Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

30.04.2006 um 14:34 Uhr

FTB-News: Slither (2006)

von: Fabse


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Die Welt in dem verschlafenen US-Kaff Wheelsy scheint in Ordnung zu sein: Country-Tanzabende versüßen den Bewohnern die Freizeit, auf dem Polizeirevier wird vergnügt rumgealbert um sich die Zeit zu vertreiben und an der Highschool schmachten die pubertierenden Schüler die recht junge Lehrerin Starla an. Als Starlas Ehemann Grant nach einem Streit von seiner Frau abgewiesen wird macht sich dieser auf um der Fremdgeherei zu frönen. In Form seines früheren Schwarms Brenda findet sich auch recht fix die Gelegenheit dem Ehebruch Gestalt zu verleihen. Gemeinsam macht man sich also auf den Weg um den außerehelichen Verkehr in der Bude des Weibleins zu vollziehen. Unterwegs zu Brenda erregt ein eigenartiger Kokon, der an einem Baum klebt aber Grants Aufmerksamkeit. Beim Versuch, das eigenartige Gebilde näher zu untersuchen, springt dem untreuen Geschäftsmann eine Art Insekt aus dessen Innern heraus an, das sich in seinen Brustkorb bohrt. Schon bald bemerkt Starla, dass Grant sich zunehmend merkwürdiger benimmt und auch die äußeren Veränderungen an seinem Körper lassen sich nicht lange gegenüber seiner Umwelt verbergen.
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Filmemachern und Skriptautoren mit Vorlieben für den oft geschmähten Schmuddelfilm sei Dank: Der verspottete Dreck von Gestern dominiert das aktuelle Leinwandgeschehen von heute. Remakes der ehemals verschrienen Vertretern des B-Films und kompakte Liebeserklärungen an diese bestimmen das Programm in den Lichtspielhäusern. Was mit dem Eskapismus postmoderner Aushängeschilder in Sachen Exploitation-Verwertung al a Tarantino und Rodriguez seinen Anfang nahm, befördert mittlerweile die zweite Generation von Fans des unterhaltsamen Mülls in Hollywoodgefilde. Nachdem Eli Roth’s „Hostel“ in den USA aus dem Stehgreif die Boxoffice-Höhen erklomm, startet mit James Gunn’s „Slither“ der nächste Film eines ehemaligen Troma Inc.-Mitarbeiters in den Theatern.
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Mit Gunn, der in Lloyd Kaufman’s „The Toxic Avenger IV“ vor der Kamera den busengrapschenden Stephen Hawking-Verschnitt mimen durfte und der auch schon als Troma-Regisseur und –Autor mit „Tromeo & Julia“ eine genauso spaßige wie asoziale Neuinterpretation des Shakespear-Stückes ablieferte, ging’s fix bergauf als Drehbuchautor um den Einzug in die heiligen Hallen der US-Großstudios zu feiern. Die Bücher, die der Horror-Fanboy zu „Scooby Doo“ und zum Remake von Romero’s „Dawn of the Dead“ an den Mann brachte, ermöglichten ihm nun mit „Slither“ seinen eigenen „Kill Bill“ abzuliefern. Kaum anders nämlich lässt sich dieses aus Gunn’s Lieblingsfilmen gezimmerte Vehikel bezeichnen. Man nehme „Invasion of the Body Snatchers“, Cronenberg’s „Rabid“, Carpenter’s „The Thing, Unmengen an Gross-out-Elementen, die den Mainstream-Zuschauer Herpesbläschen ins Gesicht zaubern und mixe den Cocktail nach Belieben mit all den Versatzstücken, die das Horror- und Comedy-Genre hergeben mag, dann erhält man „Slither“.
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Die intertextuelle Spielwiese, die sich hier dem Zuschauer eröffnet, bedient ebenso eingefleischte Freunde des schlechten Geschmacks, wie auch die Popcorn-Klientel. Hier toben Troma-Akteure und Serenity-Darsteller durch einen mit Rotze beladenen Trash-Film, dem die Verkleidung zum A-Film recht ansehnlich steht. Schräge Ideen wie schnulzige Lovesongs, die fressende Zombiescharen absurd untermalen, sowie massig CGI-Parasiten, die einer platzenden Frau entspringen sorgen für galligen Humor und schleimige Ekelattacken, die in ihrer Fülle so schon lange nicht mehr den Bigscreen bevölkerten. Im Gegensatz zum thematisch verwandten „Cabin Fever“ gelingt es Autor und Regisseur Gunn das richtige Gespür für das Gleichgewicht seiner schrillen Zutaten zu finden. Unterm Strich erwartet einen bei „Slither“, der gelungenste Genre-Mix des Jahres.

8 von 10 Tentakeln

27.04.2006 um 23:04 Uhr

Das Medien-und Gezuppelwelt "Twisted-Sisters"-Gewinnspiel!

von: Fabse

Mit freundlicher Unterstützung von Epix Media läuft ab sofort das "Twisted-Sisters"-Gewinnspiel. Zu gewinnen gibt's für euch eine von drei "Twisted Sisters"-DVDs und ein Plakat zum Film. Zu jedemPreis  gibt es noch Original-Fotos vom Dreh!




Um einen der Preise abzugreifen müsst drei Aufgaben erfüllen und mir per Mail an fabse77@web.de  eure Ergebnisse senden. Damit nicht nur die Cineasten unter den Lesern gewinnen können gibt es zwei Fragen, die ihr beantworten müsst, so wie die Begründung ,warum gerade ihr einen der Preise abgreifen wollt.Die vier Gewinner mit den richtigen Antworten und einer originellen Begründung  werden dann ausgelost. Bitte auch nicht eure Postadresse in der Mail vergessen!
Hier die Fragen:

1.  In welcher Stadt ist Regisseur Wolfgang Büld geboren?

2.  Welchen Namen trägt die böse Schwester im Film "Twisted Sisters"?


Der Einsendeschluss ist der  3. Mai. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Glück


25.04.2006 um 00:08 Uhr

Das schmerzende Auge

von: Fabse

Heide Simonis tanzt in belanglosen Shows rum,  Blogs mit vegetarischen Kochrezepten erfreuen sich äußerster Beliebtheit und die Musiksender, die in meinem Fernseher wohnen, bringen idiotische Sendungen von der Stange: Eigentlich hat sich außer der penetranten Art, mit der sich die Fußball WM in Deutschland anbahnt, nichts gravierendes im multimedialen Terror-Breitopf getan.  Da greifen wir mal in die Retro-Wundertüte und zaubern uns Lindberg mal wieder in den Blog ( Nebenbei prangern die Schweden ja auch die doofe Kickerei -resp. Prostitution zur Zeiten der WM-  an).


