Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull
Die Atombombe zerreißt die auf dem Testgelände aufgebaute Siedlung und selbst die Marines, die mit dem Auto auf der Flucht sind, werden von der Druckwelle ins Jenseits befördert. Über sie hinweg fliegt ein Kühlschrank, der einige hundert Meter weiter auf den Boden knallt. Der Mann, der unversehrt dort heraus steigt, hebt seinen Hut vom Boden auf und blickt gen Himmel. Am Horizont baut sich ein Atompilz auf – Willkommen zurück, Dr. Jones!
Das Flehen der Fans hat nach 19 Jahren endlich ein Ende gefunden, denn unser aller Lieblings-Archäologe Henry Jones Jr. greift wieder zu Hut und Peitsche. Bereits 1992 hatten die Mannen um George Lucas und Steven Spielberg ein Skript gezimmert, dessen Hauptaugenmerk der Suche nach der versunkenen Stadt Atlantis galt, und das letztlich - in der Form eines Point-and-Click-Adventures umgesetzt - die Computer-Spiel-Fans nachhaltig begeistern sollte. Es machten Gerüchte die Runde, dass das aus der Lucas Arts-Schmiede stammende Game die Vorlage für die nächste cineastische Jagd nach Artefakten darstellen könnte, doch im Laufe der Zeit wurde eine filmische Umsetzung von „Fate of Atlantis“ immer unwahrscheinlicher. Mit Lucas als ausführenden Produzenten und Spielberg auf dem Regiestuhl darf der Vater aller Abenteurer jetzt endlich wieder über die Leinwand springen und peitschen: Statt Atlantis geht es bei „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“ allerdings auf die Suche nach der goldenen Stadt Eldorado.
1957: Knapp zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit Indiana Jones (Harrison Ford) gemeinsam mit Sallah, Marcus Brody und seinem Vater gen Horizont ritt. Die Wettrennen gegen die Nazi-Expeditionen sind ebenso Geschichte, wie auch das recht unbeschwerte Leben als Lehrkraft am Marshall College. Nach dem Tod von Marcus prangt eine Statur zu seinem Gedenken vor der Lehranstalt und an Indys Vater erinnert ein Foto auf seinem Schreibtisch. Als Jones auch noch nach einem Zwischenfall auf dem Gelände der Area 51 seinen Lehrstuhl einbüßt, beschließt er nach Leipzig zu reisen um dort seine Tätigkeiten als Professor der Ägyptologie und Archäologie fortzuführen. Weit kommt Indy dann aber doch nicht, denn der Teenager Mutt (Shia LaBeouf) kreuzt seinen Weg und berichtet davon, dass Jones’ einstiger Studienfreund Professor Oxley (John Hurt) verschwunden sei. Verfolgt von einer sowjetischen Armeetruppe um die Parapsychologin Dr. Spalko (Cate Blanchett) macht sich das Duo daran, den vermissten Freund aufzuspüren.
Kaum ein Film seit Lucas’ „Star Wars-The Phantom Menace“ war mit solch einer Erwartungshaltung konfrontiert worden, wie „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“. Der Pessimismus der sich seit der Sichtung der Prequels des Mannes von der Skywalker Ranch eingestellt hatte, war auch maßgebend, als die neusten Abenteuer Indys von offizieller Seite aus bestätigt wurden. Würden etwa der Look , die neuen Figuren und die Story ähnlich bei den Fans für Unmut sorgen wie einst Jar Jar Binks und die krude Star Wars-Vorgeschichte? Würde Shia LaBeouf etwa genauso fehlbesetzt sein wie ein Hayden Christiansen, der den Anakin-Charakter mit seiner schauspielerischen Talentlosigkeit zur Lachnummer degradierte?
Trotz der überwiegenden Durchschnittlichkeit welche Spielberg in den letzten Jahren auf die Leinwand brachte, zeigt sich Hollywoods einstiges Wunderkind bei der Wiederbelebung der Jones-Franchaise glücklicherweise wieder in Top-Form.
Die Nazis als Gegenspieler hat Spielberg endgültig ad acta gelegt und den WW II. ausgiebig in seinen „seriösen“ Filmen behandelt. Von daher kaum verwunderlich, dass Indy nun in Zeiten des Kalten Krieges seine Peitsche schwingen darf und sich mit den Sowjets ein Rennen um einen mysteriösen Kristallschädel liefert.
Nach bewährten Rezept dient der McGuffin um die Suche nach dem Kristallschädel der Zusammenführung zweier Generationen und wieder einmal mehr trotzen die haarsträubenden Action-Sequenzen jeglichen physikalischen Gegebenheiten. Innerhalb des Indiana Jones-Universums macht das sogar Sinn. Auch wenn diesmal zahlreiche CGI-Effekte zum Einsatz kommen, fühlt sich die Mischung aus Selbstreferenzen, üblichen Klamaukeinlagen und Verfolgungsjagden homogen an. Waren es bei den Vorgängern noch die Action-Serials der 30er Jahre, so würdigen Spielberg und Lucas nun die Science-Fiction-Streifen der 1950er Jahre und reichern diese mit den bekannten und beliebten Zutaten der Vorgänger-Filme an. Ein Film für die Fans hatten Lucas und Spielberg versprochen – und genau das ist Kingdom of the Crystal Skull letztlich auch geworden. Einzig die Schlusssequenz kann das Niveau der vorangegangenen zwei Stunden nicht ganz halten und versteht sich eher als Zugeständnis an die „Notting Hill“-Fraktion.

