Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

17.01.2007 um 10:24 Uhr

Bücherregal

von: Fabse

Bevor es jetzt hier Neuigkeiten aus dem Bücherregal setzt, möchte ich noch einen kurzen Hinweis loswerden, was die morgen in den deutschen Kinos anlaufende Fassung, des bereits im Oktober in der Gezuppelwelt verrissenen „Texas Chainsaw Massacre –The Beginning“ angeht. In der letzten Woche lud Warner zu Pressevorstellungen des besagten Films ein und bereits im Vorfeld machte das Gerücht die Runde, dass der Streifen die FSK in seiner Originalfassung wohl erzürnt haben soll. Um trotzdem eine Kinoauswertung zu bewerkstelligen musste der Verleih daher ein paar Kürzungen vornehmen um das anvisierte  KJ-Siegel zu erhalten, was auch den Starttermin etwas verzögerte, der ehemals für November 2006 geplant war. Aufgrund der vollzogenen Zensur-Schnitte fehlen bei der Fassung, die in der BRD zu sehen ist, satte neun (!!)  Minuten gegenüber der US-unrated Version. In Anbetracht der liberaleren Zensurpraktiken der letzten Zeit ( „The Hills have Eyes“, „Saw 2“ etc.pp. ) geradezu ein Schlag in das Gesicht des mündigen Zuschauers. Die Gezuppelwelt rät eindeutig vom Kinobesuch ab. Besser also das Geld in feine Literatur stecken.

  

Quasi als begleitender Band zu Heideggers „Sein & Zeit“ sowie „Der Ursprung des Kunstwerkes“ kommt locker flockig Michael Inwoods „Heidegger“ aus der Edition „Meisterdenker“ des Herder-Verlages daher. Auf gut 150 Seiten reißt Inwood dabei Heideggers Vita, seine Stellung in der Philosophie des 20. Jahrhunderts und die grundlegenden Strukturen im Denken des Philosophen an. Als erklärende Hilfestellung ebenso brauchbar wie auch zum Reinschnuppern für angehende Neu-Heideggerianer zu empfehlen.

    

Jacques Lacans erweiterte Vorlesung über „Das Freudsche Ding“ erweist sich als rhetorisch gewaltiges Plädoyer über eine Rückführung des Freudschen Denkens innerhalb des psychoanalytischen Diskurses. Verpackt in ausschweifenden Metaphern und anklagenden Worten überführt Lacan zu seiner Theorienbildung, die sich aus Freuds „psychischen Apparat“ speist und angereichert mit semiotischen, mathematischen und philosophischen Fragmenten im Spiegelstadium  und den erweiterten Objektbeziehungen aufgeht. Für Leser mit Vorwissen in Punkto Lacan, Freud, Hegel, Nietzsche und De Saussure eine willkommene Lektüre. Unbedarfte werden sich allerdings nach kurzer Zeit abwenden, da die harten Brocken, die Lacan hier hinwirft unmöglich ohne den entsprechenden Background greifbar sein könnten. Anfängern sei daher Peter Widmers „Angst“ ans Herz gelegt, das basierend auf einem Seminar die mitunter komplexe Struktur der Lacanschen Theorien aufschlüsselt.  

11.01.2007 um 16:54 Uhr

FTB-News: Superman Returns (2006)

von: Fabse

Seit Tim Burton mit seiner Batman-Verfilmung 1990 einen erneuten Superhero-Hype losgetreten hatte, der mit den Impulsen von Sam Raimis „Spider-Man“ sich auch in ein neues Jahrtausend hinübergerettet, ist die Flut an Comic-Adaptionen bisher nicht zum versiegen gekommen: Egal, ob Marvel, DC oder Artverwandte wie Dark Horse. Jegliche Franchise lässt sich je nach dem Gusto der Studios ausschlachten, bis eine Rundummodernisierung des Helden fällig wird. Mit seiner Neuinterpretation des dunklen Ritters aus dem Hause DC markierte zuletzt Christopher Nolan den neu eingeschlagenen Trend und lieferte mit „Batman begins“ einen äußerst ergiebigen Beitrag in Sachen Blockbuster-Kino ab, ohne sich gänzlich von seiner eigenwilligen Handschrift bei der Inszenierung lösen zu müssen. Im Falle des bekanntesten Helden aus der DC-Schmiede – dem Mann aus Stahl – lag der Erfolg der bereits in den späten siebziger und achtziger Jahren entstandenen Kinoserie schon länger brach. Nachdem Richard Donners Original-Superman mit Christopher Reeve, Gene Hackman und Marlon Brando nach wie vor als legendärer Vertreter seiner Gattung gilt, und die insgesamt drei Fortsetzungen, die er nach sich zog nicht nur unter Trash-Fans viele Anhänger haben, war es nach Nolans erfolgreicher Batman-Version nicht verwunderlich, dass man in Hollywood daran werkelte, den Mann von Krypton, mit Pauken und Trompeten, zurück auf den Big Screen zu bringen.

