Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

19.02.2007 um 20:12 Uhr

Helau, du Sau...

von: Fabse

 fab

Sollte man Augenzeuge davon werden, dass die sturzbesoffene Kassenkraft aus dem örtlichen Reformhaus einem Manager eines Großkonzerns beim Oralsex in aller Öffentlichkeit in den Schritt kotzt, so finden sich nur zwei mögliche Erklärungen für dieses unästhetische Schauspiel: Man ist auf Urlaub am Ballermann 6 oder das Volk feiert Karneval.

Eigentlich ja, wie vieles andere Übel auch, dem Katholizismus entsprungen ist dem Feierwütigen Mob  jeglicher Konfession höchstoffiziell gestattet, die alltäglichen Fesseln der gesellschaftlichen Konventionen abzustreifen um überaus konventionell Narr und Jeck zu sein. Die so genannte fünfte Jahreszeit zeichnet sich seit je her dadurch aus, dass das Fernsehprogramm sämtlicher im Rheinland beheimateter TV-Sender tagelang aus unlustigen Büttenreden, pseudosatirischen Rosenmontagsumzügen und musikalischen Kulturgütern der Marke „Mundartgenuschel das man auch nüchtern nicht versteht“ besteht.

Überall finden sich in der Zeit von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch auf den Straßen ekelhaft frohsinnige Hobbyalkoholiker, die sich albern maskiert, im Fick-, Sauf- und Gute Laune-Rausch befinden, dass es nur so stinkt vor aufgesetzter Zügellosigkeit. Hier mag der halbwegs intelligente Mensch ja anmerken, dass es solcher Aktivitäten wie dem Vernichten diverser Alkoholika und dem vergnügten Geschlechtsverkehr eigentlich egal sein müsse, ob denn da im Kalender Spezialtage zum Ausüben dieser vermerkt sein müssen. Das Einzige was hier der mittelständische Unternehmer, die Friseuse und der Bankangestellte den lokalen Pennbrüdern voraus hat ist die Legitimation zum Komasuff, Rumgehure und Scheißeaussehen in Form festgelegter Tage.

In bunter, aber zumeist blauer, Runde ruft der Pöbel in Festhallen neue Monarchen aus, die zumeist aus der Hölle der Transvestiekunst entsprungen sind oder zumindest nach dem Galaabend wieder zurück in eine geschlossene Abteilung der Nervenheilanstalt überführt werden. Zwar begeht man in einigen total verkommenen Metropolen der Welt schon am 11.11. des Vorjahres die Zeit der ranzigen Zwangswitze, aber der Rest, der hauptsächlich teutonischen Anhänger des geregelten sozialen Abstiegs maskiert sich erst an Weiberfastnacht erstmalig um es so richtig dummdreist krachen zu lassen: Gegen Abend lassen sich in allen Schuppen der Gastronomie akribisch beobachten und aufzeichnen, wo denn der Abteilungsleiter den fetten Tripper her hat, der ihn eine Woche später die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einbringt, oder warum die Ehe der Nachbarin nun endgültig den Bach runter ist.

Knapp neun Monate vergehen und in allen Talkshows der Republik suchen Schnapsleichen nach den zehn möglichen Vätern ihrer überaus hässlichen Nachkommenschaft. Warum eigentlich nicht die Bigotterie ansprechen, die Welt-Aids-Tage  und Karnevalszeit an sich haben, wenn  sie beide im Laufe des Kalenderjahres begangen werden? Dem schwingt doch wunderschön der Charme nach, der einen Tag der Toilette anhängen mag, wenn ein halbes Jahr vorher die ersten Brechdurchfallwochen gefeiert werden. Was denn übermäßigen Genuss, der von Kreditinstituten und Gebrauchtwarenhändlern gesponserten, Kamellen und Naschteilchen angeht, so entdeckt man bei seinem Dentisten ja auch das Funkenmariechen des Umzugswagens, das sich als Zahnarzthelferin entpuppt: Immerhin hat man mit dieser Art der Völlerei ja wenigstens einen Berufszweig etwas Fröhlichkeit geschenkt.  

