Soulsick & Skindeep

25.10.2008 um 00:28 Uhr

Maybe in April...

von: skindeep   Kategorie: insomniac

Musik: Rufus Wainwright - Hallelujah

Es soll frieren. Vielleicht diese Nacht, vielleicht nächste oder übernächste. Inhale. Ich atme tief die eisige Abendluft ein, die bereits in der Lunge schmerzt, Atemwege erstarren lässt. Und freue mich auf den Raureif, der dann über dem Garten liegen wird. Exhale.

Zweifel sind da, an der Sinnhaftigkeit meines Tuns und Richtigkeit meines Weges. Aber immerhin habe ich einen, auch wenn er sich schleppend zieht und ich gern noch soviel zur gleichen Zeit machen würde. Momentane Trägheit. Ich warte auf Aufwind der Überwindung schafft. Ich habe schon einmal darauf vertraut, dass die Zeit auf meiner Seite ist und wurde enttäuscht. Zeit ist eine schlammverschmierte Hure. Nun bleibt nichts ausser dem Jetzt, in dessen Hände ich mich gebe und versuche die Pläne in Taten umzusetzen.
Träume. Ich kann mich wieder freuen. Ich habe alles, was ich mir nur wünschen kann und seien es nur ein paar wundervolle Stunden inmitten einer anstrengenden Woche. Früher war alles irgendwie überschwappender, explodierender, auch die Worte. Etwas geht immer verloren. Dafür habe ich nun mehr Halt. Weniger Absturz. Die Sehnsüchte werden konkreter und bleiben doch unerreichbar. Die Ozeane dazwischen sind nur gefühlter Art.

Maybe there's a god above...

Alte Worte machen konfus, die roten Buchstaben auf dem vergilbten Pergament. Ich hatte vergessen, in welche Richtung die Welt sich dreht. Ein Jahr ist an mir vorbeigeflogen und ich kann kaum sagen, was geschehen ist. Was soll ich dir erzählen, wenn du fragst? Ich könnte berichten von den Orten, die ich gesehen, und den Gerüchen, die ich aufgesaugt habe. Von den Menschen, die noch immer bei mir sind, und jenen die sich dazugesellt haben. Vom gar nicht so kalten Winter, einem einsamen Frühling, Sommer voller Wahnsinn und den Anfängen eines wunderschönen Herbsts. Ich könnte versuchen, die Träume zu beschreiben und erzählen wie ich mich fühle, aber die Worte dieser Sprache reichen nicht aus. Es hat sich nicht viel verändert und doch mehr als ich sagen kann. Ich bin ein wenig erwachsener geworden, auf eine gute Art und Weise, hoffentlich. Sicher weisst du all das bereits, in welcher Hinsicht auch immer. Du hast das Herz dafür.

Ich bin nicht gut im Geschichtenerzählen. Ich höre lieber zu.
Ich gehe noch einmal barfuss über die Wiese, die letzten Blätter. Inhale. Die Pläne müssen konkretisiert werden, nun endlich, es wird Zeit. Ich will nicht wieder im falschen Moment fort sein und jemanden im Stich lassen. Klarer, eisiger Nachthimmel. Exhale.

...But you don't really care for music, do you?

20.10.2008 um 21:27 Uhr

Insecure

von: skindeep   Kategorie: insomniac

Und nur ein Lachen werd' ich schreien
Und nur ein Weinen werd' ich mir verzeihen
Und nur ein Sehnen werd' ich warten
(Lacrimosa - Alles Lüge)

Loch, Loch, Loch. Schwarz. Warum ist bloß niemand dort unten im Dunkel um mich aufzufangen? Es gibt nichts mehr, wo ich hingehen könnte, doch Flucht erscheint mir als einzig verbleibender, süßer Ausweg. Denn hier sind die Wände schwarz vor schreienden Ängsten. Erdrückend gewohnter Anblick. Schlieren an den Fensterscheiben mischen sich mit denen vor meinen Gedanken. In der Schwebe zwischen Zufriedenheit und Untergang, Vorfreude und Zurückhaltung, zwischen Wollen und Nichtkönnen oder vielleicht auch andersherum.

Ich hätte gern Ruhe, so gern. Spaziergänge am Nachmittag, Fernseher am Abend. Beschaulichkeit. Ewig verteufeltes Spießerdasein, ich bin froh, dass es so nicht ist und sehne mich trotzdem danach. Natürlich gibt es so etwas wie Alltag. Aber alles dazwischen ist eher unvorhersehbar, schwer unter Kontrolle zu bringen.

