Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

19.11.2006 um 15:37 Uhr

Neue tolle Veröffentlichungen der Gezuppelwelt

von: Fabse

Hier kurz mal alle Neuigkeiten, was an meinem Output abseits der Gezuppelwelt im Moment neues auf den Print-Markt geschwappt ist:

 

Die neue PNG! widmet sich dem Meta-Thema Müll und meinerseits habe ich diesmal einen kleinen Text über Müll-Verwertung in der Post-Moderne des Hollywood-Kinos beigesteuert. Ansonsten ist die No.70 des wunderbaren Pop-Culture Magazins auch insgesamt wieder überaus gelungen. Mit dabei sind wie gewohnt viele neue CD-Rezensionen, ein kleiner Open Air Festival-Rückblick und selbst Sybille Berg mischt mal wieder mit einem aktuellen Text mit. Ab zum Bahnhofs-Buchhandel und kaufen.

   

Seit einiger Zeit läuft auch die Aktion „Miet dir den Journalisten“ der Wap. Das wöchentlich erscheinende Anzeigen-Blatt im Märkischen Kreis bietet allen Lesern an, mich unter der Tel.Nr. 02351-25015 kostenlos zu mieten. Die persönlichen Eindrücke, die ich dabei z.B. als Grundschul-Lehrer, Landschaftsgärtner und  Umzugshelfer sammele, gibt’s jeden Mittwoch als Tagebuch-Kolumne auf Seite 1.

   

Nicht minder für Freunde der Gezuppelwelt interessant ist auch das „neue“ Nachtflug-Magazin, das monatlich überall im Kreis Soest, Siegen, Hagen und im gesamten Sauerland am Kiosk und auch sonst überall gratis ausliegt. In der neuen Ausgabe finden sich aus meiner Feder diesmal 19 neue CD-Rezensionen, die Vorstellung des Thailändischen Splatter-Films „Scared“ sowie die Szeneflug Kolumne, die mit der heimischen Musikszene auf Tuchfühlung geht.

   

Schon etwas länger zu haben, ist auch die Sex & Sühne-DVD Box von Epix Media. Mit in der Box finden sich drei aktuelle Filme von Wolfgang Büld, ein feines Booklet vom Freund Christian Kessler und Extras, die teilweise von mir und Chris Neumann mitproduziert wurden. Nebenbei auch die erste offizielle DVD-Vö. Der Medien-und Gezuppelwelt. Gibt’s auch bei amazon.de .

19.11.2006 um 14:44 Uhr

Bücherregal

von: Fabse

Nachdem die Medien-und Gezuppelwelt ja jetzt ein paar Wochen auf neue Updates gewartet hat, die frischen Wind durch das Geäst pfeifen sollen, präsentiere ich heute mal wieder einen neuen Schwall von Kurzkritiken aus dem Bücherregal.

   

Den Auftakt der Neusichtungen aus dem Gutenberg-Universum macht Piero Spilas „Pier Paolo Passolini“, welches sicherlich schon in manche Monographiensammlung von cinephilen Lesern gewandert sein wird. Leider, wie man nach 120 enttäuschenden Seiten allerdings eingestehen muss, denn Spilas Buch ist vielmehr eine Anklage als eine Bemühung, dem Leser Passolinis Lebenswerk näher zu bringen. Nach dem Prolog, der die Umstände von Passolinis Tod als lose Eckpfeiler der folgenden Aufarbeitung seines Filmschaffens setzt, überschüttet Spila den Leser mit einer chronologischen Abhandlung der Schaffensphasen des verehrten Meisters, die immer wieder analytischen Einöden der Einzelwerksinterpretationen den Lesefluss zur Farce mutieren lassen. Hier mal einen Spritzer des biographischen Hintergrundes eingeworfen, an anderer Stelle eine Prise Publikumsreaktion oder lose eingeflochtene Zitate und fertig scheint der Abriss über Intention und Vita eines italienischen Vorzeigeintellektuellen. Schon beinahe unverfroren regelmäßig schießt Spila da in Richtung Rezipient, wenn er immer wieder mit Nachdruck versucht zu erklären, dass ja gerade der Kulturkreis, der Passolinis kontroversen Output speist auch die Reformation seines Talentes und schließlich seine im Tod mündende  Verzweiflung signalisiert. Abgerundet durch eine extrem schluderige Übersetzung können da auch die vielen Abbildungen hier die Kastanien nicht mehr aus dem Feuer holen. Finger weg!

