Willensschwaches RIndvieh
Stimmung: wütend, diffuser tatendrang, Schuldgefühle
Musik: Flyleaf-I´m so sick
Ich werde mich mit mir selbst nie in diesem Leben langweilen, bin ich doch selbst die Quelle meiner endlosen Probleme und Krisen. Schön, so einen tollen Partner an der Seite zu haben wie mich. Ich kann für jeden die beste Version meiner Selbst werden, außer für mich. Würde man mir sagen, sei mein Lebenscoach, würde ich im Handumdrehen frischen Wind ins fremde Leben bringen. Und meins würde ein staubiger immer lauter pochender schwarzer Fleck in meinem Hinterkopf bleiben.
Gestern Nacht aß ich mit dem Segen meiner Schwester einen Nudelsnack. Und noch eine zusätzliche Mozzarellakugel. Und einiges an Mandeln. Ich rechtfertigte es damit, dass mein Gehirn an die Kohlenhydrate angewiesen ist, ansonsten würde die Qualität der Hausarbeit darunter leiden. Was soll ich sagen? Ich habe keine einzige zusätzliche Seite getippt gekriegt. Ich hielt mich auf an Formulierungen, am Fernseher (es war herrlich als er kaputt war...) und dem Plauderkasten. Den Wecker stellte ich auf sieben Uhr. Ich wollte trainieren gehen, danach mein Paket abholen und bis 13 Uhr soviel wie möglich von der Hausarbeit schreiben. So wie es aussieht, habe ich nichts, aber auch nichts davon geschissen gekriegt. Ich drückte den Wecker alle neun Minuten weg. Ganz konsequent. So eine brilliante Geduld und Konsequenz habe ich in Bezug auf wirklich wichtige Dinge nie. Toll,was?
Ich stand irgendwann um 10 auf und mein Schädel dröhnte. Ich stellte fest, dass ich verquollen war als hätte ich tagelang nur pure Cola getrunken und mich von salzreichem Fast Food ernährt. Das Fenster war geschlossen...wie konnte ich vergessen über Nacht das Fenster aufzumachen? Ich schmiss den Fernseher an beim Zähneputzen. Wiederholung meines gestrigen Aufschiebefilms: Fluch der Karibik. Und noch einmal aufs Neue, als hätte ich ihn nicht zig Mal geguckt. Innerlich wurde ich vom Verlangen gepackt sofort etwas an meiner finanziellen- haha, toller Ausdruck- Gesundheit zu ändern, aber Verzicht ist schließlich die Quelle meiner wahren finanziellen Gesundheit. Überhaupt meiner emotionalen, meiner aller Gesundheit. Ich bin krank vom Kopf bis zu den Zehen. Krank, krank, krank. Und die Schritte in Richtung Heilung sind so quälend langsam, während die positiven Gedanken so fragil sind. Ein mies gelaunter Kunde und ich bin in meiner Depression, meinem Menschenhass, den ich nur ganz selten zulasse, weil ich im Kern ein sehr sehr menschenliebender Mensch bin. Nur mich selbst vermag ich nicht zu lieben.
Heute absolut berechtigt. Und ich könnte mich für das Gejammer doppelt ohrfeigen. Jammern ist unattraktiv. Love it or change it, du Rindvieh. Und Jammern ist nichts anderes als Aufschieben. Dabei WILL ich doch die Hausarbeit beenden und mich in den Abnehmwahn stürzen. Ich WILL sie abschließen und zwar sehr gut, da der Moment, an dem die 1 in meinem Postfach eintrudelt einer der wenigen schönen Momente meines Lebens ist. Ich bin so geworden wie mein Kumpel, der damals kein Privatleben hatte und sich selbst nur durch Noten definiert hat. Ich schwänzte die Schule bei jeder Gelegenheit und lebte. Lebte,lebte,lebte. Belehrte ihn altklug, dass am Ende nicht die Noten zählen, nicht die Titel sondern das, was man bewegt hat, wen man berührt hat, wessen Leben man schöner gemacht hat. Diese Person würde ich gern noch einmal sprechen. May the real slim shady please stand up...please stand up...please stand up...
Meiner Stimmung entsprechend regnet es heute draußen. Es ist grau. Meine Wohnung is zwar aufgeräumt aber staubig. Meine Lungen sind sicher voller Staub. Ich war nicht trainieren. Meine beste Freundin wird heute sechs Runden machen. Sie wird sich denken: Typisch, diese Inkonsequenz. Was solls...sie würde recht haben. Ich genüge nicht einmal meinen eigenen Ansprüchen, reden wir doch nicht von Ansprüchen Außenstehender. Ich weiss gar nicht in welche Einstellung ich fliehen soll um diese Spannung abzubauen. Es ist die konzentrierte Erfahrung bewusst und vollkommen schuldfähig sein Leben verpfuscht zu haben. Überspitzt ausgedrückt. Aber mein Leben setzt sich genau aus diesen Momenten zusammen. Momenten, an denen ich dem Glück nur zugewunken habe und ne schöne Reise gewünscht habe, statt es durch mein ansprechendes Äußeres und mein wohlgeordnet-chaotisches Leben anzuziehen. Ich bin nicht liebenswert. In diesem Moment spüre ich, dass diese Wahrheit durch die Knochen geht. Ich bin nicht liebenswert, weil ich mich selbst nicht einmal liebenswert finden kann. Das sagt alles.
