Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

28.11.2006 um 23:04 Uhr

FTB-News: Saw 3 (2006)

von: Fabse

saw 

„Never change a winning team“, lautet bekanntlich die Devise, wenn innerhalb der Traumfabrik Hollywoods der ordentliche Reibach bei der Ausschlachtung einer gewinnträchtigen Franchise anvisiert wird. Im Falle von James Wans Independent-Thrillers „Saw“, der das Publikum 2004 in Entzückung darüber geraten ließ, was mit einem Mini-Budget von knapp 1,2 Millionen Dollar gezaubert werden konnte, wenn sie für ein Beinahe-Kammerspiel mit Horror-Einschlag gezückt werden, war die Fortsetzung schon am Startwochenende des Erstlings beschlossene Sache. „Saw 2“ erweiterte das räumliche Verwirrspiel des Prequels um eine zeitliche Verschiebung, um das Publikum weiterhin hinters Licht zu führen und das Drehbuch von Regisseur Darren Lynn Bousman und dem Original-Mitautoren orientierte sich sichtlich an der Cube-Serie, die mit dem Jigsaw-Stoff genügend vermengt wurde um genug Eigenständigkeit zu beweisen. Ein großes und oft zitiertes Manko der Filme waren jedoch deren Logiklöcher, die manchen Zuschauern nach den finalen Plottwists übel aufstießen. Scheinbar war sich das Team bei der Inszenierung des dritten Saw-Streifens dieser Problematik bewusst und so fiel der Plot diesmal ungewohnt simpel aus.

 

Nach den Ereignissen im zweiten Teil haben sich Jigsaw und seine Schülerin Amanda zurückgezogen, doch an alten Spielen fest hängend, entführt das Duo zwei neue Opfer. Einerseits soll die, durch ein tödliches Halsband, als Geisel gehaltene Ärztin Lynn Danlon den im Sterben liegenden, Jigsaw-John  mit einer rettenden Hirn-Operation retten und zum anderen absolviert Geisel Nr. 2, die auf den Namen Jeff hört, eine Tour de Farce durch das Killerdomizil bei der er entscheiden darf welche Menschen, die mit dem Tod seines Sohnes in Verbindung stehen, leben dürfen.

 

Schon bei der Exposition bemerkt der Saw-erfahrene Zuschauer, dass sich wohl rein von der Inszenierung her nichts geändert hat: Immer noch dominieren Schnitte, deren leibliche Väter der MTV– Ästhetik  entsprungen sind und die dem Rezeptionsverhalten der anvisierten Zuschauerschaft wohl keinerlei Verwirrung bereiten sollten. Weiterhin geben kühle Farben und karg beleuchtete Szenerien den Ton an, dessen inhaltlicher Akkord Moll-lastiger kaum sein könnte: Der pseudophilosophische Zeigefinger prangt nach wie vor über dem Wirken des Killergespanns. Was ja bei der „Final Destination“-Reihe den Ausschlag für ein cineastisches Dreigestirn mit herabsinkender Qualität gab ist scheinbar auch die treibende Kraft innerhalb des Saw-Kosmos geworden: Welche Todesarten birgt nun der dritte Teil für sein blutwilliges Publikum? – Es sei gesagt, dass man hier ganz klar weitere Zugeständnisse an sein Stammpublikum gemacht hat und wieder mit einer Vielzahl von gemeinen Fallen aufwaten kann. So weit scheint inklusive der schauspielerischen Durchschnittsleistung alles an Board zu sein was sich der Fanboy wünschen mag, doch entgegen der optimistischen Vorfreude auf ein weiteres Kapitel solider Horror-Kost, entpuppt sich „Saw 3“ als Filmappendix  erster Güte. Die Story, die gerade einmal für 20 Minuten Film ausgereicht hätte wird zugestopft mit stupiden Rückblenden, die die Logiklöcher der Vorgänger zu schließen versuchen. Dass allerdings bei den neuen gebotenen  Fallen für den Bau mindestens 100 Killer-Architekten von Nöten gewesen sein müssten lässt man unter den Tisch plumpsen. On top bekommt der enttäuschte Zuschauer noch eine platt ausgewalzte Hirn-OP präsentiert, die in ihrer plakativen Ausdehnung eher als Fragment der berüchtigten Mondo-Klamotte „Gesichter des Todes“ durchgehen mag. Spannung mag da nicht wirklich aufkommen und auch beim aufgesetzt wirkenden Finale überkommt einen das große Gähnen. Nein, „Saw 3“ ist weder die clevere Fortsetzung, die man sich erhofft hat, noch die ultrabrutale Schlachtplatte wie mancher propagieren mag. Eher ist diese Beinahe-Fortsetzung einfach nur belanglose Leinwandrotze.   

