... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

22.12.2011 um 11:40 Uhr

Und schon ist es wieder gestern.

von: Wari

Hach. Es ware so hachig gestern Abend, als der holde Jüngling wie ein blonder Engel durch die Wohnung schwebte und einfach nur gefiel. Der Grizzly, total handzahm, strahlte wie ein Honigkuchenpferd, als der liebste aller liebsten Seelenküsser hier einflog. Ja, es war alles so, wie man es sich wünscht, wenn man ein erstes Aufeinandertreffen anvisiert hat. Beide Wüterichere zeigten mit stolzgeschwellter Brust ihre allerfeinsten Schokoladenseiten, so dass niemand auf dieser Welt meinen würde, dass Zuckerwatteszenarien hier jemals stattfinden könnten. Und ich bin ehrlich gesagt froh drum. Dass sie im entscheidenden Moment spüren, was gerade möglich ist und was nicht. Sicher wäre es für mich ausgesprochen gut gewesen, wenn sie ihre Aufstände rausgelassen hätten, wie immer, dann hätte ich mich hinsetzen und sagen können: "Siehst du, genau DAS habe ich hier jeden Tag. Jeden!" Aber das braucht es nicht. Der Seelenküsser kennt Jungsaufstände und ist empathisch genug, um meine Jammertouren und mein Abgeschlagensein, meine Vorfreude auf kinderfreie Zeiten verstehen und nachvollziehen zu können. Da braucht es also keine Originalfassung von ´Der holde Jüngling und Gebruder Grizzly´. Das vorgeschobene Weihnachtsgeschenk für die lieben Kleinen versetzte selbige in Verzücken und der gestrige Abend wurde vom kleinen blonden Engel heute mit den Worten gekürt: "Mama, kann der Seelenküsser nicht mit seiner Firma in unsere Stadt ziehen, damit er uns öfter besuchen kann? Nicht wegen der Geschenke, sondern weil er wirklich so lieb und nett ist, wie du es immer gesagt hast!" Ich würde ihm liebend gerne diesen Wunsch erfüllen, erwähne jedoch auch, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass des Seelenküssers Frau diesbezüglich sehr traurig wäre, weil sie sicher nur ungern auf seine Anwesenheit in ihrem Leben verzichten würde. Aus selbigen Gründen verzichte auch ich persönlich auf die leibhaftige Entführung des Freundes, stelle aber immer wieder fest, dass ich den lieben Gott bitten sollte, mir einen großen Teddybär wie ihn zum Manne zu schenken. Vielleicht sollte ich 2012 intensiver nach diesem ruhigen und dennoch so bravourösen Fels in der Brandung schauen. Genau diese Art von Mann könnten wir alle drei so gut vertragen :-)

 

16.12.2011 um 11:22 Uhr

Eine Runde Zuckerwatte für alle!

von: Wari

Zur Beruhigung der Gemüter!

Zwei Monate ohne Einträge sind ein Grund zur Sorge. Zu berechtigter Sorge. Man könnte es auch so formulieren:

Zwei halbpubertierende Meuterer zu verschenken - im Falle der Abnahme beider im Gesamtpaket erhalten Sie sämtliches Zubehör kostenlos dazu!

Wenn man schon mal versucht hat, Kinder in dieser Welt vernünftig zu erziehen, weiß man, was einen in diversen Grenzerweiterungsversuchen erwartet. Was man nicht weiß: Wie es ist, zwei Jungs in dieser Welt ALLEINE vernünftig zu erziehen. Eine Frauschaft voller Zickenalarm ist der Himmel auf Erden dagegen!

Kleiner Auszug aus einem nicht geschriebenen Tagebuch von Frau Wari:

5.31 Uhr: ´%$"§&%*§& Wecker! Kann den mal jemand ausmachen?´

5.36 Uhr: ´%$"§&%*§& Wecker!´

5.41 Uhr: ´%$"§&%*§&´

5.46 Uhr: ´%$"§&%*§&´

5.51 Uhr: ´%$"§&%*§&. %$"§&%*§&´

5.56 Uhr: *seufz*

6.01 Uhr: Ich stehe auf.

Naja, ich quäl mich aus dem Bett, werf den Wasserkocher an (eine Portion Kaffee zum Aufwachen bitte sehr!), tapse schlaftrunken ins Bad und muss zum 125 000. Mal feststellen ("Hallo? Lernprozess???"), dass es in meinem Alter nicht mehr funktioniert, wenn man sich beweisen will, dass man tatsächlich noch wie ein junger Hüpfer, frisch fröhlich die Nacht zum Tag macht.

