UWE BOLL INTERVIEW
Vor knapp vier Wochen hatte das UCI in Bochum zur Sneak Preview eingeladen und angekündigt, dass wohl auch der Regisseur des Filmes selbst anwesend sein würde. Aus dem Presse-Letter des Verleihs ging hervor, dass der gezeigte Film auf den Namen "POSTAL" hören würde und niemand geringeres als Uwe Boll selbst auf den Weg zum Kino wäre. Nach kurzer Rückfrage bei Uwe selbst stand der Termin fest und so machte ich mich mit Chris Neumann und Kollegen Björn auf, um das lange erwartete Aufeinandertreffen mit Uwe Boll zu bestehen. Um es kurz zu machen: POSTAL gefiel uns außerordentlich gut und mit Uwe Boll selbst hatten wir auch eine Menge Spass ganz ohne Hauerei. Hier nun brandaktuell das (unzensierte) Interview rund um den bald startenden Film POSTAL.
-Ist Postal eigentlich schon bei Festivals in den USA gelaufen?
In den USA startet POSTAL erst im Oktober. Auf Festivals ist er bis jetzt in San Francisco, L.A. und New York gelaufen. Ebenfalls in Kanada, in Toronto und Montreal. Der Film hat sehr viele Festivaleinladungen bekommen. In Amerika stehen noch Texas und Idaho auf dem Programm.
-Wie waren die Reaktionen auf den Film dort, wo er schon lief?
Der ist dort sehr gut beim Publikum angekommen. Man muss das aber auch so sehen, dass bei Festivals immer sehr viele Leute im Kino sitzen, die Grenzwertiges sehen wollen. Aber auch normale Presse war dort vor Ort. Ein Typ vom San Francisco Cronicle kam nach der Vorstellung dort zu mir und meinte: "Scheiße, jetzt habe ich bis jetzt alle deine Filme verrissen und jetzt muss ich mal eine gute Kritik schreiben."
Der fand den gut! So eine Scheiße, aber auch. *lacht*
POSTAL ist in diesem Sinne ganz anders als die Filme davor. Das ist zwar auch eine Videospiel-Verfilmung, aber diesmal ja auch eine Komödie. Also kein Horror- oder Actionfilm. Klar, es wird sicherlich pausenlos rumgeballert, aber das Ganze ist mehr auf lustig getrimmt. Viele, die den Film sehen sind dadurch ja recht überrascht. Die rechnen bei so einem Film mit was anderem, nur dann sehen die da was, was eher in Richtung DIE NACKTE KANONE trifft MONTY PYTHON ist. Ich glaube, dass der Film jetzt auch ankommt, da die Leute einerseits den Hals voll haben, von dem ganzen politischen Mist. Bush, der Irak-Krieg und diese Scheiße. Und POSTAL ist der einzige Film momentan, der so politisch Stellung bezieht. Diese ganzen sonstigen Hollywood-Komödien sind ja alle so Date-Movies. Ben Stiller Filme und jetzt aktuell auch KNOCKED UP - Die sind alle ganz witzig, aber ja eher unpolitisch. Da kommt POSTAL ja jetzt dann zur richtigen Zeit.
- War der Stoff der Vorlage jetzt für dich die Gelegenheit dich kreativ mal radikal auszuleben?
Nach den ganzen Jahren, in denen ich die Drehbücher anderer Leute verfilmt habe, war das diesmal was anderes. Seit HOUSE OF THE DEAD habe ich ja selbst keine Drehbücher mehr geschrieben. Da ist man froh, sich wieder hinzusetzen und selbst wieder zu schreiben. Das war für mich persönlich auch sehr wichtig. Die Bücher zu SEED und POSTAL habe ich gleichzeitig geschrieben. In SEED sind der ganze Hass und die negativen Emotionen mit eingeflossen. Der Film ist superhart und ein brutal düsterer Horror-Film geworden. In POSTAL kamen dann die positiven Energien rüber, wo ich die Sachen ins Witzige gedreht habe. Ich hätte POSTAL nicht so witzig schreiben können, wenn ich nicht gleichzeitig SEED geschrieben hätte. Je nach Gefühlslage habe ich immer das Drehbuch gewechselt.
- SEED ist ja auch ein sehr ambitionierter Film von dir. Die von dir dort angesprochenen Themen darin sind ja auch die Todesstrafe oder Tierquälerei.