23.04.2006 um 14:38 Uhr

Bücherregal

von: Fabse



Einen Überblick aktueller filmtheoretischer Diskurse zu geben war das erklärte Ziel des von Jürgen Felix herausgegebenen Sammelbandes „Moderne Film Theorie“. Da der deutsche Büchermarkt im Gegensatz zum Ausland geradezu unterversorgt mit solcherlei Publikationen erscheint, sicherlich kein schlechtes Unterfangen. Leider erreicht der 320 Seiten starke Einband sein Etappenziel nur unter dem Vorbehalt, dass sich die anvisierte Einsteigerfreundlichkeit im Verlauf der einzelnen Aufsätze und Analysen doch stark in Grenzen hält. Mögen die einleitenden Beiträge zum Autorenkino, der Genretheorie und der Semiotik noch für unbedarfte Leser mit Interesse an der Materie, ohne Zuhilfenahme von Sekundär-Literatur schlüssig erscheinen, so ist spätestens beim Kapitel „Film-Philosophie“ ohne Hintergrundwissen oder griffbereite Werke aus den Anhängen Schluss mit dem Lesevergnügen. Wer hingegen „Moderne Film Theorie“ kompakte Ansammlung von bereits bekannten Paradigmen und Theorien ins Regal holt, wird mit den Beiträgen viel Freude haben, da die Anwendungsbeispiele der jeweiligen Handwerkszeuge an recht bekannten Filmen von Interesse sein könnten. Anfängern in filmwissenschaftlichen Disziplinen sei abgeraten.

20.04.2006 um 22:57 Uhr

FTB-News: The Punishment of Anne (1973)

von: Fabse


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Paris in den 70ern: Der Autor Jean begegnet auf der Party seiner guten Freundin Claire dem Model Anne. Wie Jean herausfindet ist Anne allerdings „Eigentum“ von Claire, die an der verschwiegenen Blondine ihre sadistischen Neigungen auslebt. Bei einem späteren Treffen mit Claire macht Jean die Erfahrung, dass Anne ihrer Herrin sklavisch ergeben ist. Nachdem Claire die Hörigkeit ihrer Sexsklavin Jean demonstriert hat, verfällt dieser nach und nach auch der Fantasie seinen dominante Seite an der Sklavin auszuleben. Claire „verleiht“ Anne an Jean und bei gemeinsamen Treffen vermittelt sie ihm die Fertigkeiten, die die Sklavenhaltung von ihm abverlangen. In der „Gothic Chamber“ in Claires Keller eskaliert die angespannte Situation letztendlich.
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Radley Metzger, seines Zeichens Regisseur hochkarätiger Erotika inszenierte mit „The Punishment of Anne“ 1973 (aka The Image) seine Version, des Romans L'Image von Catherine und Alain Robbe-Grillet, der 1957 unter dem Pseudonym Jean de Berg veröffentlicht wurde. Was bei der in Paris und New York gedrehten und bei uns leider recht unbekannten, Literaturverfilmung herausgekommen ist, sei gleich in doppelter Hinsicht als überaus gelungen zu bezeichnen: Einerseits behandelt Metzgers Film in überaus realistischer Form das Thema SM und zum zweiten kann er mit drei Hauptdarstellern aufwarten, die trotz Einschübe von expliziter Hardcore-Szenen auch schauspielerisch durchaus überzeugen können. Jederzeit stehen die Drama-Elemente der Dreiecksbeziehung im Vordergrund des Geschehens und selbstzweckhafte Visualisierung von sexuellen Praktiken sucht man vergebens. Vielmehr wird der Zuschauer langsam aber effektiv an drei Persönlichkeiten herangeführt, die zwischen Obsession, wahrer Zuneigung und Selbstverachtung pendeln, bis ihre eigentlichen Motive zum Vorschein kommen. Führt uns Anfangs noch Jean aus dem Off durch seine Gedanken bezüglich dem Wunsch Claires Sklavin für sich zu beanspruchen, so verstummt der Erzähler doch schon nach kurzer Zeit um die Sympathien und Apathien gegenüber den Protagonisten mehr zu fächern als auf einzelne Personen zu übertragen.
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Unterwerfung, Verachtung, Liebe und wirkliche Macht geraten im Laufe der Geschehnisse aus ihren scheinbar klaren Positionen. Die Zuneigung, die Claire gegenüber Jean empfindet manifestiert sich in der Lust darüber, Anne als ausführendes Organ ihrer Sehnsüchte vor sich zu sehen, doch als sie erkennt, dass ihr potenzieller Liebhaber immer mehr sein dominantes Wesen entfaltet bricht der vorgefertigte Rahmen der gegenseitigen Abhängigkeit untereinander zusammen. Das „Geschenk“, das dem Schriftsteller in Form der Sklavin gemacht wurde, überflügelt die Beziehung zwischen Gönnerin und Empfänger. In überaus poetischen und doch nüchternden Bildern entführt Radley Metzger das Publikum in sexuelle Abgründe und zeichnet psychologische Blaupausen, die dem Betrachter genügend Projektion der eigenen Gefühlswelt bieten. Eifersucht und verschobene Verhältnisse im Machtgefüge von Beziehungen stehen klar im Mittelpunkt der Szenerie. Die Etikette „Meisterwerk“ verdient der Film nicht nur in Betracht seiner spezifischen Verortung im SM-Genre, sondern auch generell im Bereich des erotischen Films.

