Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

28.04.2007 um 14:22 Uhr

Special: Funny van Dannen

von: Fabse

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Bereits in einem früheren Eintrag hatte ich an dieser Stelle ja schon das Schaffen von Funny van Dannen gelobpreist und dessen Kurzgeschichtensammlung „Der Tag ,als Rosie kam“ empfohlen. Jetzt hat der sympathische Wahlberliner sein neustes Werk „Zurück im Paradies“ vorgelegt. Auch diesmal wird der Leser auf 180 Seiten wieder in den typischen Mikrokosmos des Funny van Dannen katapultiert und wenn Wanderpandas als Sexsklaven gehalten werden, Tobi herausfindet, dass seine Mutter ein Groupie war und Maiskorn und Reiskorn Mehl adoptieren ist wieder Gefahr in Verzug für die Lachmuskeln. Charmant verschroben und überaus liebenswert geschriebene Geschichten erwarten einen hier, die direkt an das Vorgängerwerk „Neues von Gott“ anknüpfen.

 

 

Gerade eben hatte ich das neue Buch., das mir von meiner tollen Frau geschenkt wurde an nur zwei Tagen verschlungen, als ich darüber informiert wurde, dass sich Funny gerade auch auf einer Lesetour durch die Republik befände. Mit dem Auftrag unter dem Arm, der Wochenzeitung WAP ein Interview mit Funny zu besorgen ging es dann zusammen mit Kumpel und Fotograf Chris Neumann zur Location der Lesung. Im Voraus hatte Funny van Dannen dem Interview schon zugestimmt und man erwartete sein Eintreffen in der Buchhandlung, in der die Lesung stattfinden sollte. Das Interview sollte gute 20 Minuten in Anspruch nehmen und nebenbei führten wir noch das WAP-Autogrammbuch mit uns. Zuletzt hatten sich hier noch Sylvester Stallone und Eva-Maria Hagen drin verewigt und wie jedes Jahr wird das Buch wieder unter den Lesern versteigert, damit der Erlös an eine wohltätige Einrichtung gespendet werden kann. Aufgrund eines Problems bei der Anreise kam Funny dann erst kurz vor 21 Uhr an und begann sogleich mit der Lesung. Es war etwa 23:30 Uhr als das offizielle Programm beendet wurde und der Autor, Liedermacher und Maler uns zu seinem Backstageraum begleitete.

Trotz der längeren Anreise, der Lesung und einer Signierstunde überraschte Funny damit, dass er bewundernswerter Weise kaum müde war. Da das Interview, das dann mitgeschnitten wurde alles andere als nur 20 Minuten lang wurde und wir bis spät in die Nacht mit Funny Gespräche führten, wäre es schade, wenn man es dabei belassen würde nur Auszüge daraus zu veröffentlichen. Daher findet sich in der Gezuppelwelt jetzt der erste Teil des kompletten Interviews und Teil 2 erwartet euch auf der Homepage des PERSONA NON GRATA –Magazins.

Besonderer Dank geht raus an Funny van Dannen und das Team von „Mayersche“ Dortmund.

 

Hallo Funny, erstmal vielen Dank dafür, dass du dir ein wenig Zeit für ein Interview nehmen konntest, obwohl es ja jetzt schon etwas später geworden ist und du gerade eine Lesung hinter dir hast.

- Ja, ich habe mich heute leider etwas verspätet, aber sonst bin ich ja ein recht pünktlicher Mensch. Es war ja so, dass ich mich vertan hatte mit dem morgigen Termin in Aachen und diesem hier heute Abend. Da war ich also gerade in Aachen angekommen und hatte im Hotel eingecheckt und da fiel mir das auf, dass die heutige Lesung ja in Dortmund wäre. Da bin ich schnell dann noch hierher. Zu Glück lag das ja nicht soweit von der Strecke her auseinander, so dass ich ja noch recht pünktlich angekommen bin.

Die Lesung heute war ja in einer Buchhandlung und sonst ist man ja eher gewohnt, dass du zum Beispiel bei Konzerten und so in kleineren Clubs anzutreffen bist. Hat dir das heute ebenso viel Spaß gemacht wie sonst bei Club-Touren?

- Normalerweise ist das nicht so das Ambiente in dem ich sonst meine Lesungen halte oder Konzerte spiele, aber der Verlag hatte das arrangiert und ich glaube auch, dass so eine Buchhandlung so ein bisschen daran interessiert ist was zu verkaufen. * lacht* Hab ich das mal gemacht.

Du improvisierst ja auch gerne bei deinen Konzerten und Lesungen.

- Ja, das kommt immer darauf an, wie das Publikum mitgeht. Bei einer Lesung in einer großen Buchhandlung ist natürlich etwas anders als sonst in Clubs. Aber in dem Ambiente ist das schon recht selten, dass da wer was rein ruft was man erwidern kann. Da sind viele Bücher um einen herum und die Leute sind sehr ruhig. Ich erzähle ja auch zwischen den Texten ein bisschen was, was mir so auf dem Hinweg passiert ist und so.