Um dem ureigensten aller Superhelden die pompöse Rückkehr zu bescheren setzte Warner auf die inszenatorischen Fähigkeiten, des mit den X-Men-Adaptionen bekannt gewordenen, Bryan Singer. Dass Singer, der aufgrund des Regiepostens bei „Superman Returns“ den Abschluss der X-Men Trilogie in die Hände von Brett Ratner legte, viel eher der richtige Mann wäre, wenn es um gebrochene Heldencharaktere ginge, ignorierten die Mannen bei Warner allerdings nicht gänzlich und präsentierten ein Script, das die Mythologie der Figur komplett auf den Kopf stellt.

Einige Jahre sind vergangen seit Superman der Erde den Rücken kehrte und ins All aufbrach um nach den Wurzeln seiner Identität zu suchen. Nun, als sein Alterego Clark Kent nach Metropolis zurückkehrt findet er sich in einer Welt wieder, die sich grundlegend verändert zu haben scheint. Zwar bekommt Kent die Chance sich wieder in seinen alten Job beim Daily Planet zu etablieren, doch die Erkenntnis, dass seine einstige Liebe Lois Lane mit einem Essay namens „Warum die Welt Superman nicht braucht“ für den Pulitzerpreis nominiert ist, lässt ihn Schlimmes erahnen. Den ersten Schock gerade mal verdaut, eröffnet sich ihm, dass Lois in seiner Abwesenheit eine Familie gegründet hat und auch ohne ihn ein glückliches Leben führt. Zwar verhindert Superman eine Flugzeugkatastrophe und markiert damit seine Rückkehr, doch die Bevölkerung von Metropolis reagiert eher verhalten auf das plötzliche Wiederauftauchen ihres ehemaligen Schutzpatrons. Supermans Möglichkeit sich wirklich wieder zu profilieren wartet allerdings schon an der nächsten Ecke, denn sein Erzrivale Lex Luthor versucht erneut die Welt zu unterjochen. Mit Hilfe von Kryptonit-Kristallen will Luthor im Pazifik neue Inseln erschaffen und Supermans Sinnkrise gereicht dem Despoten bei der problemlosen Durchführung seines Planes nur zum Vorteil.

Für die standesgemäße Präsentation der Wiedererweckung des Beschützers von Metropolis hat sich die Produktionsstätte Warner nicht lumpen lassen und das Ergebnis, das mit protzigen State-of-the-Art- CGIs ausgestattet, auf der Leinwand erstrahlt kann sich jedenfalls optisch durchaus sehen lassen. Inhaltlich hingegen kann das knapp dreistündige Epos um Supermans Rückkehr hingegen kaum einen Blumentopf gewinnen. So veräußern sich die ersten zwei Stunden des Films als Geduldsprobe für den Comic-Fan, der bombastische Action erwartet. Viel mehr als zähes Beziehungsdrama um eine gescheiterte Liebe angelegt, anstatt um die Gunst des Publikums bemüht, mit brachialen Heldentaten zu glänzen, verkommt „Superman returns“ eher zum Schmachtfetzen in Sachen Herzschmerz. Dass eine Figur, die das amerikanische Ideal wie keine zweite verkörpert als Stalker um das Haus einer Familie schleicht und neidisch auf das herrschende Idyll blickt wirkt arg erzwungen in seiner Darstellung der mythologischen Dekonstruktion. Auch der Gegenpool in Form von Kents Gegenspieler Lex Luthor scheint in seiner Charakterzeichnung eher zum Teilzeitkasper entwerten worden zu sein. Nicht einmal Kevin Spacey als Darsteller in dieser Rolle versucht aus dem angelegten Korsett aus peinlichen Zeilen und entgleister Mimik zu entkommen. Besonders in dem rar gesäten Actionszenen mündet der Film in seiner Grundkonstruktion darin einer Prügelei zwischen zwei Puppen in der Kindervorstellung für Verkehrserziehung beizuwohnen.