20.04.2006 um 12:00 Uhr

DVD-News: "Zombie Town" von Legend/ Universum Film

von: Fabse


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Die Biker-Gang „Cycle Sluts“, die sich aus abenteuerlustigen Hobby-Schlampen und Aussteigerinnen des gesellschaftlichen Einerleis rekrutiert machen Halt in der Wüstenstadt Zariah. Gerade als die angenervten Anwohner des Wüstenkaffs die ungeliebten Besucher loswerden wollen, brechen aus der örtlichen Mine Zombies aus, die der verrückte Wissenschaftler Willum dort zwecks Goldschürfen eingesperrt hatte. Nachdem sich die Untoten einen kleinen Happen in Form eines forschen Kindes genehmigt haben machen sie sich auf die Einwohnerzahl des Dorfes zu dezimieren. Hand in Hand mit den Biker-Girls und dem zwergenhaften Ex-Gehilfen des Wissenschaftlers kämpfen die verbliebenen Bürger gegen die Zombies, die unter anderem auch einer Busladung voll blinder Schüler auflauern.

Lange Zeit galt Dan Hoskins Horror-Klamotte „Chopper Chicks in Zombie Town“ als kleines Juwel unter den Jüngern und Fans der New Yorker Trash-Fabrikanten der Troma-Inc.. Dem Credo von Lloyd Kaufmans Troma-Philosophie folgend setzt sich auch dieses 80s Spätwerk aus den Erfolgszutaten Slapstick, Gore und politische Unkorrektheit zusammen, die dem Trash-Konsumenten das Glitzern in die Augen zaubern. Billig, dreckig und voller Albernheiten zugekleistert entsprechen die Eckpfeiler des Cheapies genau dem Tenor, der Werke wie beispielsweise „The Toxic Avenger“ in den Kreis der Kultfilme beförderte. Als besonderes Schmankerl bietet die Horror-Mär neben allerlei Entgleisungen des guten Geschmacks auch das Leinwand-Debüt von Hollywood-Star Billy Bob Thornton, der den gehörnten Ex-Mann einer Bikerin mimen darf. Zwar mag der spätere Gatte von Angelina Jolie darstellerisch hier unter dem Begriff „ferner liefen“ einzuordnen sein, doch eine prägnante Szenen mit Thema Liebesbeweisen mag wohl für seine spätere Partnerin Inspirationsquelle des berühmten Tatoos auf ihrem Gesäß gewesen sein.

Wird die erste Stunde des Films der eigentliche Topos mehr auf Klamauk und zotigen Sprüchen ausgelegt, so bestimmen danach Zombie-Enthauptungen en masse das Geschehen und sogar eine Kettensäge wird von den toughen Cycle-Sluts gegen die Untoten geschwungen. Das Einzige, was den Exploitation-Charme dann aber gewaltig bremst, ist die Gewissheit, dass „Zombie Town“ gegen Troma-Produktionen neueren Datums mehr als Blaupause der vorherrschenden Tits’n’Asses & Gore mit Humor-Attitüde erscheint, mit der z.B. „Terror Firmer“ oder „Citizen Toxie“ aufwarten können. Wer das allerdings außen vor lässt, wird hier mit einem der kultigsten Old-School Tromas versorgt.

Die brandneue Kauf-DVD des Kölner Labels Legend, die ab sofort unter dem Titel „Zombie Town“ in den Regalen steht, kommt im Gegensatz zur Verleih-Fassung in einem hübsch designten Schuber mit Alternativ-Cover ins Haus. In technischer Hinsicht schwächelt die Umsetzung allerdings dann doch: Teilweise mangelt es dem Bild stark an Schärfen und die Farben sind extrem kräftig und grell, was auch die Film-Szenen bei Nacht über Maß aufhellt. Aufgrund des Alters des Films und der kostenträchtigen Investition, die eine Restauration und Neuabtastung mit sich gebracht hätte ist das allerdings zu verschmerzen. Handelt es sich dich bei den Troma-Titeln mehr um Veröffentlichungen für eine Special-Interessted-Käuferklientel. An Extras finden sich auf der Scheibe aber nur diverse Trailer von anderen Legend-Titeln, sowie den US-Trailer zum Hauptfilm. Leider wurde das reichhaltige Bonus-Material der US-Fassung nicht übernommen.

Bildformat:1,33:1

Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: Deutsch

Bonus:

- Original-Trailer

- Trailershow

20.04.2006 um 00:48 Uhr

Pausenfüller vor dem Eintrags-Terror

von: Fabse

12.04.2006 um 11:11 Uhr

News-Meldung: Das Ende der Menschheit scheint bevor zu stehen!

von: Fabse


Es gibt immer wieder Tage an denen man von Nachrichten, die sich schon beim Geschehen in die Geschichtsbücher einschreiben, geschockt wird. Der normale Alltag wird binnen Sekunden mit einer nie für möglich gehaltenen Meldung aufgebrochen, die an Wahnsinn konkurrenzlos zu sein scheint. Seien es nun Bilder von Flugzeugen, die in das World Trade Centre fliegen, der Tod eines Papstes oder die Vereidigung von Angela Merkel als Bundeskanzlerin: Nicht mal die Patienten einer geschlossenen Abteilung der Psychiatrie würden sich dieser Art von Unglaublichkeiten in den kühnsten Fantasien hingeben. Eine Neuigkeit, die alles oben Aufgezählte in den Schatten der Nichtigkeit katapultiert ereilte die Menschheit gestern Abend gegen 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit: „Dünyayi Kurtaran Adam“ wird nach über 24 Jahren fortgesetzt! Der Kultfilm, der unter seinen Anhängern liebevoll „Turkish Star Wars“ genannt wird, bekommt ein Sequel verpasst, bei dem auch wieder der türkische Weltstar Cüneyt Arkin mit von der Partie sein wird. Auf der Homepage der Fortsetzung namens „Dünyayi Kurtaran Adam’In Oglu“ (The Son of the Man who saves the World) ist sogar schon der erste Teaser-Trailer verfügbar, der beweist, dass das was nie von einem Menschen für möglich gehaltene definitiv kommen wird. Ob Teil 2 an die Genialität und Debilität des Originals herankommen wird darf zwar bezweifelt werden, doch trotzdem darf man gespannt dem Tag entgegenfiebern, an dem das Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

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Ein Meisterwerk kehrt zurück!

