Jegliches braucht seine Zeit

27.05.2014 um 16:40 Uhr

Seltene Beobachtung

Die Balearen leiden in diesem Frühjahr unter einer extremen Dürreperiode. Auf der Insel, auf der ich war, hatte es seit November nicht mehr geregnet. Seit November! Das sind quasi wüstenartige Verhältnisse, zumal der große Regen vor nächstem September auch nicht mehr kommen wird. Ich weiß nicht, ob diese Dürre dafür verantwortlich war, dass ich ganz in der Nähe unseres Bungalows, diesen seltenen Vogel beobachten konnte. Von den vielen Fotos sind leider nur diese beiden etwas geworden. Er marschierte permanent vor mir weg und streckte emsig den Schnabel in die trockene Erde, um Nahrung zu finden.

22.05.2014 um 18:07 Uhr

Unerwarteter Ausbruch

Neulich im Supermarkt: ich an der Kasse, vor mit noch 4 andere Einkäufer. Eine Frau war grad dabei ihre Einkäufe in den Einkaufswagen zu verfrachten. Sie wollte mit Karte zahlen. Klar, kein Problem. Die Verkäuferin wies noch darauf hin: "Bitte noch die PIN eingeben." Wie immer halt. Die Reaktion der Frau jedoch schreckte alle anderen Menschen an der Kasse auf: "ICH LASSE MICH NICHT HETZEN!!" Erschrockene Verwirrung bei der Verkäuferin, ungläubiges Staunen bei den Einkäufern. Doch die Frau war noch lange nicht fertig: "Ich lasse mich hier nicht von Ihnen unter Druck setzen! Kann ICH doch nix für, wenn SIE die Sachen so schnell durchziehen!" Grimmig räumte sie die letzen Reste in den Wagen. "Das entscheide immer noch ICH, wann ich die PIN eingebe!" Nun gab es bei den Einkäufern um mich kein Halten mehr. Einige schüttelten den Kopf, andere kicherten. Ein älterer Herr vermutete gar, dass die Sonne einfach nicht jedem bekäme. Die Frau rauschte ab (immer noch mürrisch drein schauend) und wir versicherten der Verkäuferin nochmal zur Sicherheit, dass sie wirklich nichts Falsches gesagt oder getan hätte. Bis ich dran war, war jedoch der Spruch: "Also nun hetzen sie mich doch nicht so!", quasi ein Running Gag an der Kasse. Schön, wenn man gemeinsam lachen kann. Die Verkäuferin brauchte es dann auch selbst auf den Punkt: "Manche Menschen haben einfach mit sich selbst zu viele Probleme und sind deshalb so."

21.05.2014 um 12:29 Uhr

In letzter Minute

Ich war weg. 10 Tage auf "meiner" Insel mit den sagenhaften Buchten. In letzter Minute geradezu, denn ich war vorher so angespannt, dass ich regelrecht nicht mehr frei atmen konnte. Dort - weit weg - hatte ich nun die Möglichkeit abzuschalten und runter zu kommen.
 
(Dass ich wieder mit AB flog, sei nur am Rande erwähnt. Ich hatte so viel ebenso Schlechtes über andere Airlines gehört, dass es keinen Sinn machte woanders zu buchen. Da wir diesmal Direktflüge hatten, konnten sich Verspätungen auch nicht ganz so verheerend auswirken. Tatsächlich gab es auf dem Hinflug auch "nur" 30 Minuten Verspätung, weil "Papiere" fehlten und auf dem Rückflug 15 Minuten, wegen keine Ahnung. Dafür war der Flieger super leer, weswegen wir auch einfach leere Reihen belagerten und das Team an Bord war wirklich super nett.)
 