*Kaffee schlürf*

Ich küss den Großen mit "Hey Süßer, langsam aufwachen ..." wach, woraufhin der mir das Brummen eines ausgewachsenen Grizzlys entgegenwirft, dem man eigenartigerweise und wider besseren Wissens seinen frischerlegten Braten aus dem Maul nehmen möchte. Schlagartig setzt mein Puls aus und ich versuche mich möglichst langsam und geräuschlos (´Au! Du ver%$§&%!&%$* Feuerwehrauto, musst du hier so blöd rumliegen!´) rückwärts aus der Gefahrenzone zu bringen, da ich so früh am Morgen keineswegs von einem Grizzly gefressen werden möchte. Okay - ich konstatiere, dass Kind Nr.1 heute Morgen mit einer  seide-umwickelten Pinzette angefasst und ohne weitere Erschütterungen irgendwie an den Frühstückstisch befördert werden sollte. Wie ich den Prozess einer schultauglichen Bekleidung des Grizzlys vollziehen soll, ist mir schleierhaft, so dass ich mein Glück vorerst beim kleinen Mann versuche.

Mit einem säuselnden "Hey mein kleiner Mann, langsam wachwerden." kuschel ich mich in diese wunderbar weiche Grube zwischen Kopf und Schulter, die entsteht, wenn ein kleiner blonder Engel zusammengekringelt unter seiner Bettdecke liegt. Herrlich! Ich genieße den Augenblick. Und werde jäh meines Genusses beraubt, als mir der kleine blonde Engel mit einem Mal wutschnaubend seinen Ellenbogen ins Gesicht rammt, um mir unmissverständich klarzumachen, dass Aufstehen jetzt die falsche Aktivität sei. (Anm. d. Red.: Da dies kein jugendfreier Raum ist, in dem die Autorin schreibt, wurden sämtliche jugendgefährdeten, vulgären, fäkalienartigen und menschenverachtenden Aussagen der beiden Missetäter aus diesem Leitartikel gestrichen!)

Meine Lust, weiterhin säuselnd auf den kleinen blonden Bengel einzugehen, katapultiert schlagartig in den Minusbereich. Zur Eskalationsvorbeugung verlasse ich den Raum diesmal nicht schleichend und rückwärts. sondern zielstrebig gen Küche. Zu meinem Glück liegt weder die Stullenbüchse vom Kleinen da, was in der letzten Zeit sowieso so gut wie nie vokommt ("Hallo? Lernprozess???", noch hat der Große damit aufgewartet, so dass ich zumindest schon mal nix befüllen muss, denn hier gilt die eiserne Regel: Wer seine Büchse nicht abends in die Spüle verfrachtet hat, geht am nächsten Tag leer aus!

Mühseelig strecken sich meine müden Glieder empor, um´s Geschirre zu holen und mechanisch veranlasst den Tisch zu decken. Nach einem Blick auf die Uhr, werfe ich dem Grizzly und dem blonden Jüngling zu, dass sie aufstehen sollen. Auf den Körperkontakt verzichte ich zugunsten meiner Gesundheit. Der Grizzly schnaubt, der Jüngling brüllt: "Wo sind meine Sachen?", ich denke: ´%&$§%&*+#$§&% ...´ (Anm. d. Red.: Mit DER Einstellung wird das nix!) und rufe ihm zu: "Das weiß ich nicht, du hast dich doch gestern Abend ausgezogen!"

*Tisch weiter eindecken*

Der Jüngling: "Ich kann nicht aufstehen - es ist so kalt!"

Ich: "Dann nimm deine Sachen und geh ins Bad, dort ist es warm!"

Der Jüngling: "Ich kann nicht!"

Ich: ´&/`%$+§"&*#$%"&%´

Der Grizzly taucht am Frühstückstisch auf: "Och nee, es ist ja gar kein Nutella mehr da - dann ess ich nichts!"

Ich: "Na dann isst du nichts!"

Der Grizzly: "Ja, NIEEEEE (stark und gedehnt betont!) gibt es hier was, was mir schmeckt!"