Gestern hatte SEED ein Screening in London und anschließend fragte ein Zuschauer mich, was ich denn mit dem Film sagen wolle. Ich meinte, ich will damit gar nichts sagen, aber wie fühlst du dich denn nach dem Film? Tja, und die meisten Zuschauer fühlten sich nach SEED ziemlich scheiße. Genau das will ich sagen! Ich will damit was erzeugen. Ich will das die Leute dann dort total paralysiert sitzen. Bei SEED gibt es zum Beispiel eine Szene, in der einer Frau mit einem Hammer fünf Minuten lang der Kopf zertrümmert wird. Da ist kein Schnitt in der Szene vorhanden und das ist die härteste Szene im Film. Normalerweise ist das so, dass die Horror-Fans so weit abgehärtet sind, dass sie über viele harte Szenen lachen. Beim Screening von SEED beim WEEKEND OF FEAR saßen über 600 Leute im Saal und es wurde immer leiser. Am Ende des Films herrschte totale Stille und einer der Besucher sagte nur ganz geknickt: "Fuck!"
Man hat zwischen all den Leuten diese eine Stimme quer durch den Sall vernommen. Da hat keiner mehr gelacht. Bei meinen Filmen sagte man sonst ja immer, "Das ist cheesy Horror". Bei HOUSE OF THE DEAD hat man das auch gesagt, aber das ist ja kein Horror-Film, sondern ein Action-Zombie-Film. Klar, ist da Splatter drin, aber jetzt nichts wo ich die Leute mit gruseln will. Mit SEED wollte ich dem entgegen aber endlich mal was machen, bei dem keiner mehr lacht. Ein Film, der einen wirklich kriegt. Bei POSTAL war es so, dass dieser Film dann so eine Art von Befreiungsschlag geworden ist. Diese ganze scheiß Zensur und so. Wir nehmen doch alle nur noch Rücksicht auf irgendwen und irgendwas seit 9/11. Alle scheißen sich in die Hose vor irgendwelchen Moslems, Bush, vor dem Irak-Krieg oder der globalen Erwärmung. Irgendwann ist das mal gut damit und dafür habe ich dann diesen Film gemacht. Man muss einfach nicht die Grenzen, die andere einen setzen akzeptieren. Ich empfinde es so, dass ich persönlich in meiner Freiheit pausenlos beschnitten werde, durch diesen religiösen Quatsch von anderen Leute. Wir werden dauernd angehalten dazu Rücksicht zu nehmen, aber wer bitte nimmt denn auf uns Rücksicht? Diese Absurdität; einerseits hat man Bush mit seiner Gruppe von Ultra-Christen, die glauben, dass Gott die Welt in sechs Tagen aus Erde geformt hat und die geistesgestörten Fundamentalisten auf der anderen Seite. Das erweckt den Eindruck, dass nur die Extremen die Weltpolitik machen und wir dazu angehalten sind nur noch zu folgen. Klar, manche sagen, dass wir Deutschen da bei den Kriegen nicht aktiv mitmachen, aber es kommt auch niemand mal darauf, George Bush bei einem G8-Gipfel was auf die Fresse zu hauen, oder ihm zu sagen, dass er ein Lügner ist und in den Knast muss. Im Prinzip sagt niemand was gegen die USA. Die sind halt die größte militärische Macht und die Leute kuschen. Es ist an der Zeit mal zu zeigen, dass sowas einfach nicht geht.
Als POSTAL in Seattle lief, waren die Amis natürlich zuerst geschockt, aber ich meinte dann zu denen, dass 80% der Anwesenden Bush hassen. Ich würde da noch weiter gehen und behaupten, dass der Mann uns eine Entschuldigung schuldet. Der mann hat acht Jahre lang Amerika regiert und wurde von der Rüstungsindustrie unterstützt. Das ist nicht damit getan, dass er danach einfach abtritt und weg ist. Der muss sich entschuldigen beim Rest der Welt und das Geld zurück zahlen, das er den vereinten Nationen noch schuldet. So was thematisiert aber niemand.
In Düsseldorf hat mich schon wieder so ein Journalist gefragt, ob ich mit dem Film nicht zu weit gehen würde. So eine Frage schon wieder. Was befähigt so einen Menschen denn zu so einer Frage? Anstatt, dass der sich mal gefragt hätte, warum POSTAL der erste Film seit dem 11. September ist, der mal wirklich Eier hat. Man muss mal wirklich mit dem Hammer draufhauen und nicht immer so eine schwule Scheiße, wie Will Farell auf Schlittschuhen präsentieren. So was ist einfach nur Scheiße! Wenn POSTAL ins Kino kommt, glaube ich, dass da in 1-2 Wochen bald jeder drüber reden wird. Die einen werden rausgehen und sagen, "Was für eine Scheiße !" und die anderen werden sagen "So etwas gibt's doch gar nicht !" Das ist wichtig. Endlich mal ein Film mit einer ganz anderen Thematik, über die die Leute reden wollen und müssen. Einfach, dass POSTAL aufzeigt, was man mit Film machen kann.
