Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

12.10.2005 um 17:51 Uhr

18 Jahre Hellraiser-Eine Abhandlung

von: Fabse


Hellraiser (1987-2005)

Unlängst ereilte ja sämtliche erfolgreichen und einst innovativen Horrorfilme der Fluch der Franchise Gesetzmäßigkeiten. Filme ,deren einstige Verdienste, den nicht greifbaren Schrecken für sein Publikum in reinster Form auf zu bereiten und so den Status der wichtigsten Vertreter seines Genres zu erlangen wie zum Beispiel Wes Craven’s A Nightmare on Elm Street“ oder John Carpenters „Halloween“. Gemeinsamkeiten, dieser und auch anderer Vertreter der anerkannten Kultfilme im Metier des phantastischen Kinos sind schon innerhalb ihrer Handlungsschauplätze und derer aufgebrochenen vermeintlichen Sicherheit vor dem Unbekannten und bedrohlichen zu finden, die das Idyll heimsucht und so dem Publikum genügend Raum für Identifikation mit dem Plot und der gewünschten Empathie zum Protagonisten und dessen Handeln in der Wiederherstellung der zerrütteten Ordnung einräumt.


Genau der Zusammenbruch der geregelten Sicherheit, die von innen heraus gesprengt wird führt den belebenden Impuls des ernsthaften Horrors mit sich. Wenn ein Freddy Krueger die Träume der Vorstadt Teenager heimsucht oder Michael Meyers errichteten Schutzwall der Kleinstadt Haddonfield einreißt wird ein realer Bezug geschaffen der das Harmonieempfinden seiner Rezipienten erschüttert Und so erste den belebenden Tabubruch, der zur wegweisenden Neuerung avanciert erreicht. Wenn erstmal gemäß der Sequelpolitik genau jener Grad der Innovation unterwandert wird und in einer immer wiederkehrenden Regelmäßigkeit der anvisierten Zielgruppe feil geboten wird, kann eigentlich nur noch die Stilisierung der Antagonisten und deren feste Integration innerhalb der Populärkultur den ökonomischen Aspekt der Produktionen gewährleisten. Die früheren Schreckgespenster unterliegen ihrem Dasein als reines Produkt anstatt nur ambivalente Boten des Einbruchs in das Alltäglich zu sein.


 Das exploitative Verlangen des Kollektivs regelt von da an den Umsatz der neueren Auflage des einstig umjubelten Originals: In ähnlichen Bahnen wie das neue Foto des Abziehbild-Hollywood-Stars beim privaten Ehebruch von Paparazzis fotografiert und der Masse öffentlich zum Fraße vorgeworfen wird, so kann die Merchandise-Maschinerie die das neue Abenteuer des Horrorserienhelden begleitet auf ihre Reputation hoffen. Wenn aber auch an dieser Front kein Heller mehr zu holen sein, so bleibt dem findigen Produzenten nur noch eine Rückbesinnung zum Originalkonzept oder einer Neustrukturierung des abgenutzten Musters über. Besonders am Beispiel von Clive Barker’s Hellraiser lässt sich diese schablonenhafte Entwicklung äußerst gut nachzeichnen.


Hellraiser (1987)

 Mitte der 1980er feiern bereits etablierte und von ihrem Schrecken kastrierte Horror-Ikonen wie Freddy Krueger, Michael Meyers und JasonVorhees ihr fröhliches Stelldichein in Comics, auf T-Shirts, Feuerzeugen und in Posterbüchlein für das Jugendzimmer, als ein nur mit 1 Millionen Dollar Budget ausgestattete Film eines bis dato höchstens Insidern bekannten englischen Schriftstellers die Ernsthaftigkeit in das Genre zurückholt.



 Basierend auf Barkers Kurzgeschichte The Hellbound Heart verfügt Hellraiser, dessen Produktionstitel Sadomasochists from beyond the Grave, schon einiges seines Inhaltes vorweg nimmt , über all jene Elemente die einen späteren Kultstatus begründen. Seiner Tradition streng verpflichtet setzt der Film seine Akzente auch in der extremen graphischen Ausarbeitung seines Grundkonstrukts vom überaus deutlichen Horrors, der aus der sexuell konnotierten Situiertheit heraus die Sicherheit im Inneren der Familie aufsprengt. Vor allem aus seinen mystischen und religiösen Implikationen macht Barker keinesfalls einen Hehl: Überdeutlich und im Sinne der Teilung von Eros und Thanatos findet die absolute Ekstase ihren Höhepunkt im graphischen Tod durch zerreißen vor dem Hintergrund der bösen Stiefmutter bis zum unvermeidlichen Brudermord.


