass vier Kinder ohne Mütter dastehen würden und es hämmerte wie wild in meinem Schädel, dass dies nie, nie, nie so sein dürfte. Er kam zu früh, dieser gnadenlos schöne Blitz, der in gefühlten zwei Metern neben uns seinen Weg zur Erde suchte. Und er jagte uns einen solchen Schauer durch Mark und Bein, dass wir am liebsten laut geschrien hätten. Aber wenn zwischen Leben und Tod gefühlte zwei Meter liegen, dann vergisst man sogar zu schreien. Dann ist da nur noch Angst und der Wille, dieses Leben weiterleben zu wollen. Mit zitternden Körpern erreichten wir die ersten Häuser im Dorf und rasten weiter auf den Hof, der uns die Sicherheit bot, die wir Sekunden vorher so sehr gebraucht hätten. Unser beider Herzen rasten und fanden minutenlang keine Ruhe. Wir irrten umher, als wenn uns der Blitz wenigstens gestreift hatte. Der Schnaps zur Beruhigung tat gut, aber erst abends, als wir in unseren Schlafsäcken lagen, kamen wir innerlich wirklich zur Ruhe. Trotz der massiven Angst, trotz der vielen Gedanken, die uns in jenem Moment auf dem Feld durch den Kopf schossen ... oder gerade deswegen, waren wir erneut so dankbar für dieses eine kostbare Leben, für dieses wunderbare, bunte Leben, das wir besonders an diesem Abend noch mit viel Lachen füllten. Wir erkannten an diesem gestrigen Tag nicht nur, wie wertvoll nur ein einziger Moment sein konnte, sondern wir rückten in diesem Moment zusammen. Unsere Herzen hatten die selbe Angst gespürt, unsere Köpfe die selben Gedanken gehabt und wir haben es beide gemeinsam überstanden. Vielleicht schon nächstes Jahr werden wir unseren Kindern davon am Lagerfeuer berichten und sie für einen weiteren Moment noch liebevoller in den Arm nehmen, weil wir immer noch dankbar sind, in diesem Leben verweilen zu dürfen.

 

13.07.2010 um 21:47 Uhr

Nachkommen ins Paradies.

von: Wari

Ich träumte mich hinweg, schlummerte und wartete auf die Kids und ihre Großeltern. Der gemeinsamen Zeit mit meinen Eltern gegenüber in einem Urlaub war ich daheim sehr skeptisch gestimmt. Als wir im Februar gemeinsam eine Woche an der Küste verbrachten, hatte ich mir hinterher geschworen, nie wieder mit ihnen UND meinen Kindern in den Urlaub zu fahren. Das würde nicht gut gehen. Doch mit der Rückkehr ins Paradies wuchs in mir der Wunsch, etwas zum gegenseitigen Verstehen und Annehmen beizutragen. Ich war gewillt, ein paar schöne Tage mit ihnen zu verbringen, ohne mich verbiegen zu müssen und ohne sie verbiegen zu wollen. Und so ließ ich es einfach auf uns zukommen. Ich schrieb dem Großen eine Nachricht, dass sie uns an der selben Stelle wie im letzten Jahr finden würden und wartete. Und wartete. Und wartete. Ich wurde ungeduldig, weil ich zum ersten Mal seit langem nichts zu tun hatte. Ich musste nicht dieses Schreiben beantworten und jenen Antrag ausfüllen, musste keine Wäsche sortieren oder mir über Finanzen Gedanken machen, ich konnte einfach nur den Sommer genießen. Und tat mich schwer damit. Da ich es alltagsbedingt gewohnt bin, ständig in Aktion zu sein, für drei Menschen zu denken, im Job für weitere Menschen Verantwortung zu übernehmen und auch abends stets versuchte, den Kopf voller Gedanken an den nächsten Tag irgendwie oben zu tragen, fiel es mir just in diesem Moment unheimlich schwer, diese vermeintliche Leere zu genießen. Dabei hatte doch gerade ich erst zwei Wochen zuvor  Mr. Ex-LL gepredigt, er solle seinen Laptop mal daheim lassen, um die eine Woche Italien einfach mal auszuspannen. Also zwang ich mich im ersten Moment zur Ruhe und es dauerte nicht lange, da empfand ich dieses Nichtstun als eines der größten Geschenke in dieser Zeit. Ich konnte einfach mal herumdösen und genießen, was die Natur an diesen Ort gezaubert hatte. Ich schwang mich auf´s Rad und fuhr langsam die kleine Straße hinauf zum Findlingsgarten, setzte mich, genoß die Felder, den kleinen Birkenweg und wie immer die wunderschönen Wolkenfirmationen.