 

28.11.2006 um 07:37 Uhr

The Hills have Eyes 2!

von: Fabse

Zwar ohne die Beteiligung von Alexandre Aja, aber trotzdem wohl unvermeidbar innerhalb der momentanen Schwemme von Horror-Sequels erwartet uns schon recht bald eine weitere Fortsetzung eines Remakes. Menschen in Ami-Land bekommen die neue Schlachtplatte aus dem Hause Craven bereits ab dem 1. März zu sehen.

21.11.2006 um 13:51 Uhr

FTB-News: 7 Zwerge- Der Wald ist nicht genug(2006)

von: Fabse

  

Es gab mal eine Zeit in der Deutschlands Humorverständnis durch einen ostfriesischen Blödelbarden neu definiert wurde. Etwa zum Ende der 70er Jahre tummelten sich auf dem Witzteller der Nation illustre Zwerchfell-Entertainer wie beispielsweise Loriot und sein Gegenentwurf Fips Asmussen. Während der Eine nun eher subtiler mit Verweisen auf tendenziöse Allusionen unter der Gürtellinie hantierte, war dem Anderen nichts heilig was nicht dem Bauarbeiter mit der Bierbüchse in der Hand gefiel. Erst der Emdener Zappelphilipp einte die Fraktionen mit seiner, mit Slapstick und Klamauk angereicherten Show, die ihm binnen von wenigen Jahren zum Vorzeige-Komiker der Teutonen werden ließ. Nachdem auch die ersten beiden Langfilme mit Otto Waalkes in der Hauptrolle zu Kassenschlagern wurden, fragte sich der Zeitgeist dann doch, ob Parodien auf den popkulturellen Medienreigen, die mit Kasperei angereichert waren eine Dekade des Bundesdeutschen Comedy-Empfindens überdauern könnte.

 Schema X folgend und unter der Fuchtel von Produzent Horst Wendtland erwarteten den Zuschauer allerdings noch drei weitere Waalkes-Vehikel, die mehr darauf ausgelegt waren den alten Staub noch mal durch die Kinos zu fegen. In Zeiten, in denen dem US-Vorbild der Stand-up-Comedian-Methode allerorts gehuldigt wurde und Massen von Teilzeitscherzbolden sich berufen fühlten auf die Bühnen der Republik zu steigen, wirkte das schon mehr als antiquiert. An vergangene Erfolge anzuknüpfen schien dem, auf den ewigen Blödel-Ostfriesen schier unmöglich, da sein Fundus doch arg begrenzt war, wenn es darum ging über ein viertel Jahrhundert lang die Massen zum galligen Grölen zu verleiten. Ein neues Konzept musste her und so brütete man hinter verschlossener Tür, wie man wieder ins Gespräch kommen könnte. Nach kurzer Zeit war der Masterplan der Öffentlichkeit feil geboten: Man nehme alles an Volk was sich momentan auf den Bühnen der Heiterkeit aufhielte und lasse es gemeinsam mit dem Altmeister des koordinierten Veitstanzes durch eine Parodie der Grimm’schen Märchenwelt stolpern.  Das Ergebnis, jenes perfiden Planes ließ die Abonnenten der BILD-Zeitung und die Freunde der Bierzeltgemütlichkeit in Scharen in die Lichtspielhäuser pilgern.