Die Flügel gehen in Flammen auf. Probably survive. Immer, immer kommt es anders als gedacht. Manchmal schlechter, aber zum Glück beizeiten auch sehr viel besser.
Wäre ja langweilig, würde es genauso kommen, wie man es sich vorgestellt hat. Schreien der verhaltene Mut und das spontane Chaos in mir.
Aber es würde Sicherheit geben, flüstert die glasige Zerbrechlichkeit. Und die könnte ich gerade verdammt gut brauchen.

18.10.2008 um 19:10 Uhr

Schwermut

von: skindeep   Kategorie: Seasons

"Frierst du noch?", fragte sie, und dann gab sie ihm einen Kuss auf die Stirn. Uh! Der war kälter als Eis, der ging ihm tief ins Herz hinein, das ja ohnehin ein halber Eisklumpen war; ihm war, als müsste er sterben! - Aber nur einen Augenblick, dann tat es geradezu gut, er merkte nichts mehr von der Kälte ringsum.
(Aus: Die Schneekönigin von Hans Christian Andersen)

Das so lebendige Bild verschwindet mit dem nächsten Augenaufschlag. Schwesterherz, totes Kind. Es ist so kalt auf einmal. Wie konnte ich dich nur jemals gehen lassen?

Du machst es mir nicht einfach, Eisprinzessin. Bald kommt deine Zeit, deine blasse Haut wird die weichen Flocken des ersten Schnees reflektieren und die Augen werden eisblau glühen. Kaltes, zerfressendes Feuer. Entfacht vom unwirklichen Schein einer schneeversunkenen Welt. Alle Energie, die die Natur einbüßt, nimmst du in dich auf, nährst dich vom Abgrund Anderer. Schreitest in Leichtigkeit mit wehendem Haar, dann, wenn ich mich mit zusammengekniffenen Lidern durch Schneestürme kämpfe. Du hast schon gewonnen. Dein Eis wird nie gebrochen, der Splitter im Herzen tut sein übriges.

Was ist nur passiert, damals in der verschneiten Dezembernacht? Personifizierter Neid lässt die Augen grünlich blitzen. Du. Oder mein Leben. Die Entscheidung fällt schwerer als sie sollte.
Sicher hast du es verstanden, allwissende Schönheit. Wenn nicht gar alles in dir seinen Ursprung hat. Ich will nur nicht erfrieren.

12.10.2008 um 00:51 Uhr

Verwildert

von: skindeep   Kategorie: Where the gods go

Kopf.schuss. Leben ist aus für heute. Kalter Pistolenlauf an der pochenden Schläfe. Nackter Stahl, der Preis ist zu hoch, der Finger am Abzug zittert kaum. Ein tiefer Atemzug, ein schneller Tod. Peng, Leben explosionsartig herausgeschossen, schwarze Federn vereinzelt im Schnee.

Alles wird stumpf um mich her, nun da ich weiß, was es zu missen gilt. Zu sacht kommt die Erkenntnis. Du machst mich krank. Und glücklich. Undefiniert. It's kinda hard to fall in love. Von Feuer zu Feuer zu...
Wart' nicht zu lang, Unbändiger. Es ist ein Loch im Stundenglas. Der Sand rinnt uns davon.

Sing on! sing on! I would be drunk with life...
(Oscar Wilde - The Burden of Itys)

09.10.2008 um 13:25 Uhr

When autumn explodes

von: skindeep   Kategorie: Seasons

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Make me fall. Down, down on the ground. Deep, deeper inside your skin. When autumn explodes.
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Röter wird es niemals mehr.
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09.10.2008 um 05:08 Uhr

Und ich tanz'...

von: skindeep   Kategorie: floating.

Musik: ASP - Der schwarze Schmetterling

And if I could stop the clocks
If I could make this moment mine...

Regen, vom Wind achtlos umher gepeitscht. Die Pfützen am Boden werden größer. Kalter, dunkler Herbstabend. Die Köpfe eingezogen, unter Schirmen versteckt. Feuchtigkeit kriecht unter die langen Mäntel und frisst sich fest. Im Innern wird es warm, ich halte ihre Hand. Bloß ein Wort und das Kartenhaus fällt in sich zusammen.