Irgendwann überkam mich die aufregung, die Vorfreude auf meine Kids, auf meine Eltern, einfach auf die gemeinsamen Tage, die wir verbringen würden und so radelte ich zurück, baute das zweite Zelt auf und wartete diesmal ruhig und gelassen. In diese innere Ruhe mischte sich das bekannte Geräusch eines bekannten Wägelchens, dass meine Lieben von der Ostseeküste ins Paradies befördert hatte und kaum, dass es neben dem meinen geparkt wurde, flogen mir zwei wilde Kerle entgegen, die sich mir sonnengebräuntin meine Arme warfen. Wir umarmten und herzten uns und dann schnatterten zwei kleine Kerle um die Wette, so dass ich kaum dazu kam, meine Eltern in aller Ruhe zu begrüßen. Die Zeit mit mir allein war also vorbei und ich freute mich um so mehr auf diekommenden Tage.

Obwohl die Jungs die Woche zuvor mehr als Meer genießen konnten, stürzten wir uns nur Minuten später ins kühlende Nass, spritzten uns in kindlicher Freude mit der flachen Hand den See um die Ohren, tauchten hinein und teilten so die ersten gemeinsamen Minuten im Paradies.

 

Paradies

 

13.07.2010 um 00:03 Uhr

Willkommen im Paradies.

von: Wari

Chocolat summte aus den Lautsprechern, als ich den lauen Sommerwind ins Auto wehen ließ und mit einem Mal die ersten ach so vertrauten Häuser wahrnahm. Es waren nicht zu viele Seelenküsse auf einmal, aber so viele wohltuende. Es war ein Heimkommen in eine Heimat, die doch bisher erst ein einzigstes Mal für eine einzige Woche Heimat war. Meine Gedanken fanden sich am kleinen See ein, beim morgendlichen Brötchen holen im kleinen Tante Emma-Laden, deren Besitzerin meine Kinder am liebsten in diesem Sommer mit nach Hause genommen hätten, ich träumte mich auf die Wiese vorm Zelt und mitten rein ins Wasser. Ich hippelte all dem so entgegen, dass ich mir mit dieser wundervollen Musik im Ohr wie in einem total romantisch-verkitschten Film vorkam. Ich ließ mir den Fahrtwind durch die Haare wehen und freute mich mehr als zehn kleine Kinder auf einmal auf diesen Flecken Erde. Da wo die Welt so gnadenlos in Ordnung scheint, da wo die Zeit irgenwie ein wenig langsamer voranschreitet als daheim und wo die schönsten Wolken der Welt zuhause sind.

Als ich einbog in die Straße, die mit ihrem Feldsteinpflaster diese wunderbare Dorfromantik verstärkte, wusste ich, es würden die besten Tage in diesem Sommer, vielleicht sogar in diesem ganzen Jahr, weil die kommende Woche einfach nur mir und den Kids gehören würde. Beim Anmelden wäre ich der netten Dame hinterm Thresen fast um den Hals gefallen vor lauter Freude. (Zu meinem Glück begnügte ich mich mit einem "Hach, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, wieder hier zu sein!", denn wie sich hinterher herausstellte, hatten die Besitzer gewechselt. *oink*) Als ich den kleinen Weg hinunterfuhr um mir den Platz für´s Zelt auszusuchen, fand ich die Stelle vom letzten Jahr, setzte mich auf die Wiese, blinzelte voller Wohlwollen der Sonne entgegen und sog die frische Seeluft ein. Ich baute unser Zelt an genau der selben Stelle auf, breitete die Decke aus und schaute den kleinen Wolken zu, die an keinem anderen Ort der Welt so postkartenschön dahergezogen kommen.

