... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

29.12.2010 um 12:17 Uhr

Abschied ist immer ein wenig Sterben.

von: Wari

Ich war verwundet. Schwer sogar. Er hatte es geschafft, dass ich binnen eines Tages innerlich ausblutete und mich auf der Schlachtbank liegen sah. Meine Kräfte schwanden und ins warme Wasser, das langsam und weich über meine Schultern floss, mischte sich der Versuch meines Innersten, diesen Seelenschmerz abzuwenden. Sein Umgang mit mir krampfte alles zusammen ... Herz, Magen, Verstand. Wirbelte den leisen Versuch, irgendwo noch einen Funken Hoffnung auf ein bisschen Normalität und diesen zarten Gedanken an ein Miteinander, dermaßen laut umher, dass sich alles nicht mehr aufhalten ließ und mir den schauerlichsten Schauer der letzten Monde durch Mark und Bein jagte, bevor ich mich kraftlos sinken ließ. Hatte ich jemals Veränderungen an Menschen bemerkt, die mir in vergangenen Zeiten nahestanden, so konnte ich dies in Ruhe und mit Gelassenheit annehmen. Im Ernstfall ging man einfach getrennte Wege, weil der gemeinsame an jenem Punkt beendet sein sollte. Hier aber traf der Wunsch, sich wirklich trennen zu können, auf Voraussetzungen, die ein komplettes Verabschieden unmöglich machen. Ich musste also annehmen können, dass er sich so veränderte, dass aus einem liebenswerten Menschen ein wahres Scheusal wird, das durch penetrante Einwirkung von außen ein dermaßen verklärtes Bild aufbaut, dass eine normale Kommunikation unmöglich erscheint. Jeder Versuch, einen Schritt auf ihn zu, wurde spätestens nach drei, vier Wochen durch einen Rundumschlag seinerseits in Grund und Boden gerammt. Mein letzter Ansatz in diesem Jahr, zum Fest der Liebe etwas Herzliches zu verschenken, etwas zu geben, was er sich immer gewünscht hatte, um ein besseres Miteinander finden zu können, wurde binnen von Sekunden dermaßen mit Füßen getreten und von ihm in meinem Beisein eigenhändig erwürgt, dass ich gelähmt auf den kleinen Haufen Elend schaute, der hinterher übrig blieb. All seine Wünsche, seine Hoffnungen, denen ich gerade zum Weihnachtsfest ein bisschen Boden bereiten wollte, weil sie uns beiden geholfen hätten, wurden mit einer Brutalität gemordet, dass mir die Worte immer noch fehlen, um mir selbst klar zu machen, was an diesem Morgen geschah. Es war und bleibt unfassbar und erst der Anruf seiner Eltern und mein endgültigen Zusammenbruch, lies den ganzen Schmerz heraus. Fassungslosigkeit auch auf der anderen Seite und der leise Versuch, tröstende Worte zu finden und mir ein bisschen Boden unter die Füse zu schieben, damit ich vorsichtig aufstehen konnte. Er hat es geschafft, den letzten Funken Hoffnung abzuschlachten wie ein wehrloses kleines Tier. Und leider, leider, leider bin ich nicht willens, diesmal auch nur ein bisschen drüber hinwegzusehen und mir zu sagen: Er kann ja nicht anders! Denn er könnte. Er hat immer die Wahl zwischen Fremdbestimmung und dem, was seinem eigentlichen Herzen entspricht. Und da er sich leider für ersteres entschieden hat, kann ich nichts mehr für uns tun.

 

25.12.2010 um 12:23 Uhr

Nur für den Erzeuger der Kinder!

von: Wari

Heul NIE, NIE wieder beim Jugendamt rum, dass dir die Kommunikation nicht gefällt! DU DÜNNHIRNIGES!

 

25.12.2010 um 07:24 Uhr

Sprich mich bloß nicht an!

von: Wari

Nein, schreib mir SMS noch und nöcher! Wundere dich dann aber bitte nicht über fehlende Kommunikation zwischen uns bezüglich der Kinder. Wenn es schon nicht wichtig erscheint, wirklich wichtige Dinge in einem Einminuten-Gespräch zu klären, dann brauchen wir das restliche Leben keinesfalls zu teilen.

 

23.12.2010 um 19:02 Uhr

Klitzekleines Adrenalinspiel für die Seele.

von: Wari

Nur für mich. Und damit ich im alten Jahr noch irgendetwas Verrücktes getan habe. Etwas, was ich schon immer mal tun wollte. Neulich schrieb Herr Zwischenweltler so magisch über die Magie der Bücher und wie sie von einem Besitz ergreifen. Immer irgendwie zum rechten Zeitpunkt. Ich muss gestehen, ich kann mich seinem Post nur anschließen. Bücher sind pure Magie, sie sind Lebensfreude und Seelenküsse in einem und sie finden immer den richtigen Zeitpunkt. Stimmt es nicht zwischen dem Buch und mir, merke ich das schnell genug und nehme was Anderes her. Dann war es eben nicht unser Zeitpunkt.

