Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

21.11.2006 um 13:51 Uhr

FTB-News: 7 Zwerge- Der Wald ist nicht genug(2006)

von: Fabse

  

Es gab mal eine Zeit in der Deutschlands Humorverständnis durch einen ostfriesischen Blödelbarden neu definiert wurde. Etwa zum Ende der 70er Jahre tummelten sich auf dem Witzteller der Nation illustre Zwerchfell-Entertainer wie beispielsweise Loriot und sein Gegenentwurf Fips Asmussen. Während der Eine nun eher subtiler mit Verweisen auf tendenziöse Allusionen unter der Gürtellinie hantierte, war dem Anderen nichts heilig was nicht dem Bauarbeiter mit der Bierbüchse in der Hand gefiel. Erst der Emdener Zappelphilipp einte die Fraktionen mit seiner, mit Slapstick und Klamauk angereicherten Show, die ihm binnen von wenigen Jahren zum Vorzeige-Komiker der Teutonen werden ließ. Nachdem auch die ersten beiden Langfilme mit Otto Waalkes in der Hauptrolle zu Kassenschlagern wurden, fragte sich der Zeitgeist dann doch, ob Parodien auf den popkulturellen Medienreigen, die mit Kasperei angereichert waren eine Dekade des Bundesdeutschen Comedy-Empfindens überdauern könnte.

 Schema X folgend und unter der Fuchtel von Produzent Horst Wendtland erwarteten den Zuschauer allerdings noch drei weitere Waalkes-Vehikel, die mehr darauf ausgelegt waren den alten Staub noch mal durch die Kinos zu fegen. In Zeiten, in denen dem US-Vorbild der Stand-up-Comedian-Methode allerorts gehuldigt wurde und Massen von Teilzeitscherzbolden sich berufen fühlten auf die Bühnen der Republik zu steigen, wirkte das schon mehr als antiquiert. An vergangene Erfolge anzuknüpfen schien dem, auf den ewigen Blödel-Ostfriesen schier unmöglich, da sein Fundus doch arg begrenzt war, wenn es darum ging über ein viertel Jahrhundert lang die Massen zum galligen Grölen zu verleiten. Ein neues Konzept musste her und so brütete man hinter verschlossener Tür, wie man wieder ins Gespräch kommen könnte. Nach kurzer Zeit war der Masterplan der Öffentlichkeit feil geboten: Man nehme alles an Volk was sich momentan auf den Bühnen der Heiterkeit aufhielte und lasse es gemeinsam mit dem Altmeister des koordinierten Veitstanzes durch eine Parodie der Grimm’schen Märchenwelt stolpern.  Das Ergebnis, jenes perfiden Planes ließ die Abonnenten der BILD-Zeitung und die Freunde der Bierzeltgemütlichkeit in Scharen in die Lichtspielhäuser pilgern.

Völlig ungeachtet dessen, dass hier nur das verstaubte Holzhammerkonzept durch eine Vielzahl an, durch das Privatfernsehen aufgebaute, Komik-Nulpen aufgestockt wurde. Um auch die Klientel anzusprechen, die noch nicht komplett der Oktoberfestgemeinde verfallen war, verpflichtete man auch Helge Schneider, Harald Schmidt und Hans Werner Olm, die in Minirollen durchs Bild huschen sollten. Die Formel beschränkte sich auf ein einfaches „Sie sind ja dabei, also muss Qualität vorhanden sein“ . Selbst in Amiland lachte man über das fertige Produkt, das auf den Namen „7 Zwerge- Männer allein im Wald“ hörte. Es bleibt wohl selbst dem dümmsten Rezipienten dieses filmischen Todesstoßes nicht verborgen, dass die US of A wohl deshalb so amüsiert über diese Nummernrevue war, da hier nur aufgezeigt wurde, dass die Krauts wohl jene Evolutionsbremsen sein müssen, die man als gemeiner Amerikaner immer hinter ihnen vermutet hatte. All die Schande, die Regisseur Sven Unterwaldt und Herr Waalkes auf Zelluloid gebannt hatten, war nicht genug, denn eine Fortsetzung musste her.  Man nehme also das Rumpelstilzchen, Schneewittchen, 7 Zwerge und subtrahiere sämtliche vermeintliche Gags aus dem Drehbuch: Fertig ist „7 Zwerge- Der Wald ist nicht genug“.  Anstatt zu Lachen wird der Zuschauer, der hier einen Film mit Witz erwartet mehr als nur verärgert! Wieso werden Filmfördergelder dafür ausgegeben, dass sich sieben Kerle, die gegen jegliche Pointe anspielen, sich Bretter vor den Kopf schlagen und dabei hysterisch lachen?

Welches Volk von Primaten kann ernsthaft Humor erkennen, wenn sich alle paar Minuten ein Zipfel der Zwergenmütze aufrichtet und suggeriert, dass die Protagonisten dieses Trauerspiels wohl einen Penis auf dem Kopf tragen? Lustig finden so etwas wohl nur stark zurück gebliebene Erstklässler oder besoffene Bauarbeiter im Koma. Dass hier alle Akteure eigentlich nur ihre aus dem TV bekannten Rollen aufbieten, kann auch aneinandergereiht auch nicht darüber hinwegtäuschen, was dieser Film ist: Ein Armutszeugnis des deutschen Films, das leider, durch den Erfolg an der Kinokasse bestätigt, dass der Gemütszustand einer Nation , die solche Werke fördert, mehr als nur bedenklich ist. Es lebe die Lobotomie der Massen und Verfall jeglichen Anspruchs an sich selbst. „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ ist der Zauberspiegel, dessen Fläche Hartz 4, Hurra-Patriotismus, Pisa-Studie und mediale Diktatur von Hausmarken des Privatfernsehens zeigt.  