Und in all dieses Wiederankommen stürmte der Wunsch, meine Füße in den See zu stecken, dieses friedliche Gewässer zu spüren und meinen Blick ans andere Ufer zu schicken, um mich in meinen Sommergedanken zu verlieren. Ich ging. Und tauchte ein in den vor einem Jahr liebgewonnenen See, der zu jeder Tageszeit unheimlich friedvoll sein kühlendes Nass zur Verfügung stellte und an dessen Ufer sich die Kinder bedenkenlos tummeln konnten. Manchmal, wenn man ruhig im Wasser verweilte, wurde man von kleinen Fischen umschwommen und morgens war es besonders reizvoll, die allerersten Bahnen in seinem Wasser zu ziehen.

Ich genoss, zum Zelt zurückgekehrt die ruhigen Minuten vor der Ankunft der Restfamilie, schrieb an den Freund daheim eine kurze Nachricht (ein bisschen verstecktes Vermissen inklusive) und ließ mich auf die Decke fallen, um ein kurzes Schläfchen abzuhalten ....

postkartenschön

 

03.07.2010 um 23:31 Uhr

Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.

von: Wari

Der letzte Tag vorm heiß ersehnten Ulaub. Das Auto ist beladen, die Wohnung einigermaßen in Ordnung gebracht und ich fühle mich einfach nur glücklich. Denn was kommt, ist eine Alltagsauszeit mit meinen Kindern, die mir wie schon lange nicht mehr so sehr am Herzen liegt. Ich trage also die letzten Notwendigkeiten zusammen (eine Woche Tütensuppen *muahaha* - meine Kinder werden mich lieben!!!) und setze mich ein letztes Mal mit meiner Chefin gemütlich im Garten zusammen (ich mag sie so sehr und es ist wohltuend, dass sie mich bat, bei ihr zu arbeiten), bevor wir uns im Urlaub treffen werden (wie das Leben manchmal so kunterbunt spielt, fahren wir in die gleiche Ecke Deutschlands und sind alle mit den Fahrrädern bewaffnet!). Ich telefoniere ein letztes Mal für eine Woche mit dem Freund, der mir so am Herzen liegt und er sagt mir zum wiederholten Male, dass ich auf mich aufpassen und vorsichtig fahren soll. Ich gestehe, ich sauge seine Stimme auf und fühle. Ich fühle ihn und was noch wichtiger ist, ich fühle mich. Es ist ein Stein ins Rollen geraten, der wichtig war. Denn was ich in all der letzten Zeit immer und immer wieder verdrängt hatte, war mein eigenes Schwachsein. Ich konnte es nicht, durfte es nicht und versuchte in jedem Augenblick Stärke zu beweisen. Zwangsläufig führt das irgendwann zu einem totalen Ausgelaugtsein, zu einem Erschöpfungszustand, der seinesgleichen erst mal finden muss. Und ich denke an jenen Abend zurück, an dem wir auf der Bühne spielten und ich danach erkannte, was Mr. Ex-LL so sehr an mir liebte, was er bei mir suchte. genau diese Stärke war es. Daheim musste er immer der Starke sein und Halt bieten, während er selber ebensolchen benötigte. Ich habe es sicher hier und da annähernd erkannt, aber für mich nicht zu fassen bekommen, obwohl er mir dies deutlich zu spüren gab und dem Kind sogar manches Mal einen Namen gab. Aber zu dem Zeitpunkt konnte oder wollte ich es nicht wirklich sehen. Ich verdrängte und versuchte, mich ebenso in dieser ungleichen Beziehung fallen zu lassen. Und ich fiel, nein ich stürzte.Tief sogar. Und jetzt, mit fünf Monaten Abstanderst, bemerkte dieses eine entscheidende Detail, dass unsere Beziehung meistens dann besonders intensiv und gut verlief, wenn ich ihm den notwendigen Rückhalt bieten konnte, den er zuhause nicht fand. Während mir bewusst wurde, wie sehr ich oft versucht hatte, etwas zu sein oder etwas zu geben, was ich nicht konnte, stellte ich fest, wie mit diesem Freund genau das so anders ist (und die ganzen letzten Monate war) ... bei ihm muss ich nicht stark sein, bei ihm darf ich mich auch mal ausgelaugt und schwach fühlen. Bei ihm darf ich Probleme haben, die er nicht kennt und trotzdem nachvollziehen kann. Er hat diese Empathie, die man sich bei so manchem Freund wünscht, die ich besonders Mr. Ex-LL wünsche. Denn dann könnte er unsere Freundschaft und Liebe im rechten Licht sehen und sie auch in schwachen Momenten genießen.