Nun gehe ich aber schon seit vielen Monden mit einem einigermaßen verrückten Gedanken schwanger (Gott sei Dank meine einzig bestehende Schwangerschaft!). Ich wollte dieses nimmermüde so unerschöpflich transformeriende Medium nutzen, um Anderen Nachrichten zu überbringen. Kleine Botschaften, versteckt zwischen den Seiten eines grandiosen Schriftstellers, einer faszinierenden Künstlerin. Da man in noch nicht verkaufte Bücher ja schlecht etwas reinschreiben darf, habe ich mir heute meinen ganz besonderes Adrenalinschub verpasst. Ich werkelte daheim eine kleine Grußkarte, verwendete meine schönsten, magischsten Pinselstriche, die ich jemals auf eine Leinwand gestreichelt hatte und schrieb einen netten kleinen Text auf die Rückseite. Als ich dann in der größten Buchhandlung unterwegs war, suchte ich mir Bücher aus, deren Leser mich faszinieren könnten und schmuggelte diese kleinen Botschaften möglichst unbeobachtet zwischen die Seiten. Das allein stellt sich bei einer vorweihnachtlich mehr als gut besuchten Buchhandlung als einermaßen adrenalinhaltig heraus, machte aber unglaublich Spaß. Würde diese kleine Nachricht ungesehen die Buchhandlung verlassen oder würde es dem potentiellen Käufer schon vorher in die Hände fallen? Würde sie ungesehen in einem Papierkorb verschwinden oder würde ich jemanden finden, der darin eine weitere versteckte Botschaft entdeckt, einen Weg, den zu beschreiten sich immer lohnt. Würde es bei einem Menschen eine gewisse Flaschenpost-Neugier wecken, die Neugier sich auf etwas Ungewöhnliches einzulassen? 

Vielleicht werde ich es eines Tages erfahren, wenn eines der Bücher, in die ich ein Stück meiner Seele legte, seinen Weg zu einem Lesenden findet, der dann auch noch eine gewisse Portion Humor hat. Vielleicht. Und das wäre wundervoll. Fast so, als hätte ich heute eine Flaschenpost verschickt!

Herrlich der Gedanke nun endlich diesen verrückten Plan umgsetzt zu haben! Das muss ich öfter machen :-)

 

22.12.2010 um 20:32 Uhr

Ich brauche einen Optionator.

von: Wari

Unbedingt. Und frage mich, ob noch genügend Zeit ist, dem Weihnachts... Scheibenkleister, der Kleine versucht gerade, mich zum Schubladenputzen zu animieren ... Moment! (Okay, ich werde alt. Die Milch steht ordnungsgemäß da, wo sie der Freundliche nicht öffnen kann.) Also, wo war ich stehen geblieben. Achja, der Optionator. Das ist also etwas, was mir im entscheidenden Moment zu einer absolut hinreißenden Option verhilft. Wir hätten da zum Beispiel das Wiedereintreffen der Kinder am ersten Weihnachtsfeiertag im Auge. Ich bin ja voller Vorfreude in Bezug auf die Freude meiner ... ähem unserer (!) Kinder, wenn sie am Weihnachtstag den lieben Anverwandten ihre Geschenke überreichen. Eine fast schlaflose Nacht hat zwei wunderbare Kalender mit den wohl entzückendsten Bildern, der entzückendsten Kinder dieser Welt zum Erscheinen gebracht und ich stelle mir gerade bildlich vor, wie sie ausgepackt werden. Und da liegt der Hund begraben. Während ich schlihtweg ergriffen bin von meinem Tatendrang und meiner Herzensgüte, obliegen dem Kindesvater weit mehr Regungen entgegen Milde, Freude und der Wertschätzung guter Fotos. (Angesichts des Kalenders, den sie im letzten Jahr den glücklichen Großeltern schenkten, gestehe ich, dass beiden weder ein gesundes Maß an fotografischen Blickwinkeln, noch an Fähigkeiten zur gesunden grafischen Umsetzung in die Wiege gelegt wurde. Ist ja aber nicht schlimm. Für so was gibt´s ja mich!) So wird mein geschätzes Werk wohl für reichlich Widerwillen sorgen. Von unseren eingestürzten (Lebkuchen)Neubauten mal ganz zu schweigen. Ich vermute auch, dass dem Herrn Kindespapa mit Eintritt in die neue Frauenära jegliches Bewusstsein für naturnahes Leben abhanden gekommen ist (wobei ich zugeben muss, dass dazu nicht mehr all zu viel wegzunehmen war). Er wird also mit unserem ehemals als Lebkuchenhaus geplantem und nun als Lebkuchenzelt ausgeführtem Modell von "My home is dein Castle!" in wenig Begeisterungsstürme ausbrechen. Aber das sind alles nur Vermutungen. Wahrscheinlich wird er sich mir weinend an den Hals werfen und mir gestehen, dass er vor drei Jahren den größten Fehler seines Lebens begangen hat. Dass wir so toll sind und ich so super Fotos schieße, dass ich ... - und was mach ich, wenn nicht? Genau. Deswegen brauche ich einen Optionator. Ich kann mir die wunderschönsten, kitschigsten, herzzereißesten Anekdoten ausmalen, bei der jeder durchgestählte Waschbrettbauch in Tränen aufgelöst wäre. Zu dumm nur, dass Mr. Kindesvater da nicht mitspielt. Aber immerhin habe ich ihn heute mal dazu gebracht, zu lächeln. (Wieso sich seine Miene allerdings verfinsterte, als ich was von Geschenken für ihn und die Großeltern lamentierte, erschließt sich mir zwar immer noch nicht, machte aber klar: Dem Mann muss jemand das Herz rausgerissen haben. Oder den Verstand. Wahrscheinlich aber beides.)