Völlig ungeachtet dessen, dass hier nur das verstaubte Holzhammerkonzept durch eine Vielzahl an, durch das Privatfernsehen aufgebaute, Komik-Nulpen aufgestockt wurde. Um auch die Klientel anzusprechen, die noch nicht komplett der Oktoberfestgemeinde verfallen war, verpflichtete man auch Helge Schneider, Harald Schmidt und Hans Werner Olm, die in Minirollen durchs Bild huschen sollten. Die Formel beschränkte sich auf ein einfaches „Sie sind ja dabei, also muss Qualität vorhanden sein“ . Selbst in Amiland lachte man über das fertige Produkt, das auf den Namen „7 Zwerge- Männer allein im Wald“ hörte. Es bleibt wohl selbst dem dümmsten Rezipienten dieses filmischen Todesstoßes nicht verborgen, dass die US of A wohl deshalb so amüsiert über diese Nummernrevue war, da hier nur aufgezeigt wurde, dass die Krauts wohl jene Evolutionsbremsen sein müssen, die man als gemeiner Amerikaner immer hinter ihnen vermutet hatte. All die Schande, die Regisseur Sven Unterwaldt und Herr Waalkes auf Zelluloid gebannt hatten, war nicht genug, denn eine Fortsetzung musste her.  Man nehme also das Rumpelstilzchen, Schneewittchen, 7 Zwerge und subtrahiere sämtliche vermeintliche Gags aus dem Drehbuch: Fertig ist „7 Zwerge- Der Wald ist nicht genug“.  Anstatt zu Lachen wird der Zuschauer, der hier einen Film mit Witz erwartet mehr als nur verärgert! Wieso werden Filmfördergelder dafür ausgegeben, dass sich sieben Kerle, die gegen jegliche Pointe anspielen, sich Bretter vor den Kopf schlagen und dabei hysterisch lachen?

Welches Volk von Primaten kann ernsthaft Humor erkennen, wenn sich alle paar Minuten ein Zipfel der Zwergenmütze aufrichtet und suggeriert, dass die Protagonisten dieses Trauerspiels wohl einen Penis auf dem Kopf tragen? Lustig finden so etwas wohl nur stark zurück gebliebene Erstklässler oder besoffene Bauarbeiter im Koma. Dass hier alle Akteure eigentlich nur ihre aus dem TV bekannten Rollen aufbieten, kann auch aneinandergereiht auch nicht darüber hinwegtäuschen, was dieser Film ist: Ein Armutszeugnis des deutschen Films, das leider, durch den Erfolg an der Kinokasse bestätigt, dass der Gemütszustand einer Nation , die solche Werke fördert, mehr als nur bedenklich ist. Es lebe die Lobotomie der Massen und Verfall jeglichen Anspruchs an sich selbst. „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ ist der Zauberspiegel, dessen Fläche Hartz 4, Hurra-Patriotismus, Pisa-Studie und mediale Diktatur von Hausmarken des Privatfernsehens zeigt.  

1 von 10 gelungenen Gags   

21.11.2006 um 11:19 Uhr

FTB-News: Mad Foxes – Feuer auf Räder (1981)

von: Fabse

 

Gleich vorweg: Hier ist mir beim Titel kein Rechtschreibfehler unterlaufen, denn der deutsche Titel schert sich wirklich nicht darum das grammatikalische Empfinden irgendwie zu schonen! Aus der Produktionsschmiede von Erwin C. Dietrich kommt mit „Mad Foxes“, der unter der Regie [sic!]  des Spaniers Paul Grau Anfang der 80er auf die Menschheit losgelassen wurde, einer  der derbsten Trash-Klopper aus dem Subgenre des Rocker-Films. Irgendwo zwischen „The Road Warrior“, „Death Wish 2“ und purem Schwachsinn angesiedelt, braucht es auch nur einen minimalen Plot um einen markerschütternden Exploiter der Extraklasse auf den Screen zu zaubern.

