Wie ein einziger Tag

23.03.2009 um 12:54 Uhr

Willensschwaches RIndvieh

Stimmung: wütend, diffuser tatendrang, Schuldgefühle
Musik: Flyleaf-I´m so sick

Ich werde mich mit mir selbst nie in diesem Leben langweilen, bin ich doch selbst die Quelle meiner endlosen Probleme und Krisen. Schön, so einen tollen Partner an der Seite zu haben wie mich. Ich kann für jeden die beste Version meiner Selbst werden, außer für mich. Würde man mir sagen, sei mein Lebenscoach, würde ich im Handumdrehen frischen Wind ins fremde Leben bringen. Und meins würde ein staubiger immer lauter pochender schwarzer Fleck in meinem Hinterkopf bleiben.

Gestern Nacht aß ich mit dem Segen meiner Schwester einen Nudelsnack. Und noch eine zusätzliche Mozzarellakugel. Und einiges an Mandeln. Ich rechtfertigte es damit, dass mein Gehirn an die Kohlenhydrate angewiesen ist, ansonsten würde die Qualität der Hausarbeit darunter leiden. Was soll ich sagen? Ich habe keine einzige zusätzliche Seite getippt gekriegt. Ich hielt mich auf an Formulierungen, am Fernseher (es war herrlich als er kaputt war...) und dem Plauderkasten. Den Wecker stellte ich auf sieben Uhr. Ich wollte trainieren gehen, danach mein Paket abholen und bis 13 Uhr soviel wie möglich von der Hausarbeit schreiben. So wie es aussieht, habe ich nichts, aber auch nichts davon geschissen gekriegt. Ich drückte den Wecker alle neun Minuten weg. Ganz konsequent. So eine brilliante Geduld und Konsequenz habe ich in Bezug auf wirklich wichtige Dinge nie. Toll,was?

Ich stand irgendwann um 10 auf und mein Schädel dröhnte. Ich stellte fest, dass ich verquollen war als hätte ich tagelang nur pure Cola getrunken und mich von salzreichem Fast Food ernährt. Das Fenster war geschlossen...wie konnte ich vergessen über Nacht das Fenster aufzumachen? Ich schmiss den Fernseher an beim Zähneputzen. Wiederholung meines gestrigen Aufschiebefilms: Fluch der Karibik. Und noch einmal aufs Neue, als hätte ich ihn nicht zig Mal geguckt. Innerlich wurde ich vom Verlangen gepackt sofort etwas an meiner finanziellen- haha, toller Ausdruck- Gesundheit zu ändern, aber Verzicht ist schließlich die Quelle meiner wahren finanziellen Gesundheit. Überhaupt meiner emotionalen, meiner aller Gesundheit. Ich bin krank vom Kopf bis zu den Zehen. Krank, krank, krank. Und die Schritte in Richtung Heilung sind so quälend langsam, während die positiven Gedanken so fragil sind. Ein mies gelaunter Kunde und ich bin in meiner Depression, meinem Menschenhass, den ich nur ganz selten zulasse, weil ich im Kern ein sehr sehr menschenliebender Mensch bin. Nur mich selbst vermag ich nicht zu lieben.

Heute absolut berechtigt. Und ich könnte mich für das Gejammer doppelt ohrfeigen. Jammern ist unattraktiv. Love it or change it, du Rindvieh. Und Jammern ist nichts anderes als Aufschieben. Dabei WILL ich doch die Hausarbeit beenden und mich in den Abnehmwahn stürzen. Ich WILL sie abschließen und zwar sehr gut, da der Moment, an dem die 1 in meinem Postfach eintrudelt einer der wenigen schönen Momente meines Lebens ist. Ich bin so geworden wie mein Kumpel, der damals kein Privatleben hatte und sich selbst nur durch Noten definiert hat. Ich schwänzte die Schule bei jeder Gelegenheit und lebte. Lebte,lebte,lebte. Belehrte ihn altklug, dass am Ende nicht die Noten zählen, nicht die Titel sondern das, was man bewegt hat, wen man berührt hat, wessen Leben man schöner gemacht hat. Diese Person würde ich gern noch einmal sprechen. May the real slim shady please stand up...please stand up...please stand up...