Jedenfalls wäre so ein Optionator eine gute Investition. Ich würde dann im alles entscheidenden Moment ("Jaaa, er bringt die Kinder und freuuuuu .... t sich ... NICHT!") auf´s Knöpfchen drücken und könnte ihn, ob der Tatsache, dass nun ausgerechnet ICH den schöneren Kalender an die Großeltern verschenkte und er mit seinem Billigdruck (teures Fotopapier rentiert sich IMMER!!!) ein klitzekleines Bisschen hinterher hinkte, irgendwie gnädig stimmen und bauchmiezeln.

Oder nehmen wir Nr. 378tausend. Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen. Nr. 378tausend ist nett. Sicher. Aber nett sein genügt eben nicht. Und nett sein und mit mir nach dem zweiten Treffen in die Kiste verschwinden zu wollen, ist dann schon wieder nicht mehr so nett. Hätte ich jetzt also den oben erwähnten Optionator könnte ich *pling* mir für Nr. 378tausend eine ganz tolle Option aus dem Ärmel schütteln. (Nicht ans Telefon sprinten, weil sich´s in der Wanne gemütlich lesen lässt, ist aber immerhin schon mal ein guter Anfang. Das muss ich mir lassen!)

Oder nehmen wir andere Situationen. Ganz schlimme. Solche Momente, in denen es jemand schafft, mich sprachlos zu machen. Sprachlos im Sinne von "Du bist mir zu blöd. Das, was du mir gerade an den Kopf geknallt hast, ist mir zu blöd. Deine Einstellung ist mir zu blöd. Ich wollte nur, dass du mir zuhörst und keine blöden Ratschläge." So was eben. Ich kenne mich eigentlich nicht sprachlos. Und bin gerade deswegen immer wieder auf´s Neue überrascht, wenn sich in meinem Oberstübchen eine gähnende Leere breitmacht, die mich lähmungsartig zum Schweigen bringt. Sicher, das wirkt in passenden Momenten total cool. Denn ein kluges Sprichwort besagt: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!" Manchmal wirkt es aber auch einfach nur kacke. Wie mundtot gemacht. Was wäre da ein Optionator eine coole Option. Grünes Knöpfchen und *pling*kabuff*

Deswegen lieber Weihnachtsmann: Ich wünsche mir dringend einen Optionator!!! (Ansonsten halt zum Geburtstag, ist ja nicht mehr lang hin!)

Fröhliche Weihnachten!

:-)

 

22.12.2010 um 17:51 Uhr

Mein lieber Gast.

von: Wari

Ich wollte (und das vielleicht, weil Weihnachten ist oder weil du diese dann plötzlich netten Zeilen schriebst) genau hinsehen, wollte vielleicht auch ein bisschen verstehen, was du mir sagen, was du mir aufzeigen willst. Aber ich kann nicht. Die Videos werden hier tief am A der Welt, in diesem Zentrum der Liebenden nicht angezeigt, was mir sagt, dass du vermutlich hunderte Kilometer weit weg bist oder mir Videobotschaften von anderen Kontinenten schickst, deren Inhalt vielleicht sogar mich nochmal zum Nachdenken anregen würde. Tut mir leid, da lässt sich nichts machen. Aber vielleicht schaffst du es ja einfach, deinen Deckmantel abzustreifen und in Worte zu kleiden, was du mir nahelegen möchtest ...

