Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

14.06.2006 um 22:32 Uhr

Buch-Kritik: Menschenverachtende Untergrundmusik

von: Fabse



Welche Funktion übt Todesfaszination und ihre ästhetischen Aufarbeitung innerhalb der Subkulturen des Heavy-Metal aus und was steckt hinter der vermeintlichen Provokation und der oftmals angekreideten Geschmacklosigkeit dieser Art von Entertainment? In seiner unter dem Titel „Menschenverachtende Untergrundmusik?“, im Telos-Verlag erschienenen Magisterarbeit „Todesfaszination zwischen Entertainment und Rebellion am Beispiel von Gothic-,Metal- und Industrialmusik“ versucht Philip Akoto dies analytisch auszuarbeiten. Im Gegensatz zur implizierten Erwartungshaltung, den der von Funny van Dannen entliehene Buchtitel wecken mag, verbirgt sich hinter der 120 Seiten starken Lektüre eine recht terminilastige Aufarbeitung der Subkultur, die sich durchweg an soziologisch interessierte Leser richtet. Die analytischen Handwerkzeuge und Ansätze mit denen sich Akoto der Materie nähert finden sich im Strukturalismus Bourdieus ebenso, wie sie sich der kulturkritischen Theorie der Frankfurter Schule auf der Gegenseite verpflichtet fühlen. Rebellion, Generationskonflikte und neomarxistische Thesen treffen hier auf die Subkultur und eine Auswahl ihrer individuellen Sprachrohre, deren Motivation für die verwendeten Ästhetiken unterschiedlicher kaum sein könnten.

Nach einer einführenden Definition des Subkultur-Begriffes widmet sich Akoto dem Tod und Sterben in der gegenwärtigen Medienkultur. Kurze Einblicke in die ästhetischen Grenzgänge von Film, Fernsehen und Literatur der Gegenwartskultur leiten über in die „düsteren“ Welten der Musikszene bevor exemplarische Vertreter ihrer jeweiligen Unterart der Extrem-Musikszene näher beleuchtet werden. Neben den Cover-Artworks des Trash-Metal (Stichworte: Cannibal Corpse , Carcass“) wartet die Gothic- Front mit der Band Thanateros und einem Interview ihres Frontmanns auf. Inwiefern die subversiven Eskapaden der Industrial-Band Grey Wolves und ihre diskussionswürdige Symbolik zu verstehen sind untersucht der Soziologe und Metal-Musiker auch zeitweilig, bevor die politische Subversion der US-Band Sacred Reich angegangen wird. Dem folgenden Tierschutz im Death Metal verschriebenen Musikern von Cattle Decaption wird hingegen auch der unbedarfteste Leser etwas an Message vermittelt und Dissection runden die Untersuchungen im Bereich des Blac Metal ab. Gerade hier bleibt der Autor allerdings etwas oberflächlich und reißt die nordische Pagan-Bewegung weniger als erwartet an. Allein die kurz vorgestellten Ikonen der NSBM -Strömung wie Varg Vikernes, Absurd oder (bedingt) dieBand Mayhem wären ein Extra-Kapitel wert gewesen. Auch ein Abstecher in den Bereich Viking-Metal lässt Akoto missen. Gerade hier wären die fließenden Grenzen innerhalb der Subkulturbildung von Interesse für die abschließenden Untersuchungsergebnisse gewesen. Das reich bebilderte Buch schließt letztendlich mit Literaturverweisen und diversen Anhängen ab. Eine wissenschaftlich interessierten Leserschaft innerhalb dieser Kulturwelten sei diese Veröffentlichung bedingt ans Herz gelegt, da die fehlende Tiefe in einigen Punkten dann doch zu wünschen übrig lässt. Dem 08/15-Musikfreund sei ein Probelesen angeraten.

Philip Akoto: "Menschenverachtende Untergrundmusik?", Münster 2006, 117 S., Volumenpapier, 17 Sw- und 32 Farbabbildungen, br., Bibliographie, einige englische Zitate, Farbcover, ISBN 3-933060-21-4 (ISBN-13: 978-3-933060-21-1), EUR 13,80

Auch zu beziehen unter www.telos-verlag.de . Danke an Dr. Roland Seim für die Unterstützung mit Rezensionsmaterialien für Fabs0rs Medien-und Gezuppelwelt.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Kathleen schreibt am 16.06.2006 um 09:25 Uhr:Passend dazu empfehle ich als vergleichsweise leichteren Nachtisch die Doku \"Metal: A Headbanger\'s Journey\" (Can, 2005 --> oder ), Topscorer auf dem letzten Filmfestival in Rotterdam.
  2. Fabse schreibt am 16.06.2006 um 23:30 Uhr:Hi Kathleen,



    das schaut auf jeden Fall sehr gut aus.

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