Seit Tim Burton mit seiner Batman-Verfilmung 1990 einen erneuten Superhero-Hype losgetreten hatte, der mit den Impulsen von Sam Raimis „Spider-Man“ sich auch in ein neues Jahrtausend hinübergerettet, ist die Flut an Comic-Adaptionen bisher nicht zum versiegen gekommen: Egal, ob Marvel, DC oder Artverwandte wie Dark Horse. Jegliche Franchise lässt sich je nach dem Gusto der Studios ausschlachten, bis eine Rundummodernisierung des Helden fällig wird. Mit seiner Neuinterpretation des dunklen Ritters aus dem Hause DC markierte zuletzt Christopher Nolan den neu eingeschlagenen Trend und lieferte mit „Batman begins“ einen äußerst ergiebigen Beitrag in Sachen Blockbuster-Kino ab, ohne sich gänzlich von seiner eigenwilligen Handschrift bei der Inszenierung lösen zu müssen. Im Falle des bekanntesten Helden aus der DC-Schmiede – dem Mann aus Stahl – lag der Erfolg der bereits in den späten siebziger und achtziger Jahren entstandenen Kinoserie schon länger brach. Nachdem Richard Donners Original-Superman mit Christopher Reeve, Gene Hackman und Marlon Brando nach wie vor als legendärer Vertreter seiner Gattung gilt, und die insgesamt drei Fortsetzungen, die er nach sich zog nicht nur unter Trash-Fans viele Anhänger haben, war es nach Nolans erfolgreicher Batman-Version nicht verwunderlich, dass man in Hollywood daran werkelte, den Mann von Krypton, mit Pauken und Trompeten, zurück auf den Big Screen zu bringen.
Um dem ureigensten aller Superhelden die pompöse Rückkehr zu bescheren setzte Warner auf die inszenatorischen Fähigkeiten, des mit den X-Men-Adaptionen bekannt gewordenen, Bryan Singer. Dass Singer, der aufgrund des Regiepostens bei „Superman Returns“ den Abschluss der X-Men Trilogie in die Hände von Brett Ratner legte, viel eher der richtige Mann wäre, wenn es um gebrochene Heldencharaktere ginge, ignorierten die Mannen bei Warner allerdings nicht gänzlich und präsentierten ein Script, das die Mythologie der Figur komplett auf den Kopf stellt.
Einige Jahre sind vergangen seit Superman der Erde den Rücken kehrte und ins All aufbrach um nach den Wurzeln seiner Identität zu suchen. Nun, als sein Alterego Clark Kent nach Metropolis zurückkehrt findet er sich in einer Welt wieder, die sich grundlegend verändert zu haben scheint. Zwar bekommt Kent die Chance sich wieder in seinen alten Job beim Daily Planet zu etablieren, doch die Erkenntnis, dass seine einstige Liebe Lois Lane mit einem Essay namens „Warum die Welt Superman nicht braucht“ für den Pulitzerpreis nominiert ist, lässt ihn Schlimmes erahnen. Den ersten Schock gerade mal verdaut, eröffnet sich ihm, dass Lois in seiner Abwesenheit eine Familie gegründet hat und auch ohne ihn ein glückliches Leben führt. Zwar verhindert Superman eine Flugzeugkatastrophe und markiert damit seine Rückkehr, doch die Bevölkerung von Metropolis reagiert eher verhalten auf das plötzliche Wiederauftauchen ihres ehemaligen Schutzpatrons. Supermans Möglichkeit sich wirklich wieder zu profilieren wartet allerdings schon an der nächsten Ecke, denn sein Erzrivale Lex Luthor versucht erneut die Welt zu unterjochen. Mit Hilfe von Kryptonit-Kristallen will Luthor im Pazifik neue Inseln erschaffen und Supermans Sinnkrise gereicht dem Despoten bei der problemlosen Durchführung seines Planes nur zum Vorteil.
Für die standesgemäße Präsentation der Wiedererweckung des Beschützers von Metropolis hat sich die Produktionsstätte Warner nicht lumpen lassen und das Ergebnis, das mit protzigen State-of-the-Art- CGIs ausgestattet, auf der Leinwand erstrahlt kann sich jedenfalls optisch durchaus sehen lassen. Inhaltlich hingegen kann das knapp dreistündige Epos um Supermans Rückkehr hingegen kaum einen Blumentopf gewinnen. So veräußern sich die ersten zwei Stunden des Films als Geduldsprobe für den Comic-Fan, der bombastische Action erwartet. Viel mehr als zähes Beziehungsdrama um eine gescheiterte Liebe angelegt, anstatt um die Gunst des Publikums bemüht, mit brachialen Heldentaten zu glänzen, verkommt „Superman returns“ eher zum Schmachtfetzen in Sachen Herzschmerz. Dass eine Figur, die das amerikanische Ideal wie keine zweite verkörpert als Stalker um das Haus einer Familie schleicht und neidisch auf das herrschende Idyll blickt wirkt arg erzwungen in seiner Darstellung der mythologischen Dekonstruktion. Auch der Gegenpool in Form von Kents Gegenspieler Lex Luthor scheint in seiner Charakterzeichnung eher zum Teilzeitkasper entwerten worden zu sein. Nicht einmal Kevin Spacey als Darsteller in dieser Rolle versucht aus dem angelegten Korsett aus peinlichen Zeilen und entgleister Mimik zu entkommen. Besonders in dem rar gesäten Actionszenen mündet der Film in seiner Grundkonstruktion darin einer Prügelei zwischen zwei Puppen in der Kindervorstellung für Verkehrserziehung beizuwohnen.
Den Hauptcharakteren scheinen alle anderen in ihrem Umfeld überlegen zu sein und so wundert es kaum, dass Luthors Gespielin letztendlich ihre Trümpfe ausspielt oder Lois Familie Superman retten darf, der eigentlich darauf aus war sie selbst aus Luthors Gewalt zu befreien. Zurück bleiben ein weinerlicher Held, ein geschundener Mythos und die Gewissheit, dass auch ein fähiger Mann wie Singer tief in die Tonne langen kann. Die Frage, ob denn die Welt Superman noch braucht beantwortet der Film allerdings: In der vorliegenden Form braucht niemand Supermans Rückkehr. Wäre Singer besser bei der Mutantenbande geblieben, denn dort erwartet der geneigte Zuschauer, dass unter dem Glanz auch dunkle Flächen des Seinszweifels stecken können.