 

22.12.2010 um 05:19 Uhr

360°

von: Wari

Es weihnachtet. Und damit verbunden, gefühlsduselt es in mir und um mich und überhaupt. Das geht sogar schon weit, dass ich mir Gedanken darum mache, ob und was die Jungs ihrem Herrn Papa schenken könnten. Nach der langen Zeit bin ich ja geneigt, meine Verletzlichkeiten adacta zu legen und nur zu schauen, was tut jetzt allen Beteiligten auf der anderen Seite gut. Ich habe also heute Nacht ca. 2 Stunden Schlaf konsumiert, weil natürlich, wie seit eh und je, alles viel länger gebraucht hat, als ich annahm. Fotos für einen Kalender aufzubereiten ist halt keine Einstunden-Geschichte. Ich habe seit Tagen von diversen Festplatten, Notebooks und Computern, die hier irgendwie zum Laufen zu bringen waren, Bilder auf eine Festplatte geschoben. Zum Überblicken der Lage, zum Neuentdecken der Wunder diesen Jahres. Manches schien so fern, dass ich meinte, es wäre schon mindestens zwei Jahre her. Auf einigen Bildern erschienen mir meine Jungs so weit entrückt, auf anderen wiederum sprang mir ihre pure Liebe entgegen. Diese kindliche Reinheit, diese Ehrlichkeit und Fröhlichkeit, die Ausgelassenheit der Kleinen, wenn sie keine Schulbänke drücken müssen. Nach und nach fanden sich all die kleinen gemeinsamen Erlebnisse diesen Jahres wieder ein.

Der versaubeutelte Winterurlaub mit meinen Eltern zum Beispiel, bei dem ich nicht wusste, wen ich als erstes erziehen soll - die Kinder oder die Eltern. Meinen Vorsatz, nie wieder mit ihnen in den Urlaub zu fahren, hatte ich im Sommer wohlwollend beiseite geschoben und im Hier und Heute schon fast wieder vergessen. (Ich bleibe trotzdem dabei - kein Urlaub mit Enkeln und Großeltern und mir mittendrin!).

Und dann war da noch - der Weggang der Freunde, dessen Sinnhaftigkeit ich an manchen Tagen immer noch vergeblich suche. Doch auch da gab es schöne Stunden, in denen wir raus aus der Stadt auf´s Land fuhren und Ruhe fanden. Und die Kinder ihren Spaß. Und ihre Freunde.

Im Sommer der Familienzuwachs, der besser nicht hätte ausgesucht werden können. Der kleine Mann, der der großen Kratzbürste zeigt, wo es in unseren Wänden langgeht. Der weiß, wie man Milchdeckel öffnet und für mindestens ein Dutzend Überschwemmungen in der Küche sorgte (immerhin sind unsere Schränke seit jenem Tag stets geputzt und ausgewischt!). Jener kleine Freund, dem man bedingungslos sein Herz schenkt und das seine ebenso in die Hand gelegt bekommt, der uns mit seinem Schnurren auf Knopfdruck und Köpfchenreiben die Langsamkeit des Tages erkennen lässt und somit zu einem Ruhepol geworden ist. Da auch sein Aktionismus langsam vom Kindergartenalter in den jugendlichen Leichtsinn übergeht, sind spielerische Angriffe auf Hände und Füße, die unvorsichtig unter Bettdecken hervorlugen, auf ein Minimum reduziert. Dafür ist sein Name Programm.

Die Karussellfahrten auf einem herrlichen Kettenkarussell in der neuen Heimat der alten Freunde zum Beispiel. Sie haben die Kinder begeistert, haben sie zu immer wilderem und fröhlicherem Juchzen gebracht, haben ihr Augen leuchten und ihre Herzen höher schlagen lassen. Dafür lernten sie vorher Kartoffelkäfer und Nacktschnecken von den Beeten zu lesen, sie lernten, dass man nicht alles geschenkt bekommt, sondern dass man sich einiges eben auch mal erarbeiten muss.

Dieses eine Jahr, es hatte so viele Facetten, so unendlich viele Bereicherungen und wenngleich statt des Prinzen eben im Moment nur ein Frosch vorbeigesprungen kam, den ich ja nicht küssen muss, so mag ich es dieses Jahr. Ich mag es vorallem deshalb, weil es uns dreien noch so wundervolle Tage bescheren wird! Sie sind noch nicht vorbei, diese glamourösen 365 Tage.

Das Einzige, was wirklich fehlt, ist das in die Arme schließen eines Freundes, des wichtigsten Freundes. Es waren eindeutig zu wenig AUGENblicke, die wir in diesem Jahr geteilt haben.

 

20.12.2010 um 06:17 Uhr

Doppelt hält besser!

von: Wari

Dachte sich der Große und stand dem Kleinen in nichts nach.

Notiz an mich: Bettwäsche lässt sich leichter in der Maschine reinigen, als ein Teppich. Somit ist vorbeugen nicht immer besser, als auf die Schuhe ....

Fröhliche Weihnachten!

