Jegliches braucht seine Zeit

27.02.2012 um 17:16 Uhr

Dreifach

Letzte Woche war es genau ein Jahr her, dass ich dich habe gehen lassen müssen. Der Tag war ein seltsamer Tag. Nicht nur, dass sich dein Weggang jährte. An diesem Tag hat auch jemand in meiner Familie Geburtstag, der in diesem Jahr an Krebs erkrankte. An diesem Tag erfuhr ich außerdem, dass nun noch jemand in meiner Familie an Krebs erkrankt ist. Ich weiß, dass alles nur zufällig geschieht und die Frage nach dem Warum unbeantwortet bleiben wird ...

23.02.2012 um 19:47 Uhr

Zitat des Tages

Wir sollten nicht bereuen, was wir getan haben, sondern das, was wir nicht getan haben.

15.02.2012 um 07:24 Uhr

Nein, ich schreie nicht!

Bei ZALANDO etwas zu bestellen ist immer so eine Sache. Eigentlich bestelle ich gern dort, weil sie wirklich gute Sachen zu guten Preisen haben und diese schnell und zuverlässig liefern. Was sich als störend entpuppt ist allerdings die Werbung. Wieso die bei Bestellungen stört? Das soll folgende Geschichte verdeutlichen:

Ich hatte etwas bei genanntem Shop bestellt (keine Schuhe) und fand zuhause leider nur eine Abholkarte der DHL im Briefkasten. Mir graute davor das Päckchen bei der Post abzuholen, denn ich ahnte, was folgen würde. Dennoch fuhr ich also am nächsten Tag zur Post und reihte mich todesmutig in die Endlosreihe, die einen dort jedes Mal empfängt. Als ich an der Reihe war, ließ das von mir befürchtete Gespräch auch nicht lange auf sich warten. Die Schalterbeamtin kam mit dem Päckchen zurück:

Schalterbeamtin: „Ach, von ZALANDO!!!"

Ich (müdes Lächeln): „Hmmmhmmm."

Schalterbeamter im Hintergrund: „Also das war jetzt aber keine passende Reaktion!"

Ich: „Mag sein aber ich weigere mich auch."

Schalterbeamter (lachend): „Warum?"

Ich: „Weil ich die Werbung total bescheuert finde!"

Beide lachten nun.

Ich setzte nach: „Wenn es nach der Werbung ginge, dürfte ich da eigentlich gar nicht bestellen."

Schalterbeamter: „Aber jeder kennt sie ..."

Ich: „Stimmt und damit hat sie wohl ihren Zweck erfüllt."

Ich verabschiedete mich und beschloss nie wieder bei ZALANDO zu bestellen, denn wirklich jedes Mal wird mir beim Abholen des Päckchens vorgeworfen, dass ich ja gar nicht vor Glück schreie. Nein, tue ich nicht! Außerdem bestelle ich da noch nicht mal Schuhe! Im Übrigen trug ich an diesem Tag ein 24-Stunden-Blutdruckmessgerät. Meine Werte waren völlig im Normbereich - lediglich einmal gingen sie knapp über den Grenzbereich. Hätte meine Ärztin gefragt, was ich da gemacht habe, hätte meine Antwort geheißen: „Ein Päckchen von ZALANDO bei der Post abgeholt." Sie hätte dann vermutlich gesagt: „Machen Sie das bitte nie wieder - das tut Ihrem Blutdruck nicht gut."

08.02.2012 um 14:12 Uhr

Wartezimmergespräche

Wenn man 3 Stunden beim Arzt zubringt - die meiste Zeit davon pures Warten und Ausharren - ist man über jedes Gespräch anderer Patienten dankbar, dem man zur eigenen Unterhaltung beiwohnen darf. Ich saß also neulich über 3 Stunden beim Kardiologen, in meinen kuscheligen weißen Bademantel gehüllt und harrte aus. Zwischendrin freundete ich mich zaghaft mit einem älteren Mann neben mir an, der vielleicht ganz froh war mal eine jüngere Wartezimmernachbarin zu haben. Wie um mich zu beruhigen, wies er ab und zu darauf hin, dass 3 Stunden insgesamt dort ganz normal seien. Als ich mit allem fertig war und ging, rief ich ihm noch ein augenzwinkerndes: "Ich habs geschafft!" zu, das er mit einem Lächeln quittierte und sich wieder dem Ausharren zuwandte.

