Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

22.10.2006 um 14:36 Uhr

FTB-News: Eaten Alive (1977)

von: Fabse

 

 

Yes, es ist mal wieder Hooper-Time! Kaum eine Regie-Ikone des Horror-Genres hat in den letzten 35 Jahren gleichermaßen moderne Klassiker wie auch bodenlosen Dreck fabriziert wie Tobe Hooper. Mögen alle Menschen mit Sinn für die Schönheit des Hooper’schen Gesamtwerkes sein Texas Chainsaw-Duo verehren, Lifeforce eine Gedenkstätte errichten und Poltergeist im DVD-Regal streicheln. Ja, dieser Mann hat sich sogar mit dem Gummimonstern des „Invaders from Mars“-Remakes in alle Herzen gekurbelt. Vergessen wir doch besser seine späten Horror-Kloaken wie den unsäglichen „Night Terrors“ oder „Mortuary“. Aber Moment mal,…! Vielleicht war der gute Herr Hooper sogar früher schon Scheiße. Na, was hat der wohl gemacht, als ihm der Buddy Kim Henkel folgende Story hingehauen hat, nachdem man gemeinschaftlich die Kettensäge geschwungen hat?

 

 Der komplett abgedrehte Psychopath Judd führt in der Einöde der texanischen Provinz ein heruntergekommenes Hotel samt angeschlossenem Krokodilbecken. Durchreisende bewirtet man natürlich solange von ganzem Herzen, bis das Kroko gefüttert werden will. Kein Wunder, dass Judd ordentlich die Sense schwingt, denn gerade ist Hochsaison für Urlauber und andere Besucher, die das Hotel in Anspruch nehmen.

 

Nicht mal drei Jahre nach dem Erfolg mit dem Texas Chainsaw Massacre widmete sich Tobe Hooper erneut der Backwood-Thematik und lieferte mit „Eaten Alive“ das zweite Manifest um degenerierte Hinterwäldler, die Interesse an Menschenfleisch hegen. Vorweg gleich zu den positiven Aspekten des Films: An der Darstellerfront finden sich mit Robert Englund, Marilyn Burns (ja, die aus TCM!), Brian De Palma Stammakteur William Finley und Neville Brand als überragender Vollpsychopath einige wackere Genre-Veteranen, die durch die Bank weg ihr bestes geben um den Karren aus dem inszenatorischen Dreck zu ziehen. Sogar in die Kehle von Weltstar Mel Ferrer verschlägt es Judds Sense, doch der gute Mel chargiert unverfroren wie Hupe bevor es in den Krokoschlund abgeht. Man muss auch nicht mal ein kleiner Fuchs sein um schon nach kurzer Laufzeit festzustellen, dass Tobe Hooper hier versucht hat ein psychodelisch gewitterndes Remake von Hitchcocks Filmchen um einen Motel-Besitzer auf die Beine zu stellen. Parallelen finden sich wahrlich genug und daher wohl auch die Leihgabe des Phantoms Finley aus des De Palmas- Suspense Werkstatt. Für Splitscreens hat’s bei Hooper allerdings nicht gereicht wenn das alberne Pappmachekrokodil aus dem Wasser schnellt. Spannung existiert auch nicht wirklich, aber die Regie-Credits von Mr. TCM lassen sich im Nachhinein an einer Inszenierung festmachen, die am ehesten der seiner aktuellen Filme entsprechen: Erstaunlich, dass hier alles nach sterilen Studio riecht. Unter dem Strich bleiben dann auch zwei markante Erkenntnisse des Films am Zuschauer haften:  „ My name’s Buck and I’m ready to fuck!“ sowie die Gewissheit, dass Hooper auch früher schon öde Streifen fabriziert hat.

  

  

22.10.2006 um 13:34 Uhr

FTB-News: Das kleine Arschloch und der alte Sack (2006)

von: Fabse

Ganze elf Jahre durften Fans des ersten Films, um die politisch unkorrekten Späße aus der Feder von Walter Moers, warten und nun präsentiert der deutsche Fließband-Animateur Michael Schaack die zweite Leinwand-Adaption des kleinen Arschlochs. Ist nach Schaacks unsäglichen Werner-Fortsetzungen, dem unlustigen Derrick-Film und seinem platten Dieter Bohlen-Promo-Reel wohl jetzt endlich wieder Besserung in Sicht?