 

17.12.2010 um 02:55 Uhr

Das Erbe der kleinen Seelen.

von: Wari

Gestern Abend brachte der Große inmitten unseres Familienchaos´ seinen ersten Aufsatz heim. Seit ewigen Monden beschäftigen sie sich mit Märchen. Basteln, malen, schnipseln, stellen Sätze um, lernen Wortwiederholungen zu vermeiden und werden auf eine schriftstellerische Ader hin geprüft. Das Ergebnis war jener ominöse Aufsatz, von dem man als Eltern wie immer erst hinterher erfuhr. Und mich hat es von den Socken gehauen. Eine Geschichte wie aus einem guten Bilderbuch. Ein Junge, der es schafft, eine kleine Geschichte zu verfassen, die anrührt. Und das von einem Kind, was nicht gerne formuliert, was versucht, an manchen Tagen mit Zwei-Wort-Sätzen über die Runden zu kommen. Ein Kind, dem man oft alles mit geduldigen Fragen aus dem Gemüt popeln muss, damit man an vielleicht wichtige Informationen kommt. Eines, das ich vor einigen Wochen dazu nötigte, jeden Abend etwas Positives über sich und seinen Tag in ein kleines Heft einzutragen, damit der Tagesabschluss nicht gekrönt wird von negativen Gedanken. Damit es etwas Gutes in die Nacht mitnimmt, damit es lernt, liebevoll mit sich umzugehen und den Blick weg von seinen Schwächen hin zu seinen Stärken zu lenken. Dieser wundervolle, liebenswerte Junge schreibt eine Geschichte, die für seine Art und Weise zu denken und sich zu artikulieren, ein Wunderwerk an Emotionen darstellt. Abends, als sich der Tag seinem Ende zuneigt, sitzen wir beide zusammen, während der Kleine seinen geschwächten Körper ausschlafen lässt und sich Kraft holt für die nächste Zeit. Ich lese und lese und merke, wie mit jedem Satz ein Stolz in mir aufkommt, der Seinesgleichen sucht. Sein Märchen bringt uns ins Gespräch und ich sehe die vielen kleinen Gedanken, die er beim Schreiben hatte. Freudig erklärt er mir alles und ich bin beglückt, dass er großartige Worte findet für seine Überlegungen. "Wir machen ein Buch daraus", schießt es mir durch den Kopf,"dann hat er ein wunderbares Geschenk für seinen Papa zu Weihnachten."

 

17.12.2010 um 02:28 Uhr

4. Versuch

von: Wari

Ob wohl zwei Briefe, die angeblich nie ankamen, eine Mail, auf die ich keine Lesebestätigung bekam und ein Fax an die ARGE genügen, damit sie endlich die erforderlichen Nachweise dem zuständigen Sachbearbeiter auf den den Tisch legen und ihre 100%-Sanktion adacta legen? Ich glaub ja noch nicht dran!


16.12.2010 um 07:05 Uhr

Ergüsse

von: Wari

Die erste Ladung Sahnenudeln mit Hinterschinken ergoss sich binnen zwei Sekunden nach der nichtverstandenen Vorwarnung über alles, was man so in einem Kinderbett finden kann. (Und wie lange hatte ich mit der Zubereitung dieser Speise zugebracht. Wie sehr hatte sie beiden gemundet.) Danach war ich eine halbe Stunde beschäftigt, alles zu beseitigen und das kleine Kind wieder neu zu betten. Vorsichtshalber legte ich mich zu ihm, kuschelte ich mich an, um im Notfall da sein zu können. Der Notfall kam just in jenem Moment, als ich gerade bereit war, alle Sorgen und Nöte weit genug wegzuschieben und auf den neuen Tag zu verlegen und endlich ein bisschen Schlaf zu holen. Diesmal ging´s nicht weniger schnell, aber es waren ja eh nur noch Restentleerungen und mit genügend Habachtstellung schafft frau es binnen zwei Sekunden, das Licht anzuknipsen, den bereitgestellten Eimer zu schnappen und unters leidende Kind zu bugsieren und dieses dementsprechend zu stützen. Anschließend Magenfein-Tee kochen, einflösen, neuen Eimer bereitstellen, den alten säubern. Zum Kind kuscheln. Nur für den Notfall. Der wiederum brachte dann nur noch Medizin zum Vorschein und ein bisschen Magenfein-Tee, krampfte den lieben Kleinen aber um so mehr zusammen. Die nachhaltige Prozedur wiederholte sich dann und das Einschlafen wurde wiederum nur von den Bitten des Kleinen verhindert, der jetzt im Minutentakt Magenein-Tee haben wollte. (Ist ja besser als nichts ausspucken zu können.) Schlafpensum also fast Null, weil zu diesen Ergüssen schon meine Gedanken um das zur Schulebringen des Großen kreisten, dazu dann wieder die Portion über die Alltagssorgen hinausgehenden Nöte. Mein Zusammenbrechen fand still und leise gegen 6.15 Uhr statt, die lieben Kleinen sollen davon schließlich nichts mitbekommen. Ich wusste gar nicht, wie stilvoll man weinen kann.