- Glaubst du, dass POSTAL in den USA generell einen schweren Stand haben wird, da die Leute von vornherein der Thematik nicht aufgeschlossen sind?
Ich denke, dass der Film in Deutschland und England größere Chancen hat. Allein weil hier natürlich überhaupt keiner Sympathie für Bush empfindet. Der würde hier doch keine 2% Stimmen bekommen. Es geht ja nicht nur um Bush, sondern auch um ganz andere Sachen. In Amerika ist der Stand an sich einfach schwerer: Vier große Kinoketten zeigen den Film nicht. Da ist man eben etwas limitiert was die Auswertung angeht. Für mich ist das letztendlich egal. Auch wenn der Film nur in Bochum in einem Kino läuft, freue ich miich darüber. Die Leute, die den Film sehen wollen konzentrieren sich dann nur auf ein Kino und POSTAL muss nicht in jeder Stadt mit vier oder fünf Kopien starten. Es ist auch besser, wenn das Kino voll ist, als wen sich das Publikum überall verteilt. Wenn man in Berlin vier Kinos hat, dann reicht das. Es müssen keine zehn sein. So oder so wird die Mundpropaganda dann einsetzen.
- Gibt es bei den Arbeiten in den USA oftmals auch Einschränkungen für dich?
Nein, ich habe das Geld ja selbst zusammen bekommen um einen Film zu machen und brauche da keine Rücksicht zu nehmen. Bei POSTAL war es auch wichtig, einen Film zu machen, der nie von einem Hollywood-Studio realisiert werden würde. Ich habe den fertigen Film dem Sony-Chef gezeigt und der Typ hat sich kaputtgelacht, als der den gesehen hat. Danach kam allerdings die Ansage: "Den können wir auf keinen Fall ins Kino bringen." Da hab ich ihn gefragt, warum er meinen Film nicht bringen kann, obwohl er ihn ja augenscheinlich als witzig angesehen hat. Ich meine, die Zuschauer wollen ja mal auch was anderes sehen, als diese Hollywood-Massenware. Wenn ich zum Beispiel nur in so Sachen wie TRANSFORMERS, BOURNE CONSPIRACY oder RUSH HOUR 3 gehe - Also all diese 100 Millionen Dollar-Produktionen- dann wird mir das doch auf Dauer langweilig. So wie bei PIRATES OF THE CARRIBEAN: Den ersten Teil fand ich ganz gut, aber spätestens beim dritten Teil hab ich mir gedacht, dass die den ersatzlos hätten streichen können. Mit dem Zweiten ging es ja schon bergab. Da war gar keine Stimmung mehr. Man hat gemerkt, dass die den Film nur noch gemacht haben um Kohle zu scheffeln. Das ist eben typisch Hollywood. Das Beste was daher noch kommt sind die Zeichentrickfilme. THE SIMPSONS und RATATOUILLE fand ich super. Das sind Filme wo noch richtig gute Gags drin waren. Ich habe mich da halb tot gelacht, denn die Sachen haben wenigstens noch den nötigen Biss, den man bei allen anderen großen Sachen mittlerweile vermisst. Was jetzt POSTAL angeht, so fanden den die SOUTH PARK-Macher ( Trey Parker & Matt Stone) richtig super. Die haben uns gleich angeboten, in SOUTH PARK Werbung für POSTAL zu machen, weil sie so begeistert waren. Ab Oktober kommt ja im US-Fernsehen die neue Staffel von SOUTH PARK und da haben die beiden Typen die Leute vom Sender angesprochen und gesagt, dass POSTAL jetzt Werbung für SOUTH PARK darstellt. Die haben dem Sender halt das ganze anders rum verkauft. Ist natürlich totaler Quatsch, was die dem erzählt haben, aber jetzt präsentieren die On Air dann POSTAL. Die Jungs meinten auch, dass POSTAL ja eigentlich auch wie SOUTH PARK mit realen Darstellern wäre. Das war für mich ein großes Lob. Egal jetzt, wie beschissen bei SOUTH PARK die Zeichenfigürchen dargestellt sind; vom Witz her ist das das härteste was es gibt.
