... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

07.02.2012 um 01:18 Uhr

Hochexplosiv!

von: Wari

Ich.

So hochexplosiv, dass ich gerade nicht schlafen kann und meinen Zündstoff mal kurz in Worte fassen muss, um mich abzuregen (ist ja leider keiner mehr wach, den man noch behelligen könnte!).

Als ich die Kinder letzte Woche freudestrahlend vom Hort abholen will, kommt mir der Große mit hängenden Schultern entgegen. Ich, frohgemut, versuche ihn aus der Ferne mit einigen Hampeleien zum Lachen zu bringen ... bis er, bei mir angekommen, schluchzend in meine Arme fällt und sich minutenlang gar nicht einbekommt. Aus meiner äußerst entzückenden Laune heraus säusel ich ihm ein "Es ist alles gut!" hin, woraufhin er, gerade ein wenig Fassung gewonnen, wieder in sich zusammensinkt, seinen Ranzen abwirft und mir unter tiefem Aufheulen hinlegt, dass gar nichts gut sei. Wütend, ängstlich, traurig zerrt er sein Hausaufgabenheft heraus, in dem ich einen Eintrag der Sportlehrerin vorfinde, dass er, trotz vorhandenem Sportzeug nicht am Unterricht teilgenommen hat. Jo, denk ich mir, das kennen wir ja, kann also alles nicht so schlimm sein :-) War es aber, zumindest für ihn. Denn im Gegensatz zu sonst, ist nicht seine Verweigerungshaltung schuld, sondern  .... tja, wenn wir das wüssten.

Fakten: Am Morgen nimmt er sein Sportzeug aus dem Auto und trabt damit zur Schule, stellt es in der Garderobe ab. Vor der Sportstunde will er es holen und es ist nicht da. (In welchen Tiefen der Regale es auch verschwunden sein möge.) Er also zur Lehrerin und beichtet ihr, dass er sein Sportzeug nicht dabei hat, woraufhin er natürlich (mal wieder) nicht am Unterricht teilnehmen kann. Am Ende der Stunde trabt die Sportlehrerin mit ihm nach oben und will die Klassenlehrerin sprechen, die aber gerade keine Zeit hat. Daraufhin gehen großes Kind und Lehrerin in die Garderobe und was liegt da im Regal ....

Im Beisein der anderen Schüler bezichtigt sie den Großen der Lügnerei und kündigt ihm einen Tadel an. Das macht natürlich binnen kürzester Zeit die Runde.

Und heute schleppt er mir den schriftlichen Tadel an, auf dem sowohl Klassenlehrerin als auch Sportlehrerin unterschrieben haben. Die Klassenlehrerin wollte eigentlich noch mit unserem Großen reden, aber da er letzte Woche krank war, ging das nicht, also gab´s heute eben ohne Gespräch mit ihm das Blatt. Ich soll nun unterschreiben. Und an dieser Stelle kommt meine Wut ins Spiel!

Dass ich unterschreibe, können sie knicken!

Ich bin so unendlich sauer. Auf die Sportlehrerin, weil sie sich etwas zusammenreimt, was sie nicht gesehen hat und auf die Klassenlehrerin, weil sie etwas unterschreibt, was sie nur von einer Seite kennt und ohne dem Großen die Chance gegeben zu haben, etwas dazu zu sagen.

Also trabe ich morgen in die Schule und lasse mir einen Termin geben, damit ich diese Sache klären kann. 

Hätte der Große nämlich den Sportunterricht absichtlich schwänzen wollen, wäre er nicht nochmal zurück zum Auto gekommen, um das Sportzeug zu holen. Er stellt sich zwar manchmal ziemlich dumm an, aber so doof ist er auch nicht. Hätte er mich einfach davon fahren lassen, wäre es tatsächlich so gewesen, dass er es nicht dabei gehabt hätte - so viel Dummheit, sich das Sportzeug in die Garderobe zu legen und dann zu sagen, er habe es nicht dabei, das würde nicht mal ich ihm unterstellen. Und ich kenne meinen Drückeberger! Außerdem hat ihm zu diesem Zeitpunkt der Sportunterricht gerade richtig Spaß gemacht.

Die zwei Lehrerinnen dürfen sich also auf eine nette Fragestunde gefasst machen und dass ich im Falle, sie lassen die Unterstellung, er habe die Lehrerin angelogen, auf diesem Wisch stehen und dann noch wagen, den Tadel ins Zeugnis einzutragen, auf weitere Schritte meinerseits gefasst machen!

War der letzte Satz grammatikalisch, physikalisch, analytisch und politisch korrekt? Is mir wurscht, ich bin eine hochexplosive Mischung!

*ROOOOOOOOAAAAAAAAAAAAAARRRRRR* (Gut gebrüllt Löwin!)

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. indalo schreibt am 07.02.2012 um 14:24 Uhr:Jep, der letzte Satz ist - auch wenn ich ihn zweimal lesen musste - absolut korrekt!

    Hachje. Schwierig. Ich bin gespannt, wie das Gespräch verläuft.
  2. wbidi schreibt am 07.02.2012 um 16:49 Uhr:Wirklich schwierig diese Situation. Auch für die Lehrer...
    Wieso hat er denn gesagt "...dass er sein Sportzeug nicht dabei hat..." und nicht gleich, dass er es an der Garderobe gerade nicht findet?