Den Hauptcharakteren scheinen alle anderen in ihrem Umfeld überlegen zu sein und so wundert es kaum, dass Luthors Gespielin letztendlich ihre Trümpfe ausspielt oder Lois Familie Superman retten darf, der eigentlich darauf aus war sie selbst aus Luthors Gewalt zu befreien. Zurück bleiben ein weinerlicher Held, ein geschundener Mythos und die Gewissheit, dass auch ein fähiger Mann wie Singer tief in die Tonne langen kann. Die Frage, ob denn die Welt Superman noch braucht beantwortet der Film allerdings: In der vorliegenden Form braucht niemand Supermans Rückkehr. Wäre Singer besser bei der Mutantenbande geblieben, denn dort erwartet der geneigte Zuschauer, dass unter dem Glanz auch dunkle Flächen des Seinszweifels stecken können.

10.01.2007 um 19:02 Uhr

FTB-News: Rocky Balboa (2006)

von: Fabse

 

Es war einmal ein Mann, der in Woody Allens „Bananas“ in der U-Bahn rumpöbelte, seinen Schniepel bei der „Party at Kitty and Stud’s“ der Damenwelt feilbot und 1976 gar ein Drehbuch verfasste, dessen Verfilmung Filmgeschichte schrieb. Der nette Mann namens Sylvester Stallone, der unter der Regie von John G. Avildson (der übrigens auch für die Troma Softsex Klamotte „Cry Uncle!“ verantwortlich ist) auch gleich die Hauptrolle in dem Underdog-Drama „Rocky“ übernahm war quasi über Nacht zum Superstar avanciert. Neben Rocky und den vier Fortsetzungen, die er nach sich zog, etablierte sich Sly, wie ihn plötzlich alle Welt nannte, ebenfalls durch die „Rambo“-Serie als 80er Jahre Action-Ikone. Ab und an kitzelte es ich dann sogar, sich mal als Regisseur zu versuchen und neben diversen Rocky-Fortsetzungen ging auch das „Saturday Night Fever“-Sequel  „Staying alive“ auf seine Kappe. Die Welt war gut zu Stallone und neben Arnold Schwarzenegger stand sein Name geradezu als Synonym für knackige Actionware aus Hollywood.

 

Leider kristallisierte sich allerdings nach und nach heraus, dass man mit Anbruch der 90er Jahre den einstigen Jugendhelden nicht mehr ganz so gerne auf der Leinwand sehen wollte. Mitte der 90er erfuhr Stallone einen brachialen Karriereknick: Rollen blieben aus, der Held einer Generation von Action-Freunden kasperte sich durch Direct-to-Video Stangenware wie „D-Tox“ und zu allem Überfluss brüstete sich hierzulande sogar Dieter Bohlen damit, dass er Slys Ex Brigitte Nielsen auch schon durchgeschubbert hätte, während Stallone bei Dreharbeiten gewesen wäre. Ein Comeback musste her und der mittlerweile 60-jährige Ex-Star klapperte alle Buden ab um sein Drehbuch für eine weitere Rocky-Neuauflage an den Mann zu bringen. Gerade als Sly sich entnervt seinem Schicksal als abgehalfterter Mime hingeben wollte, brach in L.A. der Retro- und Remake-Wahn los und schneller als man „Adriaaaaaan!“ rufen konnte ging es, mit den Fox-Studios im Rücken, ab zum Dreh.

 

