... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

28.07.2011 um 08:14 Uhr

Erwähnte ich eigentlich schon mal

von: Wari

dass ich weltbeste Kinder habe?

Den Großen plagte das Heimweh, weil der Herr Papa lieber irgendwelche Dinge im Haushalt macht, als sich mit seinen Jungs zu beschäftigen, womit das altbekannte Thema "Urlaub auf Balkonien" wieder auftauchte. Ich hab es schon damals heiß und innig mit ihm diskutiert, weil ich weiß, dass man in einem solchen Fall eben doch viel zu viel macht, was sonst einfach liegen bleibt und man letztenendes keine Erholung und kein Abschalten im eigentlichen Sinne hat, sondern nur einen Alltag, in dem man eben einfach nicht arbeiten geht. Das spüren die Jungs jetzt ganz gewaltig und sie sind gelangweilt, genervt und Heimweh geplagt. Also musste ich als Aufbaupräparat mal wieder erste Hilfe leisten und dem Großen einen Anschubser geben, die Situation allein retten zu können. Ich schob ihm kleine Anregungen rüber und machte ihm Mut, diese Situation mit seinem Dad zu besprechen. (Was frau nicht alles der Kinder zuliebe macht. *seufz*)

Der Kleine testete der derweil die zwangsweise dazugewonnene Tochter der Neuen auf ihre Zuneigung zu mir, indem er sie einfach fragte, wen sie lieber mag. Mich oder seinen Kindesvater. Sehr süß. Da mich die Kleine nur von dreimaligen Treffen vor einigen Jahren kannte und dann noch zwei Mal zur WC-Benutzung unsere Wohnung betrat, kam ich natürlich verständlicherweise nicht sonderlich gut weg. Woraufhin beim Kleinen der Löweninstinkt ansprang und er seine Mama auf´s ihm Bestmöglichste verteidigte. Und clever wie er ist, zählte er nun tausend Dinge auf, die ich irgendwann mal für sie getan hatte. So lange, bis er sie überzeugt hatte. Er tat mir leid. Denn es wäre mir lieber gewesen, er hätte nicht das Gefühl, sich entscheiden zu müssen. Andererseits ist jetzt einfach das eingetreten, was ich zu einem späteren Zeitpunkt erwartet hatte: Dass die Kinder einfach spüren, dass Geld nicht alles ist. Dass der große Fernseher, den sie in ihr Zimmer bekamen, nicht die Zeit für sie ersetzt. Dass das hundertste Legoauto das Miteinander auch nicht mehr fördert, als das neunundneunzigste. Dass man mit viel Liebe, Geduld, Zuneigung und Zeit für ihre Sorgen, Nöte, für ihre Freuden und ihr Lachen ein Vielfaches an Vertrauen schaffen kann, als mit all den teuren Geschenken und dem Ansammeln von Geld.

Wenn ich mir all das vor Augen führe, dann durchströmt mich eine Welle von Emotionen, die wohltuend sind. Es wird mir klar, dass all das, was ich mir immer mal wieder schön geredet habe, wenn die finanziellen Sorgen wie ein zu kleiner Schuh massiv gedrückt haben, keine wirren Gedanken sind, sondern das Leben schlechthin. Dass es genau SO funktioniert, dass Zeit und Aufmerksamkeit den Kindern gegenüber immer noch erste Priorität haben, auch wenn dies manchmal bedeutet, das eigene Ego zurückzustellen. Nicht immer leicht, aber machbar. Dankbar bin ich vielen, vielen Menschen, die mich dabei unterstützen, am dankbarsten aber für die Kinder, die gelernt haben, mit dem Herzen zu sehen.

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Nachtwolf schreibt am 28.07.2011 um 09:43 Uhr:hmmm... es ist traurig zu lesen, immer wieder. All die ach so "tollen" Dinge die der Vater der Jungs immer mal wieder so vom Stapel lässt. Er scheinbar noch immer nicht begriffen hat, das er mit solch Aktionen am meisten den Jungs weh tut und schadet. Auch ist es mir völlig unverständlich das er so auf sein Recht als Vater pocht und dann es nicht mal hinbekommt, in der Zeit in der sie bei ihm sind, sich um sie zu kümmern.