Um mal auf dein neues Buch zu sprechen zu kommen: Deine letzte Kurzgeschichtensammlung hieß ja „Neues von Gott“ und diesmal ist der Titel „Zurück im Paradies“. Da ja bestimmte aktuelle Themen und Motive des Vorgängerwerkes auch wieder eine Rolle spielen, könnte man meinen, dass es als direkte Fortsetzung konzipiert ist. Trifft das zu?

- Klar, gibt es da Themen die mich nach wie vor beschäftigen, aber für das Buch hatte ich einen anderen Titel vorgesehen, der dem Verlag aber nicht so gefiel. Nun hat das wieder vom Titel her so einen theologischen Touch erhalten. * lacht* Den Titel den ich da im Sinn hatte nehm’ ich jetzt dann einfach für meine nächste CD.

Man merkt ja auch beim Lesen vor welchem zeitlichen Background das Buch entstanden ist. Haben da die WM in Deutschland und die Papstwahl eine große Rolle gespielt, als du angefangen hattest zu schreiben?

- Das war halt gerade alles recht aktuell und das fließt schon immer recht stark mit ein wenn man gerade dabei ist neue Geschichten zu schreiben. Da kommt das dann drin vor, auch wenn man das nicht von Anfang an mit eingeplant hat.

Speziell bei „Zurück im Paradies“ fällt ja auf, dass das Buch und du auch in letzter Zeit öfter im Fernsehen präsent sind. Zum Beispiel ja auch bei der ZDF-Reportage über die Leipziger Buchmesse. In dem Beitrag war ja die Moderatorin eher unvorbereitet und wirkte irgendwie fehl am Platze. Nervt so was?

- So Fernsehauftritte sind ja nicht so mein Ding. Man macht das halt, weil sich der Verlag davon ja auch was verspricht. Zum Beispiel war ich gestern auch bei Dreharbeiten zu einem Beitrag über das Buch beim Polylux-Magazin. Mal schauen wie das geworden ist. Den ZDF-Beitrag, den du da ansprichst hatte ich jetzt danach aber nicht mehr gesehen. Wusste jetzt nicht, dass die den so gesendet hatten. Wenn solche Sachen etwas peinlich werden, weil der Gesprächspartner nicht vorbereitet ist, dann versucht man halt das so ein bisschen überspielen und umzulenken. Da weißt du dann, dass gut 100 Leute im Publikum sind, die mehr wissen als die Moderatorin und auf die konzentrierst du dich dann. Da ignoriert man die Moderation und richtet sich direkt ans Publikum um den Leuten was zu erzählen was dann okay ist. Wenn die Moderatorin oder der Moderator blöd sind lässt man die besser links liegen. Auf Mist eingehen bringt ja nichts.

Wie stehst du generell zum Thema Fernsehen? Gab es da auch schon Angebote für Shows oder Arbeiten, die man dir angeboten hat und die dir zugesagt haben?

-Ich hab mich da eher immer gesperrt. Früher gab’s da mal mehr Interessantes. Charlotte Roche fand ich sehr okay und auch - mit Einschränkungen - die Shows von Sarah Kuttner. Da hört es aber dann schon auf. Jetzt, nachdem es die nicht mehr gibt, wüsste ich keine Sendung in die ich gerne gehen würde. Aber jetzt, wie beim neuen Buch, da sagt dir der Verlag, dass so was ja auch was bringt. Da hatten wir uns ja sogar drüber gestritten. Ich war ja mal bei so einer Talkshow von Radio Bremen und danach gingen die Verkäufe auch hoch. Da hab ich gesagt, dass das daran lag, dass meine Fans die Bücher kaufen weil die die ja nicht auf CD zuhause brennen können. Aber die meinten, dass das daran lag, dass ich in der Show da war. Im Moment sieht das so aus, als wenn der Verlag aber eher Recht gehabt hätte. So ist Fernsehen halt: Man erreicht damit einfach viel mehr Leute. Wenn du ne gewisse Popularität im Fernsehen hast, da kaufen die Leute dir jede Scheiße ab, so wie bei Ulrich Wickert. Leute die Wetterkarten vor der Kamera aufsagen können auch ein Buch verkaufen. Das ist leider so. Das frustriert schon, wenn man sieht, dass die Leute ein Buch nicht kaufen, weil die da eine Qualität sehen, sondern einfach weil die dein Gesicht im TV gesehen haben und daraus schließen, dass das Buch einen gewissen Wert haben muss. Man sagt den Leuten so was gut oder schlecht ist. Leider!

Schlägt sich so was denn auch beim Publikum nieder? Zum Beispiel bei Lesungen, bei denen man genau weiß, dass gewisse Leute nur durch den TV-Auftritt kommen und zuhören?