    Ich weiß gut um Drückebergers & Co..., aber woher sollen denn die Lehrerinnen wissen, ob er es tatsächlich nicht gefunden hatte oder sich drücken wollte?

    Und...liebe Wari...nicht böse sein... aber wenn er schon öfters nicht im Sport mitmachte -aus welchen Gründen auch immer- ist es vielleicht besser diesen Tadel murrend anzunehmen, als zusätzlich hohe Wellen zu machen, denn hätte er früher nicht schon wiederholt (so versteh ich dein "mal wieder") nicht teilgenommen, hätte dieses eine Mal nicht diese Bedeutung bekommen.

    Ich bin schon auch dafür Ungerechtigkeiten anzugehen, aber weder werden die Lehrerinnen eine Lüge beweisen können, noch du eine Nichtlüge.
    Die Lehrerinnen allerdings sollten tadeln wegen wiederholtem Vergessen der Turnklamotten... oder ihn zu extra Sportstunden einladen ;o), das hätte sicher mehr "Lerneffekt" was den Sportunterricht anbelangt.

    Viel Erfolg ihm!
  3. sternenschein schreibt am 08.02.2012 um 03:04 Uhr:Wir wissen es natürlich alle nicht, wie es wirklich gesen ist.
    Aber du sagst, der Sportunterricht hätte ihm endlich mal wieder Spass gemacht.
    Er kam zum Auto zurückgetrabt um sein Sportzeug zu holen.
    Hat vielleicht vor seinen Mitschülern noch stolz oder nicht stolz verkündet, heute sein Sportzeug mitzuhaben, also am Sportunterricht teilnehmen zu wollen.
    Wir wissen auch nicht, ob einer der Mitschüler aus Schabernack oder sonst etwas, sein Sportzeug versteckte und später wieder hinlegte.
    Beweisen kann man es alles nicht.
    Und dennoch kannst du mit seinen Lehrerinnen reden, ihnen klarmachen, dass er gerade wieder Spass am Sportunterricht gefunden hatte, was dieser Tadel vielleicht wieder zunichte machen könnte.
    Doof nur, dass die versammelte Mannschaft den Tadel mitbekam, so wird es auch für die Lehrerinnen schwierig sein, ihn zurückzunehmen.
    Liebe Grüsse und hoffentlich kein Tadel für ihn.
  4. Wari schreibt am 08.02.2012 um 04:33 Uhr:Nachdem ich gestern mit meiner Chefin noch darüber sprach und ich eine Nacht drüber geschlafen habe, werde ich wohl das Blatt erst mal unterschreiben und dann trotzdem mit den Lehrerinnen reden. Es ging ja letzten Endes nicht nur um die Turnstunde, sondern auch sehr allgemein gehalten um sein Verhalten den Lehrern gegenüber.
    Der Große ist ein Kind mit sehr wenig Selbstbewusstsein und vielen Ängsten, die sich dann darin äußern, dass er sich weigert, bestimmte Dinge zu tun. (Im Musikunterricht nicht vorsingen, im Sport bestimmte Aufgaben nicht machen, nicht vorlesen wollen, ...)
    Das ist nicht nur für die Lehrer eine schwierige Situation, sondern auch für mich/ uns. Letztes Jahr war deswegen die versammelte Mannschaft der städtischen Kinder- und Jugendberatungsstelle gemeinsam mit uns Eltern in der Schule, um mit den Lehrern zu sprechen. Es lief grandios (in meinen Augen), aber wie so oft ist es doch so, dass wenn man nicht umdenkt, keine Änderung herbeizuführen ist. Lehrer verfielen also beim vermeintlichen Dickkopf unseres Kindes in alteingefahrene Muster und schwuppdiwupp haben wir wieder alles beim Alten.
    Der Grat auf dem wir wandern, ist sehr schmal. Denn er muss lernen, dass er sich nicht ewig auf seinen Ängsten ausruhen oder dahinter verstecken kann. Auszuloten, was gerade wirklich nicht geht, weil er innerlich blockiert ist oder was er nicht machen will, weil er einfach nur in Null-Bock-Laune ist, das ist so manches Mal sehr schwer und natürlich nicht immer für die Lehrer machbar.
    Andererseits schwillt mir der Kamm, wenn ich lese, dass die Kinder respektlos sind und ich gleichzeitig erlebe, wie sie morgens als erstes angeschrien werden, weil irgendwas vergessen wurde, wie sie angemeckert werden, wenn sie sich getrauen in der Stunde etwas nachzufragen und dann zur Antwort bekommen: "Kannst du nicht lesen?".
    Und da erwarten sie von Kindern Respekt? Weil es in einer Schulordnung drinsteht, die anscheinend nur für die Kinder gilt?
    Das, was ich bei Kindern erreichen möchte, muss ich ihnen vorleben und nicht durch ständiges Lesen einer Schulordnung reinprügeln.
  5. sonnsenschein2005 schreibt am 11.06.2012 um 13:56 Uhr:Bist Du noch da???

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