Und während ich mir über all dies im Klaren werde, beginne, mich wieder selbst zu sehen und mich ebenso zu lieben, wenn ich schwach und zerbrechlich bin, lausche ich seinem Geschenk und verliebe mich einmal wieder in diesen großartigen Streifen, den ich vor acht Jahren das erste Mal sah.

02.07.2010 um 10:21 Uhr

Die Dinge verstecken sich oft vor dem, der sie sucht. Lässt man sie gewähren, so zeigen sie sich.

von: Wari

Da saß er also bei mir daheim, der Freund, den ich nun seit vier langen Jahren kenne. Ich erinnere mich genau an den Tag unserer ersten Begegnung. Ich sah ihn und es durchfuhr mich. Die Gedanken überschlugen sich und wurden im Laufe der Zeit in die rechten Bahnen gelenkt, nachdem ich erfuhr, dass er liiert ist. Und so wurden wir Freunde, sehr gute sogar. Wir durchlebten jeweils die Trennungen von unseren Partnern (Verlassene können sich verdammt gut trösten!), suchten und fanden gegenseitig Halt und geben ihn uns immer noch in unserem so manches Mal mehr oder weniger schwierigem Single-Dasein. Wir treffen uns und gehen gemeinsam aus. Nur diesmal war nach diesem Abend nix mehr, wie es vorher war, denn am nächsten Tag wirbelten alle Gedanken mal wieder heillos durcheinander und ich vernahm tief drinnen, diesen Anflug von Gefühlsduselei, versuchte sie einzusortieren und begann, seine Nachrichten und Gesten, seine kleinen Schmeicheleien zu deuten. Und mir kam just jener Tag in den Sinn, an dem ich am liebsten losgefahren wäre, mich mit ihm an den großen Fluss gesetzt hätte und meine Seele einfach in seine Hände gelegt hätte. Aber ich hab mich nicht getraut. Hatte zu viel Angst vor dem, was vielleicht nicht sein würde. Dabei haben wir beide irgendwann festgestellt, dass es doch nichts Besseres geben könnte, als den zukünftigen Partner aus einer bestehenden Freundschaft heraus zu finden. Und ich versuche in seinen Worten Halt zu finden, in denen er deutlich machte, dass er durchaus mit Kindern Spaß haben kann, auch wenn er selbst keine eigenen haben möchte. Ich sehe mit einem Mal diese kleinen chamourösen Anspielungen und versuche gleichzeitig mit aller Macht dagegen zu halten, um nicht gekonnt ins offene Messer zu laufen. Ich spüre diesen Anflug von Verliebtsein und fürchte mich vorm ersten Schritt. Und heute Nachmittag werde ich zum ersten Mal nicht ganz so unbeschwert und frei zu unserem kleinen Treffen im kleinen Kaffee Café gehen, weil ich Gefühle sortieren muss und vielleicht sogar kontrollieren. Darin bin ich nicht besonders gut. Viel lieber würde ich, wie neulich schon, meine Seele vor ihm ausbreiten und mich einfach von der seinen auffangen lassen. Es hat sich alles so verändert seit diesem einen letzten Abend ...