... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

26.02.2011 um 10:31 Uhr

Ein Lied vom Wahnsinn.

von: Wari

Ich kann es singen. Hoch und runter. Denn es geht seit Wochen um nichts anderes mehr als um den Wahnsinn unserer Zeit. Es dreht sich alles darum, möglichst nicht aus dem Rahmen zu purzeln und es möglichst jedem recht zu machen, damit man um keinen Preis auffällt. Und würde es mich nicht selbst - oder in diesem Falle meine Kinder - betreffen, könnte ich vermutlich drüber schmunzeln. So aber ist mir das Lachen gehörig vergangen. Diesmal war ich froh, dass ich mir um das Thema lange Haare meiner Kinder mehr als viele Gedanken gemacht habe. Denn so war ich in der Lage zu argumentieren und an das Erwachsensein von uns allen zu appellieren. Als nämlich die Ex-Schwiegermutter anrief, um mir zum wiederholten Male ihre Meinung kund zu tun und mir zu sagen, dass das Thema Haare auch auf der Kindesvaterseite ein gern gesehenes Streitthema wäre, platzte mir innerlich der Kragen. Und äußerlich sagte ich ihr in einem sehr bestimmten Ton, dass wir langsam mal alle aufhören sollten, Menschen in ein uns angenehmes Schema zu pressen. Weil die Neue vom Ex der Meinung ist, lange Haare gehören nicht zu Jungs, sollten die ihre abschneiden und sich gefälligst den Gewohnheiten von Frau B anpassen, die eine raspelkurze Frisur an Jungs bevorzugt. Nun leben unsere Jungs aber bis auf wenige Tage im Jahr bei mir und haben, was die Bestückung ihres Kopfes angeht mittlerweile eine eigene Meinung. Die gestehe ich ihnen angesichts ihres Alters durchaus zu. Dass eine Übergangslänge zu ganz lang eine schwierige Phase ist, wissen wir alle und dass man die irgendwie durchstehen muss, sollte zumindest uns Erwachsenen klar sein und uns befähigen, auch über sporadisch auftretende unschönere Haarwuchsphasen hinwegzusehen. Ich bekomme in diesem einen Gespräch das  Gefühl, man dulde meine Jungs nur noch mit kurzen Haaren, weil unsere Gesellschaft dies so vorsieht und weil unsere Kinder damit am wenigsten anecken. Also lasse ich alles raus, was mal gesagt werden muss. Dass wir alle endlich aufhören sollten, Kindern unsere Meiinung überzustülpen. Dass wir aufhören sollten, uns anzumaßen über jemand anderen zu urteilen, nur weil uns dessen Haarlänge nicht gefällt. Dass ich mich auch nicht erdreiste zu sagen, Frau B sähe Scheiße aus, weil sie sich Strähnchen färben lässt oder dass sie sich die Haare mal wachsen lassen soll, weil das ins gesellschaftliche Bild einer Frau passt und ihre kurzen Haare sowieso und überhaupt kacke an ihr aussehen. Oder das der Kindesvater in seinen Klamotten langweilig wie eh und je ausschaut. Ich maße mir darüber kein Urteil an, denn jeder sollte seinem optischen Willen nach leben können. Ich hoffe, dass diese klaren Worte vielleicht das ein oder Andere in den Köpfen bewegt - vermutlich erst einmal nur die Meinung, dass ich nicht ganz dicht sei. Damit kann ich aber leben. Weil ich zumindest meinen Kinder ihr Recht auf Entfaltung und Erfahrungen nicht frühzeitig nehme und sie nicht ein gesellschaftliches Schema presse, in das sie noch nicht gehören. Diese ganze verdummende Sch*** von gesellschaftlichen Zwängen kommt so schnell und vehement, dass ich sie jetzt da noch nicht wissen will. Und ich frage mich, wieso andere dies nicht begreifen, wo sie doch den Wahnsinn und das Krankmachende an diesem ganzen System permanent am eignen Leib verspüren.

 

18.02.2011 um 06:41 Uhr

An BruderJakob

von: Wari

Ich weiß nicht, was dich reitet, wenn du mir derartige Texte in mein Postfach legst. Ich weiß nur eines:

Geh woanders spielen!

 

16.02.2011 um 05:33 Uhr

Shaolin

von: Wari

Das große Glück findet sich in den kleinen Augenblicken.

Welche Freude, dass wir ein langes Wochenende bei unseren Freunden verbringen durften. Wir schnappten uns den Mittag und reisten mit ihm ans vermeintliche Ende der Welt. Was uns trennte, war eine Wand aus dunkelgrauen Wolken, die sich vom Horizont hoch in den Himmel ausstreckte und uns glauben machte, dass dahinter wirklich die Welt zuende sein müsste. Mittendrin war alles harmlos. Kein Regentropfen, kein Schnee. Es war eben nur dunkler. Und danach folgte fast Sonnenschein. Und Freude über das Wiedersehen. Keiner von uns hatte in den letzen Wochen so sehr einem Ereignis entgegen gefiebert, wie wir drei diesen Tagen. Dabei stand nichts Außergewöhnliches an, einfach Seele baumeln lassen, spielen, herumtollen. Allerdings hatten wir Glück und die Stadtkinder konnten wieder ein bisschen mehr Landleben kennenlernen. Sie fuhren mit dem Hofbesitzer in dessen Wald, um Holz für den Ofen einzuholen. Der Traktor tuckerte leise und zog den Anhänger mit den Kindern und den Werkzeugen hinter sich her, während wir Erwachsenen zu Fuß und den Hofhund an der Leine hinterherliefen. Im Wäldchen angekommen legten die Kinder los, hoben die Äxte über die Köpfe, um im nächsten Moment und mit aller Kraft tiefe Kerben ins Holz  der herumliegenden Baumstämme zu treiben. Der Hofherr selbst beging derweil ein Kettensägenmassaker an anderen Bäumen. Und ich - ich nutzte die Chance auf gute Fotos, nutzte den Moment, um die Nichtalltäglichkeiten festzuhalten. Viel zu selten hatte ich in der vergangenen Zeit wertvolle Augenblicke kreativ genutzt und sie bewusst wahrgenommen. Jetzt hatte ich alle Zeit der Welt, um das Herz und somit auch die Augen zu öffnen. Ich nahm war. Spürte die Natur. Die Kühle des Vormittags, der langsam von der Sonne erwärmt wurde. Ich entdeckte die Schönheit der Natur wieder und versuchte, sie festzuhalten und ein bisschen etwas davon mitzunehmen in die Stadt. Und als das Feuer im Ofen knisterte, wussten wir, was wir geleistet hatten. Es waren nicht zu wenige Momente, die wir genießen durften und dennoch viel zu wenig Zeit.

Auf in den Wald ...

Holz holen


... denn da gibt es genügend zu entdecken ...

Lichtblicke

... den vierbeinigen Freund haben wir mitgenommen ...

Ein Freund

... und die Hinterlassenschaften des letzten Herbstes entdeckt ...

Hinterlassenschaften des Herbstes

Hinterlassenschaften des Herbstes

Stacheliges

... das neue Grün eingefangen ...

Ohne Moos nix los

... ein Mondschauspiel am frühen Nachmittag nur für uns ...

Nur für uns! - Mondschauspiel

... und am Abend ein wärmendes Feuer!

Knister!

Was für ein grandioses Wochenende! Es war alles rundum stimmig. Danke meine Liebe für diese Wohlfühlzeit und das Aufgenommenwerden!