Peppis Besitzerin Frau Mövenpick stirbt und bei der stattfindenden Beerdigung lasse es sich das kleine Arschloch sowie sein Opa natürlich nicht nehmen die Trauergemeinde mit Gehässigkeiten zu überschütten. Durch Unachtsamkeit fällt der alte Sack dabei in eine bereits ausgehobene Grube und landet auch im Handumdrehen in der Hölle, wo 10.000 nackte Krankenschwestern darauf warten, seine wiedererlangte Potenz täglich bis zu 500 Mal auszukosten. Während Opa also das Glück im Jenseits auskostet, versucht sein Enkel ihn mittels satanischer Riten und Experimenten an Hund Peppi der Hölle zu entreißen und arrangiert Wohnungsführungen für schwule Paare.

Obwohl mit Holzhammerhumor und derben Zoten abgerundet, war der erste Ausflug des kleinen Arschlochs ja eine vergnügliche Sache, die auch ordentlich an der Kinokasse einschlug. Jenes Glück wird der Fortsetzung wohl dann aber doch nicht beschieden sein, denn im Gegensatz zum Original gibt sich der zweite Teil über weite Strecken viel Mühe dabei mehr Narkotikum als unkorrekter Filmspaß zu sein. Anstatt der erwarteten neuen Arschloch-Songs, die das Prequel fein aufwerteten begnügt man sich nun mit experimentellen Klimperklängen aus der Feder von Helge Schneider und liefert nur ein neues Lied ab, dass eher wenig Kultpotenzial erahnen lässt. Ganz klare Höhepunkte sind die Höllenszenen mit dem alten Sack, die aber leider durch überflüssige Tanzeinlagen und witzlose Experimente an Hund Peppi ausgebremst werden. Nebenbei verlässt man zu oft das Geschehen um das witzlose Treiben zweier, von der Comedy-Truppe Badesalz gesprochener, Flugenten zu erleben. Ganze fünf lustige Minuten Unterhaltung finden sich diesmal im Film, der den Mythos um Moers Kultcomics zu Grabe trägt. Nicht nur Sterben ist Scheiße, wie der Untertitel sagt, sondern auch gnadenlos uninspirierte Fortsetzungen wie diese hier.

22.10.2006 um 12:50 Uhr

FTB-News: Das Parfum (2006)

von: Fabse

 Es war abzusehen und geradezu nicht zu verhindern, dass der erfolgreichste (merke: erfolgreich zumeist ungleich gut) deutsche Roman der letzten Jahre seinen Übertrag auf die Kinoleinwand erfahren würde. Nur das „Wann, wie und durch wen?“ war die Frage. Verwiesen Regisseure wie Stanley Kubrick auf das „Unverfilmbar-Schild“, so gab Bernd Eichinger nicht nach, wenn es darum ging Patrick Süskind die Filmrechte für seinen Roman aus den Rippen zu leiern. Nach einer gefühlten Ewigkeit also und noch mehr vergangener Zeit auf den Kalenderblättern, hatte der Neue Constantin-Guru allerdings die Rechte in der Tasche – Zum Leidwesen eines Publikums, das auf eine adäquate Umsetzung gehofft hatte. Nach einiger Geheimniskrämerei lies man alsbald die Bombe platzen und gab bekannt, dass Regie-Wunderkind Tom Tykwer, den teuersten deutschen Film seit Metropolis inszenieren dürfte und auch, dass mit einer internationalen Besetzung zu rechnen sei. Der ersten Teaser, den man im TV auf Pro7 bewundern konnte, erwecke dafür aber eher den Eindruck, dass das Geld wohl größtenteils in den Ofen gewandert wäre: Ein popeliges Studio-Ambiente in dem der berüchtigte Jean-Baptiste Grenouille, durch den fehlbesetzten Ben Whishaw dargestellt, einer Maid auflauerte verwies darauf, das kommende Blockbuster-Vehikel besser zu meiden. Klar, dass dem negativen Feedback später ein imposant ausschauender Trailer und eine riesige Medien-Kampagne folgten. Wollte man doch auf der sicheren Seite stehen und das Klingeln an der Kinokasse als Endlosschleife hören wollen. Kurz was zur Handlung, sofern diese noch nicht jedem Bundesbürger durch die Boulevard-Presse zu Genüge in den Kopf geprügelt worden ist:

