FTB-News: Das Omen (2006)
Der Sell-out made in Hollywood geht munter weiter: Mittlerweile hat sich der Kinogänger schon längst daran gewöhnt, dass auf so ziemlich jeden halbwegs erfolgreichen Film der 70er und 80er Jahre eine obligatorische Zweitverwurstung im 21. Jahrhundert folgen muss. Kaum ist ein Schwall an aktuellen Horror-Remakes in die Lichtspielhäuser gespült worden, schon wartet hinter der nächsten Ecke schon das nächste Duzend an noch nicht neu aufbereiteten Originalstoffen. Aktuell flimmern die Neuinterpretationen von „Texas Chainsaw Massacre“ (Immerhin schon das zweite Remake wenn man so will) und „Black Christmas“ über die Leinwand und schon stehen „Hitcher“, „The Hills have Eyes“ und „Friday the 13th“ in den Startlöchern. Solange die Neuauflage von Altbekannten dann noch dem Stoff etwas Neues zufügen kann gilt das Experiment als geglückt. Zumeist allerdings darf man sich damit begnügen, dass seelenlose Kommerzprodukte ohne jegliche kreative Eigenständigkeit aus dem Boden wachsen, die einen erst einmal wieder bewusst machen, dass die Original-Filme nur Kinder ihrer jeweiligen Zeit waren und deren Charme genau darin verortet ist.
Pünktlich zum 30. Geburtstag hat es dann auch Richard Donners „The Omen“ erwischt, der zwar innerhalb der Filmhistorie einen legendären Ruf innehat, aber bei ehrlicher Betrachtung doch nur ein solider Vertreter jener Gattung Okkult-Horror ist, der im Fahrwasser des Erfolges von „The Exorcist“ produziert wurde. Das einzige was die Mär um den in die Welt gesetzten Sohn des Leibhaftigen anderen Epigonen jener Zeit voraus hatte, war ein großartiger musikalischer Score und die morbide Grundstimmung des Geschehens. Da interessierte es auch nicht, dass die schauspielerischen Leistungen –allen voran die von Hauptdarsteller Gregory Peck- eher in der Liga eines Steven Seagal beheimatet waren.
Auch an der inhaltlichen Front gab sich „The Omen“ eher konventionell und erscheint gut drei Jahrzehnte nach seinem sensationellen Erfolg an den Kinokassen schon mehr als antiquiert: Auf dem Weg zum Geburtstermin seines Sohnes wird dem Botschafter Thorn von einem Geistlichen eröffnet, dass die Lendenfrucht eine Totgeburt gewesen wäre, aber alternativ noch ein Findelkind zu adoptieren wäre, dass elternlos in der Klinik auf Liebe wartet. Ohne das Wissen seiner Frau stimmt Thorn dem stillen Austausch zu und holt sich den Sohn des Satans ins Haus. Fünf Jahre später ist der Tausch schon längst verdrängt und während Sohnemann Damians Geburtstagsfeier ereignet sich schier skandalöses: Die Nanny steigt aufs Dach und begleitet vom Lächeln des Thorn-Sprosses wird vor den Augen der Partygesellschaft der fröhliche Suizid begangen. Von da an häufen sich die Merkwürdigkeiten im Hause des Botschafters und mit Hilfe eines Journalisten begibt sich Vater Thorn daran Nachforschungen um die Herkunft des Kindes anzustellen.
Was bitte könnte das Team der 2006er Version jetzt aus dem vorhandenen Minimal-Plot des 76er Originals zaubern? – Aktuelle politische Bezüge, Krieg im Irak und 9/11 reinbasteln sowie ein paar Naturkatastrophen der jüngsten Vergangenheit untermischen, würde jetzt ein Skriptautor vorschlagen. Klasse Idee, schreien die Produzenten und das Dingen ist geritzt. Quasi als Hommage an Gregory Peck und seine furiosen Leistungen fühlt man sich sodann verpflichtet das Casting für das Remake unter dem Banner „Ausdruckslosigkeit statt Talent“ durchzuführen und verschafft sogar noch Woody Allens Ausschussware Mia Farrow ein Gnadenbrot, indem man sie als neue Satanisten-Nanny in den Film schubst. Die Hauptrollen in Form des Ehepaares Thorn also Liev Schreiber und Julia Stiles überantwortet und genau den gleichen Film gebastelt, der schon vor 30 Jahren das Licht der Welt erblickte. Gerade einmal knappe fünf Minuten an Neuerungen haben Einzug in das Remake gehalten: Zum einen darf man erleben, dass der Vatikan in heller Aufregung darüber ist, dass Luzifers Sohn auf die Erde springt, was unter anderem durch die Terroranschläge des 11. Septembers angekündigt wurde, Mrs. Thorn hat ein paar MTV-Clip-Visionen und den berühmt berüchtigten Glasscheibenunfall hat man gegen einen Todesfall ausgetauscht, der von dümmlichen Dachdeckern ausgelöst wird. Last but not least gibt’s noch eine kleine Pyro-Einlage, damit Thorn seinen Botschafterposten erst einmal einnehmen kann. Den Rest des Inhaltes hat man einfach 1:1 rüberkopiert, den ursprünglichen Score von Jerry Goldsmith raus gelassen und fertig ist die aktualisierte Version von „The Omen“.
Die einzigen Erkenntnisse, die die 2006er Version für den Zuschauer bereithält, kann man in Stichwortform festhalten:
1.Stiles und Schreiber gehören in die unterste Schublade ihrer Zunft
2. Eine gute Kameraarbeit kann auch keinen miesen Film retten
3. Auch in der Postmoderne müssen Neuinterpretationen von Schund nicht zwangsläufig große Kunst hervorbringen.
Die unterschwellige Kritik an der Postmoderne durch eine hin gerotzte Zumutung wie diesem Film auszurufen kann als eigentliche Leistung des Streifens und seines Teams angesehen werden. Sämtliche davon abweichenden Lesearten wären vergebliche Liebesmüh oder würden zu der Einsicht führen, dass man versuchen würde dem potenziellen Publikum Dummheit zu unterstellen. Vielleicht wäre es weniger übel gewesen, den 76er Film noch mal in die Kinos zu bringen, anstatt mit diesem Vehikel der Dreistigkeiten ein bodenloses Niveau zu veranschaulichen, das wohl momentan den Trend in L.A. bestimmt.