 

Playboy und Berufsstecher Hal hat große Pläne: Nachbarskind Babsy ist gerade 18 Jahre alt geworden und bietet sich dem schmierigen Helden doch glatt als Aushilfsmatratze an. Zur Feier des Tages entführt sie der Testosteronbatzen dann auch flugs in eine Zappelbude, in der sich vor dem Sex erstmal ordentlich die Rübe zugeballert werden soll. Auf dem Weg zur Disko gerät das Pärchen an eine Bande von Nazi-Bikern, die sich durch Hals prolligen Stingray gestört fühlen. Als einer der Nazis stirbt machen sich die verbliebenen braunen Schurken auf um Rache zu üben. Bei einem Überfall nach dem Diskobesuch wird Hal windelweich gedroschen und der Nazi-Bandenchef vergewaltigt Babsy brutal. Gut, dass Hal ein paar Freunde in der örtlichen Karateschule hat, die nach einem kurzen Anruf gegen die NS-Rocker in den Krieg ziehen.

 

Mag die Ausgangssituation noch aus dem „Make your own Rape’n’Revenge-Movie“-Handbuch abgeschrieben sein, so wird im weiteren Verlauf des Films viel mehr das Gefühl vermittelt, dass so etwas wie ein Drehbuch wahrscheinlich nie existierte. Anders ist kaum zu erklären, was dem Zuschauer hier aufgetischt wird, wenn die Logik über den Haufen geworfen wird oder einfach mal der Mittelteil des Films damit gefüllt wird, dass diverse Softsexeinlagen aneinander gereiht werden. Aber mal  von Anfang an: Nachdem die Opening-Credits damit aufgefüllt werden, dass Hals Stingray zum Sound der Proll-Rockband „Krokus“ passend in Szene gesetzt wird und über den Asphalt rauscht, kommen auch schon die Nazi-Biker um die Ecke um zu pöbeln. Wenn dann Hal und Babsy, permanent Müll labernd in den Tanztempel einkehren dreht auch der Cutter des Flickwerks voll auf: Mitten im Getümmel der 70s Diskothek tanzen plötzlich drei Paare zum 60s Rock’n’Roll. Was diese Szene mit dem Film zu tun hat oder gar mit der gezeigten Disko in der Hal und Babsy saufen bleibt dem Zuschauer verborgen. Dass hier scheinbar die ganze Filmcrew auf Drogen war bestätigt auch der restliche Eindruck des Werkes, dessen absolut hölzerne Darsteller wohl das geringste Übel sind. Warum bitte tragen die Nazis nur bei Innenaufnahmen Hakenkreuze auf ihren Armbinden? Wieso rächt Hal die Vergewaltigung von Babsy bitte, wenn er eigentlich jede andere Frau im Film knallt? Was bringt es bitte, wenn Hal vor den Nazis flüchtet und diese zum Haus seiner Eltern führt? „Meine Mutter ist gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Sie führt ein schönes Leben und hat viel Spaß“ – Tja, mit solchen Sprüchen reißt Hal sogar Frauen auf! Schon mal wer gesehen, dass Karate-Schüler auch in ihrer Freizeit im weißen Kampfdress rumhüpfen? Und wo findet man Nazis, wenn man sie sucht?- Klar, beim Dreh zum neuen WWII- Film, an dessen Set natürlich mit der Nazi-Domina SM-Spiele stattfinden. „Mad Foxes“ bietet alles, was das Herz des Trash-Fans höher schlagen lässt: Sinnleere Sexeinlagen, Over the Top-Gewalt und Splatter-Exszesse, mies inszenierte Action, Akteure mit Dachschaden und Dialoge, die jedes Schmerzempfinden strapazieren. Wer sich gern auf schmierige und politisch total unkorrekte Heuler einlässt, der liegt hier permanent am Boden und hält sich den Bauch vor Lachen.

  

7 von 10 Handgranaten   

19.11.2006 um 15:37 Uhr

Neue tolle Veröffentlichungen der Gezuppelwelt

von: Fabse

Hier kurz mal alle Neuigkeiten, was an meinem Output abseits der Gezuppelwelt im Moment neues auf den Print-Markt geschwappt ist:

 

Die neue PNG! widmet sich dem Meta-Thema Müll und meinerseits habe ich diesmal einen kleinen Text über Müll-Verwertung in der Post-Moderne des Hollywood-Kinos beigesteuert. Ansonsten ist die No.70 des wunderbaren Pop-Culture Magazins auch insgesamt wieder überaus gelungen. Mit dabei sind wie gewohnt viele neue CD-Rezensionen, ein kleiner Open Air Festival-Rückblick und selbst Sybille Berg mischt mal wieder mit einem aktuellen Text mit. Ab zum Bahnhofs-Buchhandel und kaufen.