Nicht nur im Sinne der erneuten Menschwerdung erscheint der Untote Frank wieder im geschlossenen Kreis des Familieninneren, viel mehr scheint genau die Modifikation der eigenen Fleischlichkeit und der Ausbeutung der fremden Körper das Ziel zu sein, dass das Erreichen der vollkommenen Lust sichert. Nicht nur der physische Geschlechtsakt steht nunmehr zur Debatte um den Gipfel des Climax zu erreichen, sondern das totale Konsumieren des begehrten Fleisches. Am Ende dieses Prozesses vervollständigt sich das Fleischpuzzle noch zur Annahme der Identität des Opfers/ Liebhabers. Franks Begierde, die sich in der bedingungslosen Nekrophilie von Julia reflektiert und die Verdammnis der Freier, die Franks Lust stillen besiegelt.



 Die Wächter der Hölle, die Cenobiten, scheinen bereits im ersten Teil nur Abgesandte zu sein, deren eigener zuvor menschliche Drang nach der totalen Lust versagt blieb und die nun als eine Art von vorgöttlichen Propheten erscheinen um Franks Unterfangen, die vollkommenste Stufe zu erreichen mehr ahnden wollen als dessen Flucht aus der Hölle. Schon der Charakter des Straßennamens in der das Haus der Familie Cotton steht, gibt Hinweise auf die finale Konfrontation, in der mehr die Perversionen und Neigungen der aufeinander treffenden Personen und Dämonen ausgetragen wären um das Moralgefüge wieder zu rehabilitieren: Die Adresse 55 Ludovico Place, eröffnet nicht nur den Bezug,den Franks Taten und dessen Sühne an Gemeinsamkeiten zu Alex in Clockwork Orange aufweisen und in welchen der Werdegang vom nach Erfüllung suchenden Jäger in die Rolle des gejagten Opfers umkehren, sondern finden noch einen weiteren Anhaltspunkt im abschließenden Auftritt eines dem Hippogryph artverwandten , der die Puzzlebox an sich nimmt um weitere Seelen der Hölle zu überantworten.


 Des weiteren schmückt sich Hellraiser mit Motiven, die von de Sade, bis über John Milton zu Aleister Crowley, einen fetischzentrierten Okkultismus entwerfen , bei dem endgültig die Gottwerdung des Menschen durch die Sexualmagie und deren Vermischung mit dem Satanismus einher gehen. Franks abschließendes „Jesus wept“ bildet hier das Manifest, an das Hellbound:Hellraiser 2 beinahe lückenlos anknüpft um die epischen Vorahnungen, die der Erstling beim Zuschauer erwirkt weiter ausführt.


Hellbound:Hellraiser 2 (1988)



 Tony Randels Fortsetzung, die sich an einem Script von Barker selbst orientiert führt die Story genau dort weiter, wo die zweite Instanz einer möglichen Sicherheit neben der Familie zu suchen ist: Die Tür zwischen der Hölle und der Realität öffnet sich in einem Krankenhaus, dem Ort des Vertrauens, der Hilfe und der Fürsorge. Julia, die mittlerweile Franks Rolle übernommen hat wird nicht unabsichtlich wieder aus der Unterwelt zurück geführt, sondern dient dem sadistischen Dr. Channard mehr als Instrument der Erlangung seiner selbst herbeigesehnten Göttlichkeit. Die Ausbeutung ihm unterstellter Körper ist ihm im Gegensatz zu Frank im ersten Teil schon innerhalb der weltlichen Existenz ein Begriff und zur Vervollständigung seiner Phantasien und Gelüste ist der Abstieg zu Leviathan, dem Gott der Hölle der finale Schritt.



 Leviathan, dessen Erscheinung der allmächtigen Puzzlebox in einer „geöffneten“ Form gleicht stößt akustische Intervalle aus, die dem Morsealphabet nach das Wort „God“ immerzu wiederholen. Der Aufruf, dass das Erlangen der eigenen Göttlichkeit in der parallelen Welt, die sich vornehmlich der realen Welt mit Verlockungen der Macht bedient rapid ist, wird auch in Flashbacks visualisiert in denen der früheren Identität des Cenobiten Pinhead Beachtung geschenkt wird. Ebenfalls der Begriff der eigenen Hölle, die auch in den späteren Sequels wieder aufgegriffen wird, erhält hier in verschiedenen Passagen des Labyrinths ein Gesicht. Wie schon in Hellraiser liegt hier der Kernpunkt des Exkurses in der Auslöschung des Selbst , indem die Gebote eines Schöpfergottes befolgt werden und der totale fleischliche Auflösung vorausgeht.



 Den Untergang Channards und der seines neuen Paradieses besiegelt der größenwahnsinnige Drang die Gelüste der verworfenen menschlichen Hülle mit der des Gottes zu vereinen.