-Wie kommst du eigentlich immer an die großen Hollywoodstars ran, wie Jason Statham oder Burt Reynolds?
Das ist verschieden. Der erste Film von mir, bei dem große Stars mitgewirkt haben, war ja ALONE IN THE DARK. Der Christian Slater fand das ja sofort gut. Der war zu dem Zeitpunkt in einem Karrieretief und hat nachdem er das Drehbuch gelesen hatte sofort zugesagt. Und da er aus der selben Agentur kommt wie die Tara Reid und der Stephen Dorff, waren die somit auch an Board. Ben Kingsley bei BLOODRAYNE, hatte mir erzählt, dass er schon immer einmal einen Vampir spielen wollte und hat daher auch zugesagt. Der hatte gerade drei Wochen keine anderen Projekte am Start und als er dabei war, haben sofort Michelle Rodriguez und Michael Madsen auch Interesse gehabt dabei zu sein. Oder auch Meat Loaf und Billy Zane: Als die hörten, dass Kingsley dabei ist, waren die plötzlich da.
Jetzt bei DUNGEON SIEGE war das erste Drehbuch ausschlaggebend. Das wurde nach dem Einreichen in den Agenturen so gut bewertet, dass die Besetzung kein Problem darstellte. In den US-Agenturen ist das ja so, dass jedes Drehbuch nach Ansicht einer Bewertung unterzogen wird und wenn die gut ausfällt, bekommt man auch den Cast zusammen. Wenn man mal überlegt, wer jetzt alles dabei ist: Jason Statham, Claire Forlani, Burt Reynolds, John Ryes-Davis, Christana Lokken. Ich wüsste keinen Fantasy-Action-Film, der je so gut besetzt gewesen wäre.
- Ist es für dich eigentlich jetzt schwer, nach den ganzen Videospiel-Verfilmungen, die überall im Internet gebasht und zerrissen werden, als individueller Regisseur mit eigenen Ideen Ernst genommen zu werden?
Zum einen gab es ja auch berechtigte Kritik an ALONE IN THE DARK oder HOUSE OF THE DEAD und daraus habe ich auch Konsequenzen gezogen. Seit der Kritik an ALONE IN THE DARK haben wir ganz anders damit angefangen unsere Drehbücher zu entwickeln und besonders beim kommenden DUNGEON SIEGE oderr auch FAR CRY merkt man das auch wieder extrem.
Dann gibt's halt auch diese Sache, von wegen, dass ich das Feindbild Nummer Eins bei Leuten bin. Speziell in Amerika gibt es viele Leute, die in der IMDB.de jetzt meine Filme absichtlich mies bewerten, ohne sie gesehen zu haben. Die Kehrseite der Medallie ist ja: Wenn jemand sich wirklich für einen ernsthaften Journalisten hält, dann muss der unvoreingenommen jeden Film eine neue Chance geben. Nicht jetzt wieder denken, "Oh Gott! Der Boll hat wieder einen Film gemacht", oder so etwas. Und das ist eben die Sache die mir spätestens bei BLOODRAYNE tierisch auf den Sack gegangen ist. Ich meine, HOUSE OF THE DEAD, ALONE IN THE DARK und BLOODRAYNE sind drei grundverschiedene Filme und jeder gehört einem anderen Genre an. Wer das jetzt alles einfach als Ed Wood-Scheiße abtut ist einfach nur unfair. Da schießen die einfach übers Ziel hinaus.
Die andere Sacche, die mir auf den Sack geht, ist, dass die meisten Leute, die mich und meine Filme schlecht machen, ja auch solche Fans sind, die auch gerne Filme machen würden und sauer auf mich sind. Ich bin ja jetzt echt nicht bevorteilt worden. Immerhin war ich 34 Jahre alt bevor ich die erste Mark in der Filmbranche verdient habe. Ich habe meine ersten Filme in Deutshland für gerade einmal 70.000 Mark gedreht und bin noch nicht so ein Glückskind wie Eli Roth, der Sohn von Joe Roth, der ja Chef bei Sony war. Roth war ja schon als Kind Multimillionär und erzählte nachher allen Leuten natürlich, wie hart es denn gewesen sei CABIN FEVER zu realisieren. Mein Gott, wie schlimm wenn man das Sony-Equipment umsonst mitbenutzen kann. Was für eine Absurdität das ist, wenn solche Typen auch noch als die großen Independent-Filmemacher gefeiert werden. Oder schau mal Michael Bay - Der Kerl hatte für seinen ersten Film 100 Millionen Dollar zur Verfügung.
