In fünf Print-Ausgaben zelebrierte Frank Miller anno 1998 seine Version des drei Tage andauernden Marsches im Jahre 480 v. Chr. des Königs Leonidas und seiner Leibgarde von 300 Soldaten gen der Thermopylen, wo die Schlacht gegen das persische Heer des Gottkönigs Xerxes ihren Lauf nimmt. Geschichtlich mit einigen Ungenauigkeiten versehen, bestach die zeichnerische Umsetzung vor allem durch ihre Erzählstruktur und die grafischen Stilmittel, die Miller in dem von seiner Frau Lynn Varley colorierten Comic zum Besten gab. Inhaltlich hingegen bot die Erzählung nur eine Verkettung von Schlachtfeldbildern und Militärpropaganda.
Sich der Tatsache bewusst, dass eine spartanische Gaywatch-Parade mit all ihren phallischen Pfählungsutensilien sich der persischen Hässlichkeit entgegenstellt variiert der Regisseur Zack Snyder (Dawn of the Dead –Remake) hier etwas das testosteronschwangere Motiv des Originals. In seiner Filmfassung gibt „300“ noch etwas Raum für eine emanzipatorische Nebenhandlung, deren Plot die charakterliche Entwicklung der Spartaner-Königin in den Mittelpunkt stellt. Ebenfalls abgeändert zur Vorlage präsentiert sich die Erzählstruktur der Mär, die in eine chronologisch vereinfachte Reihenfolge gebracht wurde. Daneben schielte man noch leicht bei Jacksons „Lord of the Rings“- Rangeleien und spendierte „300“ auch ein paar zusätzliche Monster auf persischer Seite.
Geradezu so eskapistisch wie die ästhetische Aufbereitung für die Leinwand durch Zack Snyder fällt auch der dialoglastige Teil des berauschenden Netzhautbrenners durch sämtliche Raster der Postmoderne: Allen voran Hauptdarsteller Gerard Butler als griechischer Heerführer und Monarch darf in regelmäßigem Minutentakt Parolen schnaufen bis es qualmt. „Lieber Stehend sterben als um das Leben betteln“, „Blut & Ehre“ sowie „Kampf bis in den Tod“ beinhaltet der Ehrenkodex des Spartaners. Was in seiner unmöglichen Penetranz schon an subkontextuelle Mel Gibson-Philosophie in „Braveheart“ heranreicht, gibt sich so überkarikiert, dass der geneigte NPDler hier keine verklärte Realsatire wahrnehmen könnte, sondern vergnüglich bei so viel Bestätigung fortdauernd in die Unterhosen ejakuliert. War Paul Verhoevens Heinlein-Adaption „Starship Troopers“ noch der unfreiwillige Applaus gegenüber der Vorlage durch die Hippie-Bewegung einen Spaß wert um mit seinen Commercials und Stereotypen die faschistoide Kriegsmaschinerie zu persiflieren, so fordern Miller und Snyder vom Publikum ihre individuellen Fragmente einer Bestandsaufnahme zu unterziehen, welche ihre Interpretationsmechanismen innerhalb der Epigonen von Mark L. Lesters „Commando“ suchen.
Ob jetzt ideologisch determinierte Frechheit, homophile Homophobie, eine Verbeugung vor den 80er Jahren oder eine Analogie zum Vorgehen der Bush-Administration vorliegen mag: Snyders Show aus Blut, Action und prallen Weibern ist letztendlich mit kappen 120 Minuten der längste Video-Clip der Welt oder einfach nur bombastisch aufgeplusterter Langweiler. Egal, wie man das sehen mag: Sicher ist, dass „300“ die Graphic Novels kongenial und sklavisch Millers Werk anbetend auf die Leinwand überträgt. Hüben wie drüben steht die stilistische Präzision im Mittelpunkt des Ganzen.
( Diese Kritik ist nur ein Auszug. Eine große Besprechung von "300" erscheint demnächst an anderer Stelle. Weitere Infos folgen hier!)