  

Des weiteren auf der Literatur-Liste: Ivo Frenzels „Friedrich Nietzsche“. Kompakt und mit stilistischer Präzision angereichert erörtert Frenzels, schon 1966 erschienene, Monographie die wegweisenden  Stationen im Leben Nietzsches, führt Gefährten und Mentoren auf und reichert das Gesamtwerk mit einigen Informationen zum Denken Nietzsches ab. Sicherlich dringen manch andere Publikationen tiefer in die Materie ein, wenn es darum geht Werk und Leben des Philosophen auf einen Nenner zu bringen, aber Frenzel bietet sicherlich einen kurzen Streifzug über die Oberfläche, der auch eine Klientel anspricht, die sich bis dato noch nicht mit dem Werk Nietzsches beschäftigt hat.

   

Sigmund Freuds „Der Humor“ und „Der Witz“ zählen innerhalb dem Gesamtsujet des Vaters der Psychoanalyse ja eher zu den weniger oft herangezogenen Schriften. Dennoch lohnt sich gerade Freuds Diskurs zum Thema Technik und Bezug zum Unterbewussten deshalb, da hier die eigenen Erkenntnisse aus dem Unbehagen der Kultur, dem psychischen Apparat und der Traumdeutung zusammengeführt werden und als Werkzeuge brauchbar gemacht werden um Mechanismen des Humors herauszuarbeiten. Freuds persönliche Note erhellt die Verwendung seiner Lieblingswitze und deren Analysen und Kategorisierungen. Speziell bei Heinrich Heine  entliehene „Forschungsobjekte“ und die selbst reflektierenden  „Judenwitze“, die immer wieder Einzug in die eingeschlagenen Forschungsstränge halten, erfährt der Leser viel über die Person Freunds.

   

Der Bildblog zeigt’s: Auch 2006 sind Fehler, Lügen und Manipulationen in Deutschlands populärster Tageszeitung noch ein Thema, das nichts  an seiner Brisanz verloren hat. Günter Wallraffs „Der Aufmacher“ kann gut und gerne als Meilenstein angesehen werden, wenn es darum geht welches Klima vorherrscht wenn das Meinungsmachende Volkssprachrohr BILD seiner journalistischen Pflicht nachkommt und die Verantwortung missachtet auflagenstärkstes Boulevard-Blatt zu sein. Vier Monate schlich sich Günter Wallraff 1977 bei der BILD-Redatktion in Hannover ein und schildert in seinem Erlebnisbericht was hinter den Türen passierte. Anfangs erscheint Wallraff als seine Figur Hans Esser noch vollends gefestigt und entschlossen zu sein, die Mechanismen hinter dem Massenblatt aufzudecken, doch im Verlauf um die Bewahrung seiner Rolle verändert sich auch der Mann, der sich einschlich. Anhand vieler Artikel und der Hintergründe ihrer Entstehung verdeutlicht Wallraff hier, was zumindest 1977, an Meinungsmache betrieben wurde und inwiefern die Verantwortlichen die Mündigkeit ihrer Leser verhöhnen wenn mit rhetorischen Kniffen angereichert ein künstliches Klima erzeugt wird, dass den Interessen des Blatts dient. Wie weit eine Kluft zwischen der BILD 77 und der BILD 06 in Formen der Berichterstattung klafft, lässt sich leicht abgleichen, wenn man mal diesen Erlebnisbericht mit einer heutigen Ausgabe vergleicht.

 

Zurück zu Nietzsche: Seine „Genealogie der Moral“ ergründet eine systematische Entwertung des Menschen seiner Zeit. Mit drei Abhandlungen, die Gut und Böse, Schlechtes und Schuld sowie den Begriff des asketischen Ideals und seine Bedeutung für die Entmenschlichung des Menschen umkreisen, öffnet Nietzsche einen Weg, der heraus führt aus der Rezeption des Kant’schen Zeitalters und an deren Ende nur die Umwertung aller Werte stehen kann, um den vorherrschenden Kanon des 19. Jahrhunderts zu brechen. Am Ende des Aufschlüsselns dieser Kette von vorherrschenden Idealisierungen steht das 20. Jahrhundert und seine Weltkriege.