Von dieser kurzen Bekanntschaft abgesehen wurde ich Zeugin einer kleinen launigen Unterhaltung unter älteren Männern, die ganz überraschend ins Ernste abdriftete. Einer der Männer erzählte eine kleine Geschichte von ihm und seinem Arzt. Dieser hatte ihm wohl mal quittiert, dass er - also der Mann - mit sicherheit so alt werden würde, wie seine Frau Mama. Diese schaffte es wohl auf über 90 Jahre. Witzelnd fügte er hinzu: "Das ich so alt wie meine Mutter werden würde, hat er mir gesagt. Er hatte allerdings nichts von dem Hinterwandinfarkt erzählt, den ich bekommen sollte." Allgemeines verhaltenes Lachen. Der Mann fügte etwas nachdenklicher hinzu: "Ja und sowas ist ja auch sehr gefährlich ...". Verhaltene Zustimmung unter den anderen. Dann wurde der Mann ganz nachdenklich, als ob ihm in diesem Moment nochmal klar wurde, wie nahe er dem Tod gewesen ist und vielleicht auch immer noch ist. Er fügte hinzu: "Selbst wenn ich jetzt gehen muss. Ich habe genug gesehen." Mich stimmte das nachdenklich und hoffnungsvoll. Kommt man irgendwann an einen Punkt, an dem man bereit ist mit seinem Leben abzuschließen? Kommt man durch eine tödliche Krankheit bzw. eine Erfahrung, die uns dem Tod kurz nahe bringt, wie ein Infarkt, an diesen Punkt? Oder kommen wir alle irgendwann dorthin? Auch der Mann wurde ganz nachdenklich und sagte nun leiser: "Schon komisch, dass wir hier jetzt über so etwas reden." Ja, schon komisch aber irgendwie auch tröstlich.

07.02.2012 um 08:29 Uhr

Glück gehabt

So schnell kann es gehen. Schon komisch, im letzten Jahr hat mich das Thema Tod so oft beschäftigt und mich zum Teil mit Panik erfüllt. Ständig dachte ich darüber nach, dass alles so schnell vorbei sein kann. Wir leben immer, als ob wir ewig leben, doch das Leben ist so unglaublich zerbrechlich. Mir war das im letzten Jahr so präsent. Ständig beschäftigte mich das. Dies und der Gedanke, so vieles zu verpassen, zu dem ich vielleicht doch bald keine Zeit mehr haben könnte, denn man weiß ja nie …

Ich hatte keine Ahnung, wie nah ich selbst tatsächlich dem Ende war. Vielleicht habe ich es aber auch irgendwie unbewusst gespürt und deswegen diese Gedanken gehabt. Sicher ist nur: es hätte sein können, dass ich meinen Geburtstag in diesem Jahr nicht mehr erlebe und niemand ihn mit mir feiern kann. Es ist nochmal gut gegangen, wie ich jetzt weiß …

