Weil es ist wie es ist

26.05.2007 um 16:14 Uhr

Bergauf

Sein Zustand verbessert sich.

Zwar in minimalen Schritten, aber dennoch, es scheint bergauf zu gehen.

Ich war jeden Tag im Krankenhaus, habe bei ihm gesessen, mit ihm geredet, gewartet und gehofft.

Ab Dienstag werde ich wieder zur Arbeit gehen, auch wenn man mir eine Verlängerung der Beurlaubung angeboten hat. Ich denke, Ablenkung ist gut. 

Marks Beerdigung war schlimm. Und in manchen Momenten habe ich gedacht, ich halte es nicht aus und zerspringe einfach. 

Habe immer wieder gedacht: was, wenn ich bzw. er...

Nein, Schluss damit.

Das ist alles, was mich im Moment beschäftigen darf. 

21.05.2007 um 18:55 Uhr

Betäubt

Er sieht so schlecht aus. Ich habe kaum gewagt, ihn zu berühren.

Und ich möchte ihm so gerne helfen, wirklich bei ihm sein. Ihm sagen, dass alles wieder gut wird. Und mir selbst möchte ich das auch sagen.

Momentan ist noch nicht absehbar, wann sie ihn wieder aus dem Koma holen werden. Sein Zustand ist unverändert.

 

Morgen ist Marks Beerdigung. Auch wenn ich ihn nur drei Mal in meinem Leben gesehen habe, werde ich zusammen mit Franzi hingehen. Vielleicht auch irgendwie stellvertretend. Aber mir macht der Gedanke große Angst.

 

Ich bin die gesamte Woche von der Arbeit freigestellt.

Keine Ahnung, ob das gut ist oder nicht.

Zum einen kann ich mich nicht auf den Job konzentrieren, zum anderen habe ich Angst vor dem Nichtstun und dem Alleinsein in der Wohnung.

Franzi ist bei mir eingezogen, auch wenn ich ihr versichert habe, dass sie das nicht müsse. Dennoch sie ist hier, ohne mir ihre Gegenwart aufzuzwingen, sie bekocht mich und hört zu, wenn ich es möchte. Ein beruhigendes Gefühl.

20.05.2007 um 20:26 Uhr

Wie es wurde, was es ist

Habe Franziska nach zwei Stunden wieder nach Hause geschickt. Kann nicht reden und finde keinen Trost in ihrer gut gemeinten Gegenwart. Habe versprochen, sie morgen anzurufen.


Ja.

 

Meine Gedanken fühlen sich wirr an, mein Kopf leer. Bin sehr gerührt über die spontanen Einträge hier in meinem Blog. Glaube, dass hier zu Schreiben die beste Möglichkeit ist, Gedanken zu kanalisieren, vielleicht auch demnächst mal zu sortieren.

 

Er-

wir haben uns auf der Party einer Freundin kennengelernt.

Studentenparty -

obwohl wir beide keine Studenten mehr sind.

Ich sah ihn und, ganz wie das Klischee es will, war hin und weg.

Groß, blond, sportlich, helle strahlende Augen. Ein wirklich hübscher Kerl. 

Das hatten auch die anderen Mädels auf der Party bemerkt, keine Frage.

Wir tauschten Blicke und wenige Sätze - mehr war nicht möglich, leider.

Ich blieb bis zum Schluss - nicht zuletzt auch wegen ihm.

Und dann, als fast niemand mehr da war, kam er zu mir, setzte sich neben mich.

Und wir redeten bis zum Morgengrauen, noch lange nachdem der Gastgeber schon ins Bett gegangen war.

Und es stellte sich heraus, dass er nicht nur ein hübscher Kerl war.

Er war schlagfertigt, höflich, intelligent, charmant.

Wir tauschten Nummern, telefonierten nächtelang, trafen uns.

Eine Woche später waren wir ein Paar.

Und es begann eine großartige Zeit.

Es war blindes Verstehen, seelenrandvoll trinken, Spaß und noch viel mehr.

Dieser Abend liegt noch nicht einmal drei Monate zurück. 

 

Dann kam der vergangene Mittwoch.

Nach einem Kinoabend zu viert.

Franzi, Mark, Andreas und ich.

Wir verabschiedeten uns.

Franzi und ich gingen noch auf einen Cocktail in die Stadt, ließen den Abend gemütlich ausklingen.

Als ich ihm später noch eine SMS schrieb, erhielt ich bereits keine Antwort mehr.

Am nächsten Morgen konnte ich ihn nicht über sein Handy erreichen.

Ich rief bei ihm in der Firma an.

Zerknautschtes Schweigen.

Ob ich denn noch nicht wisse?

Nein, ich wusste gar nichts.

Woher auch.

Autounfall.

Schwerer Autounfall.

Mit einem Toten.

Mark.

Andreas schwebe in Lebensgefahr.

Mehr könne sie mir nicht sagen.

Es folgten Telefonate mit seinem Bruder, seinen Eltern - Menschen, die ich bis dato vielleicht zwei Mal gesehen hatte und die nun meine einzige Verbindung zu ihm herstellen.

Er liegt im Koma seitdem, hat Notoperationen hinter sich, man kann noch immer nichts Genaues sagen.

Viele schwere innere Verletzungen, Brüche, Verbrennungen.  

Gestern durfte ich ihn das erste Mal sehen, nur ganz kurz, durch eine Glasscheibe. Laut den Bestimmungen brauche ich die Einverständnis eines Angehörigen. Seine Mutter hat sie mir zugesagt, zum Glück.

Und seitdem möchte ich zerspringen vor Angst vor dem, was kommt.

Angst davor, diesen einen besonderen Menschen zu verlieren.

20.05.2007 um 15:07 Uhr

Das Unaussprechliche

Ich weiß nicht wohin mit meinen Gedanken.

Möchte reden und reden, bekomme aber gleichzeitig kein Wort heraus.

Mittwoch war der Tag, der alles verändert hat. Vier Tage ist es nun schon her.

Mitten in der Nacht ist er mit dem Auto verunglückt. 

Er liegt nun im Krankenhaus, im künstlichen Koma.

Der Beifahrer, sein bester Freund, ist tot.

Ich kann kaum atmen, wenn ich darüber nachdenke.

Und ich kann nicht mehr weinen.

Ich sitze hier wie gelähmt und tippe vor mich hin.

EIn Blog?

Nichts Besseres zu tun?

Nein, ich kann momentan gar nichts tun.

Nachher kommt eine Freundin vorbei, um mit mir zusammen die Zeit tot zu schlagen.

 

Ich möchte diesen Blog als Ablageplatz für meine Gedanken, für das Unaussprechliche nutzen. Und vielleicht auch als Archiv für Erinnerungen.