Inhaltlich gibt sich „Rocky Balboa“, der sechste „Rocky“-Film, ganz in der Tradition des 76er Originals: Der mittlerweile aufgedunsene Boxheld von einst hat seine glanzvollen Tage hinter sich gelassen. Auch die geliebte Frau Adrian hat der liebe Herrgott nach schwerer Krankheit zu sich geholt und der Balboa-Spross hat sich von Daddy losgesagt. Das einzige, was Rocky noch geblieben ist, ist ein heruntergewirtschaftetes Restaurant und die Freundschaft zu Paulie. Während die Restaurantgäste gerne den alten Geschichten des ehemaligen Champions lauschen, rüttelt Paulie den desillusionierten Helden wieder auf, indem er ihn mit Verlaub darum bittet nicht mehr in der Vergangenheit zu leben. Gerade als Rocky, vom Selbstmitleid zerfressen mal wieder vor sich hinvegetiert flimmert die Show eines Sportsenders über die Mattscheibe: Hier präsentiert man den Zuschauern berühmte Boxer aus allen Epochen, die als Pixel-Helden in digitalisierter Form um einen imaginären Allstar-Champion Titel antreten. Als Rocky sein virtuelles Pendant gegen den amtierenden Champion Mason Dixon auf dem Screen gewinnen sieht, rüstet sich der Altstar um den Kampf auch in der Realität zu bestreiten. Um an die glanzvollen Tage anzuknüpfen muss sich der einstige Held wieder von ganz unten nach oben kämpfen um zu einem letzten Schlagabtausch im Ring zu stehen.

 

Eigentlich legt hier Stallone als Regisseur, Darsteller und Schreiber „nur“  seine Autobiographie vor, doch gerade hier liegen auch die Stärken seines nunmehr sechsten Ausfluges in die Boxwelt: 30 Jahre sind vergangen und viel mehr handelt es sich bei „Rocky Balboa“ auch eher um ein Remake, das als Fortsetzung getarnt auf der Leinwand erstrahlt. Nicht etwa ein weiterer Rüpelradau-Actioner von der Stange, ein Box-Film mit Krawallanspruch oder angestaubte Retro-Rotze setzt es, sondern puren Optimismus in Filmform, der den Zuschauer empathisch Anteil am Geschehen nehmen lässt. Egal, ob Rocky erneut zarte Liebesbande knüpft, von Paulie zu recht gestutzt wird, oder einfach nur durch die Nacht wandert und der guten alten Zeit nachtrauert. Alteingesessene Fans werden schon zu Beginn mit der bekannten Fanfare eingestimmt und dem Abtauchen, in selige Zeiten als Hollywood noch das Geschichtenerzählen und seine Charaktere im Sinn hatte, anstatt Logiklöcher mit CGIs zu zumüllen, steht nichts mehr im Weg.

Überhaupt ist Stallone auch bei seiner Inszenierung ganz zu den Wurzeln zurückgekehrt und bleibt trotzdem am Puls der Zeit. So folgt zum Beispiel auf eine bedächtige Kamerafahrt durch verdreckte Straßen in der Nacht ein harscher Gegenschnitt auf das Treiben in einer Bar und Gitarrenklänge von „The Killers“ untermalen das Geschehen. Ganz vertraut setzt auch der Erzählstil wieder auf eine ruhige Exposition, bevor der Film in der letzten halben Stunde zunehmend an Dynamik und Tempo zunimmt. „Rocky Balboa“ ist Stallones überaus gelungene Rehabilitierung als Megastar und zeitgleich auch der Beweis dafür, dass gute Geschichten nicht angestaubt sein müssen, wenn der Erzähler sie mitreißend und aufgeladen durch Herzblut zum Besten gibt.

10.01.2007 um 17:13 Uhr

FTB-News: DUNYAYI KURTARAN ADAMIN OGLU (2006)

von: Fabse

    Vor knapp einem Jahr machte das Gerücht die Runde, dass eine der unglaublichsten Produktionen, die je eine Leinwand heimgesucht hat, ein Sequel erfahren sollte. Nicht etwa irgendeine Horror-Endlosserie sollte fortgesetzt werden, sondern der legendäre türkische Sci-Fi Batzen „Dunyayi Kurtaran Adam“, der unter den Kennern schundiger Meisterwerke allgemein hin als „Turkish Star Wars“ gehandelt und vergöttert wird, erwartete Nachwuchs. Freunde des Originals, das wohl neben Ed Woods „Plan 9“ der mieseste Streifen aller Zeiten ist, waren erschüttert und man hoffte dann doch insgeheim, dass wenigstens Cüneyt Arkin wieder mit von der Partie sein würde, wenn nicht sogar wieder in der Hauptrolle als Steineverprügelnder Held der Galaxis auf der Suche nach dem goldenen Pappschwert.  Als wenig später der erste Teaser zum Film auf diversen Internetseiten zu bewundern war, folgte die Gewissheit.- Ja, der einzige Weltstar den die Türkei je im Filmgeschäft besaß kehrte auf die Leinwand zurück. Noch traute man sich nicht die Party-Hütchen aufzusetzen und kräftig in die Tröte zu blasen, denn ob ein weiterer grandioser Meilenstein des Trash auf uns zukam war noch ungewiss. War es wirklich möglich, dem asozialsten Spaßfilm überhaupt einen Sohn zu schenken? Würden etwa CGIs aus der neuen Star Wars-Trilogie hier als Rückprojektionen zu erleben sein, wenn ein alter grauhaariger Karate-Türke Jar Jar Binks-Monster vermöbelt?    