   

Seit einiger Zeit läuft auch die Aktion „Miet dir den Journalisten“ der Wap. Das wöchentlich erscheinende Anzeigen-Blatt im Märkischen Kreis bietet allen Lesern an, mich unter der Tel.Nr. 02351-25015 kostenlos zu mieten. Die persönlichen Eindrücke, die ich dabei z.B. als Grundschul-Lehrer, Landschaftsgärtner und  Umzugshelfer sammele, gibt’s jeden Mittwoch als Tagebuch-Kolumne auf Seite 1.

   

Nicht minder für Freunde der Gezuppelwelt interessant ist auch das „neue“ Nachtflug-Magazin, das monatlich überall im Kreis Soest, Siegen, Hagen und im gesamten Sauerland am Kiosk und auch sonst überall gratis ausliegt. In der neuen Ausgabe finden sich aus meiner Feder diesmal 19 neue CD-Rezensionen, die Vorstellung des Thailändischen Splatter-Films „Scared“ sowie die Szeneflug Kolumne, die mit der heimischen Musikszene auf Tuchfühlung geht.

   

Schon etwas länger zu haben, ist auch die Sex & Sühne-DVD Box von Epix Media. Mit in der Box finden sich drei aktuelle Filme von Wolfgang Büld, ein feines Booklet vom Freund Christian Kessler und Extras, die teilweise von mir und Chris Neumann mitproduziert wurden. Nebenbei auch die erste offizielle DVD-Vö. Der Medien-und Gezuppelwelt. Gibt’s auch bei amazon.de .

19.11.2006 um 14:44 Uhr

Bücherregal

von: Fabse

Nachdem die Medien-und Gezuppelwelt ja jetzt ein paar Wochen auf neue Updates gewartet hat, die frischen Wind durch das Geäst pfeifen sollen, präsentiere ich heute mal wieder einen neuen Schwall von Kurzkritiken aus dem Bücherregal.

   

Den Auftakt der Neusichtungen aus dem Gutenberg-Universum macht Piero Spilas „Pier Paolo Passolini“, welches sicherlich schon in manche Monographiensammlung von cinephilen Lesern gewandert sein wird. Leider, wie man nach 120 enttäuschenden Seiten allerdings eingestehen muss, denn Spilas Buch ist vielmehr eine Anklage als eine Bemühung, dem Leser Passolinis Lebenswerk näher zu bringen. Nach dem Prolog, der die Umstände von Passolinis Tod als lose Eckpfeiler der folgenden Aufarbeitung seines Filmschaffens setzt, überschüttet Spila den Leser mit einer chronologischen Abhandlung der Schaffensphasen des verehrten Meisters, die immer wieder analytischen Einöden der Einzelwerksinterpretationen den Lesefluss zur Farce mutieren lassen. Hier mal einen Spritzer des biographischen Hintergrundes eingeworfen, an anderer Stelle eine Prise Publikumsreaktion oder lose eingeflochtene Zitate und fertig scheint der Abriss über Intention und Vita eines italienischen Vorzeigeintellektuellen. Schon beinahe unverfroren regelmäßig schießt Spila da in Richtung Rezipient, wenn er immer wieder mit Nachdruck versucht zu erklären, dass ja gerade der Kulturkreis, der Passolinis kontroversen Output speist auch die Reformation seines Talentes und schließlich seine im Tod mündende  Verzweiflung signalisiert. Abgerundet durch eine extrem schluderige Übersetzung können da auch die vielen Abbildungen hier die Kastanien nicht mehr aus dem Feuer holen. Finger weg!