Meiner Stimmung entsprechend regnet es heute draußen. Es ist grau. Meine Wohnung is zwar aufgeräumt aber staubig. Meine Lungen sind sicher voller Staub. Ich war nicht trainieren. Meine beste Freundin wird heute sechs Runden machen. Sie wird sich denken: Typisch, diese Inkonsequenz. Was solls...sie würde recht haben. Ich genüge nicht einmal meinen eigenen Ansprüchen, reden wir doch nicht von Ansprüchen Außenstehender. Ich weiss gar nicht in welche Einstellung ich fliehen soll um diese Spannung abzubauen. Es ist die konzentrierte Erfahrung bewusst und vollkommen schuldfähig sein Leben verpfuscht zu haben. Überspitzt ausgedrückt. Aber mein Leben setzt sich genau aus diesen Momenten zusammen. Momenten, an denen ich dem Glück nur zugewunken habe und ne schöne Reise gewünscht habe, statt es durch mein ansprechendes Äußeres und mein wohlgeordnet-chaotisches Leben anzuziehen. Ich bin nicht liebenswert. In diesem Moment spüre ich, dass diese Wahrheit durch die Knochen geht. Ich bin nicht liebenswert, weil ich mich selbst nicht einmal liebenswert finden kann. Das sagt alles.

18.03.2009 um 23:20 Uhr

Fresstag mit Leidensgenossin

Stimmung: schlechtes Gewissen und Übelkeit
Musik: miss platnum-gimme the food

Gimme the food, I said gimme the food...give me no fruit if you love me...Olé....

1 1/2 Portionen Spaghetti Napoli

150g gebrannte Mandeln

1 1/2 l Coke Zero

1/2 Stückchen Käsekuchen

 

Dafür warens heute vier statt  der üblichen drei Runden Powerzirkeltraining und Entwässerungskapseln um dieses ganze Wasser endlich etwas loszuwerden. Morgen früh jogge ich. Bis ich mich besser fühle. Also 20min und so durchgehend wie nur möglich. Und ich stehe endlich früh auf, sonst verlier ich den Respekt vor mir selbst.

17.03.2009 um 10:27 Uhr

Wieder miese Laune...gehts noch...

Stimmung: wütend auf mich selbst, mein Unterbewusstsein
Musik: stille und straßengeräusche von draußen

Wie zauberhaft doch meine kleine Welt ist...ich habe wiedermal schlecht geschlafen, wiedermal geträumt meinen Hund zu verlieren und diesmal noch hinzugeträumt meine Freundin und ich wären von Haardieben gelockt worden und nachdem sie nur mir die Haare abgeschnitten haben (sie hatte sie ins Gespräch verwickelt, also blieb sie heil), gaben sie mir auch noch eine riesige Schüssel Nudeln, die ich hinunterschlang. Mit meinem jetzigen Diätbewusstsein. Es war sowas wie Selbstmord. Dann wachte ich tausendmal von meinem alle 9min schellendem Wecker auf und drückte aggressiv die Stopptaste um das Anzeigebild, welches ich selbst ausgewählt hatte nicht zu sehen. Weckertitel: Training. Bild: Ich in 46, verzweifelter Gesichtsausdruck (ein treffender Schnappschuss, den meine Freundin von mir bei einer Tagebuchlesung gemacht hat).

Seltsamerweise war ich bis eben noch davon überzeugt nachts Nudeln und Chips vertilgt zu haben. Nur so konnte ich mir heute morgen den aufgequollenen Körper erklären. Okay, der schlechte Schlaf machts auch. Ich gedenke mich heute nur von Shakes und einer Mozzarellakugel zu ernähren und vor allem einiges für die Hausarbeit zu tun um den Anschluss nicht zu verlieren. Ich bin wütend auf mich selbst. Jetzt will ich etwas verändern. Mehr denn je. Die Energie dazu ziehe ich einfach aus dem Selbsthass und wandle diesen Hass um in blinden Tatendrang. Gilt nur noch den zu steuern. Nein, du behindertes Rindvieh, nicht zum Büdchen Cola Zero holen- du setzt dich jetzt nach draußen hin und liest deine verdammten Bücher. 

Ich glaube mich in dieser Zeit (langsame Diät, Hausarbeitendruck) zu lieben, liegt fernab meiner Möglichkeiten.

 

-Update: Die Texte gelesen...nichts weltbewegendes dabeigewesen. Nichts, was mich weiterbringen würde verständlich zu schreiben und mich nicht in Zitaten zu verlieren. Joggen war ich nicht. Was solls...dafür war heute ein erstaunlich angenehmer Arbeitstag und ich habe sehr seltsam gegessen.