Captain Kartal, der Sohn des Mannes, der 1982 die Welt rettete, durchquert im Jahre 2055 das Weltall auf der Suche nach dem verschollenen Astronauten Gökmen. Der Gökmen, der acht Jahre früher als erster Türke im All dem Lachen der restlichen Weltbevölkerung über das Projekt „Osmanen in Space“ Einhalt gebieten sollte ist spurlos verschwunden. Unterstützt durch seine Crew, die sich von diesem Unterfangen eher genervt und belästigt fühlt tuckert Kartal durch die unendlichen Weiten des Alls. Dem Raumkreuzer auf den Fersen ist allerdings auch Zaldabar, der den Auftrag seines Vaters Uga folgend Kartal töten soll.

  

Nein, es erwartet den Zuschauer keineswegs ein zweites Bewusstseinserweiterndes Spektakel wie in „Turkish Star Wars“ seinerzeit. Viel mehr zeigt sich der Sohn, des Mannes, der die Welt rettete selbstironisch was das Filmschaffen der Türkei an sich und somit auch die Hirnfolter des Vorgängers angeht. Üppig ausgestattet präsentiert uns die Türkei hier eigentlich ihre Version von Bully Herbigs „Traumschiff- Periode 1“. Um es auf den Punkt zu bringen: Im Gegensatz zum teutonischen TV-Star Vehikel um homosexuelle Sternenkrieger ist dieser Film mit seinem Dauerfeuer an Gags wirklich lustig.

Der Weg, den Vorgänger gleichermaßen fortzusetzen und durch den Kakao zu ziehen geht auf und zu keiner Zeit kommt Langeweile auf. Egal, ob es zotig zur Sache geht, oder Witze über den EU-Beitritt der Türkei en Masse gerissen werden. Sogar das erhoffte Wiedersehen mit der Legende Arkin hält der Film bereit. Technisch kann die Produktion ebenso mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Vielleicht sollten die Herren Herbig, Tramnitz und Co mal diesen Film sichten, dann wäre Besserung in Sicht was die qualitativ hanebüchenen Brechmittel aus dem eigenen Humor-Abfalleimer angeht.          

10.01.2007 um 16:04 Uhr

FTB-News: Das Omen (2006)

von: Fabse

Der Sell-out made in Hollywood geht munter weiter: Mittlerweile hat sich der Kinogänger schon längst daran gewöhnt, dass auf so ziemlich jeden halbwegs erfolgreichen Film der 70er und 80er Jahre eine obligatorische Zweitverwurstung im 21. Jahrhundert folgen muss. Kaum ist ein Schwall an aktuellen Horror-Remakes in die Lichtspielhäuser gespült worden, schon wartet hinter der nächsten Ecke schon das nächste Duzend an noch nicht neu aufbereiteten Originalstoffen. Aktuell flimmern die Neuinterpretationen von „Texas Chainsaw Massacre“ (Immerhin schon das zweite Remake wenn man so will) und „Black Christmas“ über die Leinwand und schon stehen „Hitcher“, „The Hills have Eyes“ und „Friday the 13th“ in den Startlöchern. Solange die Neuauflage von Altbekannten dann noch dem Stoff etwas Neues zufügen kann gilt das Experiment als geglückt. Zumeist allerdings darf man sich damit begnügen, dass seelenlose Kommerzprodukte ohne jegliche kreative Eigenständigkeit aus dem Boden wachsen, die einen erst einmal wieder bewusst machen, dass die Original-Filme nur Kinder ihrer jeweiligen Zeit waren und deren Charme genau darin verortet ist.

