Soulsick & Skindeep

08.04.2009 um 15:55 Uhr

Helhel, winterlich

von: skindeep   Kategorie: On the road

 
~ This seemed rather to belong to some story heard long before, an instant in the life of another, ill told, ill heard, and more than half forgotten ~

Nun, wo ich wieder zurück bin und draußen vor dem Fenster die Bäume grünen und auf meinem Schreibtisch ein Strauß Tulpen in lila und rot blüht, wirken die letzten Tage unwirklich, wie Bilder aus einem fast vergessenen, eisigen Traum.

Nur das Gefühl ist geblieben, das der Kälte in den Knochen, der regennassen Straßen unter den Füßen und knackenden Eisschollen auf dem Ostseewasser. Ich war damit beschäftigt, aufs Meer zu sehen und über schneebedeckte Felsen zu klettern und du hast mit großen Augen Fotos gemacht. Die Stadt ist nicht schön, sie ist weitläufig und die Straßen sind breit und grau und leer. Es hat mich an Moskau erinnert anfangs, doch ist noch stiller und atmosphärischer. Die eh schon wenigen Einwohner, gemessen an der Fläche der Stadt, schienen sich nur im Flüsterton zu unterhalten, sie erwiderten mein Lächeln schüchtern, verzogen die Mundwinkel kaum merklich. Sie sind freundlich, intelligent und schön, aber auf ihre nordische Art reserviert. Und passen damit perfekt ins Bild, das Land macht die Hülle hart und das Herz umso weicher. Die Frau am Bahnsteig sagte, es sei schön, dass es Menschen gäbe, die offen sind, mit einem Lächeln auf den Lippen. Ich habe mich gefreut.

Noch viel schöner als zwischen den alten Gebäuden war es ein paar Schritte weiter, am Hafen, wo die Fischerboote noch still im Eis ihren Winterschlaf hielten. Dort wo die Möwen auf den kargen Felsen saßen, oder auf der beinahe gruselig vernebelten Insel, von deren einsamen Hügeln man die Nebelhörner der großen Kreuzfahrtsschiffe hörte und die See gegen moosbewachsene Klippen schlug.

Wenn ich eines Tages zurückkehren sollte, dann an einen Ort fernab der Stadt, irgendwo zwischen hohen Kiefern und einem Haus, das aussieht, wie den Geschichten von Astrid Lindgren entsprungen. Ein Platz für mich, wenn ich das Rastlosleben satt habe.

~ Some closed, but endless space, once so twain. It makes me wanna listen to sad music. It makes me wanna remember the nights we tried to die... ~

 

Kiitos, auch dir. Dafür, dass du mich mitgenommen hast, in diese mir bisher nur aus der Ferne bekannte Welt. Für ganz viele Tassen warmen Kakaos und das Lied, dass du leise vor dich hingesungen hast. Erst jetzt kenne ich seine volle Bedeutung.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenkrasnij mak schreibt am 08.04.2009 um 16:55 Uhr:Es ist seltsam, wie unterschiedlich die Eindrücke sind. Für mich war die Stadt nicht leer, aber vielleicht, weil ich sie ein wenig mit meinen Leningrad-Träumen gefüllt habe, die leise von den Kuppeln der Uspenski-Katedraali in meine Augen fielen.

    Danke Dir. Oy heißt nicht Änderungsschneiderei, nein. Aber Pysantyy heißt "Wagen hält." Und Suffeli Puffi war so lecker.
    Ich hab Dich lieber!

Diesen Eintrag kommentieren