Und nein lieber anonymer Gast, du brauchst mir keine Links zu irgendwelchen Videos mehr schicken, in denen du mir mitteilen möchtest, dass es anderen viel schlechter geht. Da du nur einen Bruchteil dessen siehst, was sich in unseren Gefilden abspielt, habe ich momenten keine Muse, mich am vermeintlich schlechteren Leben der anderen aufzubauen. So leid es mir tut, aber deine Einträge wandern in Zukunft wieder ungesehen in die Tonne. Solltest du deine Qualitäten als Realitätsbezugshersteller erweisen wollen, empfehle ich dir folgende Berufe: Sozialpädagoge, Psychologe, Jugendberater, Coach oder Künstler. Viel Spaß!

 

11.12.2010 um 14:24 Uhr

Als Gott mir einen Vater schenkte.

von: Wari

Was hat er sich da wohl gedacht?

- oder: eine Liebeserklärung für dich mein Liebster!

Er hat sich einen wundervollen Menschen ausgesucht, der mit größerer Unterschiedlichkeit und tieferer Seelengleichheit nicht besser hätte ausgesucht werden können. Mein Dad und ich, wir sind oft ein brodelndes Pulverfass, weil unsere unterschiedlichen Ansichten, die die eine Seite zum Kochen bringt (nämlich mich!) und die andere Seite in stoischer Ruhe erklären lässt, dass ich die Welt völlig falsch sehe, derart dynamitisiert, dass nur meine zur Harmonie um jeden Preis veranlagte Frau Mama alles wieder ins Lot bringt. Es wäre doch alles nicht so, wie ich es sehe und beschreibe. Liebster Paps, ich mag deinen Dickkopf so sehr, denn ihm entstammt, was ich an Dickköpfigkeit und Durch-die-Wand-wollen dir entgegensetze. Ich bin dein bester Spiegel, aber du siehst es so oft nicht. Ich könnte dich als naiv und oberflächlich bezeichnen und hab es in meinen jungen Jahren vielleicht auch manchmal getan. Doch heute hast du mir wieder einmal gezeigt, wie liebenswert du bist. Vor einiger Zeit noch hätten mich deine Aussagen heute um den Verstand gebracht, meinen Puls verdreifacht und meine innere Wut über deine fehlende Empathie kollapsartig zusammenbrechen lassen. Doch heute hatte ich ein friedliches inneres Kind, dass den Vater genau in seiner Andersartigkeit annehmen konnte und so blieb der brodelnde Vulkan eine Erscheinung aus dem Bilderbuch. Ich sah dich an und dachte mir: "Du bist so wundervoll! Du, der du über sich selbst und das Leben nachdenkende Menschen nicht verstehen willst. Du, dessen Welt immer perfekt und aalglatt erschien, dass man beim Lesen deines Lebenswerkes vermutlich manchmal in eine ungeahnte Müdigkeit verfallen wöllte. Du, der du von den Wirrungen und der Andersartigkeit der heutigen Zeit nichts sehen will oder kann, dass ich mir wünschte, ich könnte dir ein bisschen Empathie zu Weihnachten schenken. Du, ja genau du, hast eine solch herrlich sinnierende Tochter bekommen. Und mit jedem Gespräch sehe ich dich aufweichen. Ich sehe, je mehr Tage gemeinsamen Lebens, gemeinsamer 14-Tage-Wochenend-Frühstücke vergehen, einen immer wundervoller werdenden Vater, dem ich so vieles verdanke, so viele Gedanken ums Leben und im Moment vorallem eines: die Kraft, meine Welt soin Worte zu kleiden, dass du bereit bist hinzusehen und zuzuhören. Mit jedem Treffen liebe ich dich ein kleines bisschen mehr, inniger, herzlicher!" Bleib du mal schön auf deinem Weg, denn damit gibst du mir das Zeug für den meinen, den unseren!

 

11.12.2010 um 08:48 Uhr

Und wo ist der Gaul?

von: Wari

Der böse Wolf sprach zum Rotkäppchen: "Ja, sage mal, wohin bist du denn so früh unterwegs?", verschlang die Großmutter und später auch Rotkäppchen und musste mit Holzklötzern im Bauch in einen nationalen Tierpark auswandern. Vor der Aufführung hörte ich meinen Großen zu einem Freund sagen: "Nu, der Wolf ist meine Mutter!". Seiner Stimme konnte ich entnehmen, dass die Zeiten vorbei waren, in denen er meine Theaterauftritte irgendwie cool fand :-). Ich hatte trotzdem meinen Spaß mit den anderen Müttern und wir beschlossen für´s Sommerfest mal ein Stück selber zu schreiben, eines, wo die Kinder ganz viel lachen können. Irgendwie haben wir einen Narren daran gefressen, während eines Auftrittes zu improvisieren. Und immerhin haben die Kinder, die der zweiten Aufführung beiwohnten, den Jäger unterstützt und ihm verraten, dass der Wolf die beiden gefressen hat. Ich hatte morgens noch schnell das Kostüm fertiggenäht und dem Rotkäppchen noch ein rotes Käppchen.