11.04.2006 um 00:06 Uhr

FTB-News: Basic Instinct 2 (2006)

von: Fabse


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Die Standartformel wenn es um Fortsetzungen erfolgreicher Kinostreifen geht sieht normalerweise recht zügige Runterkurbelei vor, um den kommerziellen Reibach des vorangegangenen Werkes erneut zu machen. Meist ist auch recht schnell das Skript mit der Kopie des anfänglichen Erfolgskonzeptes hingeschmiert und der erneute Siegeszug an dem erneuten Siegeszug an der Kinokasse steht nichts mehr im Wege. So geschehen in unzähligen Variationen, sowie ausgeschlachtet in Serie bis sich die Balken biegen. Was aber, wenn Drehbuch des anvisierten Sequels wirklich sämtliche Kriterien erfüllt, die alle Beteiligten abwinken lassen? Der normale Lauf der Dinge besteht dann in der Direct-to-Video-Masche, die den vermeintlichen Griff ins Klo dann doch noch zur relativ rentablen Kiste werden lässt. An sich herrscht also kaum große Aufregung wenn sich ein „Starship Troopers 2“ oder ein „Eiskalte Engel 3“ in den Regalen befindet. Irgendwer leiht oder kauft den Kram dann und Werbeetat wurde erfreulicherweise auch eingespart. Zumeist agieren in den inspirationslosen Neuaufgüssen dann auch noch kostengünstige Darsteller der zweiten Schauspielriege, was selbst die Schande von den Akteuren der Original-Stoffe abzuwenden weiß. Doch was passiert, wenn der erfolgreichste Erotik-Thriller der 90er Jahre nach einer zweiten Runde verlangt? Dann spult man schnell mal zum Anfang obiger Gleichung zurück und begeht auch gleich einen gravierenden Fehler, in der Gesetzmäßigkeit der risikoarmen Hinschluderei.


Im Falle von Basic Instinct 2 nennt sich das einen „Pay & Play“-Vertrag. Lustig und listig zugleich unterzeichnete also Sharon Stone jenen Kontrakt, der ihr ein rundes Sümmchen auf das Konto schaufelte, egal ob sie jetzt vor eine Kamera treten müsste oder nicht. Nachdem aber sämtliche Verantwortlichen des ersten Teils bei Ansicht des neuen Skripts die Köpfe in die Papierkörbe hielten und ihrer Begeisterung durch Erbrechen signalisierten, sahen die Produzent plötzlich ein gravierende Risse in ihrer Kassenknaller-Blaupause vor sich. Da man der kühlen Blonden nun wirklich nicht die größere, versprochene Summe schenken wollte wenn das Projekt nicht vor eine Kamera gehen sollte zog man vor Gericht. Pech nur, dass nach einem langwierigen Rechtsstreit, der Stone die Gültigkeit des Vertrages zugesprochen wurde. Folglich springt nun dann doch noch Basic Instinct 2, nach schlappen 14 Jahren Ankündigung auf die Leinwände. Was kann da wohl bei raus gekommen sein?


Catherine Tramell, ihrer Passion nach ja Eispickel-Expertin und Krimiautorin aus Basic Instinct hat es nach London verschlagen. Glasklar, dass sie nach dem Ableben eines Sexualpartners unter Mordverdacht gerät. Kriminalpsychologe Dr. Glass, der sich schon höllisch auf die Bekleidung eines Uni-Lehrstuhls freut und dessen Karriere einen Knick durch einen durchgedrehten Ex-Patienten erfuhr, soll nun ein Psychogram der Killerin in spe erstellen um diese hinter Gitter zu bringen. Was nun passiert, sollte so ziemlich niemanden überraschen können: Der Analytiker springt natürlich sofort auf die wuschig lasziven Verbalerotikgebaren der Patientin an und schon bald gesehen weitere Morde im Umfeld des Arztes.


Nach der Sichtung von Basic Instinct 2 lassen sich recht leicht sämtliche positiven Elemente des Streifens festhalten: Wir haben hier eine rasante Eröffnungssequenz, dort eine routinierte Inszenierung und zur Verwunderung noch eine Sharon Stone, die frischer aussieht als im Erstling. Dass da die guten Freunde Botox und Silikon mit von der Partie waren, sollte dem blindesten und beklopptesten Zuschauer allerdings ebenfalls klar sein. Damit erschöpfen sich gleichfalls aber auch schon alle Teile des filmischen Dramas, die Fürsprache beanspruchen könnten. Der Rest des herbeigesehnten (von wem mit Verstand eigentlich?) Erotik-Thrillers gestaltet sich als Bodensatz des diesjährigen Kinojahres. Von Thrill kann nicht die Rede sein, außer man findet selbigen schon bei der Suche nach den eigenen Genitalien im Schritt und die Erotik versprüht einen Charme, der dem des Riechens an den eigenen, getragenen Socken gleichkommt. Die komplette Hauptdarstellerriege, die bis auf Mrs. Stone fehlbesetzter erscheint als Harry S. Morgan-Akteure in einem Ingmar Bergmann-Film, gibt sich sichtlich Mühe zu keiner Zeit Zweifel an Unlust oder Talentlosigkeit aufkommen zu lassen: David Morrissey als spitzer Psychologe, der in den Strudel der Ereignisse gesogen wird, spielt enthusiastisch, wie sonst nur die Blagen aus dem Kinder-Country-Werbespot und was Charlotte Rampling hier verloren hat kann nur ein großer Gehaltsscheck erklären. Das übrige Ensemble, samt blonder Versuchung aka Sharon Stone und Davis Thewlis als verkommenen Cop, legt ebenfalls eine glaubwürdige Performance hin, die einer Schulaufführung der Laiengruppe des Dolph-Lundgren-Gymnasiums harte Konkurrenz machen. Nebenbei eröffnet man uns noch, dass Catherine Tramell wohl halb London vögelt und wirft sogar noch bei einem Psychologentreff den Namen Nietzsche kurz in die Luft. Was uns das jetzt sagen soll entzieht sich dann ebenfalls dem Verstand.


