FTB-News: 7 Zwerge- Der Wald ist nicht genug(2006)
Es gab mal eine Zeit in der Deutschlands Humorverständnis durch einen ostfriesischen Blödelbarden neu definiert wurde. Etwa zum Ende der 70er Jahre tummelten sich auf dem Witzteller der Nation illustre Zwerchfell-Entertainer wie beispielsweise Loriot und sein Gegenentwurf Fips Asmussen. Während der Eine nun eher subtiler mit Verweisen auf tendenziöse Allusionen unter der Gürtellinie hantierte, war dem Anderen nichts heilig was nicht dem Bauarbeiter mit der Bierbüchse in der Hand gefiel. Erst der Emdener Zappelphilipp einte die Fraktionen mit seiner, mit Slapstick und Klamauk angereicherten Show, die ihm binnen von wenigen Jahren zum Vorzeige-Komiker der Teutonen werden ließ. Nachdem auch die ersten beiden Langfilme mit Otto Waalkes in der Hauptrolle zu Kassenschlagern wurden, fragte sich der Zeitgeist dann doch, ob Parodien auf den popkulturellen Medienreigen, die mit Kasperei angereichert waren eine Dekade des Bundesdeutschen Comedy-Empfindens überdauern könnte.
Schema X folgend und unter der Fuchtel von Produzent Horst Wendtland erwarteten den Zuschauer allerdings noch drei weitere Waalkes-Vehikel, die mehr darauf ausgelegt waren den alten Staub noch mal durch die Kinos zu fegen. In Zeiten, in denen dem US-Vorbild der Stand-up-Comedian-Methode allerorts gehuldigt wurde und Massen von Teilzeitscherzbolden sich berufen fühlten auf die Bühnen der Republik zu steigen, wirkte das schon mehr als antiquiert. An vergangene Erfolge anzuknüpfen schien dem, auf den ewigen Blödel-Ostfriesen schier unmöglich, da sein Fundus doch arg begrenzt war, wenn es darum ging über ein viertel Jahrhundert lang die Massen zum galligen Grölen zu verleiten. Ein neues Konzept musste her und so brütete man hinter verschlossener Tür, wie man wieder ins Gespräch kommen könnte. Nach kurzer Zeit war der Masterplan der Öffentlichkeit feil geboten: Man nehme alles an Volk was sich momentan auf den Bühnen der Heiterkeit aufhielte und lasse es gemeinsam mit dem Altmeister des koordinierten Veitstanzes durch eine Parodie der Grimm’schen Märchenwelt stolpern. Das Ergebnis, jenes perfiden Planes ließ die Abonnenten der BILD-Zeitung und die Freunde der Bierzeltgemütlichkeit in Scharen in die Lichtspielhäuser pilgern.
Völlig ungeachtet dessen, dass hier nur das verstaubte Holzhammerkonzept durch eine Vielzahl an, durch das Privatfernsehen aufgebaute, Komik-Nulpen aufgestockt wurde. Um auch die Klientel anzusprechen, die noch nicht komplett der Oktoberfestgemeinde verfallen war, verpflichtete man auch Helge Schneider, Harald Schmidt und Hans Werner Olm, die in Minirollen durchs Bild huschen sollten. Die Formel beschränkte sich auf ein einfaches „Sie sind ja dabei, also muss Qualität vorhanden sein“ . Selbst in Amiland lachte man über das fertige Produkt, das auf den Namen „7 Zwerge- Männer allein im Wald“ hörte. Es bleibt wohl selbst dem dümmsten Rezipienten dieses filmischen Todesstoßes nicht verborgen, dass die US of A wohl deshalb so amüsiert über diese Nummernrevue war, da hier nur aufgezeigt wurde, dass die Krauts wohl jene Evolutionsbremsen sein müssen, die man als gemeiner Amerikaner immer hinter ihnen vermutet hatte. All die Schande, die Regisseur Sven Unterwaldt und Herr Waalkes auf Zelluloid gebannt hatten, war nicht genug, denn eine Fortsetzung musste her. Man nehme also das Rumpelstilzchen, Schneewittchen, 7 Zwerge und subtrahiere sämtliche vermeintliche Gags aus dem Drehbuch: Fertig ist „7 Zwerge- Der Wald ist nicht genug“. Anstatt zu Lachen wird der Zuschauer, der hier einen Film mit Witz erwartet mehr als nur verärgert! Wieso werden Filmfördergelder dafür ausgegeben, dass sich sieben Kerle, die gegen jegliche Pointe anspielen, sich Bretter vor den Kopf schlagen und dabei hysterisch lachen?
Welches Volk von Primaten kann ernsthaft Humor erkennen, wenn sich alle paar Minuten ein Zipfel der Zwergenmütze aufrichtet und suggeriert, dass die Protagonisten dieses Trauerspiels wohl einen Penis auf dem Kopf tragen? Lustig finden so etwas wohl nur stark zurück gebliebene Erstklässler oder besoffene Bauarbeiter im Koma. Dass hier alle Akteure eigentlich nur ihre aus dem TV bekannten Rollen aufbieten, kann auch aneinandergereiht auch nicht darüber hinwegtäuschen, was dieser Film ist: Ein Armutszeugnis des deutschen Films, das leider, durch den Erfolg an der Kinokasse bestätigt, dass der Gemütszustand einer Nation , die solche Werke fördert, mehr als nur bedenklich ist. Es lebe die Lobotomie der Massen und Verfall jeglichen Anspruchs an sich selbst. „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ ist der Zauberspiegel, dessen Fläche Hartz 4, Hurra-Patriotismus, Pisa-Studie und mediale Diktatur von Hausmarken des Privatfernsehens zeigt.
1 von 10 gelungenen Gags