Manche Ortschaften bieten den Jecken sogar noch mehr als die bloße Dummheit im Kollektiv und punkten bei Tierschützern besonders toll, wenn traditionelle Riten der Barbarei vollzogen werden, wie zum Beispiel das Gänsereiten: Hier traben Kerle in Strumpfhosen auf Pferden umher und reißen aufgehangenem Federvieh den Kopf vom Hals, auf dass das sprudelnde Blut der Kreatur die Narren begeistere. Am Aschermittwoch dann, hat sich das schmierige Schauspiel dann erledigt und die Teilzeitrevoluzzer kurieren ihren Kater aus, bevor es wieder an das spießige Tagewerk herangeht. Dass Karneval, laut seiner Etymologie, den Abschied des Fleisches besiegeln soll ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Vielmehr doch sagen die Feierwütigen doch eher ihren Hirnzellen Good Bye.

Mit all seiner Debilität und seinen Traditionen ist diese Festzeit keinesfalls ein Ausbruch aus einem System, sondern allenfalls ein reguliertes Rumfurzen der Gaga-Gesellschaft innerhalb eines gesellschaftlichen Untersystems des asozialen Verhaltens. Ja, hier haben wir mal wieder den Beweis: Fürsprache für das System ist nicht weniger als Mangel an Rechtschaffenheit.        

18.02.2007 um 21:53 Uhr

Bücherregal

von: Fabse

Der Februar verabschiedet sich in zehn Tagen und das Bücherregal meldet sich daher auch mal wieder und zieht ein kurzes Resümee bezüglich lesenswerter Druckwerke.

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Zwar nicht ganz 1000 Seiten, aber immerhin prall gefüllte 960 hält der legendäre Superwälzer „1001 Movies you must see before you die“, unter der Schirmherrschaft von Steven Jay Schneider bereit. Reich bebildert und im Schnitt halb- bis einseitig vereint man hier Reviews zu Filmen aller Art, die laut den Autoren in vielerlei Hinsicht herausragend für ihre jeweiligen Gattungen sind. Vom Stummfilm „Die Reise zum Mond“ über Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“, bis hin zu Jodorowskys „El Topo“ und „Matrix“ geht die bunte Reise durch 102 Jahre Filmgeschichte des Buches, das in erster Linie als Nachschlagewerk empfehlenswert ist. Ob jetzt beispielsweise wirklich Mel Gibsons „Passion of the Christ“ und ein paar andere qualitative Grenzgänger den Zugang zur 1001er Top-Liste verdienen, sollte jeder besser selbst entscheiden.

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Immanuel Kants „Prolegomena“ bilden eine Grundlage zum Verständnis der „Kritik der reinen Vernunft“ und sind beispielsweise auch als Grundstein für Schopenhauers Ansichten zur Metaphysik brauchbar. Ausgehend von David  Humes Skeptizismus führt Kants Konstruktion der Welt in sinnliche und formende Erfahrungen, die den Weg zu Erkenntnis liefern zu Kritizismus, der sich Dogmen gegenüber verschränkt. Sprachlich und stilistisch entpuppen sich die 270 Seiten rund um die Neuanordnung einer Metaphysik als ein harter Brocken, der stellenweise Ärger mit sich bringt, da Kant des Öfteren auch nicht darauf verzichten mag in purer Arroganz und Selbstherrlichkeit aufzugehen, was den Rezeptions- und Lesefluss stark in Mitleidenschaft zieht.

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Nietzsches „Die Fröhliche Wissenschaft“ markiert ein Resümee ziehendes Vorspiel zum Zarathustra, dessen erstes Kapitel hier im dritten Buche angerissen wird. Neben zahlreichen Aphorismen, die die Bereiche Erkenntnis, Kunst, Religion, Nihilismus und den erstmals hier aufkommenden Tod Gottes thematisieren, schließt Nietzsche mit der Bejahung zum Schicksal und einer Reihe von „Liedern des Prinzen Vogelfrei“. Wie schon im Titel und dem Prolog deutlich wird, der sich als „Vorspiel in deutschen Reimen“ darstellt, ist  „Die Fröhliche Wissenschaft“ ein extrem optimistisches Werk, das den Übergang zum Spätwerk Nietzsches festlegt und dem man den (kurzzeitigen) gesundheitlichen Aufschwung des Autors während der Arbeit daran entnehmen kann.     