Hellraiser 3: Hell on Earth (1992)


Dem Sohn der Regielegende Douglas Hickox, Anthony ist es zu „verdanken“, dass die Überführung des Hellraiser Stoffes in die Popkultur unterzogen wurde. Sämtliche Motive, die in den ersten beiden Entwürfen der Serie erarbeitet und ausgebaut wurden wirft der dritte Teil über den Haufen. Neben ständigen Zugeständnissen gegenüber einer Heavy-Metal-Fan-Klientel, plakativer Mechanismen um den Ursprung der Geschichte vorzuführen und dem rekrutieren neuer Cenobiten in einer Diskothek verkommt der Film zu einer B-Film Effekthascherei sondergleichen. Exploitation in reinster Form, den der albere Kommentar des „Kamera-Cenobiten“ in seiner Machart gut wiedergibt „ Das Dingen ist im Kasten!“ Der unaufhaltsame Verfall der innovativen ersten beiden Filme weicht einer Nummernrevue aus der Klischeeschublade.

 Hellraiser 4: Bloodline (1996)


 Dem letzten Teil der Serie, dem noch eine Kinoauswertung vergönnt ist, verpasst die Produktionsgesellschaft Dimension-Films den Todesstoß: Als epische Geschichte angesiedelt, die die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Puzzlebox beleuchten soll bleibt aus dem Flickwerk, das am Ende dabei herauskommt höchstens noch ein durchschnittlicher Popcorn-Gruseler über, der von dem von Regisseur und FX-Mann Kevin Yagher anvisierten Projekt nichts mehr beinhaltet und der zusammen montiert mit von Joe Chapelle nachgedrehten Szenen durchgehend unfertig ausschaut.

Hellraiser : Inferno (2000)



 Ein asozialer Cop, der scheinbar in Wahnvorstellungen versinkt entspricht mehr einer Story, wie sie von den Akte-X Autoren wohl aus einem Mülleimer gefischt stammen könnte. Zwar wird hier am Ende wieder die eingangs erwähnte Eigenhölle am Ende des Geschehens aufgerollt, doch das rettet den miserablen Direct-to-Video-Ramsch dann auch nicht mehr. Hat mit Barkers Vision außer einem mies ins Script geschrieben Pinhead absolut gar nichts mehr am Hut. Der damalige Tiefpunkt der Saga. Als 45 Minuten Folge einer schlechten TV-Serie durchaus akzeptabel aber als Hellraiser-Fortsetzung unsagbar.

Hellraiser: Hellseeker (2002)


 Der Auftakt, von drei Filmen am Stück, die der erfahrene Hollywood Kameramann Rick Bota inszenieren durfte, erweist sich wenigstens als recht spannend und unterhaltsam, da zum einen mit der erneuten Verpflichtung von Ashley Laurence als Christy Cotton ein Bezug zu den ersten beiden Filmen gegeben ist und andererseits , da einiges an Botas Erfahrung als visueller Zauberer bei anderen Projekten wie dem House on Haunted Hill Remake. Der Rest veräußert sich dann mehr als Kopie von Jacob’s Ladder.

 Hellraiser : Deader (2005)


Wieder Rick Bota, wieder optische Spielereien in Videoclip-Optik und abermals ein aufgeblasener Mystery-Quark, in dem Kari Wuhrer einer Selbstmord-Sekte auf den Fersen ist, deren Oberhaupt seine zombifizierten und wiederbelebten Mitglieder nicht den Cenobiten überantworten möchte. CGI-Ketten, ein paar Gore-Einlagen und Schocks von der Tonspur gesellen sich zur konfusen Handlung und einer Hauptdarstellerin, die mit einem Messer im Körper fast 20 Minuten rumblutet und durch die Stadt läuft, dass es den Zuschauer einiges an Nerven abverlangt um diesen unsagbaren Quatsch nicht vorzeitig auszuschalten.

 Hellraiser: Hellworld (2005)


 Lance Henrikson blamiert sich einem Film, der an Schwachsinnigkeit kaum noch zu unterbieten ist.Als Programmierer eines Hellraiser-Computerspiels, lädt der gute Mann hier diverse Teenager auf eine riesige Hellworld-Party ein, bei der neben Sex und Alkohol absolut nichts zu finden ist, was die gutgläubigen Teenies anlocken sollte. Zwar gibt man wie schon beim Vorläufer Verweise zum Bloodline-Film, aber außer einem lächerlichen Teenie-Slasher mit einer unglaublich behämmerten Auflösung ist Hellworld reinstes Entertainment zum Fernseher kaputt schlagen. Bota überspannt hier seine Stakkato-Schnittparade bis ins unerträgliche. Absolut Bodenlos!



Was bleibt? Ein stark gealterter Doug Bradley, der auf Börsen sitzt, traurig schaut und dem die Rolle als Pinhead im Nachhinein festgenagelt hat in indiskutablen Sequels seine Fließband-Gemeinheiten in Form immer unmotiviert werdender One-Liner auf zu sagen. Hellraiser: Ein ehemals bahnbrechender Film, der den Horror in den 80ern revolutionierte ist selbst eine von den Serien geworden, die er damals als popeliger Einheitsbrei outete.

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