Dort im Süden also konnte ich mich wieder entspannen. Die Sonne, die Wärme und mein Hund, der jedes Jahr dort ist plus ein spontan adoptierter Kater, der nach zwei Tagen trotz Furcht handzahm wurde, taten ihr Übriges dazu. Das letzte Gespräch mit meiner Ärztin wirkte nach. Auch das, was andere mir zu dem Thema gesagt oder geschrieben hatten. Mein Fazit ist, dass uns letztlich nichts anderes übrig bleibt, als unser Leben zu genießen, so lange dies noch geht. Wir wissen nicht, wann es enden wird. Sicher ist nur eines: es wird enden. Bis dahin sollte und muss man einfach jede Sekunde genießen! Sich täglich Sorgen vor einer möglichen Erkrankung zu machen, bringt nichts und hilft auch nichts.
Dennoch ... mir fällt es schwer darauf zu vertrauen, dass eine mögliche Krankheit rechtzeitig erkannt wird. Das stimmt, da hat die Ärztin Recht. Dies hat jedoch seinen Grund. Bei keinem in meiner Familie wurde der Krebs erkannt, bevor er sich verbreitet hatte und es zu spät war. Besonders tragisch war dies bei meiner Tante. Sie ging auch regelmäßig zur Vorsorge - alles unauffällig. Dann - ca. ein Jahr vor der Diagnose, ging es ihr plötzlich schlecht. Sie nahm ab, fühlte sich nur noch müde und schlapp. Sie ging von Arzt zu Arzt, doch niemand konnte sagen warum. Es wurde lediglich ein Eisenmangel festgestellt, auf den sich niemand einen Reim machen konnte. Man entließ sie ohne Befund - bis zu dem tragischen Befund ein Jahr später ...
Heute weiß ich, dass Tumore diese Symptome verursachen können. Auch den Eisenmangel, denn sie verbrauchen wohl manchmal Eisen. Kein Arzt kam darauf - trotz Vorgeschichte. Ein wenig werfe ich mir vor, dass ich damals nicht schaltete und noch nicht wusste, was es bedeuten kann. Heute weiß ich es aber heute ist es zu spät. Ja, mir fällt es schwer zu vertrauen, denn wie soll man Angesichts solches Versagens auf ärztliche Diagnosen vertrauen? Trotzdem bleibt letztlich das Fazit: es nutzt nichts - ich muss mein Leben genießen. Ich muss natürlich auch auf Signale achten aber dies darf eben nicht zum Mittelpunkt des Lebens werden. Etwas anderes bleibt einfach nicht.

06.05.2014 um 16:04 Uhr

Beruhigen lassen

RosaMaus fragte, ob es nicht einen Arzt gäbe, der mich beruhigen könne und ich sagte, dazu müsse er eine Bauchspiegelung machen. Meine FÄ hat heute dennoch genau das versucht: mich zu beruhigen. Ich war bei ihr, weil ich etwas entdeckt hatte, was mir komisch vorkam und mich (natürlich) sofort wieder massiv beunruhigte und besorgte. Ich bin in solchen Momenten immer hin und her gerissen bei einem Arzt anzurufen, weil mir eigentlich klar ist, dass da nichts ist und im Grunde alles gut ist aber dennoch toben die Ängste und Gedanken sofort los. Als die Angst größer war, als das Sich-blöd-vorkommen, ließ ich mir einen Termin geben. Es war das, was ich mir fast schon dachte: Etwas gänzlich und völlig Ungefährliches. Das hat mich natürlich sehr beruhigt. Bei dem Gespräch nach der Untersuchung brach ich dennoch in Tränen aus.

Die Ärztin traf irgendwie genau den Punkt. Sie sagte, sie hätte vor ein paar Monaten alles untersucht und ich müsse ihr einfach vertrauen, dass sie etwas sehen würde, wenn da was nicht stimme. Sie habe den Eindruck, dass es mir sehr schwer fallen würde zu vertrauen aber dass ich genau das tun müsse. Nicht für sie, sondern für mich. So würde sie sich Sorgen um mich machen, weil es mich so viel Kraft koste und meine Psyche angreifen würde. Ich gab ihr Recht (bereits mit den Tränen kämpfend) und sagte, dass mich die vielen Todesfälle innerhalb der Familie sehr mitgenommen und traumatisiert hätten. Das konnte sie verstehen aber wies nochmal darauf hin, dass ich unbedingt davon weg kommen müsse mir ständig Sorgen zu machen. Ich solle ihr vertrauen. Das müssten wir beide hinbekommen und ich sollte ihr das sogar versprechen, was ich auch tat.