09.02.2007 um 00:28 Uhr

Gezuppel: Rette sich ewiglich wer kann

von: Fabse

 

Allgemein hin ist der sechste Tag der Woche, jene nette Erfindung, die seinem Nutznießer eigentlich  Entspannung verheißen sollte. Allerorts wird sich Samstagmorgens ausgeschlafen und nach gemütlichem Erwachen im Arm der Liebsten der heimische Fressvorrat kontrolliert. Im Falle, dass die gehortete Nahrung im Kühlfach zu Neige gehen könnte wirft man sich kurzerhand etwas Gemütliches über und ergreift die Hand der Frau um dem Shopping in all seiner Pracht an diesem Tage zu frönen. Was allerdings, zu Anbeginn der Reise durch die schönsten Konsumtempel,  noch nicht bekannt ist: Das Ende ist nah und die Apokalypse winkt unseren kleinen Seelen schon bald zu. Angedeutet wird das kommende Armageddon nicht etwa durch einen Bruce Willis, der vom Dach des Einkaufszentrums purzelt, sondern durch eine Schar von kleinen, bieder gekleideten Mädchen. Eine Truppe von etwa acht minderjährigen Kids haben irgendwelche dubiosen Urheber an den Ecken der Einkaufsstraße positioniert und jedes Wechselbalg bietet den herumirrenden Passanten einen kleinen Flyer an. Da man meistens ja hinter, in der Kälte herumstehenden, Kindern nichts Böses  vermutet, wird halt ein Handzettel angenommen und ein kleines „Danke“ aus dem Kindermund ertönt. Das aufklappbare Zettelchen, welches in diesem Falle meiner Frau in die Hand gedrückt wurde schreit natürlich nach einer kritischen Inspektion und schnell wird klar, was es mit dem Druckerzeugnis auf sich hat.

 

Auf der Vorderseite springen uns grüne, volle Wiesen ins Auge und ein großer Pfeiler verkündet von Schildern herab wieweit Los Angeles, Vancouver oder Sydney vom irisch anmutenden Idyll entfernt sein mögen. Beispielsweise hält das Schild die Information bereit, dass der kanadische Zweitsitz des Terror-Filmers Uwe Boll schlappe 11434 km in der Ferne liegen mag. Geradezu pragmatisch erscheint die Aufschrift eines, auf die Innenseite des Flyers  deutende Schild mit der Aufschrift „Bluff / 1401 km“. Wandert das Auge auf dem Titelblatt dann etwas herab,  bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen: „Entscheidung für die Ewigkeit“  steht dort mit weißen und urinfarbenen Lettern. Den ersten Schock hat man also schon hinter sich gebracht, wenn man dazu übergeht, das gesamte Übel zu studieren. Was sich dann im Innern des Origami-Pendants verbirgt, lässt selbst Johannes Gutenberg den Buchdruck verfluchen.

  

Ein weiterer Wegpfeiler erwartet den Rezipienten des designten Grauens in gelb. Hier nun wird uns aufgezeigt, dass es in Richtung Westen gehen soll, wenn man auf der Suche nach Jesus Christus, dem Himmel und dem ewigen Leben ist. „Klasse Sache“, denke ich mir und renne los wie mir die Wegschilder befehlen. Leider endet die Reise nach den Ortschaften Jesus und Co. aber zu schnell an meiner Küchentür. Verdammt, nun weiß man auch was die Schilder der Flyer-Innenseite ihren Kollegen vom Deckblatt voraus haben: Mit sicherlich böser Absicht unterschlägt man uns doch hier die Entfernungsangaben. Na, dann mal in den Text geschaut, der sich unter dem „Ewigen Leben“ krumm macht. Vielleicht steht hier etwas Genaueres über den zurückzulegenden Weg.

Entweder – oderJeder ist gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Auch Sie! Ob Sie wollen oder nicht. [...] Treffen Sie immer die richtige Wahl? Dann sind Sie zu beglückwünschen. 

