Musik: Yusuf Islam - Oh very young
Wie sind wir nur so groß geworden? Was ist passiert in dem riesigen Raum zwischen vorgestern und heute? Und wieso hält uns niemand auf? Wir spielten in kurzen Hosen, geblümten Kleidern und bunten Schuhen auf dem Schulhof, liefen und liefen und bauten uns eine Welt zwischen Betonmauern und grünen Bäumen. Heute müssen wir bei der Arbeit ordentliche Sachen tragen, und bald werden auch bunte Haare und Piercings um der Seriösität willen weichen müssen und wir werden im Einheitsgrau untergehen, sind es vielleicht Stückweise bereits. Es macht mir nichts aus; was ich mache, mache ich gern, auch wenn es noch so seriös und so wenig natürlich ist.
Es ging bloß zu schnell, viel zu schnell. Früher haben wir nebeneinander im Bus gesessen, gekichert und du hast in der Bravo geblättert. Ich musste fast jeden Morgen zur Haltestelle rennen, weil ich immer ein wenig zu sehr trödelte und auf meiner Schultasche waren große Seifenblasen. Heute sitze ich allein dort, halte die Welt durch Musik oder ein Buch von mir fern und schaue nur manchmal noch lächelnd aus dem Fenster. Die meiste Zeit aber bin ich die Menschen leid, sie sind zu laut und stinken oft und eigentlich will ich nur ankommen. Manchmal sehen wir uns auf dem Weg, aber es ist nicht wie früher. Das Lachen ist weniger authentisch und wir reden um nicht schweigen zu müssen. Wir teilen uns keine gemischte Tüte mehr auf dem Rückweg und ich mache meine Hausaufgaben nicht mehr im Bus. Ich weiß nichtmal mehr, welche Band ihr gern hört, während wir früher aus dem Schwärmen nicht herauskamen und die Poster über dem Bett Bände sprachen.
Was ist passiert auf dem Weg? Scheinbar nichts, so schleichend und dann bist du mit dem Schnipsen zweier Finger erwachsen. Große Dinge werden von dir erwartet, Verantwortung, Fleiß, Stärke und Leistung, während es früher völlig ausreichte, wenn du pünktlich zum Abendessen zuhause warst.
In meinem Bett liegt noch immer dasselbe Plüschtier wie zu Kindertagen und wenn ich nicht einschlafen kann, höre ich manchmal Hörspiele. Ich weiß noch, wie ihr damals ward, verletzlich und verträumt, verspielt und lebendig. Es ist nicht ganz verschwunden, natürlich nicht, aber es ist jetzt unter so vielen vermeindlich wichtigeren Dingen verborgen, dass man es nur sehr selten sieht. Wir sind jetzt groß, sorgen für uns selbst und sind die meiste Zeit egoistisch, konkurrierend und diszipliniert. Es gibt sie nicht mehr, die Ausraster, Lachanfälle, Heulkrämpfe, geballte Angst bei Prüfungen oder auch nur einem gruseligen Film, die zusammen durchgestanden werden. Es ist flach und eigentümlich grau und ich kann und will es nicht mehr sehen. Aber ich stecke genau dort drin, kann nicht weg und was mir am meisten Angst einjagt, ich finde es nicht einmal schlimm. Ich habe Pläne und ich bereue nicht. Etwas muss man immer aufgeben, und wenn es die eigene Jugend und Freiheit ist, ist das zwar schwer und auch ein wenig beschissen, aber nur normal. Leben ist so. Und ich bin mir sicher, wir werden etwas Gutes daraus machen.
And the goodbye makes the journey harder still.