Ich fragte, ob es etwas homöopathisches gäbe, was mich wieder in meine Mitte bringen würde. (Sie ist auch Homöopathin) Sie überlegt einen Moment und sagte, dass es das sicher gäbe und es kein Problem wäre mir was zu empfehlen - sie glaube aber, dass ich das nicht brauche. Irgendwie überraschte mich ihr Vertrauen in mich und meine Stärke aber gab mir irgendwie auch Zuversicht in dem Moment. Mir liefen die Tränen und wie immer, wenn mir das bei einem Arzt oder sonstwem "Fremden" passiert, war es mir sehr unangenehm. Ich öffne mich ungern so total jemandem gegenüber, den ich gar nicht kenne und dem ich - ja, da ist es wieder - nicht völlig vertraue. Vielleicht ist das wirklich der Punkt bei mir: das mangelnde Vertrauen. In mich, wie in andere. In jedem Fall etwas, was die Ärztin angestoßen hat und worüber ich in Ruhe nachdenken muss und werde. Ja und vielleicht hat diese Ärztin es tatsächlich doch geschafft mich irgendwie zu beruhigen, weil sie meinen Fokus verschoben hat.

01.05.2014 um 08:58 Uhr

An einem 1. Mai

An einem 1. Mai ist der Park morgens wie leergefegt beim Joggen. Drei Männer mit ihrem Hund kreuzten meinen Weg. Warum sind nur Männer unterwegs? Die Natur erstrahlt in ihrem schönen frischen Grün. Die Kastanien sind voll erblüht. Ein paar Blüten sind bereits auf den Boden vor mir gefallen, auf dem ich laufe. Als seien die Bäume Blumenkinder, die mir meinen Weg mit Blüten schmücken wollten. Ein paar Stare wetteifern mit einem Amselpaar. Jeder versucht dem anderen die Insekten wegzuschnappen, die sie offensichtlich in Hülle und Fülle am Boden finden. In ihrem Erschrecken vor der Läuferin sind sie sich plötzlich einig. Wenig später ist eine Taube mutiger. Sie schaut nur skeptisch aber bleibt sitzen. Gut so - ich tue keinem was. Eine Allee mit blütenüberzuckerten Büschen, die ihren süßen Duft verströmen. Gänse, die auf einer Wiese Gras zupfen. Ich frage mich, warum der Mensch sie sonst mit Brot füttert. Ihr Tisch ist doch reich gedeckt. Scheinbar können wir nicht glauben, dass Wildtiere sehr gut alleine satt werden können. Mein Weg neigt sich dem Ende zu. Ich steuere meinen Lieblingsbäcker an, um zu schauen, ob er bereits geöffnet hat. Hat er nicht. Eine ältere Frau, die gleichzeitig mit mir eintraf versicherte, er würde um 8 Uhr öffnen. Noch 10 Minuten. Ich überlegte einen anderen Bäcker aufzusuchen - ein Stück die Straße runter. Dieser hatte bereits geöffnet. Die Frau und ich waren uns jedoch einig, dass die Brötchen hier besser und leckerer seien. Sie ermunterte mich mit ihr zu warten. 10 Minuten würden doch so schnell vergehen. Ich wartete mit ihr. Sie erzählte mir, dass sie neulich einen Maikäfer gesehen habe. Ich war erstaunt und erfreut, dass es diese wieder gibt. Auch sie freute sich, waren sie doch Teil ihrer Kindheit gewesen. Sie erzählte, sie hätten damals den Maikäfern Namen gegeben - je nachdem, welche Farbe sie hatten. Schuster gab es, Müller und Schornsteinfeger. Der, den sie gesehen hatte war ein Müller, denn er war Grau. Ich hatte dann als Kind wohl immer nur die braunen Schuster gesehen. Der Bäcker öffnete und mit frischen Brötchen lief ich nach hause. Ich bin gesund, es geht mir gut und das ist das Wichtigste.