Um das Trauerspiel komplett zu machen wurden noch sämtliche Rammeleien, die in den Trailern zum Film bewundert werden konnten kurzerhand in die Tonne für die Superduper-Unrated-Directors-Schlunz-DVD-Special-Edition geworfen, die uns wohl bald in den Geschäften entgegenbetteln wird, dem Film doch noch eine Chance zu geben. Ob jetzt zusätzliche Horizontalakrobatik das Ganze aufwerten kann, sei mal stark bezweifelt. Paul Verhoeven und Michael Douglas taten gut daran, sich von diesem Projekt fern zu halten, doch den Schaden und die Prügel, die jetzt der verantwortliche Regisseur Michael Caton-Jones (Rob Roy) zu ertragen hat möchte beileibe niemand mit ihm teilen. Einzig Sharon Stone bleibt als die (finanzielle) Gewinnern des Machwerks über. Unterm, überm und auf dem Strich ist dieses Fortsetzung ein Brechmittel der Sonderklasse, das mit Hilfe von Spezial-Transportern schnellstens zur Sondermülldeponie gebracht werden müsste.


1 von 10 abgesoffenen (Film-) Leichen

10.04.2006 um 07:23 Uhr

Werkschau-Update

von: Fabse

Unter den mit "Archiv" gekennzeichneten Links in der rechten Linkspalte findet ihr ab jetzt eine kleine Auswahl früherer Arbeiten rund um das Thema Film.  Neben Interviews und Artikeln für diverse Magazine verbergen sich hinter den Links "Tagebuch" und "Kritiken" insgesamt  über 250  Rezensionen zu Filmen.  Ein umfassendes Register von Print-Beiträgen, weiteren Kritiken und DVD-Besprechungen folgt demnächst.  Nebenbei empfehle ich noch meine  aktuelle Kolumne in der April-Ausgabe des Nachtflug-Magazins .

08.04.2006 um 12:56 Uhr

FTB-News: The Slumber Party Massacre (1982)

von: Fabse



Die Eltern, der gerade 18-jährigen Trish lassen ihren Teenie-Sproß allein zu Haus und fahren erstmal weg. Grund genug für das Mädel, ihre Barbie-Puppe in die Mülltonne zu schmeißen und ihre Freundinnen zu einer Pyjamaparty einzuladen, die der „Endlich Erwachsen-Klientel“ gebührt. Nachdem über Mitschülerin Valerie gelästert wurde, entschließt sich diese lieber auf ihre kleine Schwester Courtney aufzupassen, anstatt der Mädchen-Combo Gesellschaft zu leisten. Ein glücklicher Umstand, denn der aus der Irrenanstalt entflohene Serienkiller Russ Thorn treibt sein Unwesen in der Gegend. Unter Zuhilfenahme einer großen Bohrmaschine dezimiert der Psychopath schon recht bald die Party-Gesellschaft.


Schon lange bevor Wes Cravens „Scream“ als Reanimation und Parodie des Slasher-Subgenres abgefeiert wurde lieferte Regisseurin Amy Holden Jones mit The Slumber Partymassaker schon zur Hochzeit des Genres den ultimativen Abgesang auf „Halloween“ und Co.! Von der ersten Minute an werden sämtliche Konventionen des Slashers über Board geworfen und das Grundskelett des Genres erbarmungslos vorgeführt und parodiert: Die ersten Titts and Asses werden bereits nach drei Minuten vor die Kamera geschmissen und Identität, wie das Gesicht des Killers mit dem Drillbohrer entlarvt man nach bereits sehr kurzer Zeit. Danach nutzt man die verbleibende Spielzeit um all das auszubreiten was Wes Craven uns eine Dekade später plakativ auf dem Silbertablett anreichte: Sämtliche Mechanismen und Stereotypen, die den Gesetzmäßigkeiten des Teenie-Slashers inne wohnen, fliegen angereichert mit Selbstironie und schwarzen Humor versehen, über den Screen, dass es qualmt.


Hier hagelt es Halloween-Zitate und das „Guter Babysitter rettet kiffende Unvernunft vor dem puritanischen Rächer“-Thema wird bis aufs Letzte demaskiert und ad absurdum geführt. Selbst der Nachbar, der von Trishs Eltern angewiesen wurde nach dem Rechten zu sehen stört sich nicht daran, wenn die Freundinnen ihr Gras auspacken. Das 08/15-Prinzip von post-koitaler Bestrafung für Unkeuschheit am Teenieleib verliert ebenso an Gültigkeit wie auch das Motiv des Killers als Nichtigkeit in die Mülltonne wandert. Sogar des Klischee des Mordwerkzeuges als Phallusersatz breitet sich in skurriler Überzeichnung ab, wie sie sonst nur ähnlich in Hoopers Texas Chainsaw Massacre 2 zu erleben war: Dem Shot des nackten Mädchenhinterns unter der Dusche folgt 40 Minuten später der Gegenschuss in Form des Drillbohrers, der zwischen den Beinen des Mörders emporragt. Dass die Kürzung des enormen Bohraufsatzes durch einen Machetenhieb beim Fiesling für große Augen sorgt verwundert da nicht mehr wirklich. Den absoluten Höhepunkt erreicht die Groteske durch eine Mordsequenz, die mit einem identischen Kill, der im TV von Valerie läuft zusammen montiert wird, so das die Identität des Films als die Exploitation überführt wird, die dem Werk anhaftet, das im Nachtprogramm den Babysitter unterhält.