Gestern Abend dann traf ich mich zum zweiten Mal mit Nr. 378tausend. Zum Weihnachtsmarktbummel. Wobei ich hinterher feststellte, dass er sich mit mir auch auf dem ungemütlichsten Klo der Stadt getroffen hätte, nur um mich zu sehen. Bei Nr. 378tausend hatte es wohl schon beim ersten Treffen Klick gemacht, während ich in aller Gemütlichkeit ein Schwätzchen hielt und diesmal alles als völlig unbedeutend einstufte. Ich wollte einfach sehen, was für ein Mensch er ist. Als er mich einlud, bei ihm zuhause einen Glühwein zu trinken, hörte ich mich dankend ablehnen. Mir ging das zu schnell. Obwohl er nett ist, obwohl er einen sympathischen Eindruck macht, obwohl er mir Komplimente machte, obwohl es schön war, im Arm gehalten zu werden. Bei mir fehlte das Klick und da konnte er sich noch so sehr bemühen und noch so sehr Angst haben, dass wir uns vielleicht in diesem Jahr nicht mehr sehen werden. In unserem Alter sind zwei, drei, vier Wochen nicht wichtig, wir haben alle Zeit der Welt und die Zwischenräume kann man auch gemütlich mit sich allein verbringen. Ich jedenfalls. Nr. 378tausend wahrscheinlich eher nicht und so fühlte ich mich gestern Abend schon zukunftsweisend derart eingegengt, dass Nr. 378tausend heute Nacht in Person eines anderen Mannes in meinem Traum eine furchtbare Szenerie erhob und versuchte, über mein Leben zu bestimmen. Ich durchlebte "Draußen nur Männchen" in Reality und musste doch ein wenig schmunzeln. Ein wenig.

Und wenn alles mal nicht so läuft, wie es soll, so denke ich einfach an meinen Klavierlehrer, jenen Menschen, der sich gestern höllisch freute, als er gemeinsam mit mir ein Stück spielen konnte. Leute, ich sag euch, was Schöneres kann man sich fast nicht vorstellen, es toppt sogar eine Nacht mit romantischem Kerzenschein und allem Pipapo, wenn man mit einem Freund am Klavier sitzt und diesem Instrument im Gleichtklang Töne entlockt, die einem das Herz erweichen. Ich bin die Fröhlichkeit in Person, wenn ich irgendeine stille Minute des Tages erwische und meine Finger über die Tasten klimpern, als hätten sie nie etwas Anderes getan. Wir verschmelzen im Schwarz-Weiß und lassen die buntesten Farben in den Raum sprudeln. Neulich fragte er mich, ob mich denn einfache Fingerübungen nerven würden (ja sie müssen sein) und seine Freundin, ob ich mich durchquälen würde. Und ich verneinte. Klaviersübungen sind für mich Entspannung, auch wenn das Notenlernen mich noch in den Wahnsinn treibt. Was bleibt ist Liebe. Liebe zu mir, zu meinem Tasteninstrument und diese tiefe innere Ruhe, die das Dahinplätschern der Töne erzeugt.

 

01.12.2010 um 15:18 Uhr

Wenn runter, dann richtig ....

von: Wari

Neue Reifen, neue Glühkerzen, Airbagschei***, Schmierfettaustritt auf der rechten Achse ... meine veranschlagte Summe wird sicher bei weitem übertroffen. Zum Glück lässt uns die ARGE diesen Monat zappeln, wegen vermeintlicher 12 Euro Kapitalerträge im letzten Jahr. Kann´s noch schlimmer kommen? Sicher, denn heute ist die Steuererklärung raus und die finden doch garantiert noch irgendwas. Wo ist das Loch in dem ich für die nächsten fünfzig Jahre verschwinden kann?

 

01.12.2010 um 08:39 Uhr

Wann kommt denn endlich dieser dämliche Prinz?

von: Wari

Immerhin ist das Jahr fast rum und es hat sich, bis auf den ominösen Prinzen, der kam und wieder verschwand, nix getan. Aber die Weihnachtszeit lässt sich ja auch allein genießen. Niemand, mit dem man gemütlich über den Weihnachtsmarkt schlendern muss, niemand, mit dem man sich an einer Tasse Glühwein wärmen muss und niemand, mit dem man frisch gebackene Lebkuchen teilen muss. Hat alles seine Vorzüge. Das Alleinsein.