Ich seh das nicht ein, dass ich von Leuten fertig gemacht werde, die die bejubeln. Das sind zumeist die Fans, die genau so filmverrückt sind wie ich es war, als ich mit 10 Jahren in Burscheid meine Big Jim-Figuren im Garten hochgejagt habe und das mit Super 8 gefilmt habe. So etwas geht mir nicht in den Kopf, wie die mich fertig machen können.
- Bringt es dir nicht auch ein wenig Spass, wenn du mit deinen Filmen oder in Interviews da auch mal den Spieß umdrehen kannst und gegen die Basher austeilst?
Das kommt ganz darauf an. Was mich zum Beispiel schon aufregt und meinen Ruf schädigt, sind die schlechten Bewertungen auf imdb.com. So was ist scheiße, wenn da meine Käufer draufschauen und noch keine Filme von mir gesehen haben. Gerade auch bei DUNGEON SIEGE: Der hat da im Moment eine 2.0 bekommmen, obwohl ihn noch niemand gesehen hat. Die Betreiber von imdb.com hauen mir da auch einen mit rein, indem sie meine Filme schon sechs Monate vor dem Release zur Bewertung freigeben. So was machen die mit anderen Filmen doch auch nicht. Ich habe die mal angeschrieben und mich beschwert, worauf ich aber keine Antwort bekommen habe. Da ist mir und meinen Filmen gegenüber eine totale Voreingenommenheit vorhanden, die über ein normales Maß hinaus geht.
- Glaubst du, dass da allgemein eine Abneigung gegen deutsche Filmemacher besteht seitens der Amerikaner? In POSTAL beziehst du da ja Stellung zu.
Klar, da sage ich ja, dass meine Filme mit Nazi-Gold finanziert sind. Ab und zu muss man ja auch mal die Wahrheit sagen. Die Sache an sich ist ja, dass man als Deutscher in Amerika generell einen schweren Stand hat. Die Filmemacher dort halten ja schon eher zusammen. Da gibt es durchaus Gründe, warum Petersen und Emmerich ihre Filme mit diesen ur-amerikanischen Patriotismus-Elementen versehen. Obwohl Emmerich zuletzt ja mit THE DAY AFTER TOMORROW angefangen hat kritischer zu werden. Seit dem hat er es auch schwieriger.
- Petersen biedert sich mit seinen Stoffen zu sehr an.
Ja, mit so einer Scheiße wie POSEIDON. So was kann sich doch kein Mensch angucken. Das Original ist um Welten besser. Überhaupt alle Hollywood-Filme von Petersen sind großes Unterhaltungskino, aber wirklich super finde ich davon keinen einzigen. Da war nichts bei, wo ich gesagt hätte: "Boaah, leck mich am Arsch, was für ein Meisterwerk.
Scotts GLADIATOR war ein absolut toller Film, aber Petersens TROJA war nur okay. Nichts wovon man noch Jahre später reden würde. Am schlimmsten fand ich AIR FORCE ONE. Das ist ganz im Sinne der Amerikaner. Selbst wenn die noch kritische Filme machen, so sind die auch noch super patriotisch. Das ist schade. Jetzt aktuell auch SHOOTER mit Mark Wahlberg- Der Film hat einen tollen Ansatz, aber letztlich geht es auch wieder um einen braven Soldaten, der dem Vaterland dient. Da wird der korrupte Senator dann fertig gemacht und alles andere nicht mehr in Frage gestellt. Der Film kippt leider ab der Mitte und wird zunehmend unlogischer. Wie geht das, dass ich im ganzen Land gesucht werde und plötzlich ein riesiges Kontingent an Waffen dabei habe in der nächsten Szene? Kauft er die Knarren da an der Tankstelle?
