Jegliches braucht seine Zeit

27.09.2013 um 06:10 Uhr

Ein Traum

Ich saß mit meinem Vater in einem Café. Wir hatten eine Einladung erhalten von Tante Grete und noch jemandem aus der Familie. Ich war erstaunt: Tante Grete lebt noch? Mein Vater sagte, dass dem so sei. Ich hatte Schwierigkeiten die Karte zu lesen aber er half mir beim Entziffern. Alles war per Hand geschrieben und ich staunte darüber, dass jemand all diese Karten per Hand geschrieben hatte. Was für ein unglaublicher Aufwand. Das musste ewig gedauert haben! Es sollte im Juni eine Feier stattfinden. Ein ganzes Wochenende lang. Ein Wochenende im familiären Kreis. Obwohl ich ungern woanders nächtige und ungern lange Zeit viele Menschen um mich habe, freute ich mich ungemein auf dies Wochenende und malte mir aus, wie es wohl sein würde. Wen ich wiedertreffen würde und was wir besprechen würden.

Dann wachte ich auf in dieser sternenklaren und eisig kalten Nacht. Ich war traurig über ein Treffen, dass es so nie geben würde. Meine Familie ist nur noch ein Flickenteppich, in den der Tod viele Löcher gerissen hat. Viele lose Fäden, die nicht mehr zusammen halten. Tante Grete lebt schon lange nicht mehr. Ich kenne sie nur noch aus meiner jüngsten Kindheit. Seltsam, dass ich von ihr träumte. Ja und mein Vater, der dort mit mir am Tisch saß und einen Espresso bestellte ... auch er lebt bereits seit Jahren nicht mehr.

26.09.2013 um 14:27 Uhr

Regierungslos

Tja, nun ist sie gelaufen die Wahl und noch immer hat sich keine Koalition gefunden. Keiner mag mitmachen mit dem Wahlgewinner. Tja und nun?! Was passiert eigentlich, wenn auch auf lange Sicht keine neue Regierung gebildet werden kann? Aktuell haben wir zumindest eine abstruse Situation: die FDP hat es eigentlich nicht in den Bundestag geschafft - weil aber noch keine neue Regierung gefunden wurde, bleibt sie erst einmal im Amt. Das ist ja so, als würde mir mein Chef kündigen und ich aber erst einmal weiterarbeiten, weil noch kein Nachfolger für meine Stelle gefunden wurde ...

Was ich mich auch frage: was machen die dann eigentlich, wenn die neue Regierung gefunden wurde? Muss die FDP geschlossen zum Arbeitsamt? Wurschteln die weiter vor sich hin bis zur nächsten Wahl? Wenn ja: Wer finanziert das? Hmm ...

25.09.2013 um 07:26 Uhr

Weggabelung

Ich bin nie wieder den rechten Weg gelaufen, wenn ich im Park Joggen war, seitdem ich dich nahe bei deiner Schwester begraben habe. So wirklich bewusst war mir das nicht. Immer lief ich links und warf euch beiden nur aus der Ferne einen Kuss zu. Zwei Küsse - einen für jeden von euch. Viele Jahre war es nur ein Kuss - dann zwei. Doch ich hielt mich fern - ohne dies je zu realisieren. Neulich dann schlug ich bewusst den rechten Weg ein. Ich sah den Baum, der sanft nach Vorne gebäugt ist. Den ich damals im Dunkeln ausgewählt hatte, weil er so beschützend auf mich wirkte. Ich wollte, dass du beschützt wirst. Du erschienst mir so hilflos und allein in diesem kalten Grab. Ich sah den Baum, der sich schützend über dich bäugte und unweigerlich füllten sich meine Augen mit Tränen. Manchmal fehlst du mir noch immer - auch nach dieser langen Zeit.

17.09.2013 um 06:58 Uhr

Frostbeulen

Heute früh auf dem Weg zur Arbeit war es bitterkalt. Vielleicht 10 Grad - gefühlt aber weit darunter. Ich war froh ein Tuch um den Hals gemacht zu haben und träumte sehnsüchtig davon auch Handschuhe eingepackt zu haben. Es war wirklich bitter, bitter kalt. Dazu ein recht eisiger Wind, der alles nur noch schlimmer machte. Ja und dann?! Eine junge Frau an einer Bushaltestelle. Mitten im kalten Wind. Im T-Shirt! T-Shirt!! Hallo?! Ich mutmaßte, dass sie vielleicht ihre Jacke vergessen hatte in der irrigen Annahme, dass heute der Sommer wieder ausbricht. Aber nein! Die Jacke hatte sie über ihren Arm gelegt, wie ich erkennen konnte, als ich an ihr vorbei radelte und sie ungläubig anstarrte. Was war das? Eine verlorene Wette? Verfrühte Wechseljahre? Schilddrüsenüberfunktion? Rätselhaft ...

11.09.2013 um 08:04 Uhr

Aufgeschreckt

... ist dieser kleine Lisztaffe, weil er kurz zuvor von einem Artgenossen angesprungen wurden, dem er nun empört hinterher ruft.

05.09.2013 um 08:57 Uhr

Ratlos und erschöpft

Grad eben bin ich völlig ausgelaugt und erledigt. Ich wusste nicht, wie sehr Schmerzen einem die Kräfte rauben. Nicht auszudenken, wie es denen gehen mag, die Jahre damit leben müssen.

Das Penicillin hatte bei mir gut angeschlagen und zum Glück habe ich es auch gut vertragen. Allerdings zog die Behandlung eine neue Infektion nach sich. Ja so ist das bei den kleinen Krankheitserregern. Kaum bietet sich ne Nische *zack* wird die ausgefüllt. Kann man ihnen noch nicht mal richtig verdenken – so funktioniert das nun mal. Ergo: neues Medikament. Auch das schlug gut an aber normal fühle ich mich trotzdem nicht.

Ich bin ratlos, kraftlos und will einfach nur noch mein altes Leben zurück. Wie schön alles war, merkt man eben doch immer erst dann, wenn es das nicht mehr ist. Gleichzeitig habe ich regelrechte Panik davor, dass die Schmerzen wiederkommen. Das war kaum auszuhalten und das über Wochen. Ich will das nicht wieder bekommen. Vermutlich wäre es das Beste noch eine zweite Meinung einzuholen, denn meine Ärztin meinte auf meine Frage, was denn wäre, wenn es nach dem Medikament auch nicht gut ist: „Dann muss ich überlegen!“ Heißt für mich: ich bin am Ende meines Lateins angekommen und weiß dann auch nicht mehr weiter. Ja, ich sollte woanders hingehen aber ich kann grad nicht. Mir fehlt irgendwie die Kraft …