Was bitte? Verzauberte man noch auf dem Titelblatt das Gemüt mit dem entspannenden grün, so wird jetzt, zynisch herumgepöbelt? Schon bei der Einleitung vergeht einen das Beglückwünschen, denn die richtige Entscheidung, die zu treffen gewesen wäre, hätte mit saftigen Schlägen in die Gesichter der verteilenden Kinder  zu tun gehabt. Jetzt manifestiert sich, dass wir hier den John Rambo unter den dogmatischen Schriftwerken in Händen halten, der sich hinter den Wegschildern versteckt hat und nun mittels Wissen um unsere nicht vorhandene Legasthenie kräftig Arschtritte verteilt. Spätestens hier kann auch die herbeigesehnte Alexie nicht mehr ihres Amtes walten. Vielmehr macht sich Fassungslosigkeit über soviel rhetorische Brutalität breit. Der nächste Absatz fordert dem Leser dann noch mehr ab.

 Nicht herumdrücken! […] Sie haben zwischen ewiger Verlorenheit in Finsternis und ewiger Rettung im Licht der Herrlichkeit Gottes zu entscheiden. […] 

Mit dem Zusatz „ewig“ hat es der Verfasser dieser Hirnfolter auf vierfarbigem Papier scheinbar extrem. Ist „ewig“ ja nun schon als kompakter Aphorismus etabliert, so folgt eine längere Aufstellung von angeblichen Tatsachen, die anhand der strikten Auslegungen von wahrlos auf das Papier geklatschten Bibelzitaten nach polemisch furzender Gültigkeit schreien. Johannes, Petrus und Briefe an Römer hagelt es, bis es raucht. Im Anschluss an diese Belehrung beantwortet man für den Leser auch schon die Anfangs gestellte Frage nach der richtigen Entscheidung.

 Ja, ich will als Geretteter in die ewige Herrlichkeit eingehen!   

Geschickt wirft der Verfasser wieder ein „ewig“ auf den Präsentierteller und entgegen jeglicher Skepsis, die die vorangegangenen Zeilen bei einem halbwegs intelligenten Leser ausgelöst hat, wird kackendreist eine nicht aufkommende Begeisterung heraufbeschworen. Nachdem uns also mit wenigen Zeilen vor den Kopf geknallt wurde, dass bestimmte Artikel des Grundgesetzes keinerlei Gültigkeit besitzen, folgt ein Gebet, welches der nun Geläuterte laut gen Himmel schwätzen soll. Kaum verwunderlich, dass hier auch wieder die arme Vokabel „ewig“ ihren Dienst abzuleisten hat. Ferner gesteht der Betende, der diese Zeilen von sich lassen soll, seine eigene Minderwertigkeit und fehlende Perspektiven zum gelingenden Leben. Scheinbar dachte sich der Autor des Schmierzettels, dass Leute, denen man mit drohender Verdammnis kommt und die diese nach einigen Zeilen komplett gefressen haben auch diktieren kann, was sie ab jetzt von sich zu lassen haben. Möglicherweise erwartet der Demagoge hinter der Papierschande, dass der anvisierte Rezipient nach seinen Pöbeleien sogar ein Schuldeingeständnis an der globalen Erwärmung oder die Beitrittserklärung einer NSDAP-Aufbaugesellschaft unterzeichnet.

 

Wer nun immer noch nicht das fade gelb des Zettels mit bunten Kotzfarben besprenkelt hat, den erwartet ein toller Gutschein, mit dem man das, möglicherweise noch fiesere, Buch namens „Schritte in ein neues Leben“ anfordern kann. Dazu bleibt wohl kaum noch zu bemerken, dass der nicht ganz irre Leser dann doch lieber das Auto oder den Bus zum Optiker nimmt, der hoffentlich Brillen in der Auslage hat, die einen am Sehen weiterer Attacken auf die Netzhaut zu hindern vermögen. Der vollends überzeugte Büßer hingegen muss den Coupon auch noch ausschneiden und inklusive persönlicher Daten versehen auf eine Postkarte geklebt an eine noch unbekannte Adresse schicken. Der Plan dreisten Personen hinter diesen Flyern weist nur einen gewaltigen Fehler auf: Leute, die auf solche Zettelchen und deren Inhalte vollends abfahren befinden sich in jeder guten Gesellschaft aber dann doch in Sicherheitsverwahrung fernab irgendwelcher Scheren und anderer Gegenstände, die beim erfolgten Flyer-Flash in der Nähe zu sein zu haben.

