WasserSpiegel

08.12.2004 um 21:03 Uhr

ZuTrauen


Sie hatten sich getraut.
Er sich was & sie ihm das nicht zu.
 
Im VerTrauen sage ich Ihnen das. Ganz leise nur.
 
Fragen Sie nicht nach den TrauZeugen, bittschön fragens doch nicht danach.
Nur nicht danach.
 

Foto: gefunden


vulnerare
 
 

07.12.2004 um 23:10 Uhr

WeltOffen


"Was habens heut der Welt noch zu sagen?
Wenn ihnen jetzt einer ein Micro unter die Nase hielte, was würdens der Welt rasch sagen?"
So fragte sie mich.

"Bittschön, lecken Sie mich." Das war meine Antwort an sie, im Stillen.

Stattdessen fiel ihr ein, mich zu küssen.
Sie küsst also, wenn man koddert.

Wunderbar kalter Schnabel.

 

06.12.2004 um 19:59 Uhr

AchtSam


Kurz nachdem die Sonne aufgegangen war, wurde ich mit einem MinzMann beschenkt.
Sein Gewand ist ein Grünes.
Was er drunter trägt?
Ich wagte bisher nicht zu schauen.

Das mache ich after eight.

 

05.12.2004 um 22:13 Uhr

HaarKlein




...
ach, mein ganzes Haar ist unbenutzt.

R.M.R.

"Lassen Sie es doch hinab!"
"Den Teufel werde ich tun!"

Träumen Sie schön, ja Sie!

Phantasus

 

04.12.2004 um 22:52 Uhr

WeihNacht

Weder versponnen noch belegt.
Sie schenken.
Sie empfangen.

Und sie empfangen all die unglaublichen Gaben, welche umschnürt sind von einem goldenen Band.
VerPackt und BeHütet.

Ach versponnene Weihnacht!

Und der Eichelhäher stahl derweil im Vorbeifliegen die Nuss, die nur für das Eichhörnchen bereit lag. Die Vergoldete.
So belegt.
Ich sah nur zu und fragte mich: Waren es nicht einstmals drei Nüsse?

Dann riss ich dem Häher noch eine Feder aus, eine blaubunte.
Dieses verfederte Etwas wird die Spitze des Baumes schmücken.
Das beschloss ich. Im Stillen tat ich das.
Mir war klar, wen das freuen würde und mir war es auch eine wirkliche Freude.

Bescheren ist wie Verrupfen, fast.

Auf dem Weg durch die Nacht sah ich von draussen Lichter leuchten.

Heilige Nacht.



03.12.2004 um 22:44 Uhr

VerLust


Lange vor seiner Zeit habe ich ihn zu Grabe getragen.
Damals wollte ich noch seinen Kopf riskieren.
Für ihn & das Leben. Das war mir ein Anliegen.
 
Er indes ging. Einfach so ging er. Von mir.
Er fragte nicht einmal.
 
Seither besuche ich seine Stätte.
Ich setzte ihm sogar noch ein DenkMal.
Jedes Jahr besuche ich ihn. Immer im Mai.
Nur dann.
Und nur dann.
 
Manchmal unterhalte ich mich an dieser Stelle mit Menschen, die ein ähnliches Schicksal das ihre nennen.
Wir tauschen nur Blicke.
Stille Begegnung an einem Ort, der zum Schweigen verpflichtet.

Sie müssen Ihre Ohren nicht auf "Laut" stellen.
All das ist verschwiegen und leise.
Worte gehaucht, nicht mal gesprochen.
 
Wir werden uns wiedersehen, irgendwann.
Himmel so nahe?
 
subesse

02.12.2004 um 22:15 Uhr

WasserFarben


Wasser, so klar, dass man durch es
hindurch ein Buch lesen konnte.
Wasser, das so trug, dass man
auf den Ellbogen trieb.
Ich lag auf ihm wie auf einem Diwan.
Ich lag auf ihm so
wie Matisses Rote Odaliske.
Wasser war meine seltsame Blume.
Man muss es sich vorstellen wie eine Frau
ohne Toga oder Schal
auf einer grabestiefen Couch.
 
A.S.

 

01.12.2004 um 22:18 Uhr

KopfLos


Sein Gesicht schien ein Buch zu sein.
Zugeschlagen.
Die Seiten dennoch offen.
 
Aber in seinem Gesicht stand Trauer.
Vielleicht zeigte es nur eine vergangene Liebe?
Nein, es zeigte eine versäumte Zeit.
Und er wusste nicht, was ihn noch erwarten würde.
Er konnte das nicht wissen, das möge man beherzigen und ihm gerne verzeihen.
 
"Darf ich vorstellen?" Ich fragte ihn das.
Immer war er neugierig und ich verstand sein Erschrecken, das jetztige, bei Weitem nicht.
Was schaute er so?
 

Foto: fake Tate Gallery
 
Es war doch nur ein Kopf. Ich zeigte ihm nur diesen Kopf.
Ein Kopf voller Gedankengut, gleich einem offenen Buch.
Auch in diesem Kopf spielte das Leben. Man konnte es sehen.
Er müsste nur lesen können.
Seite für Seite.
 
Dann begann er die Buchstaben zu sezieren.
 
perscriptor