Doch von Vorne. Na zumindest so halb von Vorne. Ende letzten Jahres begann es, dass ich häufiger einen Druck auf dem Herz spürte. Mal hielt sich das über Tage, mal verschwand es für kurze Zeit. Anfang diesen Jahres war es noch immer so. Sowas kann von Stress kommen oder wenn einem Dinge „auf dem Herzen liegen“ bzw. man sich Dinge „zu Herzen nimmt“. Das wusste ich, weswegen ich es nicht weiter beachtete. Doch dann stieß ich auf einen Artikel über Herzmuskelentzündungen. Da ich regelmäßig Sport treibe, ist mir der Begriff durchaus geläufig. Merkwürdigerweise hatte ich mich aber nie über die genauen Symptome informiert. Ich wusste nur, dass eine Herzmuskelentzündung droht, wenn man einen Infekt verschleppt und erst recht dann, wenn man dann auch noch Sport treibt. Ich las mir die Symptome durch und erstarrte: Genau das hatte ich vor einem Jahr gehabt! Damals bekam ich genau an Silvester einen Infekt, der sich länger hielt. Dann, nach ein paar Wochen, begann ich mich so müde zu fühlen. Quälend müde. Mein Herz begann zu stolpern damals. Es schlug zwischen den normalen Schlägen. Oft so heftig, als ob es zerspringen wollte. Ich schob das damals alles auf „psychosomatisch“. Das war die Zeit, als mein Kater sehr krank war und ich ihn dann auch einschläfern lassen musste. Doch das Herz hoppelte und hoppelte. Ich nahm plötzlich auch ab. Das fällt mir erst jetzt so wirklich auf, weil ich grad krampfhaft und ebenso erfolglos versuche abzunehmen. Damals änderte ich zwar auch meine Ernährung aber der Erfolg war schon ungewöhnlich. Normalerweise nehme ich nur noch sehr schwer ab. Ja und das alles: Erschöpfung, Leistungsabfall, Herzrhythmusstörungen, Gewichtsabnahme sind typische Symptome einer Herzmuskelentzündung …Damit nicht genug: erkrankt man an einer Herzmuskelentzündung, so kann dies das Herz dauerhaft schädigen. Selbst dann, wenn man in ärztlicher Behandlung war. Ich war aber nicht in ärztlicher Behandlung. Ich machte alles so, wie immer. Ich ging arbeiten, hatte Stress, machte Sport etc. etc. Ja und nun tat mein Herz weh und ich fürchtete das Schlimmste.

Also ging ich zum Arzt. Berichtete dort, was ich eben hier beschrieb und sagte, dass ich mir um mein Herz wirklich Sorgen machen würde. Meine Ärztin nahm meine Sorgen sehr ernst und machte ein Ruhe-EKG. Dies war völlig in Ordnung, doch um ganz sicher zu gehen, schickte sie mich noch zum Kardiologen. Das war seltsam dorthin überwiesen zu werden. Zum Kardiologen gehen doch nur andere, ältere – nicht ich. Aber nun doch auch ich. Tatsächlich war ich dort mit die Jüngste. Der typische Patient bei Kardiologen ist offensichtlich männlich, ab Mitte 50 und übergewichtig. Ich war nervös und hatte sogar Angst. Die Nacht hatte ich kaum geschlafen. Normalerweise hatte ich nie Angst vor Arztbesuchen, doch das war jetzt anders. Es stand auch viel auf dem Spiel: mein Herz. Ich wurde angewiesen mich umzuziehen. Dies bedeutete, dass man den Oberköper entkleidete und sich einen weichen, weißen Bademantel anzog, der bereit lag. Das machte alles noch unwirklicher: in einem Bademantel herumzusitzen, als sei man in einer Therme, obwohl man eigentlich beim Arzt war. Trotzdem hatte es irgendwie was Heimeliges und Gemütliches.

Ich wurde nochmal komplett durchgecheckt, nachdem ich der Kardiologin meine Sorgen und Vorgeschichte schilderte. Nochmal Ruhe-EKG, Ultraschall, Röntgen und Belastungs-EKG. Dann – nach 3 Stunden – endlich das Ergebnis: an meinem Herz ist nichts – alles ok! Die Ärztin sagte aber, dass es tatsächlich sehr wahrscheinlich ist, dass ich eine Herzmuskelentzündung hatte! Das schockte mich irgendwie doch nochmal. Ich hätte im letzten Jahr einfach so tot umfallen können. Ich kenne die Bilder von Sportlern, die mit unerkannter Herzmuskelentzündung spielen und wie vom Blitz getroffen umkippen. Ein schneller Tod – immerhin – aber ich will nicht sterben. Ich will doch noch so viel erleben.

So schnell hätte es gehen können. Ich hätte bereits seit fast einem Jahr tot sein können. Wer würde noch an mich denken? Wer mich vermissen? Für wen würde das Leben bereits weiter gehen, als hätte es mich nie gegeben? So schnell kann es gehen. Ich hatte unglaubliches Glück. Glück, dass mir damals nichts passiert ist und Glück, dass mein Herz alles gut überstanden hat. In einem Jahr soll ich mein Herz nochmal untersuchen lassen, um sicher zu gehen, dass wirklich keine Schäden als Spätfolgen zurückgeblieben sind. Der Herzdruck ist mittlerweile fast weg. Ich muss aufpassen auf mein Herz – ich brauche es doch noch.