Interview mit Stoppok
Der wunderbare Musiker Stefan Stoppok machte, im Rahmen seiner aktuellen Tournee, vor kurzer Zeit auch bei mir vor der Haustür einen Zwischenstopp. Daher gibt es heute mal ein kleines Interview, das ich mit ihm führen durfte. Herzlicher Dank dafür geht raus an Dirk und den sehr lustigen Stefan Stoppok selbst.
Im Sauerland hast du ja ab und an auch Konzerte gegeben im Laufe deiner Kariere. Ist das heute dein erster Besuch in Lüdenscheid?
- Ich dachte eigentlich auch, dass das mein erster Besuch in der Bergstadt ist, aber ich musste mich da eines besseren belehren lassen. Ich war schon einmal 1992 hier und habe im damaligen Jugendzentrum Schillerbad ein Konzert mit meiner Band gegeben. Nach unserem Konzert wurde der Laden allerdings geschlossen, was darauf zurück zu führen war, dass da irgend etwas mit Drogenhandel gelaufen sein soll. Das haben mir zwei Leute erzählt, von denen ich nicht unbedingt glaube, dass die lügen würden. Tja, und da es hier ja nicht unbedingt gute Konzertsäle gibt, hat es etwas länger gedauert, bis ich mal wieder hier her gekommen bin.
Was jetzt deine Konzerte im Sauerland angeht, hast du da nun gewisse Erwartungen, was das Publikum angeht?
- Der Sauerländer ist ein recht normaler Mensch, glaube ich, und von daher habe ich jetzt keine extremen Erwatungen. Wenn ich es recht bedenke, so bin ich ja auch recht selten im Sauerland. Zuletzt war ich in Iserlohn. Das ist jetzt zwei Jahre her und auch daran kann ich mich nicht besonders gut erinnern. Das hat jetzt nichts mit dem Publikum zu tun. Mehr ist das mein persönliches Manko. Wenn man viel rum kommt, dann ist die Festplatte im Kopf immer sehr schnell voll und deshalb räumt ich manchmal unbewusst etwas auf. Ich mache da dann immer den Platz frei und es ist etwas beschwerlich mich dann an einzelne Konzerte zu erinnern.
Braucht man als Künstler immer so eine Art Neustart im Kopf? So eine Art Re-Boot um sich nicht von Eindrücken und Erwartungen geißeln zu lassen und unter Druck zu geraten, wenn man sich beispielsweise selbst toppen will bei Konzerten?
-Das ist eine gute Frage. Man muss sich wirklich immer einem Reset unterziehen um nicht für sich selbt in eine Art von Fluß zu geraten. Wenn man also eine sehr gute Tour hinter sich hat und denkt, dass die folgende jetzt noch besser werden müsste, dann verkrampft man schnell. Das ist wie mit allen anderen Dingen im Leben und jeder kennt so etwas von sich. Da schiebst du dann mit deiner Frau die unheimliche Nummer und beim nächsten Mal bist du du dann voll gestresst, weil du denkst, dass das nächste Mal unbedingt gleichwertig oder besser sein muss. Normalerweise kann man sich so was aber knicken. Innerhalb der Tour merken wir das: Wenn ein Abend wirklich super war, dann wird der nächste zwangsläufig einfach nicht so gut. Da darf man selbst nicht so enttäuscht sein, denn das Publikum war ja am Abend zu vor nicht dabei und für die Leute war es ja trotzdem gut. Das ist eine der größten Schwierigkeiten überhaupt, sich selbst jeden Abend aufs Neue wieder auf Null zu stellen.
Selbst wenn man das ausblendet, ist das nicht irgendwie trotzdem so, dass man zwanghaft versucht einen gewissen Standard zu halten, was Qualität angeht?
- Ja, klar! Man richtet sich da nach einem eigenen Level, das man sich festsetzt.
Wenn du jetzt Solo, oder mit Band unterwegs bist: Ist das so, dass das Publikum da sich stark von einander unterscheidet, oder sind es immer die gleichen Leute, die einen begleiten?