Im 18. Jahrhundert fällt einer französischen Fischhändlerin bei der Arbeit etwas aus dem Schritt, das von der Madame schnell entsorgt werden möchte, da Kindstötung zu jener Zeit recht populär ist und die Antibaby-Pille rund 200 Jahre später auf den Markt kommt. Leider erweist sich die Idee, das Balg zu töten als doof, denn das Rumgeschrei der Lendenfrucht alarmiert den Pöbel, der sogleich die Marktfrau an den Galgen bringt. Der Spross hingegen wird verhökert und entdeckt im gereiften Mannesalter, dass er eine spezielle Fähigkeit besitzt, was das Riechen angeht. Besessen davon, den Duft schöner Frauen zu konservieren und damit ein einzigartiges Parfum zu schaffen, begibt sich Grenouille in die Lehre bei dem Parfümeur Baldini und des Nachts streift er durch die Straßen um Frauen zu ermorden, deren Geruch das Kölnisch Wasser der Eigenkomposition komplettieren soll.

 

Was sich 1a wie der Plot eines Exploiters aus der Feder von Roger Corman anhört, begeisterte Leser aufgrund seiner stilistischen Ausarbeitung durch Autor Süskind und vielleicht noch durch seinen recht geringen Seitenumfang, der sich für die Klolektüre zwischendurch gut eignete. Sollte es sich da wohl lohnen, genügend Toilettenpapier mit ins Kino zu nehmen? Die Antwort hierauf, sei mit einem „Jein“ umrissen! Anstatt einen anständigen Schmuddelfilm abzuliefern, nachdem das Buch verlangt hätte, glättete das Team um Eichinger und Tykwer all das was irgendwo nicht als mediales Großereignis im Hochglanz-Look der Produktion den Kram gepasst hätte. Man mag Tykwer durchaus als Cineasten, Autor und Handwerker einen roten Teppich ausrollen, aber wenn ein Filmstoff sich komplementär seinen formalen Gegebenheiten verhält, nutzen auch tolle Bildkompositionen und ein internationaler Cast nicht mehr viel. Fast drei Stunden Ästhetik, die mit illustren Gästen wie Alan Rickman oder Dustin Hoffman aufgewertet werden, reichen nicht aus um aus der Sache was Angenehmes zu machen. Kurzum: Immer dann, wenn die Nähe zur Vorlage 100%ig gegeben ist, erscheint der Film unfreiwillig komisch und vermittelt dem Zuschauer den Eindruck einer Trash-Klamotte beizuwohnen. Die FSK 12 Plakette (Wir müssen ja möglichst viele Leute ins Kino bekommen) musste da auch noch her, um der suppenden Vorlage den Wind aus den Segeln zu nehmen. Was bleibt ist ein imposanter Bilderbogen, der ebenso unausgegoren wie gelackt von der Leinwand schielt.

22.10.2006 um 07:52 Uhr

FTB-News: Something Weird

von: Fabse

 

Herschell Gordon Lewis, der Godfather of Gore, hat innerhalb seiner Laufbahn als Regisseur ( Karriere möchten wir das jetzt mal nicht so gerne nennen) einiges an albernen, aber charmant naiven Stuss abgeliefert. Neben Sternstunden des Exploitation-Films wie zum Beispiel „Wizard of Gore“ , Blood Feast“ und „Color me Blood red“, stehen auch üble Langweiler wie „Scum of the Earth“ in die Vita des Splatter-Erfinders eingeschrieben. Sein 1968 entstandener Film der Unglaublichkeiten namens „Something Weird“ führt im Titel schon mehr die Qualität seiner Machart anstatt einfach nur die Hirnblähungen, die uns Lewis als Plot verkaufen will zu erfassen.

 

Cronin Mitchell wird fürchterlich entstellt, als er mit einer herabhängenden Starkstromleitung in Berührung kommt. Als der, vom billigen Make-up belästigte, Cronin im Krankenhaus erwacht, bemerkt er sodann, dass er von nun an mit telepathischen Fähigkeiten ausgestattet ist und verdient fortan sein Geld als Wahrsager. Eines Tages erscheint ihm eine Hexe, die ihm die hässliche Schabracke von nun an, so würde sie sein entstelltes Gesicht mit einem Zauber wieder symmetrisch gestalten. Zunächst wendet sich der beehrte Schönling ab, dann aber verführt ihn die Hexe in Gestalt einer schnieken 60s Schnalle. Mit seiner neuen Partnerin im Schlepptau wird Cronin von Regierungsbeamten abberufen um mit seinen Fähigkeiten dabei behilflich zu sein einen Frauenmörder zu fassen.