 

Letztendlich verrät uns der Fetzen aber dann doch noch seine Urheber: Einem Stempel, der da prangt, ist zu entnehmen, dass ein gewisser Herr Heukelbach und eine lokale Baptistengemeinde hinter dem Machwerk stecken. Um sich für so viel Rotz auch noch gebührend zu bedanken stehen einen sogar Telefonnummern, E-Mailadressen und Anschriften der Radaubrüder zur Verfügung. Unter den Adressen, an die laut Handzettel gerne geschrieben werden kann, macht sich das nächste Unheil breit: Da die Jungs und Mädels des Vereines wohl auch das Radio für ihre Zwecke entdeckt haben liest man den Verweis auf „Die Stimme Russlands“ und ein tolles Programm, das so toll sein muss, dass der Interessierte  es bei den Verantwortlichen anfordern soll. Wer zum Schreiben allerdings zu faul oder zu doof ist, dem offeriert die Gemeinde ein weiteres unschlagbares Angebot in Form von Telefon-Mini-Predigten, die Tag und Nacht vom Band leiern. Da man allerdings nicht „ewig“ von der Ewigkeit leben kann, möchten die Befreier unserer Seelen natürlich Cash für ihr Gemurmel sehen. Klar, dass hier minutiös fixer abgerechnet wird als bei Astro-TV.

 Ein Mut machendes Wort für Sie! Tag und Nacht.     

 

 Ha, da bleibt man doch gern bei Nietzsche und Crowley, denn die Jungs haben es ja fertig gebracht, an einem Tag mehr als ein Wort am Tag auf hübscheres Papier zu bringen. Auf meinen Zuspruch kann die Bande gern „ewig“ warten. 

08.02.2007 um 23:36 Uhr

PNG No 71 jetzt zu haben

von: Fabse

Drei Monate sind schon wieder seit der letzten Ausgabe des feinen Popculture-Magazins vergangen und just liegt ab sofort die neue Ausgabe 71 der PNG am Kiosk aus. Für 6 Euro, die wahlweise in Münzen oder Scheinen (hö,hö), an den Zeitschriften-Dealer des Vertrauens entrichtet werde können gibt's diesmal viel Musik und Text mit Niveau für kleines Geld. Neben einem Sampler des Labels "Morr Music" befaßt sich diese Ausgabe mit dem Thema "Glauben". Dazu haut der gute Nimrod den Misfits-Freunden "Balzac" was auf die Omme, ich lobpreise "Pan's Labyrinth" ausufernd, der "Adorno-Man schlägt zu und massig neue CD-Kritiken hagelt's obenauf. Wer zu faul zum Kioskgang ist, der kann auch im Shop die neuste Ausgabe ordern ohne sich an die Frischluft zu begeben. 

 

08.02.2007 um 11:19 Uhr

Wichtig: Gefaktes Boll-Interview im Netz

von: Fabse

Gestern wurde mir ein Link zu einem angeblichen Interview mit Uwe Boll zugesandt, das auf der Österreichischen Homepage des Jugendmagazins www.chilli.cc am 30. Januar veröffentlicht wurde. Das dort publizierte Interview beinhaltet mehr als fragwürdige Äußerungen, die Uwe Boll angeblich während eines Gespräches mit einem der Autoren dieses Magazins veräußert haben soll und schließt mit dem Absatz

 

 […CHiLLi.cc will antisemitischem und rassistischem Gedankengut keine Plattform bieten und nimmt von der Veröffentlichung des gesamten Gesprächs Abstand…]

 

 Aufgrund dieser drastischen Anschuldigungen hatte ich kurz darauf Uwe Boll selbst auf den bei Chilli.cc veröffentlichten Artikel angesprochen und er versicherte mir, dass dieses dort erschienene Interview nie stattgefunden hat. Egal, wie man nun zu Uwe Bolls Filmschaffen oder seiner Person stehen mag:

 
  1. Bashing oder Schmähkritik ist nicht mehr lustig, wenn irgendjemanden solcherlei Aussagen in den Mund gelegt werden.
  2. Wenn Uwe Boll irgendetwas sagt, dann hat er bis jetzt immer dazu gestanden und nie versucht sich irgendwie herauszuwinden. Daher glaube ich ihm persönlich mehr als diesem Artikel.