Verschränkte sich bei „Friday the 13th“ noch der sexuell konnotierte Subkontext mit einem Mordhinweis, der sich hinter der im Bild signalisierenden Farbe rot bemerkbar machte, so drückt der Killer in Holden Jones’ Werk einfach nur eine blutverschmierte Barbie an das Fenster um seine Rache an der weggeworfenen Kindheit anzukündigen. Was hier an Übertreibungen und Persiflagen auf den Zuschauer nieder prasselt winkt förmlich permanent mit dem großen Hinweisschild, das immerzu ausruft: „Ich bin die Summe der plakativen Konsummassenware, die euere Kinos verstopfen!“ Absolut großartig in seiner anprangernden Unterhaltsamkeit und dem Quasi-Recycling namens „Scream“ weit überlegen.

10 von 10 Pizzaboten

06.04.2006 um 12:26 Uhr

Wenn Steffi Graf Schulkinder überfahren will und die Scorpions Entjungferung propagieren

von: Fabse


Hier mal für alle, die Buchbesprechung zu "Nur für Erwachsene", die in der in zwei Wochen erscheinenden PNG No.68 zu finden sein wird.


Roland Seim und Josef Spiegel liefern in ihrem Buch „Nur für Erwachsene“ eine exemplarische Bestandsaufnahme aus den vergangenen 50 Jahren Zensur innerhalb der Rock- und Popgeschichte.


Als G.G. Allin noch zu Lebzeiten in der Jerry Springer Show das Geständnis „My body is a Rock’n’Roll-Temple“ verkündete und somit seine Auffassung vom wahren Spirit der Punk-Rock-Bewegung proklamierte, gehörte ein gesundes Selbstverständnis zur Provokation innerhalb der Rock-und Pophistorie bereits zum festen Bestandteil der verschiedensten Jugendbewegungen. Die Auswüchse des geregelten und unbändigen Tabubruches waren längst zum etablierten Teil des Rock’n’Roll-Geschäfts geworden und spätestens seit den inszenierten Skandalen um die Sex Pistols als marktstrategisches Kalkül in jedes Handbuch für angehende Kapellen mit anvisierten Chartplatzierungen gewandert. Reichte es im UK der 70ern noch, die englische Queen mit Spottliedern zu verhöhnen oder Four letter-Words über seine Hörer zu ergießen, so verlagerten sich die Grenzen innerhalb des moralischen Gefüges der Gesellschaft mit der Zeit in unterschiedliche Richtungen, deren Freiräume je nach Zeitgeist und betreffender Mentalität der verschiedenen Kulturen anders gesetzt sind.


Grund genug also, für die Soziologen Dr. Roland Seim und Dr. Josef Spiegel sich mit dem Sujet näher zu befassen und im Jahre 2004 in Zusammenarbeit mit Heinz Kock und Studierenden des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Hamburg die Ausstellung „Nur für Erwachsene“, so wie den vorliegenden, begleitenden Katalogband zu realisieren. Was die Beteiligten dabei an interessantem Material zusammengetragen haben, ist gerade zu bezeichnet für moralische Werteverschiebungen im Wandel der Zeit und wirft ein aufschlussreiches Licht auf die Entwicklungen der Rock-und Popkultur unter den Auflagen staatlicher Zensur. Dabei kann das Buch auch allein stehend außerhalb der Ausstellung durchweg überzeugen. Gerade da durch, dass der Spreizschritt zwischen wissenschaftliche dedizierter Herangehensweise extrem unterhaltsamem Stil gelingt, verweigert sich „Nur für Erwachsene“ der vorherrschenden Trockenheit, die ähnliche themenrelevante Publikationen inne haben. Die Struktur des Inhaltes gliedert sich lesefreundlich in eine Essay-Sammlung, die verschiedene Aspekte der Thematik erläutert und den Weg seit Elvis’ berühmten Hüftschwung bis zur Zensur der Bush-Regierung in Zeiten des Irak-Krieges nachzeichnet, einen Abbildungsteil, der Zensur an Plattencover in den Bereichen Political Correctness, Gewaltdarstellung und ähnlichem bietet, sowie einem lexikalischen Teil, der von einer Bibliographie und einem Textanhang abgerundet wird.


Ebenso bunt wie die aufgegriffenen Beispiele aus der Musikgeschichte, die so ziemlich jedes Genre betreffen, sind auch die Beiträge im einleitenden Aufsatzteil vertreten: Josef Spiegel widmet sich der Geburtsstunde des Rock’n’Roll, der Aufforderung der Bravo-Redaktion, dass sich Elvis doch mal die Haare schneiden lassen sollte und streift auch den Bereich Faschismus innerhalb der Musikkultur, Roland Seim beschäftigt sich mit den staatlichen Kontrollinstanzen, Willem Pasinski setzt den Schwerpunkt beim Heavy Metal, Jacob Sello zeigt auf, warum Raves in den USA mit Drogenmissbrauch gleich gesetzt werden und Christiane Rohr betrachtet den zensorischen Konsequenzen nach dem 11. September 2001. Mel Brooks’ Hitler-Rap ist dabei genau so Thema, wie zum Beispiel ein ausgerufener Boykott gegen Sheryl Crow und Steffi Grafs Klage gegen die Funpunks von den „Angefahrenen Schulkindern“. Den größten Teil des 250 Seiten starken Buches macht dann der Abbildungsteil aus, der unter anderem verrät, warum Paul McCartney im Jahre 2003 das Rauchen auf der Abbey Road LP verboten wurde und wie die Scorpions von „Virgin Killers“ zu braven Rockern konvertierten. Im lexikalischen Teil findet sich dann noch alphabetisch geordnet vielerlei kurioses aus der Musikwelt, bei dem Janette Jacksons Nippel-Skandal sich inmitten von Atari Teenage Riot’s „Burn Berlin, burn“-Ausrufen und religiösen Gruppen die Marilyn Manson stoppen wollen, in bester Gesellschaft befindet.