Für mich ist es wichtig, dass man da mal kontra gibt und etwas subversiver arbeitet. Ich bin gespannt, wie die Leute in zehn Jahren über meine Filme denken. Allein wenn man die Kino- und Videokritiken von ALONE IN THE DARK vergleicht: Video Woche schrieb zum DVD-Start, "Ein actiongeladener Film" und die Rheinische Post meinte zum Kino-Release, "Eine unfassbare Scheiße.." Total verschieden. Letztens als mein Film auf Pro7 lief, hatten mich verschiedene Leute angerufen und sagten, "Der Film ist doch gut". Die dachten vorher auch, dass das eine totale Scheiße wäre. Sind beim Zappen hängen geblieben und konnten nicht fassen, warum denn gerade der Film so zerrissen wurde. Vergleich den doch mal mit ELEKTRA oder ULTRAVIOLET. Das ist mal richtiger Müll, bei dem man sich fragen sollte, ob die Macher geistesgestört sind.Warum bekommen meine Filme denn dann schlechtere Bewertungen? Ich schaue mir im Kino echt diese ganzen Filme an und kann schon beurteilen, wo meine Filme qualitativ stehen. Es ist mir auch klar, dass ein ALONE IN THE DARK nicht da steht, wo MATRIX steht. Wenn ich zum Vergleich dann ELEKTRA, ULTRAVIOLET oder RESIDENT EVIL heranziehe, kann ich nicht sagen, dass ich vor diesen Filmen viel schlechter da stehe.
- Warum sehen die Fans das dann zumeist anders?
Speziell die Video-Game-Typen sind gar nicht mehr kompromissbereit was so etwas angeht. Bei einem POSTAL-Screening in den USA haben die Leute mich 20 Minuten lang ausgepfiffen und die ersten zehn Minuten des Films durch hat das angehalten. Ich habe mich da auch nicht irritieren lassen. Die haben sich nicht einmal auf den Film einlassen wollen. Ich war extra sechs Stunden angereist. Dann habe ich in den Saal gefragt, was die Jungs und Mädels denn bei HOUSE OF THE DEAD besser gemacht hätten. Ich wollte endlich mal wissen, was für Ideen die Gamer selbst gehabt hätten. Da stand dann einer auf und sagte: "Das ist scheißegal! Du hättest das Game nie verfilmen dürfen!" Tolle Meinung! So etwas ist doch total unqualifiziert. Nicht etwa, dass da jetzt jemand eine tolle Story vorgeschlagen hätte. Nein, einfach nur Hass, was man da bekommt. Die Leute glauben, dass man ihre geliebten Babies da tötet und ihnen die Illusionen raubt. Weil ich gerade so viele Game-Adaptionen gemacht habe bin ich für die zur Zielscheibe Nr. 1 geworden. Hätte ich nur einen Film gemacht, der auf Video-Spielen basiert, wäre das sicher nicht so weit gekommen. Nach ALONE IN THE DARK ging es da angehend ja erst richtig los mit Parolen, wie "Stoppt Boll".
- Du machst alles selbst bei deinen Filmen. Egal jetzt, ob Drehbuch, Regie, Finanzierung und Vermarktung. Hast du da eigentlich noch etwas Freizeit?
Das spielt natürlich alles in mein Privatleben mit rein. Man kann halt keine Sachen nur halbherzig machen. So etwas wie Filme schon garnicht. Seit 1999 habe ich eigentlich jeden Tag gearbeitet. Selbst an den Wochenenden. wenn ich nur mal einen Tag meine E-Mails nicht beantworte, dann staut sich das auf und ich verliere den Überblick. Es ist halt nicht nur damit getan, die Filme zu drehen. Da muss man schon komplett hinter stehen. Es wäre schon ein gutes Gefühl, wenn man den Film im Kasten hätte, Regisseur wäre und sich einfach so im Stuhl zurücklehnen könnte. Andererseits wäre ich "nur" als Regisseur in den Fängen anderer Leute und meine Projekte würden andere Leute gegen mein Naturell verändern. Beim Dreh von SHOOTER, den Antoine Fuqua realisiert hat, waren Leute meiner Crew mit am Set. Hey, der Mann hat einen Spitzenfilm wie TRAINING DAY gemacht und der musste sich jeden Tag am Set vom Paramount-Chef und Produzenten Lorenzo di Bonaventura zur Sau machen lassen. Der Film war anfangs ganz anders konzipiert und der Produzent hat den Regisseur vor der ganzen Crew täglich zusammen gestaucht. So Sachen wie "Halt deine Fresse, ich sag dir wo die Kamera jetzt hinkommt!" So ist der mit dem Regisseur umgegangen. So was kann man mit mir einfach nicht machen. Dem Typen würde ich die Fresse einhauen. Der Fuqua braucht aber anscheinend Kohle und hat die bittere Pille schlucken müssen und sich jeden Tag rund machen lassen von dem. Das ist recht depremierend wenn man das hört, aber so ist Hollywood eben. Ich bin schon froh, dass ich solche Probleme nicht habe, da alles bei mir aus einer Hand kommt.