  

06.02.2007 um 21:16 Uhr

FTB-News: Severance (2006)

von: Fabse

sev

Sollte der geneigte Horrorfreund in den letzten Jahren nach feinen Streifen Ausschau gehalten haben, so lohnte sich in Sachen Innovation doch meist ein Blick in Richtung europäisches Ausland und bei den Nachbarn wurde man just fündig. Richtig gute Kost bot Frankreich gar mit dem hierzulande leider untergegangenen „Serial Lover“ und Ajas knochenharten „Haute Tension“, während die Jungs aus Great Brittan mit „Shaun of the Dead“, der Splattercomedy „Evil Aliens“ und „The Descent“ ordentlich frisches Blut in das Horror-Fach pumpten. Eher für die Tonne hingegen gestaltete sich „Creep“ des britischen Regisseurs Christopher Smith, in dem Deutschlands Export-Actrice Franka Potente vor einem Creeper in dunklen U-Bahntunneln flüchtete. Die Mischung aus inszenatorischer Unfähigkeit gepaart mit dem Spiel der ätzenden Germanen-Schauspielerin Numero Uno versenkte den Film ohne Gnade in tiefste Tiefen der B-Film-Hölle. Dafür, dass sein Film von breiten Teilen der Zuschauer verflucht wurde machte Smith wohl das Mitwirken „unserer“ Franka verantwortlich und zeigt sich bei seinem neuesten Ausflug in den Horror-Dschungel gänzlich ohne jene Nase im Cast.

Um Teamwork zu fördern schickt ein englischer Rüstungskonzern seine Mitarbeiter zu einem Ausflug in die Wälder Osteuropas. Schon kurz nachdem der bunt gewürfelte Trupp in der Einöde angekommen ist, häufen sich die Merkwürdigkeiten und die ersten Toten und Verletzten sind zu beklagen. In den Wäldern haben sich geistesgestörte, russische Soldaten breit gemacht, die erbarmungslos Jagd auf die Ausflügler machen.

Als legitimer Horror-Comedy-Kracher im Stil von „Shaun of the Dead“ angekündigt und beworben, zeigt der neueste Streich von Christopher Smith eigentlich nur wie man 90 Minuten lang Zuschauer quälen kann und liefert so nebenbei die unlustigste Komödie seit Jahren ab. Hier ist absolute Langeweile in den Büschen, wenn sich eine Horde von stereotypen Charakteren ( der liebe Nerd, das Mauerblümchen, der Sexbesessene Proll, der Quoten-Schwarze & Co.) nach Europa verirren und ein Mischmasch aus „Hostel“ und Backwood-Gezuppel mit Blödeleinschlag über den Rezipienten ergossen wird. Zwar verfügt „Severance“ über einen recht schmissigen Soundtrack und die ein oder andere FX-Sauerei aus der Gore-Schmiede, doch so was wie wirklich Atmosphäre oder etwa Lacher wollen sich nicht wirklich einstellen. Dafür, dass die Gags wirklich zünden könnten, nimmt sich der Film streckenweise zu ernst: Auf zynische Dialoge folgt eine mörderische Hatz, die Tempo in das Ganze bringt, nur um einen spröden Gag um eine defekte Bazooka zu münden. Solcherlei Szenen hält „Severance“ en masse parat und gerade dann, wenn der Betrachter sich in einem stimmigen Backwood-Slasher a la „Wilderness“ oder „Wolfcreek“ versetzt fühlt, bricht der Flick mit plattesten Einschüben aus der untersten Schublade der Idiotie. Am ehesten lässt sich diese Fingerübung in versautem Timing noch mit Eli Roth’s „Cabin Fever“ vergleichen: Auch hier folgten auf stimmige Szenerien, dümmste Holzhammer-Attacken, die so gar nicht aufgehen wollten und den Gesamteindruck weit nach unten zogen. Darstellerisch immerhin durchschnittlich besetzt versaut Smith hier einen viel versprechenden Plot. Weder als böser Hinterwäldlerhorror, noch als Comedy mit sozialkritischem Anstrich taugt „Severance“. Unausgegorene Unterhaltung wie diese braucht man einfach nicht.