Bei so einer geballten Masse an Information ist es allerdings nicht verwunderlich, dass sich einige kleine Fehler eingeschlichen haben: So ist zum Beispiel das Erscheinen von „ATR’s“ „The Future of War“ fälschlicherweise mit 2001 statt 1996 angegeben, Shane MacGowans Zähne-Gag in einer US-Lateshow wird damit ausgewiesen, dass man ihm verkaufsfördernd für US-Pogues- Veröffentlichungen ein intaktes Gebiss verpasst hatte und aus Sheryl Crow wird auch mal eine Cherrill Crow. Schade auch, dass der Eingangs von mir erwähnte G.G. Allin es leider nicht ins Buch geschafft hat. Obwohl, gerade der Kampf zwischen Ordnungshütern und den „Murder Junkies“ als Themenkomplex hier sicherlich gut aufgehoben gewesen wäre. Insgesamt aber keinesfalls gravierende Schnitzer, die den großartigen Gesamteindruck des Buches irgendwie schmälern könnten. So ist „Nur für Erwachsene“ ein klarer Fall von „Must have“ für jedes Buchregal von Musik- und Zensurinteressierten. Wer erstmal beim Schmökern Blut geleckt hat, dem seien auch die anderen Veröffentlichungen aus dem Telos Verlag ans Herz gelegt, die viele der angerissenen Themen des Buches noch an anderer Stelle vertiefen.


„Nur für Erwachsene- Rock- und Popmusik: zensiert, diskutiert, unterschlagen“, herausgegeben von Roland Seim und Josef Spiegel, ist erschienen im Telos Verlag und unter der ISBN-Nr. 3-933060-16-8 für 24,80 Euro zu beziehen. (www.telos-verlag.de)

Danke an Dr. Roland Seim, der das Rezensionsexemplar freundlicherweise  zur Verfügung  stellte.

04.04.2006 um 21:02 Uhr

Pulchrum est paucorum hominum : Neues von der Bücherfront

von: Fabse



Des Lesens nimmer müde gab es in den letzten drei Wochen zwei Neuerrungenschaften, die dem Augen gleichermaßen wie dem Kopfe zugeführt werden wollten.


Nietzsches Zarathustra, welcher ja gemeinhin als Hauptwerk des guten Mannes gilt, entfaltet als poetisches Sperrfeuer getarnt eine Magie, der es sich zu entziehen freilich als ein unmögliches Unterfangen erscheint. In vier Bücher unterteilt fegt einen Nietzsches geballte Philosophie um die Ohren, die stellenweise zum entspannten Lächeln wie auch zum herben Schlucken einlädt. Zwar folgt er dabei nicht unbedingt einer stringenten Lehre, doch die Wortgewaltigkeit die dem Leser entgegen schlägt sucht ihresgleichen. Als Bibel-Parodie und fünftes Evangelium aufgezogen gibt's hier alles vom Verkünden des Übermemschen bis hin zum Willen zur Macht. Die Wüste wächst-Wehe dem, der Wüste birgt.


Ecce Homo stellt den Versuch einer Autobiographie dar, doch entspringt das Werk einem Nietzsche, dessen Abdriften in den Größenwahn kaum noch zu leugnen ist. Vielmehr ist Ecce Homo eine Art Abrechnung mit der Welt, die den Philosophen wenige Jahre vor der Aufnahme in die Irrenanstalt umgab. Der Bruch mit Wagner, das gesamte literarische Schaffen, Haupteinflüsse des Genies und vieles mehr lässt Nietzsche Revue passieren. Wie er dabei vorgeht ist allerdings konkurrenzlos und kaum noch an Selbstüberschätzung und polemischen Hämmern zu überbieten. War schon ein Großteil seiner Schriften nach der Abkehr von Schopenhauers Lehre voll von brutalen Schlägen gegen den Kopf alles ihn anwidernden, so kann sich Ecce Homo damit rühmen die Leichen der verhassten Vertreter der „decadence“ noch auszuweiden und auf sie zu urinieren.

03.04.2006 um 14:28 Uhr

Analogia entis oder Rütli forever

von: Fabse


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Verfechter der Scholastik frohlocken und die Bild kontert ihre eigene Liste der Intelligentesten mit der Headline vom Gewaltschüler made in Sozialbrennpunkt: Die Berliner Rütli-Hauptschule steht im Mittelpunkt des deutschen Interesses und der gemeine Bundesbürger reagiert verwirrt auf die Schreckensmeldung wie sonst nur auf Thomas Gottschalks Dummenwitze. Die Utopien, die Mark L. Lester bei seinem Class of 84 auf Zelluloid bannte erscheinen geradezu von der Präzision eines schmuddeligen Hellsehers im Anbetracht der aktuellen Meldungen, die dem Stammtischbewohner neue Ansätze fürs abendliche Skatkloppen bescheren. Einziger Wehmutstropfen: Nirgendwo kraxelt Michael J. Fox unter Drogen auf den Fahnenmast und Stegman hört lieber Hip Hop und Blackmusic. Wo fängt man also am Besten damit an, das republikgewordene Bildungsdefizit zu verorten? Schauen wir uns mal Lager des großdeutschen Kulturangebotes für den Hausgebrauch um: Gerichtsshows, deren Drehbuchschreiber im angeheiterten Zustand Skripte zusammenschustern, Talkshows, die ihre Gäste von Bahnhofstoiletten rekrutieren, Aggro-Rapper, die mit Analverkehr drohen und letztendlich Live-Events aus dem Bundestag, die das Geschehen reflektieren. Zwingend fragt man sch da, ob dass ganze nicht schon viel früher Realität war, noch bevor ein auflagenstarkes Unterhemdensprachrohr die Hiobsbotschaften verkündete.