Ich: *Hmpf*am kopf kratz* Blick zur Uhr. "Holder Jüngling, du hast noch zehn Minuten!"

Der Jüngling: "ICH - KANN - NICHT - AUF - STE - HEEEEEN!"

Ich: *Hmpf* ´Na dann nicht ...´

Der Grizzly stopft sich derweil widerwillig ein Marmeladenbrot hinein und straft mich ob der gestoppten Nutella-Versorgung mit einem Blick, als ob ich ihm gedroht hätte, nicht nur seine frisch erlegte Beute, sondern auch noch das Marmeladenbrot zu entziehen.

"Holder Jüngling, du hast noch fünf Minuten!"

Der Jüngling: "ICH - KOM - ME - JA - SCHOOOOON!!!" (Anm. d. Red.: 100 dB - als gesundheitsgefährdend eingestuft!)

Fünf Minuten später sitzt er am Tisch und bekommt Panikattacken, weil seine Zeit um ist. Das tangiert mich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich, weil ich dieses Schauspiel jeden Tag habe und mein Blutdruck nur gesenkt werden kann, wenn ich mich totstelle.

Ich stelle mich also in den kommenden Minuten mausetot! Bin fast gar nicht mehr zu sehen! Und bekomme innerlich einen Herzinfarkt nach dem anderen, weil ich Unpünktlichkeit hasse und weiß, dass der Grizzly AUF KEINEN FALL zu spät kommen will. Das aber ist dem Jüngling schnuppe. Der trottet mit der Gemütlichkeit eines Kamels in sein Zimmer (Falsche Richtung!) und taucht erst auf künstlich-freundliche Nachfrage wieder auf, zieht mit der selben Gemütlichkeit seine Schuhe an, entdeckt dabei, dass sein Gegenüber im Spiegel genau die gleichen Bewegungen ausübt wie er, woraufhin ich nur noch darauf warte, dass er hinter dem Spiegel nachschaut, ob dort auch noch ein Jüngling sitzt. Zu diesem Zeitpunkt bin ich klinisch tot, gefühlt zumindest, weil ich tausend Tode sterbe, wenn die Unpünktlichkeit nicht nur in greifbare Nähe rückt, sondern Gestalt angenommen hat.

Der Grizzly faucht den Jüngling an, woraufhin der vom Schuhe anziehen ablässt und sich dem Grizzly wutschnaubend zuwendet. Aus dem Kamel wird in Sekunden ein stampfendes Walross, das leider nicht multitaskingfähig ist. Mir ist es jedoch ehrlich gesagt wurscht, ob sich der Jüngling die Schuhe anzieht oder ein Kamel oder ein Walross. Hauptsache die Schuhe kommen mal dahin, wo sie hin sollen!

Zur Deeskalation schiebe ich den Grizzly vor die Tür, schmeiß den Ranzen vom Walrosskamel in den Hausflur, nehme seine Jacke dazu und raunze ihn an, dass er JETZT gefälligst vor der Türe weitermachen soll, damit WIR wenigstens schon mal zum Auto gehen können! Das Walross fäkaliert seine Ausdrucksweise, ich schalte auf Durchzug und trabe geladen zum Ausgang.

Ich atme frische Luft und werfe einen Miniminiblick nach hinten, um zu schauen, wie groß unsere Chancen sind, heute noch los zu kommen.

Och nö!! Das Walross ist wieder zum Kamel mutiert, welches jedoch gepaart mit dem Blick eines Geiers kein wirklich schöner Anblick ist. Und schneller geht´s so auch nicht!

Die Heckklappe kracht (er/es) herunter, als ob wir einen M1 Abrams fahren würden.

An der Schule entlasse ich einen einigermaßen aufgetauten Grizzly und ein walrössernes Kamel, das mir schlechtgelaunt ein "Na dann tschüss!" entgegen wirft.

Als sie um die Ecke biegen, atme ich auf!!!

Die ersten gemeinsamen Stunden dieses Tages habe ich doch bestens gemeistert!

 

Anm. d. Red.: Dieser Bericht ist keinesfall geeignet, um werdende Eltern mit einem kleinen Schmankerl zu überraschen. Eine Nachahmung wird nicht empfohlen und Folgeschäden sind nicht auszuschließen. Sollten Sie dennoch eine Fortsetzung von "Eine Runde Zuckerwatte für alle!" wünschen, so hinterlassen Sie eine kurze Nachricht!