  

Des weiteren auf der Literatur-Liste: Ivo Frenzels „Friedrich Nietzsche“. Kompakt und mit stilistischer Präzision angereichert erörtert Frenzels, schon 1966 erschienene, Monographie die wegweisenden  Stationen im Leben Nietzsches, führt Gefährten und Mentoren auf und reichert das Gesamtwerk mit einigen Informationen zum Denken Nietzsches ab. Sicherlich dringen manch andere Publikationen tiefer in die Materie ein, wenn es darum geht Werk und Leben des Philosophen auf einen Nenner zu bringen, aber Frenzel bietet sicherlich einen kurzen Streifzug über die Oberfläche, der auch eine Klientel anspricht, die sich bis dato noch nicht mit dem Werk Nietzsches beschäftigt hat.

   

Sigmund Freuds „Der Humor“ und „Der Witz“ zählen innerhalb dem Gesamtsujet des Vaters der Psychoanalyse ja eher zu den weniger oft herangezogenen Schriften. Dennoch lohnt sich gerade Freuds Diskurs zum Thema Technik und Bezug zum Unterbewussten deshalb, da hier die eigenen Erkenntnisse aus dem Unbehagen der Kultur, dem psychischen Apparat und der Traumdeutung zusammengeführt werden und als Werkzeuge brauchbar gemacht werden um Mechanismen des Humors herauszuarbeiten. Freuds persönliche Note erhellt die Verwendung seiner Lieblingswitze und deren Analysen und Kategorisierungen. Speziell bei Heinrich Heine  entliehene „Forschungsobjekte“ und die selbst reflektierenden  „Judenwitze“, die immer wieder Einzug in die eingeschlagenen Forschungsstränge halten, erfährt der Leser viel über die Person Freunds.

   

Der Bildblog zeigt’s: Auch 2006 sind Fehler, Lügen und Manipulationen in Deutschlands populärster Tageszeitung noch ein Thema, das nichts  an seiner Brisanz verloren hat. Günter Wallraffs „Der Aufmacher“ kann gut und gerne als Meilenstein angesehen werden, wenn es darum geht welches Klima vorherrscht wenn das Meinungsmachende Volkssprachrohr BILD seiner journalistischen Pflicht nachkommt und die Verantwortung missachtet auflagenstärkstes Boulevard-Blatt zu sein. Vier Monate schlich sich Günter Wallraff 1977 bei der BILD-Redatktion in Hannover ein und schildert in seinem Erlebnisbericht was hinter den Türen passierte. Anfangs erscheint Wallraff als seine Figur Hans Esser noch vollends gefestigt und entschlossen zu sein, die Mechanismen hinter dem Massenblatt aufzudecken, doch im Verlauf um die Bewahrung seiner Rolle verändert sich auch der Mann, der sich einschlich. Anhand vieler Artikel und der Hintergründe ihrer Entstehung verdeutlicht Wallraff hier, was zumindest 1977, an Meinungsmache betrieben wurde und inwiefern die Verantwortlichen die Mündigkeit ihrer Leser verhöhnen wenn mit rhetorischen Kniffen angereichert ein künstliches Klima erzeugt wird, dass den Interessen des Blatts dient. Wie weit eine Kluft zwischen der BILD 77 und der BILD 06 in Formen der Berichterstattung klafft, lässt sich leicht abgleichen, wenn man mal diesen Erlebnisbericht mit einer heutigen Ausgabe vergleicht.

 

Zurück zu Nietzsche: Seine „Genealogie der Moral“ ergründet eine systematische Entwertung des Menschen seiner Zeit. Mit drei Abhandlungen, die Gut und Böse, Schlechtes und Schuld sowie den Begriff des asketischen Ideals und seine Bedeutung für die Entmenschlichung des Menschen umkreisen, öffnet Nietzsche einen Weg, der heraus führt aus der Rezeption des Kant’schen Zeitalters und an deren Ende nur die Umwertung aller Werte stehen kann, um den vorherrschenden Kanon des 19. Jahrhunderts zu brechen. Am Ende des Aufschlüsselns dieser Kette von vorherrschenden Idealisierungen steht das 20. Jahrhundert und seine Weltkriege.

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