Und ich bin da, wenn du ganz entblößt, in der Sonne die Seele brennt, dennoch erfrierst...
Du bewirkst Herzstillstände, sekundenweise. Bescherst plötzliche Schmerzen in der Gegend zwischen Herz und Bauch, es zieht sich in mir zusammen, dass ich mich übergeben möchte. Ich will dich nicht anstarren, sehe stattdessen zu Boden. Dabei will ich doch wissen, wie du nun aussiehst, ob du dich verändert hast. Deine Augen sind traurig wie eh und je, allein dein Lächeln verleiht ihnen ein Glitzern. Du siehst nicht unglücklich aus, vielmehr erschöpft. Müde. Durcheinander. Ich weiß es nicht.

Gänsehautmusik. Sanftes Licht, so stimmig. Und die Lieder, die immer und immer und immer wieder gehörten Lieder. Durchfließen mich wie warmer Regen. Machen die Kälte vergessen und den Sturm zum Teil der Melodie.
Du fügst dich nahtlos in das Bild, in die Erinnerung an vergangene Konzerte, an kühle Herbst- und eisige Winterabende. Die Texte der Lieder wandeln sich in eine einzige, lange Geschichte. Bilderflut in meinem Kopf. Tanzt mit dem Licht an der roten Decke. Wird zu einem Fluss, der sich vor mir auf den Boden ergießt. Eintauchen, voll und ganz. Mit Haut und Haar, mit Augen und Ohren, mit Herz und Verstand.

Weißt du, wer ich bin?

Down
The only way is down...
(Donots - Stop the clocks)

06.10.2008 um 13:14 Uhr

Auf.gewühlt

von: skindeep   Kategorie: the desperate

Ich bin zu sehr. Spielkind.
Ich will und will zuviel. Ich bin ewig unnahbar. Ein verletzliches Engelslächeln; komm beschütz' mich. Dahinter die selbstzerstörerische Raubkatze mit ausgefahrenen Krallen. Ich will Nähe, deine verdammte Nähe. Du bist. reizvoller Beutezug.

Dein Kuss begleitet mich seit tausend Jahren
Gejagt von tausend Teufelsscharen
Dein Duft zerreißt die Nacht seit tausend Jahren
Dein Fluch in mir kennt kein Erbarmen
(Nik Page - Dein Kuss)

Ich brauche neue Grenzen, die alten sind ausgetestet und überschritten. Komm näher, tu es langsam. Sei meine Grenze, rötlich bunt. Wogender Rythmus, tiefer Bass durchfährt mich. Es ist ein schönes Spiel und dein Lächeln zögerlich bestimmt. Haut an Haut, dann unvermittelt gewollt ganz nah. Ein zartes Schaudern, ein kurzes Lodern. Die Welt ist zeitlos. Verhaltene Begierde hinter deiner warmen Hand. Gibt Sicherheit, die ich nur vortäusche. Es gibt kein vorsichtiges Tasten, es gibt nur willentlichen Kampf oder die Einsamkeit. Du riechst so gut.
Ich
will. Deine Zähne in meiner Haut, reißend. Noch näher. Noch mehr.
Ich will. Fortlaufen und mich verstecken. Dich mitziehen und nicht gehen lassen.
Ich weiß nicht, was ich will.
Mit dem letzten Lied bist du fort, lässt mich aufgewühlt im flackernden Licht zurück.

Don't you confuse me too much.

02.10.2008 um 01:27 Uhr

Oktober

von: skindeep   Kategorie: Seasons

Es stürmt. Und regnet. Es ist windig und nass, graue Wolkenwand. Und ich finde es wundervoll. Der Mandelbaum verlor seine Blätter, ganz plötzlich, gestern, fast alle zugleich. Das gelbe Laub glänzt regennass am Boden. Noch ist es nicht kalt, doch man kann sie herankriechen sehen, die bodenlose Kälte. Eine harte Woche überstanden, endlich. Nun kann ich das Leuchten beobachten. Ich vergrabe mich gern in meinem Schal und sehne, lausche. Alles golden, mehr grau.

Die schönsten Dinge kommen unerwartet und sind so unscheinbar farbverwischt schimmernd. Ein paar ferne Worte. Eine vertraute Stimme am Telefon. Vorfreude. Freudentränen. Dort wo alles begann. Halt und der ersehnte Verlust selbigens.

Hard to say what caught my attention
fixed and crazy, aphid attraction
carve my name in my face, to recognize
such a pheromone cult to terrorize
(Slipknot - Vermilion)


Herbst ist Seelenkrieg. Krieg wie ich ihn mag, wie er unausweichlich ist. Schrei, endlich. Unsere beste Zeit. Die Menschen werden leiser im Herbst. Und die Welt bäumt sich noch einmal auf.