Jegliches braucht seine Zeit

30.05.2012 um 13:27 Uhr

Wunderschön

Sternen-Freundschaft. – Wir waren Freunde und sind uns fremd geworden. Aber das ist recht so und wir wollen‘s uns nicht verhehlen und verdunkeln, – als ob wir uns dessen zu schämen hätten. Wir sind zwei Schiffe, deren jedes sein Ziel und seine Bahn hat; wir können uns wohl kreuzen und ein Fest miteinander feiern, wie wir es gethan haben, – und dann lagen die braven Schiffe so ruhig in Einem Hafen und in Einer Sonne, daß es scheinen mochte, sie seien schon am Ziele und hätten Ein Ziel gehabt. Aber dann trieb uns die allmächtige Gewalt unserer Aufgabe wieder auseinander, in verschiedene Meere und Sonnenstriche und vielleicht sehen wir uns nie wieder, – vielleicht auch sehen wir uns wohl, aber erkennen uns nicht wieder: die verschiedenen Meere und Sonnen haben uns verändert! Daß wir uns fremd werden müssen, ist das Gesetz über uns: eben dadurch sollen wir uns auch ehrwürdiger werden! Eben dadurch soll der Gedanke an unsere ehemalige Freundschaft heiliger werden! Es gibt wahrscheinlich eine ungeheure unsichtbare Kurve und Sternenbahn, in der unsere so verschiedenen Strassen und Ziele als kleine Wegstrecken einbegriffen sein mögen, – erheben wir uns zu diesem Gedanken! Aber unser Leben ist zu kurz und unsere Sehkraft zu gering, als daß wir mehr als Freunde im Sinne jener erhabenen Möglichkeit sein könnten. – Und so wollen wir an unsere Sternen-Freundschaft glauben, selbst wenn wir einander Erden-Feinde sein müßten. (Friedrich Nietzsche)

29.05.2012 um 18:21 Uhr

Respektlos

Grad eben läuft auf einem der "Schrottsender" ein Bericht über Touristen auf den Malediven. Für diese Touristen werden Stachelrochen an den Strand gelockt, damit die Touristen diese streicheln können. Hallo?! Mal ganz davon ab, dass ich grundsätzlich nicht verstehe, warum man einen Rochen streicheln sollte - schon alleine, weil die Fischhaut sehr empfindlich ist und so Schäden davontragen könnte - die Tiere sind gefährlich! Keine Kuscheltiere! Ganz und gar nicht ... Der Stachel ist mit Bakterien versetzt, die zu Wunden führen, die nicht heilen und sich statt dessen so heftig entzünden können, dass man daran stirbt. Also warum sollte man einen Stachelrochen streicheln bzw. das auch noch fördern? Verstehe ich nicht ...

Damit nicht genug wurden in der nächsten Szene Haie durch Köder an den Strand gelockt. Hatten diese sich im Köder verbissen, wurden sie damit aus dem Wasser gezogen, um sie den jubelnden Touristen zu präsentieren. Ich kann da nur mit dem Kopf schütteln ... Wäre ich anwesend gewesen, hätte ich eine Gänsehaut vor Schreck bekommen. Wie kann man mit anderen Lebewesen so umgehen? Ich empfinde das als absolut respektlos! Sowas verstehe ich nicht und mag das auch nicht. Kurz nach der Szene konnten die Touristen noch mit den Haien schnorcheln. Ich wünsche es eigentlich niemandem aber wenn einer der Haie jemanden gebissen hätte, hätte ich es ihm nicht verübeln können ...

Mich schockiert immer wieder, wie respektlos mit Leben und Lebensraum umgegangen wird. Auch als ich auf den Malediven war, war ich entsetzt darüber, wie sich die Touristen aufführten. Mal stellten sie sich direkt auf die Korallen - die dadurch abbrechen und absterben und ewig brauchen, um nachzuwachsen. Mal fuhren sie mit ihren Tretbooten so dicht durch die Korallen, dass der Effekt der gleiche war. Manchmal holten sie Seesterne aus dem Meer und ließen sie an der Sonne trocknen - nur so. Mitnehmen konnte man sie nicht, denn die Ausfuhr von allem, was sich im Meer befindet, ist verboten. Das Töten offensichtlich leider nicht ...

Ich habe mich immer bemüht nichts zu berühren, nichts zu zerstören. Bei meinem ersten Besuch dort aber gerade auch bei meinem zweiten. Zwischen beiden Besuchen gab es den verheerenden El Nino, der das Wasser so stark aufwärmte, dass es zu einem Massensterben unter den Korallen kam. Ich war schockiert bei meinem zweiten Besuch. Die Riffe sahen aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen! Überall abgestorbene Korallentrümmer. Ja und die wenigen, die in den wenigen Jahren nachgewachsen waren, galt es umso mehr zu schützen - zumindest in meinen Augen ...

