Soulsick & Skindeep

30.06.2008 um 00:43 Uhr

Choose your weapon...

von: skindeep   Kategorie: __

...and go to war instead.
(Diary of Dreams)

Wenn nicht einfach, ruhig und gelassen, dann eben nicht. Ich kann auch anders, wenn es sein muss. Feuer geschürt. Es gibt keinen Plan B, nur eine kleine Änderung der Taktik. Mit ausgefahrenen Krallen. Es wird ein Krieg ausbrechen. Weil es einfach gelingen muss. Und am Ende herrscht hoffentlich mehr als Seelenlosigkeit. Bis dahin wird es brennen, nieder mit allein Prinzipien. Kompromisslos.
Die Segel sind gehisst und der Kompass zeigt ausnahmsweise nach Süden.

26.06.2008 um 00:33 Uhr

...wortlos

von: skindeep   Kategorie: Monsters under my bed

Stimmung: sick.
Musik: Disturbed - down with the sickness

This time what I want is you
There is no one else
who can take your place
(Lifehouse)

"Ich habe ein bißchen Angst..." - "Ich auch.", antwortete sie. Und man sah es in ihren Augen. 'Ein bißchen' ist noch stark untertrieben. Schon zweimal hatte ich nun diesen Traum, auch wenn das erste Mal sicher zwei Jahre her ist, kann ich das Gefühl nicht vergessen, und die Tränen nach dem Aufwachen. Dann vor ein paar Wochen wieder. Die Bilder verfolgen mich bis weit aus der Nacht hinaus. Wenn sie nur nicht so real wären.

Du bist so selten krank, eigentlich habe ich nur einmal erlebt, dass du etwas Ernstes hattest. Es war das Asthma, damals, bestimmt schon fünfzehn Jahre ist der schlimmste und auch letzte Anfall nun her. Ich glaube, es war eine der schrecklichsten Szenen, die ich mitangesehen habe in meinem bisherigen Leben. Dein Gesicht. Ihre Gesichter, und die aufgelösten Schreie, wie sie mich rausgeschickt haben, ich war zu klein und habe doch alles gesehen. Und nun wieder...

Als du das erste Mal ins Krankenhaus musstest, war ich gerade arbeiten und konnte mich nicht richtig konzentrieren, weil ich die ganze Zeit einen erlösenden Anruf erwartet habe. Der natürlich ausblieb. Es ist noch immer nicht besser geworden, auch die Ärzte konnten das Herz nicht wieder in den richtigen Takt bringen und die Blutverdünner haben nun nur dazu geführt, dass die kleinsten Wunden nicht zu bluten aufhören und du verdammt schwach geworden bist. Eigentlich habe ich dich den größten Teil der Zeit nur draußen erlebt, auf dem Fahrrad, früher bei langen Strandspaziergängen, oder zwischen den Rosen im Garten. Du brauchtest immer etwas zu tun, und wenn es nichts gab warst du unruhig, klimpertest mit dem Schlüssel, liefst hin und her wie ein Huhn im Käfig. Mama sagte mir gestern, du wärst zum ersten Mal einfach nur hier gewesen um in der Küche zu sitzen, Kaffee zu trinken und dich zu unterhalten. "Und dazu hat er nun fast achtzig Jahre gebraucht." Es hat sie gefreut, dass du nicht sofort begonnen hast zu diskutieren oder gar direkt wieder gegangen bist. Mir bereitet es Sorge.

Kein gutes Zeichen. Ganz und gar nicht. Du bist antriebslos geworden, konntest nicht mehr Auto fahren, warst nicht auf dem Geburtstag deiner Schwester. Du bist leise geworden, schläfst viel, redest leise. Es tut weh dich so zu sehen. Keine kleinen Scherze nebenbei mehr, das schelmische Lächeln ist verschwunden. Mir ist übel.

Ich weiß, dass ihr nicht mehr die Jüngsten seid. Aber gerade du hast immer nur so vor Leben gestrotzt. Hattest das Glitzern des Lausbuben noch so präsent in deinen Augen. Verlier es nicht, noch nicht.
Bleib. Bitte.
Noch ganz lange.

22.06.2008 um 02:20 Uhr

High-street whore

von: skindeep   Kategorie: Home

Wie gut kann ich mich daran erinnern auf dem kargen Beton gesessen zu haben, nicht nur einmal. Ich habe aufs Wasser geschaut und Musik gehört, Ruhe suchend und nicht findend. Ruhe vor all den Farben, den Seifenblasen in die Luft pustenden Punks, den benutzt wirkenden und gedrungenen Häuserreihen, dem Gefühlsüberfluss. Urban Overload. Schräg gegenüber, auf der anderen Seite des Kanals, die Weide, eine der wenigen grünen Flecke im abgewrackten Camden. Nicht weit davon der Hinterausgang eines Restaurants, es roch nach Fisch und Müll, ein Mann ging umher und stapelte Kartons. Neben mir saß ein Pärchen, wie ich die Beine über dem Wasser baumelnd. Alltägliches Einerlei im verbrauchten Paradies.
Es ist als läge ein nur wenig verblichenes Foto vor mir, ich sehe die Szenen ungewöhnlich scharf vor mir. Genau wie ich mich an den Geruch in den U-Bahn Stationen erinnere, wenn ich die Augen schließe, und an die gefühlten Rasereien in mir.