- Manchmal bekommt man so was dann auch mit, wenn so ältere Pärchen zum Signieren kommen und so. Da weißte dann, dass du die nie sonst irgendwie erreicht hättest. Wenn die da ihre Gründe haben ist das schon okay. Das ist so ein Zwiespalt- Machste nichts, dann verkaufste weniger. Da sagt dann keiner „ Der Funny ist aber toll, der gibt sich nicht für jede Scheiße her“ und die Leute finden das toll. Kommste leider nicht vorwärts. Das sind die Lorbeeren die man da erntet.

funny

 

 

Du machst ja Musik genauso wie du schreibst und malst. Kann man da so sehen, was da am meisten von Absatz findet bei den Leuten?

 

 

- Durch diese TV-Sachen laufen halt die Bücher ganz gut. Beim Malen hinke ich da schon am meisten hinterher. Das liegt daran, dass ich mich nicht in diesen Kreisen bewege die da den Absatz sichern würden. Das brauche ich auch persönlich nicht. Entweder der Erfolg stellt sich so ein, oder auch nicht.. Bei der Musik pendelt sich das so ein. Werden nicht weniger Leute, die das mögen, aber auch nicht soo viel mehr. Da ist halt keine Gefahr gegeben, dass ich Mainstream werden könnte. * lacht* Der Erfolg ist immer so, dass mich das motiviert weiter zu machen. Der ist nie so riesig, aber auch nie wirklich weg.

 

 

Gab es da auch schon mal Probleme bei dir mit der Familie und der Kunst? So, dass deine Frau mal gesagt hat, dass du besser was machen solltest wobei man mehr verdient?

 

 

- Meine Frau steht da immer voll hinter mir, sonst ginge das auch gar nicht so. Sie ist ja auch mein größter Fan und wenn das nicht so wäre, hätten wir uns sicher schon böse zerstritten. * lacht* Die ist aber auch schon sehr kritisch manchmal. Wenn ich da Orientierung brauch frage ich sie dann einfach und dann geht’s wieder.

 

 

Wenn man mal die Geschichten in „Zurück im Paradies“ so sieht und mit denen in den vorangegangenen Büchern vergleicht, so fällt auf, dass diesmal die Geschichten weitaus kürzer ausgefallen sind als sonst.

 

 

- Ja, das mit der Kürze ist schon so eine Sache. Die werden echt von Buch zu Buch immer kürzer und es ist schon zu befürchten, dass da bald nichts mehr vom Funny kommt. * lacht* Ja, weiß ich nicht. Das ist ja nicht geplant und ich mach das so wie’s kommt: Wenn sich das so ergibt, dann ist das so. Ich habe in letzter Zeit immer mehr so ganz kurze Sachen gemacht. Mal sehen…Bin da mehr so der Mann für die Kurzen und so was wie Romane könnte ich eigentlich nicht so schreiben. Das verbindet mich da schon mit Punk. So diese kurze und heftige Sache und zack! Das kommt halt immer auf die Geschichte an. Irgendwann gibt’s da so nem Impuls und man kommt zu nem Ende. Das endet dann meist recht abrupt, mit einer Pointe oder ganz verwirrt. Ich hab da auch Geschichten, die kann ich niemanden zumuten, weil mir die selbst schon fast zu blöd sind. Ich hab da auch massig Songtexte, die zwar schön sind, aber unsingbar.

 

 

Gibt es auch Geschichten, die nicht mit ins Buch kommen, oder Songs, die es nicht auf deine CDs schaffen und du dich nachher darüber ärgerst, dass sie nicht veröffentlicht wurden?

 

 

- Genau darüber wollte ich gerade noch was sagen. Ich muss sagen, dass ich da manchmal auch ziemlich uneffektiv arbeite. Wenn ich zum Beispiel an einer neuen CD arbeite, dann bleiben da immer viele Ideen, Melodien und Fragmente über. Da gibt es dann immer so über 100 Sachen, die zur Wahl standen. Das ärgert mich dann schon, wenn da zuviel liegen bleibt. Wenn dann nachher so 20 bis 25 Songs überbleiben denke dich dann: Ja, schade, wäre besser wenn ich mehr auf den Punkt arbeiten könnte. Das wäre schön, wenn man das alles etwas genauer fassen könnte. Da arbeite ich schon zu sehr ins Kraut. Scheinbar bin ich da noch nicht soweit. Bei den Büchern ist das so, dass ich vorher schon aussortiere und wenn der Verlag meint, dass es wieder Zeit für ein neues Buch ist, reiche ich das ein.

 

 

Du hast heute während der Lesung ja auch ein paar Gedichte vorgetragen, die bisher ja noch unveröffentlicht sind. Kann man damit rechnen, diese gesammelt auch bald in Buchform zu bekommen?

 

 

- Da ist noch nichts geplant. Ich habe ja viele Gedichte und da müsste man mal durchchecken was okay und brauchbar ist. Eine Veröffentlichungen fände ich da auch recht schön: So nen’ Gedichtband mit ein paar Zeichnungen und so.

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