- Das variiert zum Glück. Ich bin da besonders froh drüber, dass es da jetzt nichts stereotypes gibt. Wenn das anders wäre, so würde mich das auch langweilen. Das ist einer der Gründe, warum ich auch stets versucht haben nicht unbedingt einen auf Popstar zu machen. Ab einer gewissen Größenordnung bekommst du immer nur ein stereotypes Verhalten vom Publikum geboten. Als Künstler ödet mich das furchtbar an, wenn icch weiß, dass bei einer Ballade dann alle Feuerzeuge angehen oder wenn ich was anderes spiele, klatschen alle standarisiert unrhythmisch mit. So was ist in Deutschland aber meistenteils immer noch der Fall. Wenn man mit Band, Solo oder im Duo auf Tour ist, so habe fest gestellt, dass sich das Publikum auch verjüngt. Ich finde es toll, dass es viele junge Leute zu meinem Konzerten zieht. Und das obwohl wir in den Medien nicht präsent sind und da statt finden. Da braucht es kein VIVA um den Kids zu suggerieren, dass wir cool oder so was wären. Wir brauchen dieses Spiel nicht mit zu machen und trotzdem kommt immer neues Publikum dazu. Teilweise steigen Alte ja auch aus und gehen nicht mehr vor die Tür, aber Junge kommen wieder dazu. Sicher, wir haben auch Fans, die uns seit Anfang an begleiten, aber das ist mehr so ein Wechselspiel. Ist man mit der Band unterwegs, so kommen auch die Rockfans vorbei, die jetzt niicht unbedingt bei der Solo-Tour im Publikum sind. Ist ja auch klar, so was.
Kommt es dir offt unter, dass gewisse Fans immer nur die gleichen Songs hören wollen und enttäuscht sind, wenn sie nicht ihr gewünschtes Hit-Programm geboten bekommen?
- So ist das bei mir nicht unbedingt. Die Leute, die zu meinen Konzerten kommen, die schätzen mich als Künstler ebenso wie als ganze Person. Manchmal gibt es schon Einwürfe mit Wünschen und wenn das nett rüber kommt gehe ich auch schon mal darauf ein. Aber im Prinzip sind die Leute immer zufrieden. Ich hab mittlerweile so viele Songs geschrieben, dass es mir manchmal selbt recht schwer fällt, das Programm zusammen zu stellen. Da kann man dann gerade nur immer 25 Songs oder so spielen und muss leider etwas reduzieren. Ich versuche das von Tour zu Tour neu zusammen zu stellen und das klappt auch ganz gut.
Passiert das auch zwischen den einzelnen Abenden?
- Sicher! Auch während des laufenden Abends baue ich da neue Sachen mit ein. Kommt sehr selten vor, dass da jeder Abend eine gleiche Set-Liste hat.
Um auf den Medien-Pool zurück zu kommen: Ist es für euch manchmal schwierig neben VIVA & Co. nebenher zu laufen und trotzdem konstant erfolgreich zu sein?
- Diese Schiene haben wir ja zum Glück schon durchlebt. Anfang der 90er kamen ja die ganzen Musiksender auf uns zu und unser Song "Dumpfbacke" lief überall rauf und runter. Da kamen dann Leute und wollten immer nur den Song hören. Mit denen haben wir uns quasi angelegt und auch wirklichen Stress gehabt. Für mich persönlich habe ich fest stellen müssen, dass VIVA und so nicht der richtige Weg ist. Gegenwärtig ist diese ganze Maschinerie auch so öde geworden. An neuen Sachen findet da wirklich nichts neues mehr statt. Man darf den Jugendlichen gar nicht erst erzählen, wie sie da verarscht werden, so unglaublich ist das geworden. Da ist nichts hippes. Die hippen Sachen finden doch zum Beispiel im Berliner Untergrund oder so statt, aber bestimmt nicht bei MTV oder VIVA. Leider stellt man das aber dort so dar. Früher war es klar, dass Innovationen auf der Straße zu finden sind und nicht im Fernsehen. Heute erzählt man aber den Zuschauern das Gegenteil, doch leider ist es nicht so, wie man den Kids weiß machen möchte. Kultur findet dort bestimmt nicht statt!
Ist es manchmal schwer gegen diese Musik vom Reißbrett anzukommen, oder geht man zwangsläufig Kompromisse mit sich selbst ein, wenn einen so etwas umgibt?
- Es gibt Künstler, die so was machen, aber in dem Moment sind das keine Künstler mehr, die man ernst nehmen könnte. Sicher gibt es da Leute, die schnell frustriert sind und dann zynisch werden unter solch einem Druck, aber für mich ist das nichts. Ich bin Künstler und ich gehe auf die Bühne. Und das schätzen die Leute an mir, wenn ich ehrlich bin. Bei mir gibt es keinen Zynismus. Ich brauche nicht zu denken, dass ich ein Millionen-Publikum verdiene und nur weil nicht so viele im Publikum sind, muss ich nicht gekränkt sein. Ich gehe auf die Bühne um Spaß zu haben. Da ist mir aucch egal, ob draußen der Weltuntergang tobt. Das hatte ich auch als Jugendlicher schon: Ich sehe Sachen und kann sie auch kritisieren, aber den eigenen Spaß lasse ich mir da durch nicht nehmen. Das ist doch das wichtigste überhaupt. Auch wenn morgen alles den Bach runtergeht, braucht man sich den heutigen Tag nicht vermiesen zu lassen.

cuZooN.