Pünktlich zum 30. Geburtstag hat es dann auch Richard Donners „The Omen“ erwischt, der zwar innerhalb der Filmhistorie einen legendären Ruf innehat, aber bei ehrlicher Betrachtung doch nur ein solider Vertreter jener Gattung Okkult-Horror ist, der im Fahrwasser des Erfolges von „The Exorcist“ produziert wurde. Das einzige was die Mär um den in die Welt gesetzten Sohn des Leibhaftigen anderen Epigonen jener Zeit voraus hatte, war ein großartiger musikalischer Score und die morbide Grundstimmung des Geschehens. Da interessierte es auch nicht, dass die schauspielerischen Leistungen –allen voran die von Hauptdarsteller Gregory Peck- eher in der Liga eines Steven Seagal beheimatet waren.

Auch an der inhaltlichen Front gab sich „The Omen“ eher konventionell und erscheint gut drei Jahrzehnte nach seinem sensationellen Erfolg an den Kinokassen schon mehr als antiquiert: Auf dem Weg zum Geburtstermin seines Sohnes wird dem Botschafter Thorn von einem Geistlichen eröffnet, dass die Lendenfrucht eine Totgeburt gewesen wäre, aber alternativ noch ein Findelkind zu adoptieren wäre, dass elternlos in der Klinik auf Liebe wartet. Ohne das Wissen seiner Frau stimmt Thorn dem stillen Austausch zu und holt sich den Sohn des Satans ins Haus. Fünf Jahre später ist der Tausch schon längst verdrängt und während Sohnemann Damians Geburtstagsfeier ereignet sich schier skandalöses: Die Nanny steigt aufs Dach und begleitet vom Lächeln des Thorn-Sprosses wird vor den Augen der Partygesellschaft der fröhliche Suizid begangen. Von da an häufen sich die Merkwürdigkeiten im Hause des Botschafters und mit Hilfe eines Journalisten begibt sich Vater Thorn daran Nachforschungen um die Herkunft des Kindes anzustellen.

Was bitte könnte das Team der 2006er Version jetzt aus dem vorhandenen Minimal-Plot des 76er Originals zaubern? – Aktuelle politische Bezüge, Krieg im Irak und 9/11 reinbasteln sowie ein paar Naturkatastrophen der jüngsten Vergangenheit untermischen, würde jetzt ein Skriptautor vorschlagen. Klasse Idee, schreien die Produzenten und das Dingen ist geritzt. Quasi als Hommage an Gregory Peck und seine furiosen Leistungen fühlt man sich sodann verpflichtet das Casting für das Remake unter dem Banner „Ausdruckslosigkeit statt Talent“ durchzuführen und verschafft sogar noch Woody Allens Ausschussware Mia Farrow ein Gnadenbrot, indem man sie als neue Satanisten-Nanny in den Film schubst. Die Hauptrollen in Form des Ehepaares Thorn also Liev Schreiber und Julia Stiles überantwortet und genau den gleichen Film gebastelt, der schon vor 30 Jahren das Licht der Welt erblickte. Gerade einmal knappe fünf Minuten an Neuerungen haben Einzug in das Remake gehalten: Zum einen darf man erleben, dass der Vatikan in heller Aufregung darüber ist, dass Luzifers Sohn auf die Erde springt, was unter anderem durch die Terroranschläge des 11. Septembers angekündigt wurde, Mrs. Thorn hat ein paar MTV-Clip-Visionen und den berühmt berüchtigten Glasscheibenunfall hat man gegen einen Todesfall ausgetauscht, der von dümmlichen Dachdeckern ausgelöst wird. Last but not least gibt’s noch eine kleine Pyro-Einlage, damit Thorn seinen Botschafterposten erst einmal einnehmen kann. Den Rest des Inhaltes hat man einfach 1:1 rüberkopiert, den ursprünglichen Score von Jerry Goldsmith raus gelassen und fertig ist die aktualisierte Version von „The Omen“.