28.05.2012 um 18:39 Uhr

Entdeckung des Jahres

Ich habe mir früher nie viel aus Kriminalgeschichten gemacht. Weder als Film, noch als Buch. Selbst den Tatort habe ich lange Zeit geschmäht. Warum auch immer - mein Geschmack hat sich im Laufe der letzten Jahre diesbezüglich absolut verändert. Ich schaue mir nun gerne Krimis an und lese auch gerne gute Kriminalromane. Die absolute Entdeckung des Jahres ist dabei Henning Mankell. Geläufig war mir der Name schon lange aber der Reiz fehlte bisher. Als mir dann neulich meine Mutter ein Buch von ihm lieh, in dem Kommissar Wallander einen seiner Fälle löst, war es um mich geschehen. Gewohnt skandinavisch ging die Geschichte über den bloßen Kriminalfall hinaus. Mindestens ebenso intensiv wurde der Komissar und sein Leben - vor allem aber sein Innenleben geschildert. Schnell wuchs mir der etwas schwermütige, nachdenkliche Charakter ans Herz. Ich lese mich nun durch alle Wallander-Romane von Mankell und bin einfach nur begeistert. Die Kriminalgeschichten sind absolut spannend und intelligent geschrieben. Wallander selbst ist mir mittlerweile ganz vertraut - wie ein guter Freund, den ich lange Zeit begleite. Wer sich der Romane auch annehmen mag, dem gebe ich einen Tipp: Es empfiehlt sich, sie in Reihenfolge des Erscheinens zu lesen, da die Geschichte von Wallander beständig fortführend erzählt wird.

24.05.2012 um 18:07 Uhr

Danke ...

... lieber Herr Nachbar! Nein, es ist nicht notwendig die Haustür offen zu lassen, wenn ich grad draußen stehe und Blumen gieße. Es ist absolut nicht absehbar, dass ich im Anschluss an das Blumengießen ins Haus zurückkehren werde. Deshalb macht es rein gar nichts mir quasi die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Danke für Ihr Feingefühl und Ihr Mitdenken! Danke!

23.05.2012 um 17:33 Uhr

Buddhistischer Irrtum

Im Buddhismus geht es ja (ganz ganz grob) darum, gutes Karma zu sammeln und von Wiedergeburt zu Wiedergeburt "aufzusteigen" zu höherem Bewusstsein, bis man schließlich am Ziel ist: im Nirvana. Hat man karmatechnisch viel verbockt in seinem Leben, reinkarniert man auch schnell mal als Stinktier oder Kellerassel. Geht alles gut, kommt man als Mensch wieder, bis man schließlich also ins Nirvana marschieren kann.

Was mich daran irritiert ist: wieso wird die menschliche Existenz als die "höchste" angesehen?! Wie kommen die Buddhisten da nur drauf? Was bitte ist am Bewusstsein erstrebenswert oder "höherwertig"? Mal ganz ehrlich: so eine tierische Existenz ist absolut nicht zu verachten. Tiere zerbrechen sich über nichts den Kopf, sie sind nicht unglücklich oder traurig (ja, ja, nicht schreien - die haben schon auch Gefühle aber eben anders als wir ...). Um Gelassenheit zu erreichen, muss eine Katze z. B. nicht mehr tun, als sich in die Sonne zu legen und in die Welt zu blinzeln. Jeder, der eine Katze in diesem Zustand schon einmal betrachtet hat, muss mir zustimmen: ganz ohne große reflektorische Geistesarbeit, hat die Katze den absoluten Zustand erreicht: absolute Gelassenheit, die vollkommenste Ataraxia! Wer will da schon als Mensch wiedergeboren werden ...

21.05.2012 um 15:03 Uhr

Hilflos

Manchmal spüre ich, wie da etwas zerbricht und ich kann nichts tun, außer hilflos dabei zuzusehen.

17.05.2012 um 16:00 Uhr

Gleichnis

So ein Urlaub gleicht irgendwie dem Leben an sich. Nicht in jeder Hinsicht aber in einer ganz bestimmten: Zu Beginn des Urlaubs hat man noch viel Zeit und Erlebnisse vor sich. Man lässt es langsam angehen, um dies und jenes zu erleben. Man hat viel vor und möchte noch viel sehen. Es gibt Fotomotive, die noch abgelichtet werden wollen, Strände, die man erkunden möchte, Ausflüge, die man machen möchte. Nach und nach erledigt man das eine oder andere, schiebt aber auch viel auf, weil man ja Zeit hat. Dann, ganz plötzlich, wird die Zeit spürbar knapp. Die Tage genügen nicht mehr, um alle Strände zu erkunden, die man sehen wollte. Mehrere Fotomotive konnten nicht abgelichtet werden, weil die Zeit knapp wird oder das Wetter an den letzten Tagen nicht mitspielt. Ausflüge können nicht mehr gemacht werden.

So ist es im Urlaub und im Leben: irgendwann wird plötzlich die Zeit knapp oder man kann bestimmte Dinge nicht mehr erleben, weil die Umstände sich geändert haben. Man sollte nichts aufschieben - es ist nie klar, wie lange man noch Zeit dafür hat.