    Dies alles tut mir sehr leid, vor allem für die Jungs. Denn irgendwie sind doch immer beide Elternteile wichtig.

    Du beschreibst und zeigst die Dinge aus deiner Welt. So wie du es tagtäglich erlebst. Doch glaube mir wenn ich dir sage das es auch andere gibt. Für die es das grösste auf der Welt gewesen wäre, dies sein zu dürfen. Ein Mensch der einen kleine Menschen durch die Welt begleitet. Ihm stets mit Rat und Tat zur Seite stehen wollte.
    Wissend der Bedeutung die eigenen Bedürfnisse zurück zu stecken. Sich in erster Linie alles nur um den kleinen Menschen dreht.
    Denn was ist das schönste was du erhalten kannst? Wenn das freudige Strahlen eines Kindes oder ein Lachen dir geschenkt wird, du die Besonderheit darin erkennst, dann kann es dir selbst ein Gefühl von Glückseligkeit geben, welches in ihrer Schönheit und Tiefe mit nichts anderem vergleichbar ist. Das nenn ich Glück empfinden. Niemals fühle ich mich glücklicher als in dem Moment, in dem mir ein kleiner blonder Engel sein Lächeln schenkt.

    Und ja... alles ist machbar. Alles lässt sich meistern, schon gerade in Zeiten in denen Geldnöte einen plagen. Auch dies kenn ich gut. Doch ist dies alles zu meistern und so wie ich es bisher gelesen habe bewältigst du dies stets hervorragend. ;-)

    Bevor man Kinder in die Welt setzt, so sollte man sich stets seiner neuen Verantwortung bewusst sein. Sollte sich vorher Gedanken darüber machen, dass das eigene Leben sich sehr verändern wird. Doch wenn man sich bewusst dafür entscheidet und stets mit viel Liebe dem kleinen Menschen beim "wachsen" hilft, dann kann es einem selbst ein in seiner Grösse ungeahntes Gefühl von Glück und vollkommener Erfüllung, vermitteln.

    Es sind die Tränen eines Kindes, die uns weit tiefer berühren als so manches Leid auf dieser Welt. Und es ist das Lachen eines Kindes, welches in uns selbst viel an eigener Freude erwecken kann. Kinder sind stets das wertvollste was man je besitzen kann. So gilt es immer, sie zu behüten und zu beschützen. Dies sollten die wichtigen Werte sein, die stets den Eltern bewusst sind.
  2. S_Hase schreibt am 28.07.2011 um 13:24 Uhr:Ich kenne ja das meiste, was du bechreibst, aus eigener Erfahrung und weiß, wie man sich damit fühlt, wenn man z.B. den Kindern zuliebe den Vater mal wieder in Schutz nimmt und gute Worte für ihn einlegt. Und ja - Geld ist nicht alles, aber es tut schon weh, wenn die Kinder von den Unternehmungen der Freunde erzählen und man selbst sich sowas nicht leisten kann.
  3. Wari schreibt am 29.07.2011 um 11:52 Uhr:S_Hase, ja ich kenne die Momente, in denen man wütend auf die ganze Ungerechtigkeit ist, die einem zuteil wurde, während der andere Teil im Geld schwimmend nur so vor Dummheit trotzt. Momente, in denen man den Kindern erklären muss, dass dieses und jenes nicht geht, weil das Geld einfach fehlt.
    Aber weißt du, mich lehrten jene Momente, selbst genauer hinzuschauen und nachzudenken, wie ich fehlende Erlebnisse jener Art und durch andere wertvolle Momente ersetzen kann.