Eigent
lich ist London nicht schön. Ganz im Gegenteil, es ist so unperfekt graustufig. Aber es gibt Orte, die müssen nicht schön sein um anziehend zu sein. Köln ist auch nicht schön, und doch möchte ich nicht woanders leben. Unbeschreiblicher Charme. Und London ist die einzige Stadt, nach der ich eine seltsame Art von Heimweh habe. Heimweh von der Sorte, die nicht gestillt werden kann, wenn ich wirklich wieder dort sein sollte. Eher von der Sorte, die sich noch verschlimmert, weil dann nicht mehr nur die Bilder, sondern auch die Gefühle sich wiederholen werden. Schmerz verbindet über die üblichen Grenzen hinaus.

London, my strangelove.
Ich werde zurückkehren eines Tages, mit nichts bei mir, als einer Kamera. Lastbefreit. Am Tag werde ich Fotos machen, davon haben viel zu wenige die Zeit überdauert, werde die Menschen und auch die Seifenblasen festhalten. Später werde ich wieder am Wasser sitzen, vielleicht am gleichen Platz, Füße baumelnd, Kopf entleert. Die Weide wird im Sonnenuntergangslicht leuchten und die Gassen leeren sich langsam, sobald die Geschäfte schließen. Ich werde innerlich toben, und mit und vor allem gegen die Erinnerungen kämpfen, den Drang wegrennen zu wollen, unterdrücken und stattdessen genießen, lächeln. Irgendwann allein. Mit der Kamera und einer langen Geschichte in der Hand.

 
Quelle: banjou.deviantart.com

20.06.2008 um 01:03 Uhr

Vogelfrei

von: skindeep   Kategorie: Alice / Soma

Ich will eine, die mit mir den ganzen Drecksplaneten in die Luft jagt,
Mir beim Zungenkuss das Genick bricht
und keck die Zähne bleckt,
Und mir notfalls noch Nitroglycerin von meinen Hüften leckt
(Samsas Traum - WerWieWas)

Ich würde. Und ich habe. Frag nicht und schau nicht zurück. Mit den Vögeln dem Wind voraus, wohin ist einerlei. Richtungslos waren wir immer schon. Schmerz- und weltvergessend. Kompassbefreites Vagabundenleben.
Unsere Herzen schlagen gegengleich, sind taktlos, wild. Blutsgeschwister. Bis in die Hölle und zurück. Keine Augen für die hinterlassene verbrannte Erde und die Galaxien aus Asche. I'm not quite sure what you did to me, but I think I like it. Definitely. I'm fine.

Vorsonnenuntergangsstimmung. Glitzernde Himmel, sternenübersät, ein wenig noch sonnenberührt. Blau, blau, blau. Helldunkel leuchtend. Die Luft strahlt lungenzerreissend. Irgendwo schlägt eine Uhr halb zwölf. Zeit verrinnt im Stillstand. Fragile Stabilität.

Du brauchst mich nicht mehr wahnsinnig zu machen. Ich bin es schon. Habe die Manie mit zwei kleinen Löffeln still in mich reingefuttert. Zodiac, Baby. Die Zähne sind gefletscht, aber sowas von. Vorsicht, bissig! Komm mir nur nicht zu nahe.
Ich bin vogelfrei. Mich fangen zu wollen hat kaum Zweck. Wer braucht Realität, wenn er Freiheit hat?
Nothing else matters.

Finger weg! Finger weg! Ich gehör alleine mir!
(ASP - Finger weg)

10.06.2008 um 01:15 Uhr

Du...

von: skindeep   Kategorie: Monsters under my bed

Musik: Yann Tiersen - Comptine d'un autre été

Eigentlich möchte ich nicht schreiben. Schreiben heilt nicht nur. Es wirft mich auch in alte, ewig wiederkehrende Gedankengänge zurück. Jene, die sich wie eine Faust um das Herz legen, sodass sich die Enge bis in die Kehle zieht, spürbar beklemmend. Du bist meine oft verfluchte Muse und ein viel zu realer Phantomschmerz. And I think you know.
Natürlich vermisse ich dich, ich will es mir nur nicht eingestehen. Ich hasse es über dich zu reden und tue es doch. Du beherrschst meine Erinnerungen. Ein halbes Jahr ist es jetzt her, seitdem du verschwunden bist, einfach so ins Nichts. Ich weiß weder wo du bist, noch was du tust oder ob es dir gut geht. Schon einmal bist du einfach so abgetaucht, nur damals hat es sich anders angefühlt. Zeit heilt vielleicht die meisten Wunden, aber sie macht noch lange nicht ungeschehen. Mein Stolz ist noch immer so wahnsinnig verletzt. Es war keine Absicht, du warst einfach der Einzige, der mich so verletzen konnte und du hast es getan. Wer wenn nicht du. Schöne Enden sind nunmal selten. Ich war im Gegenzug die Einzige, die dich je dazu gebracht hat, lauter zu werden, laut, gemein und stur, warst du doch sonst immer so ruhig, hast geschworen du könnest gar nicht wütend werden. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich auch diese Seite kennengelernt habe. Wie sonst kann man alles an einem Menschen lieben.

