Pisa-Studien-Bewältigung
Lang ist das ja noch nicht gerade her, als ein großer Aufschrei durch die Öffentlichkeit ging: Deutsche Schüler sind saudumm und das kann man sogar belegen! Allerorts schlug man die Hände über den Köpfen zusammen und für kurze Zeit waren alle anderen Probleme nichtig. Wer sollte bitte die Kampfjets fliegen, wenn die Deutschen sich mal aufrafften und die Holländer, sowie die Froschschenkeldiebe aus der Welt bomben würden? Was passiert wenn die mollige Frau an der Kasse bei REWE mit dem Satz des Pythagoras konfrontiert werden könnte? Und die wichtigste aller Fragen: Wie sollen die ganzen 16-jährigen Neo-Nazis ihren drei Kindern rhetorische Feinheiten vermitteln?
Diese ganze Misere schrie förmlich nach einer fixen Abhilfe contra Bildungsdefizit. Ein großes Programm zur Prophylaxe und eine schnelle Schadensbegrenzungsmaßnahme mussten her. Erste Schritte in Richtung Bewahrung des Friedens und Ansehens in der Welt nahmen sich ein Vorbild an der gängigen Praxis der Engländer: Jede dumme Sau, die noch glaubte, dass unser Bundeskanzler Adolf Hitler heißen würde verfrachtete man an die Universitäten.
Kurzerhand stampfte man dazu neue, nichtige Bildungsgänge und unnütze Abschlüsse aus dem Boden, die ein Volk von Pseudostudenten auf den Plan riefen. Hauptsache, das Pack verschwand von den Straßen und konnte in der Freizeit vor seinen Goldkettenfreunden erzählen, dass die Mitkommilitonen im Bildungsgang des Bachlor of fine retard arts heute eine neue 50cent-CD mitgebracht haben. Die Jungs, denen nicht damit zu helfen war zimmerte man Hartz IV und verfrachtete die Sachbearbeiter von Sozialamt und Arbeitsamt in neu angelegte Wartebunker. Was vorher innerhalb des Stadtbildes mit Bierdosen in der Hand rumpöbelte musste nun zusammen mit geistig anders befähigten Pechvögeln in langen Gängen warten und zwangsläufig neue Arten der Kommunikation erlernen. Dieses „Alles in einen Sack“ wurde in der Postmoderne zum lukrativer klingenden „Austausch von Kompetenzen“. Dazu noch ein „Du bist Deutschland“-Spot (etwa 100 mal am Tag in TV und Kino) und die latente, patriotische Message „Du bist genau so eine dumme Sau, wie dein Gegenüber!“ Da freute sich das Subjekt 1 wenn es durch Subjekt 2 in der unnützen Existenz bestätigt wurde.
Noch radikaler verfuhr man mit den Idioten in Spe (auch Schüler genannt) und blätterte in den Geschichtsbüchern, wie der Ausgleich der mangelnden geographischen Kenntnisse bewerkstelligt werden könnte. Lösung des Problems: Einfach alle in den Zug packen! Damit das Unterfangen mit Erfolg gekrönt sei, wurde selbst die verschmierte Regionalbahn aus dem Museum gezerrt und mit klangvollem Stadt-Land-Fluss-Namen versehen.
Aus dem RB 321 schusterten die Bahnmenschen schöne Züge, wie die Volmetal-Bahn, den Wupper-Express und andern Schrott. Flugs noch die geschundenen Pädagogen eingeweiht und los ging es nach der Jigsaw-Methode: Klasse geteilt, durch die Gegend kutschiert und bei dem anschließenden Gespräch danach gefragt an welchem Fluss denn nun die Stadt Witten liegt. Da das wunderbar funktioniert, wird der geplagte Bahnnutzer schier täglich mit den Dummblagentransporten belästigt. Sogar die Krankenkassen spielten dort dann noch schön mit, indem an den Bahnhöfen das Rauchverbot eingeführt wurde und spezielle Rauerbereiche nur an Stellen errichtet wurden, an denen Tauben den lieben langen Tag herunterkacken. Da steht nun der Nikotinsüchtige und trägt eine Schutzschicht aus Vogelkot. Die Kids, die auf Bildungsexkursion sind, sehen den Raucher und wissen neben der Tatsache, dass Münster im Münsterland liegt jetzt sogar, dass Rauchen kacke ist.
