Bebend
I
Es ist kalt. Ich zittere. Und ich dachte, ich dachte, dass... Werd' erwachsen flucht es laut in mir.
Sollte ich es nicht allein können, ohne Hilfe?
Ich kann es nicht und merke es erst jetzt. Habe mir nur etwas vorgemacht. Es hat sich doch nichts geändert. Ich bin zu klein, zu schwach, zu hilflos. Die kleinen Unsicherheiten bleiben. Ich möchte mich verstecken, irgendwo unter einer warmen Decke, in beschützenden Armen. Warum stürzt die Welt nicht auf mich nieder? Dann würde das Beben in mir zumindest einen Sinn ergeben. Ich wanke, es reisst mir die Beine unter meinem Körper weg. Wohin nur? Kein ersehnter Fall in ungeahnte Tiefen, kein leichter Ausweg, keine Endzeitstimmung. Alles geht seinen gewohnten Weg, nur ich strauchle. Aller Mut ist mit einem Windhauch fort. Ich muss mitgehen; warten und hoffen hat doch keinen Zweck. Ebenso wenig wie verstecken. Ich muss, muss, muss. Wie an Fäden. Groß werden. Allein laufen, wie sehr auch alles aus den Fugen gerät. Was soll schon passieren, ausser einem Sturz, einem kleinen Niederschlag? Es ist nur das Gefühl, was mich hindert, es kümmert nicht.
Warum ist es so kalt? Niemand braucht mich, wenn er stattdessen dich haben kann. Das habe ich jetzt begriffen. Ich hasse dich, ich hasse dich.
Aus.
.
II
Das Beben ist vorüber und ich stehe noch, tanze gar. Ha. Ich kann allein. Vielleicht ist es weniger sicher, weniger schön und weniger vertraut, aber es fühlt sich keineswegs schlecht an. Das wankende Herz triumphiert leise, pocht und pocht lauter. Du kannst jetzt gehen. Ich brauche dich nicht. Die kleinen Unsicherheiten dürfen bleiben, denn sie zerren kaum am großen Ganzen.
Endgültig.