    So wurde der frühere Kinobesuch umfunktioniert zu unserem Wochenendeinstiegsritual.
    Wir gehen freitags in die Bibliothek und die Kinder dürfen sich jeder einen Film aussuchen. Dann geht´s abends vor den Bildschirm, bewaffnet mit einigen Süßigkeiten und Knabbereien. So läuten wir alle vierzehn Tage das Mama-Wochenende ein. Eine Tradition, die sich verankert hat und die die Kinder sehr lieben, weil es dazu nämlich dann die Mama-Bekuschelungsnacht gibt.
    Sie müssen so davon geschwärmt haben, dass der Kindesvater in nichts nachstehen wollte und seit einiger Zeit auch bei ihm das Wochenende auf dieser Art und Weise beginnt. Was er aber weglässt, ist das hinterher beieinander eng umschlungen einzuschlafen und DAS ist den Kindern fast noch wichtiger, als das Film gucken.

    Und in anderen Situationen gilt es einfach, die Kinder für nichtmaterielle Erlebnisse zu sensibilisieren. Das braucht eine Weile und erfordert von jedem Elternteil ein erforschen der eigenen Möglichkeiten. Aber wie könnte man den Kindern besser weitergeben, was einem selbst am Herzen liegt. Und was es nicht für Möglichkeiten gibt: Fahrradtouren mit Picknick, Walderforschungen, nächtliche Städtewanderungen, Besichtigungen von Plätzen, an denen man als Kind am liebsten gewesen ist. Kinder lieben die Geschichten der Eltern und Großeltern aus der Vergangenheit. Wenn diese nämlich dann in ihren Erinnerungen kramen und die kleinen Lebensgeschichten aus tiefsten Herzen und mit großer Freude mit ihnen teilen, bleibt dies alles in den Kindern hängen. Das ist wohltuend. Wenn meine Kinder mir manchmal erzählen, welche Geheimnisse mein Vater ihnen aus seinem Leben erzählt hat, dann denke ich mir oft: "Schön, dass sie dies alles erfahren dürfen!".

    Und man lernt als Eltern, wenn man es nur will (!!!), sein Kind zu hören. Man lernt seine Wünsche, Sehnsüchte, Hoffnungen kennen und kann darauf eingehen. Es gibt durchaus Wochenenden, bei denen ich auf jeglichen Spaß auf meiner Seite verzichte. Wir unternehmen Dinge, die ihnen wichtig sind, auch wenn ich mal keine Lust darauf habe, weil ich merke, wir hatten anstrengende Wochen und es ist wichtig, dass die Kinder innerlich zur Ruhe kommen und machen können, was sie sich wünschen. DAS sind alles Dinge, die sie aufnehmen und in ihrem Herzen herumtragen und die sie sehr zu schätzen wissen.

    Es ist letztenendes eine Frage des Kinderhörens, woraus man so viel Fantasie und Kreativität für´s Leben schöpfen kann.
  4. Wari schreibt am 29.07.2011 um 12:05 Uhr:Nachtwolf, ja, ich weiß, es gibt auch die umgekehrten Fälle, in denen Väter gerne auch wirklich Väter sein wollen und es ihnen verwehrt wird. Das ist für mich genau so unverständlich wie unsere Situation.
    Aber es ist wie mit allen anderen Dingen im Leben: Man muss es wollen, damit es funktioniert. Und dazu gehören in einem solchen Fall leider immer zwei!

    Was das VOR den Kindern angeht, muss ich etwas schmunzeln :-) Unser Großer hat damals für sich entschieden, in unser Leben zu purzeln und als es mir eines Tages klar wurde, dass sich da jemand auf den Weg zu uns gemacht hat, hätte es nie eine andere Entscheidung gegeben, als für ihn.
    Von daher kann man sich nicht in jedem Fall bewusst dafür entscheiden. (Und manchmal ist es besser, dass man nicht weiß, was einen erwartet ;-))
  5. S_Hase schreibt am 29.07.2011 um 12:08 Uhr:Ja, davon kenne ich auch das meiste. ;-)
  6. eineReisende schreibt am 15.08.2011 um 22:26 Uhr:Liebe Wari,
    schön, von Deinen Erkenntnissen zu lesen.

    Da lehrt Dich Dein Leben mit Deinen Kindern eine ganze Menge, kann das sein?

    Herzlichen Gruß
    eineReisende

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