Die einzigen Erkenntnisse, die die 2006er Version für den Zuschauer bereithält, kann man in Stichwortform festhalten:

1.Stiles und Schreiber gehören in die unterste Schublade ihrer Zunft

2. Eine gute Kameraarbeit kann auch keinen miesen Film retten

3. Auch in der Postmoderne müssen Neuinterpretationen von Schund nicht zwangsläufig große Kunst hervorbringen.

Die unterschwellige Kritik an der Postmoderne durch eine hin gerotzte Zumutung wie diesem Film auszurufen kann als eigentliche Leistung des Streifens und seines Teams angesehen werden. Sämtliche davon abweichenden Lesearten wären vergebliche Liebesmüh oder würden zu der Einsicht führen, dass man versuchen würde dem potenziellen Publikum Dummheit zu unterstellen. Vielleicht wäre es weniger übel gewesen, den 76er Film noch mal in die Kinos zu bringen, anstatt mit diesem Vehikel der Dreistigkeiten ein bodenloses Niveau zu veranschaulichen, das wohl momentan den Trend in L.A. bestimmt.

07.01.2007 um 22:55 Uhr

Bücherregal!

von: Fabse

Mit dem Bücherregal verabschiedete sich die Gezuppelwelt im Dezember und was liegt da wohl näher als das bis jetzt hocherfreuliche 2007 mit einem literarischen Dreigestirn zu eröffnen? Die streng cinephilen Leser meines Blogs mögen mir verzeihen, dass ich beispielsweise Lästereien über „Superman Returns“ oder Lobhudeleien auf „Feed“, „Clerks 2“ und „Dunyayi Kurtaran Adamin Oglu“ wohl erst in den nächsten Tagen an dieser Stelle veröffentlichen werde. Weiter also im Text mit den feinen Seiten, die in den letzten zwei Wochen die Augen erfreuten und den Schädel schier zum Explodieren a la Scanners brachten.

Nachdem schon Arthur C. Danto die Fäden aufgenommen hatte, die Martin Heidegger in seinen Vorlesungen 1935 in Richtung Kunstwerk baumeln ließ, fühlte ich mich geradezu genötigt „Der Ursprung des Kunstwerkes“ näher zu Beäugen. Vorgefunden habe ich dabei die Erkenntnis, dass sich die Gedanken des umstrittensten aller Philosophen – wie schon in „Sein und Zeit“ und anderen Schriften – mal wieder auf ein mathematisches Gleichungssystem runterfahren lassen. Ist erst einmal das eigensinnige Heidegger-Vokabular verdaut und das System hinter der Argumentation freigeschaufelt, so kann man sich nur schwer davor verschließen ein diebisches Vergnügen bei der „Wahrheits-Einschreibung in das Kunstwerk“ zu empfinden. Aufbauend auf der Dinghaftigkeit des Dings, seiner Materialbeschaffenheit, die Seins-Einschreibungen durch den Künstler und die Unterschiede zur Zeughaftigkeit des Zeugs und dessen Zeugganzheit fußt ein Rezeptionstheoretischer Ansatz.

Von Freiburg nach Frankfurt und ab ins Exil: Helmut Dubiels Arbeitsbuch „Kritische Theorie der Gesellschaft“ bietet einen umfassenden Abriss der Frankfurter Schule und deren legendären Vertretern. Neben dem Kern der ursprünglichen kritischen Theorie um Adorno, Habermas, Benjamin und Kirchheimer gibt man sich natürlich nicht die Blöße die umstrittenen Vertreter der neuen Theorie gesondert vorzustellen und ihre Ansätze zu erläutern. Ob jetzt Enzensberger oder Habermas die legitimen Erben der kritischen Theorie sind oder ob jene nach 1945 überholt ist lässt man bewusst den Leser entscheiden. Beide Daumen hoch für dieses, auch stilistisch sehr vergnüglich geratenes Buch.

Egal, ob Soziologe, Medienwissenschaftler oder Habermas-Verteidiger: An Niklas Luhmanns Supertheorie hat sich schon manch einer die Zähne ausgebissen. Abhilfe dabei, die Systemtheorie und ihre 30jährige Ausarbeitung durch Luhmann, dem Leser näher zu bringen und eventuelle Schwierigkeiten beim Verständnis aus dem Weg zu räumen, leistet hier Margot Berghaus. Auf den 300 Seiten, die reichhaltig mit Cartoons und Bildern zur besseren Veranschaulichung der komplexen Systematik dienen, mutieren selbst Luhmann-Verächter zu glücklicheren Menschen. Neben der Einführung in das Denken Luhmanns bieten die 21 Kapitel des Werkes auch üppige Exkurse in die Bereiche Massenmedien, Schrift, Sprache, Film und Buchdruck. Optimal auch für Leser und Studenten, die kein Vorwissen im Bereich Systemtheorie aufweisen könnten.