 

Übersinnliche Fähigkeiten, Hexerei, LSD-Selbstversuche und ein Scharfschütze, der gefasst werden will, bilden den Rahmen von Lewis kompromisslos bescheuerten Streifen, der an unfreiwilliger Komik sämtliche Grenzen einreißt. Als würde es nicht ausreichen eine Darstellerriege zu präsentieren, die hölzerner als der Wiener Wald agiert, so schießt man mit jedem Auftritt der Hexe wahrlich den Vogel ab. Elizabeth Lee mag  ohne das Hexen-Make-up noch so hübsch sein, doch ihre Performance als Zauberweib mit dem manischen Lachen schlägt sämtlichen Fässern den Boden aus. Hier wird rumgehampelt, der Rotfilter vor der Linse als LSD-Expierience  verhökert und die „Boiling, bizarre Tale of a Mad Love that Crashes Through the Supernatural“ ergibt sich beim Zuschauer nachdem man sich leere Flaschen auf de Schädel prügelt. Trotzdem bleibt der gebotene Schwachsinn durchaus unterhaltsam, sofern man die überaus häufig vorhandenen Längen verschmerzen kann. Ganz klare Highlights sind da schon der Angriff der Killer-Bettdecke und eingeschobene Action-Szenen ( Tipp an Michael Bay-Fans!).  

22.10.2006 um 07:02 Uhr

FTB-News: The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006)

von: Fabse

In der beliebten Reihe “Innovationen aus der Traumfabrik” vermeldet die Riege um Produzenten-Guru Michael Bay diesmal gar Sensationelles: Nicht etwa die Verwurstung eines Comics für den Screen oder ein Remake angestaubter Stoffe gibt man dem Kinogänger an die Hand, sondern setzt im Jahre 2006 auf die Mordsidee namens „Prequel zum Remake“. Da ja gerade mal drei Jahre seit Marcus Nispels Neuauflage des Tobe Hooper Klassikers vergangen sind und Horror im Kino wieder salonfähig geworden ist, öffnet sich der Vorhang für die neueste Auflage des Texas Kettensägen Massakers.

Im Jahre 1969 machen sich die Brüder Eric und Dean gemeinsam mit ihren Freundinnen auf einen Roadtrip durch Texas. Nachdem die Truppe, aufgrund einer Attacke durch eine Motorrad-Rockerin, in einen schweren Autounfall verwickelt wird, naht posthum Hilfe in Form des auftauchenden Sheriffs Hoyt. Doch anstatt die Verletzten in ein Krankenhaus zu bringen und die Unfallverursacherin festzunehmen, erschießt Hoyt die Rockerin und entführt die Jugendlichen zu einer abgelegenen Farm. Hier wartet schon eine ganze Familie von degenerierten Hinterwäldlern darauf, ihre neuen Opfer in Empfang zu nehmen.

Was sich liest wie eine leicht modifizierte Version des altbekannten TCM-Plots, fühlt sich auch ebenso an. Bis auf eine kurze Vorgeschichte um die Geburt von Leatherface und die Schließung eines Schlachtbetriebes der Redneck-Familie, spult der aktuelle Ausflug in das Backwood-Genre fast 1:1 die Geschichte von Nispels Film ab. Auch Optik und Schnitte der 2003er Fassung kopiert das Prequel sklavisch ergeben. Dass hier Jonathan Liebesman, dessen „Darkness Falls“ ja auch ziemlich belanglos daherkam, auf dem Regiestuhl saß macht sich irgendwie auch nicht wirklich bemerkbar, da die Inszenierung sich in keiner Weise mit der Nispels unterscheiden mag. Natürlich wurde der Gore-Gehalt etwas erhöht und R. Lee Ermey stielt wieder allen anderen – solide agierenden- Darstellern die Schau, aber irgendwie wird man beim Betrachten des neuen Massakers das Gefühl nicht los, dass hier Schnittabfälle aus dem Cutting Room des Vorgängerwerkes auf einen hernieder prasseln. Die Eigenständigkeit erschöpft sich auf einige Erklärungsversuche für das Verhalten der Familie, doch die fallen mehr als platt aus. Wer die TCM-Parodie „Slaughterhouse“ kennt, der wird mit Schrecken feststellen, dass sich hier mehr als nur dreist bedient wurde. TCM: The Beginning ist alles andere als wirklich schlecht, aber das komplette Werk ist dann doch nur sehenswert für Leute, die die letzten 35 Jahre keinen Horror-Film gesehen haben dürften. Hätte man die vorhandenen Blaupausen im Schrank gelassen, so hätte es auch niemanden gestört.