 Fast 3 l Wasser getrunken (dafür eine kleine Flasche Coke Zero), morgens einen Shake, EBEN ERST einen Shake, 2 Harzer Käse Röllchen und eine Tomate sowie zwei Lachssscheiben. So war das nicht geplant. Meine Pute war schlecht geworden :-(

Jedenfalls bin ich gerade aufgeschwemmt und greife direkt zu den nächsten Pillen: Biofax. Ja, ich bin ein Wrack. 

16.03.2009 um 22:43 Uhr

Treibend!

Stimmung: depressiv, angstvoll, Migräne
Musik: Fernsehlärm, Messenger-Ploppen und das Pochen an den Schläfen

Mjam...ich schätze, ich sollte stolz auf mich sein. Nur bin ich es nicht.

Auf irgendeine räselhafte Weise habe ich die Ausarbeitung soeben beendet, keine Coke gekauft und weiterhin super Diät gehalten. Und bin todunglücklich, aufgewühlt und habe das Gefühl die Welt geht heute Nacht unter. Doch ich muss schlafen anstatt mit der Hausarbeit zu beginnen. Dafür muss ich morgen um sieben aufstehen und bis 17 Uhr soviel wie nur mögl. schaffen, damit ich um 16 Uhr die Wohnung mit reinem Gewissen verlassen kann um mich von laut piepsenden Kassen ablenken zu lassen.  Ich glaube die Migräne kommt vom Kohlenhydratentzug. Ja, ganz sicher sogar. Ich habs ja seit der Diät. Mein Körper ist es wohl noch nicht gewöhnt. Egal, da geh ich durch.

Ich hoffe ich komme dazu morgen eine Runde zu joggen, da ich das Gefühl habe in meiner Wohnung zu ersticken. Wenn Leben jetzt ist, dann ist es ganz schön beschissen. Uff, ich weiss gar nicht was ich Schönes schreiben soll. Alles ist gerade richtig beschissen.

16.03.2009 um 17:37 Uhr

Lähmend oder treibend?

Stimmung: kein authentischer Tatendrang, nur schnürende Angst
Musik: maria mena- self fulfilling prophecy

Wo bleibt der Flow, den ich sonst unter Zeitdruck verspürt habe? Momentan bremst mich der Gedanke an die Deadline anstatt mich zu motivieren. Die Erleichterung über die abgemeldete Hausarbeit ist verpufft. Selbst für meine einzige HA bleibt nun kaum Zeit. Die Ausarbeitung stelle ich noch heute um jeden Preis fertig. Dann habe ich zwei Wochen Zeit noch mit mehr Distanz und Klarsicht daran zu schrauben. Falsche Ansprüche über Bord.

 Die Waage zeigte heute vor dem Training genau einen kg weniger an. Haargenau einen kg. Ich brauche Coke Zero um zu funktionieren, meldet mir mein Hirn. Ich fürchte davon krieg ich vielmehr schlechtes Gewissen und Herzrasen, aber hierbei handelt es sich um eine langjährig konditionierte Verhaltensweise: Zeitdruck in Unidingen--> Futter und Coke Zero. Das Futter habe ich im Griff, doch Coke Zero muss sein dürfen. Solange ich nicht die ganze Flasche kille...(sehr wahrscheinlich). Ich hoffe, dass jetzt der Modus einsetzt, in dem ich nur noch funktioniere und die Anwesenheit des TVs mich nicht zum einschalten bewegt.

Ich rede so als läge es nicht in meiner Macht, als wäre ich das Opfer der Umstände. Ja, ich bin echt ein Opfer. Ein Opfer meiner selbst. Ich hasse mich gerade. Bin viel mehr mit Selbsthass als mit Ausarbeitung beschäftigt. Leider gibts dafür keine Bewertung und es ist mal wieder eine Aufschiebetaktik. Gleich mache ich die Kiste aus und schreibe eine Rohfassung. Erstmal auf fünf Seiten kommen. Danach ergänze ich an den guten Stellen die Zitate und flicke es zu einer Einheit zusammen. Ich jammere meist viel und stelle mich sehr an, doch die Noten haben noch nie darunter gelitten. Ich mache das. Dann trinke ich halt eine Flasche Coke Zero, wenns meine persönliche Bedingung für Arbeiten ist. Hauptsache ich arbeite...