Bei längerem Nachdenken über diese These erscheint einen dann doch das gesuchte Licht über der Schädeldecke: Ja, das war schon immer so, nur vorher vereinnahmte uns der Penisbruch eines Popproduzenten mehr als etwaige Missstände in der Bildungskasperstube. Bei näherer Betrachtung verweisen Aussagen eines Sido wie beispielsweise „ Isch bin der Arschfickmann und das ist der Arschficksong“ doch in stark komprimierter Form auf eine Vorbildung mit dem literarischen Werk eines Günter Grass. Während man Grass und seine Detailfreudigkeit bei der Beschreibung sexueller Praktiken hingegen zum Weltkulturerbe packte, sah man die Vorlieben des Plattenbaubarden hingegen als Verrohung der Jugend an und schrie nach Zensur. Ungeachtet dessen, dass ein soziales Klima und die politische Lage des Landes ihre künstlerischen Sublimierungen speist, sollte auch der gegenwärtige Schulhofkanon der Unterschichten als Interpretation Kants kategorischen Imperativs gewertet werden: So fußt ein „Hurensohn!“ als Ausführung der vorher geäußerten Hypothese „Isch ficke deine Schwester, du Bastard!“

Die Transparenz dieser ausschlachtbaren Kulturregung eignet sich doch bei einer differenzierten Attitüde zur Sachlage um den Tenor der „Sex und Gewalt ist böse“- Schlagzeile zu bereichern. Anstatt die Metrik anhand ihrer Form als Umwertung wahrzunehmen wird ihr spekulativ erscheinendes Element herausgesiebt um aufgesetzte Bestürzung auszurufen. Möglicherweise sollten sich die Faktoren Sex und Gewalt als unabdingliche Bestandteile des Seins entpuppen. Welcher Natur war wohl Kains Brudermord, wenn nicht dieser? Überhaupt sollte gerade die westliche Welt mit den Ausmaßen ihrer eigenen auf christlichen Werten gebauten Moralvorstellung angemessen mit einem „Irgendwie belanglos und normal“ reagieren. Sämtliche Fassungslosigkeit über Gewalt in der Schule und schlimmen Handyvideos outet sich beim aufrichtigen Blick in den Spiegel ( Nein, nicht das Blatt!) doch als paradoxe Phantasmagorie. Wer Verbote für fragwürdige Handy-Horrorvideos fordert und gleichsam sich auf ein imaginäres Glücksbärchi im Himmel als Schöpfer beruft untergräbt seine Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit.

Die Abhilfe der als bedenklich eingestuften Situation kann freilich nicht mit dem Anrücken von Presseabgesandten und der medialen Vereinnahmung der selbst verantworteten Misere geleistet werden. Ein Aufflammen von Kommentaren mündiger Bürger, deren Mündigkeit doch stark zu bezweifeln ist erhebt sich im Anschluss an die proklamierte Ausweglosigkeit, deren exemplarische Stimme die großflächige Darlegung eines doch albern anmutenden Problems ist. Ich jedenfalls halte die mit schmierigen Allusionen angereicherten Mädchen von Seite 1 ebenso für bedenklich wie das prügelnde Klassenzimmer der Kopfzeile.

03.04.2006 um 10:53 Uhr

DVD-News: No Talk von Epix Media

von: Fabse


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Der Kölner Medienhochschulabsolvent Uli Wilkes inszenierte als Diplomarbeit 1998 die erste Talkshow ohne ein gesprochenes Wort: No Talk! Ihm zur Seite standen dabei deutsche TV-Talkmaster, die eine halbe Stunde lang dazu aufgefordert wurden zu schweigen. In seinem „Grimme-Preis“-nominierten Projekt beobachtet der Zuschauer Roger Willemsen, Jürgen Domian, Alfred Biolek, Arabella Kiesbauer, Bärbel Schäfer und Giovanni di Lorenzo, die versuchen gegen ihre bekannte Redseligkeit anzukämpfen.

Das Konzept der Talkshow in seiner reinsten Form, das uns Uli Wilkes hier präsentiert lebt von den Erwartungen des Zuschauers und seiner medialen Vertrautheit mit den Moderatoren vor der Kamera. Wer je einen Alfred Biolek oder eine Bärbel Schäfer bei ihren Moderationen erlebt hat wird automatisch jede Geste oder Mimik der schweigenden Talkmaster umso genauer beobachten. Allein bedingt durch den Prominentenstatus der anspruchsvollen und unseriösen Talkentertainer, die vor Wilkes Kameras vereint sind führt No Talk das Schema des Affektfernesehens ad absurdum: Personalisierung, Authentizität, Intimisierung und Emotionalisierung greifen direkt auf der nonverbalen Ebene.

Das Erleben, das 30 Minuten lang den Zuschauer in seinen Bann zieht ist mehr dem Kopfkino der Avantgarde verpflichtet und lebt durch die Schlinge, die die Medienpräsenz der Gäste im Studio an Erwartungshaltung schafft, auswirft. Anfänglich rückt sich das Interesse mehr in Richtung der Körpersprache von Protagonisten deren trivialen Unterhaltungsformate man im Hinterkopf hat, doch gerade die vermeintlichen Intellektuellen im Studio fallen recht schnell aus dem Rahmen. Als schließlich eine Kiste in den Raum geschoben wird, in der die Gäste Bücher ihrer Studiopartner finden erlebt man Zustände größter Anspannung unter den Moderatoren. Was geht in Alfred Biolek vor, wenn er ein Arabella Kiesbauer-Buch durchblättert? Was will uns das Runzeln seiner Stirn in Dingen der gegenseitigen Wertschätzung näher bringen? No Talk gibt Antworten en masse, doch nur wenn der Zuschauer bereit ist an seiner Fragestellung aktiv mitzuarbeiten vervollständigt sich das von vornherein angelegt Puzzle. Jede Sichtung der ungewöhnlichen Show der Gewöhnlichkeiten wirft neue Bälle in die Luft, deren Auffangen mehrfaches Hinsehen und Beobachten mit einschließt.

An Bonusmaterial enthält die am 13.04.2006 erscheinende DVD aus dem Hause Epix 150 Minuten Extras.

Audio: Deutsch DD 2.0 Surround

Bildformat: 4:3

Ländercode: 2 PAL

Specials:

- Vorwort und Interview von Uli Wilkes

- Moderatoren-Solo-Takes (5x30 Min.)

- Multi-Angle-Funktion (verschiedene Blickwinkel - einzeln anwählbar)

- All-in-one View (alle Kameraperspektiven auf einen Blick)

- Blindenkommentar

- Die geheimnisvollen Hefte

- „Und sie reden doch…“ (Szenen nach der Sendung)

- Fotogalerie „Hinter den Kulissen“

- Biografien von Regisseur und Talkmastern