1 von 10 gelungenen Gags   

21.11.2006 um 11:19 Uhr

FTB-News: Mad Foxes – Feuer auf Räder (1981)

von: Fabse

 

Gleich vorweg: Hier ist mir beim Titel kein Rechtschreibfehler unterlaufen, denn der deutsche Titel schert sich wirklich nicht darum das grammatikalische Empfinden irgendwie zu schonen! Aus der Produktionsschmiede von Erwin C. Dietrich kommt mit „Mad Foxes“, der unter der Regie [sic!]  des Spaniers Paul Grau Anfang der 80er auf die Menschheit losgelassen wurde, einer  der derbsten Trash-Klopper aus dem Subgenre des Rocker-Films. Irgendwo zwischen „The Road Warrior“, „Death Wish 2“ und purem Schwachsinn angesiedelt, braucht es auch nur einen minimalen Plot um einen markerschütternden Exploiter der Extraklasse auf den Screen zu zaubern.

 

Playboy und Berufsstecher Hal hat große Pläne: Nachbarskind Babsy ist gerade 18 Jahre alt geworden und bietet sich dem schmierigen Helden doch glatt als Aushilfsmatratze an. Zur Feier des Tages entführt sie der Testosteronbatzen dann auch flugs in eine Zappelbude, in der sich vor dem Sex erstmal ordentlich die Rübe zugeballert werden soll. Auf dem Weg zur Disko gerät das Pärchen an eine Bande von Nazi-Bikern, die sich durch Hals prolligen Stingray gestört fühlen. Als einer der Nazis stirbt machen sich die verbliebenen braunen Schurken auf um Rache zu üben. Bei einem Überfall nach dem Diskobesuch wird Hal windelweich gedroschen und der Nazi-Bandenchef vergewaltigt Babsy brutal. Gut, dass Hal ein paar Freunde in der örtlichen Karateschule hat, die nach einem kurzen Anruf gegen die NS-Rocker in den Krieg ziehen.

 

Mag die Ausgangssituation noch aus dem „Make your own Rape’n’Revenge-Movie“-Handbuch abgeschrieben sein, so wird im weiteren Verlauf des Films viel mehr das Gefühl vermittelt, dass so etwas wie ein Drehbuch wahrscheinlich nie existierte. Anders ist kaum zu erklären, was dem Zuschauer hier aufgetischt wird, wenn die Logik über den Haufen geworfen wird oder einfach mal der Mittelteil des Films damit gefüllt wird, dass diverse Softsexeinlagen aneinander gereiht werden. Aber mal  von Anfang an: Nachdem die Opening-Credits damit aufgefüllt werden, dass Hals Stingray zum Sound der Proll-Rockband „Krokus“ passend in Szene gesetzt wird und über den Asphalt rauscht, kommen auch schon die Nazi-Biker um die Ecke um zu pöbeln. Wenn dann Hal und Babsy, permanent Müll labernd in den Tanztempel einkehren dreht auch der Cutter des Flickwerks voll auf: Mitten im Getümmel der 70s Diskothek tanzen plötzlich drei Paare zum 60s Rock’n’Roll. Was diese Szene mit dem Film zu tun hat oder gar mit der gezeigten Disko in der Hal und Babsy saufen bleibt dem Zuschauer verborgen. Dass hier scheinbar die ganze Filmcrew auf Drogen war bestätigt auch der restliche Eindruck des Werkes, dessen absolut hölzerne Darsteller wohl das geringste Übel sind. Warum bitte tragen die Nazis nur bei Innenaufnahmen Hakenkreuze auf ihren Armbinden? Wieso rächt Hal die Vergewaltigung von Babsy bitte, wenn er eigentlich jede andere Frau im Film knallt? Was bringt es bitte, wenn Hal vor den Nazis flüchtet und diese zum Haus seiner Eltern führt? „Meine Mutter ist gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Sie führt ein schönes Leben und hat viel Spaß“ – Tja, mit solchen Sprüchen reißt Hal sogar Frauen auf! Schon mal wer gesehen, dass Karate-Schüler auch in ihrer Freizeit im weißen Kampfdress rumhüpfen? Und wo findet man Nazis, wenn man sie sucht?- Klar, beim Dreh zum neuen WWII- Film, an dessen Set natürlich mit der Nazi-Domina SM-Spiele stattfinden. „Mad Foxes“ bietet alles, was das Herz des Trash-Fans höher schlagen lässt: Sinnleere Sexeinlagen, Over the Top-Gewalt und Splatter-Exszesse, mies inszenierte Action, Akteure mit Dachschaden und Dialoge, die jedes Schmerzempfinden strapazieren. Wer sich gern auf schmierige und politisch total unkorrekte Heuler einlässt, der liegt hier permanent am Boden und hält sich den Bauch vor Lachen.

  

7 von 10 Handgranaten