Noch immer habe ich eine Menge Wut auf mich selbst im Bauch und es kullern die Tränen, eine nach der anderen, wenn ich zu lange über all das nachdenke. Noch immer halte ich deine Scherben in den Händen, behutsam und wütend, und sie bohren sich ins Fleisch, sobald ich die Finger darum schließe. Ich weiß, dass niemand dich je wird ersetzen können. Weil du auch meine Scherben trägst, auch wenn ich das nie wollte. Du musstest sie nehmen, aus einer stillen Selbstverständlichkeit heraus, weil du der einzige warst, der sie und die Geschichten dahinter verstand. Weil du Dinge von mir weißt, die ich nicht einmal in Worte fassen kann. Weil du mich weit hinter meine Grenzen geführt und auch wieder zurückgeholt hast. Weil du einfach bist wer du bist. Mehr wusste ich nie zu sagen, wenn du fragstest, warum ich bei dir war. Mehr war nicht zu sagen. Ich hoffe, du gibst weiterhin gut auf sie acht, auf die Geschichte, die die Scherben bergen. Ich werde sie kein zweites Mal erzählen.
Eine Zeitlang dachte ich, ich könne nur bei dir frei sein, ich selbst sein. Nein, ich dachte nicht nur, dem war tatsächlich so. Jetzt geht es auch so, meistens. Ich habe mich gefunden und weiß mich zu verlieren. Nur der Stolz... der wird noch eine ganze Weile brauchen sich zu erholen.

'Der Himmel ist rot, so rot. Brennt. Wir leben lieber ungewöhnlich. Verschwenden nicht nur uns und unsere Jugend. Sondern direkt ein ganzes Leben. Denn Zeit bleibt keine. Wir stehen in Flammen. Kämpferherzen. Wir leben am Limit, sind vereint uneins. Wir rauschen durch den Tag, laut, lebendig. Mit dem Gefühl im Bauch, ewig zu leben und schon morgen zu sterben.
Die Musik wird leiser gedreht, Ruhe kehrt ein. Die Nächte sind lau, die Frösche quaken und ich beginne den Wind zu lieben, warm und sanft im Haar. Der Tag ist unser und die Nacht liegt uns zu Füßen.'

In solchen Momenten würde ich gern zum Telefonhörer greifen und deine Nummer wählen. Deine Stimme hören, die Tränen unterdrücken und ganz oft 'hallohallohallo' sagen. Dir erzählen, wie schön alles ist. Und wie sehr du dennoch fehlst.
Aber ich tue es nicht.
Hoffentlich schläfst du gut, ohne Gifträume und dergleichen. Mehr will ich doch gar nicht.

01.06.2008 um 19:44 Uhr

Schönheit

von: skindeep   Kategorie: floating.

Das war einer von jenen Tagen, an denen es jeden Moment schneien kann und Elektrizität in der Luft liegt. Man kann sie fast knistern hören, stimmt's? Und diese Tüte hat einfach mit mir getanzt. Wie ein kleines Kind, das darum bettelt mit mir zu spielen. Fünfzehn Minuten lang. An dem Tag ist mir klar geworden, dass hinter allen Dingen Leben steckt. Und diese unglaublich gütige Kraft, die mich wissen lassen wollte, dass es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Nie wieder! Ein Video ist ein armseliger Ersatz, ich weiß. Aber es hilft mir, mich zu erinnern. Und ich muss mich erinnern. Es gibt manchmal so viel Schönheit auf der Welt, dass ich sie fast nicht ertragen kann. Und mein Herz droht dann daran zu zerbrechen.

 

Manchmal ist es so, genau so. Wenn die Sonne scheint und das richtige Lied im Hintergrund läuft. Alles ist ganz normal, ganz gewöhnlich. Trotzdem glitzert es ein wenig über allem und die Welt steht für ein paar Sekunden still. Hält den Atem an. Vielleicht um sich selbst gewahr zu werden. Es treibt mir die Tränen in die Augen. Einfach so. Vor lauter Schönheit und Überfluss. Und ich weiß wieder, wer ich bin.

 

...dann geht mir durch den Kopf, ich sollte mich entspannen und aufhören, zu versuchen, die Schönheit festzuhalten. Dann durchfließt sie mich wie Regen...
(aus American Beauty)