Aber immerhin: Nr. 378tausend kommt aus meiner Heimatstadt. Hat einen Baum gepflanzt, einen Sohn gezeugt und ein Haus gebaut. Wobei letzteres einem ja im Winter bekanntermaßen auch zum Verhängnis werden kann. Immerhin muss man den Weg ringsherum um diese feine Kapitalanlage beräumen. Und wer hat ehrlich gesagt schon Lust, morgens um fünf den Schneebesen zu schwingen?

Egal. Nr. 387tausend klingt nett und hat immerhin nicht gleich den Absage-Button gedrückt, als ich ihm die Bilder freigegeben habe, die ich am letzten schönen Herbsttag habe knipsen lassen, weil wenn man allein ist, man so selten Fotos von sich macht. Und 378tausend weiß, wie es ist, mit kleinen Männern aufwachen. Er hat also unbedingt einen Pluspunkt gegenüber Nr. 376tausend, der sehr kreativ zu sein scheint und solch famosen Aktivitäten wie Poetry Slams nicht nur im Publikum, sondern auch auf der Bühne beiwohnt. Dafür bewundere ich ihn, denn auf der Bühne einen selbstgeschriebenen Text vorzutragen braucht ne gehörige Portion Selbstbewusstsein. Endlich mal ein Mann mit Selbstbewusstsein, schießt es mir durch den Kopf. Aber seine Tendenz zur Dominanz macht mir Angst. Naja, ein bisschen. Die Vorstellung, mich permanent jemandem unterordnen zu müssen, lässt mich erschaudern und so gleicht meine Körpertemperatur bei diesen Gedanken denen der Minushundertfünfzig, die gerade draußen herrschen.

Ich blättere also weiter im Katalog der Auserwählten. In einem Partnerforum, wo sich die Verlassenen, die Hinterbliebenen, die Alleinseienden, die Verzweifelten, eben all jene mit dem letzten Funken Hoffnung angemeldet haben, die meinen, dem Schicksal noch ein letztes Mal auf die Sprünge helfen zu müssen. Hopphopp, da geht doch noch was ...

Es hat was von Otto-Katalog durchblättern ... - seine Nase gefällt mir nicht, der mag keine Katzen (aber vielleicht Kater, ist meine Hoffnung), der nächste will um Gottes Willen keine Kinder und ich denke, ob der hohen Matchingpunkte, die uns verbinden und aufgrund der vielen, vielen wundervollen Hobbies und seiner Lebensvorstellunge, einen Moment lang nach, ob ich meine Kinder nicht doch in der Weihnachtszeit gut verkaufen kann. Aber angesichts der momentanen Grenzerweiterungsversuche des Großen gebe ich den Gedanken schnell wieder auf und denke nur: "Na, schade, dann wird das eben nichts mit uns zweien."

Die Partnerschaftsanfrage eines mehr als übergewichtigen und 15 Jahre älteren Pharmavertrieblers bügle ich liebevoll ab, mit der Begründung, dass er ein bisschen zu weit weg wohne. Und das ist noch nicht mal gelogen, denn 700 km einfache Entfernung sind 700 Kilometer einfache Entfernung. Punkt. Ich hasse Absagen. Und weil ich die hasse, benutze ich wenigstens nicht den Absage-Button, sondern schreibe ein paar nett verfasste Zeilen mit oben genannten Gründen.

Nr. 389tausend ist Moslem, was an sich nichts Schlimmes bedeuten mag, aber ob ich nun ein Leben lang auf Fleisch verzichten will, weiß ich nicht. Und dass er mir in den drei berühmt berüchtigten Fragen an den zukünftigen Partner die Frage stellt, ob ich eine solche Person sei, lässt mich ins Grübeln geraten. Und darüber grüble ich heute noch. Und es sind immerhin zwei Wochen vergangen. Außerdem hat er den selben Beruf wie ich. Das kann NICHT gutgehen. Also kein Prinz. Aus der Traum, auch wenn andere über ihn sagen, dass er sehr attraktiv sei. Da ich ja keine weiteren Fortpflanzungsversuche vorhabe, nützt seine Attraktivität also nichts, um den Fleischverlust auszugleichen.

Ich bleibe erst mal dabei, dass ich Nr. 378tausend schreibe, meine Telefonnummer beilege und wir dann einfach mal telefonieren, wenn .... ja wenn ich nicht wie jetzt jeden Abend wieder um 20 Uhr vor Müdigkeit bei den Kindern im Bett einschlafe und mir denke, dass es ganz gut ist, dass niemand darauf wartet, dass ich noch hochtrabende Gespräche mit ihm führe.

Fortsetzung folgt ....