Tired of London
Musik: Placebo - Infra-Red
Ich fand dieses Bild. Tired of London. Und ich weiß, was es sagen will. Weiß, wie sehr man eine Stadt hassen kann, wenn man einsam ist. Wie sehr sie dich schwächen kann mit all ihrem Überfluss. Sie sehr sie dich betäubt, mit ihrem 'zu viel', 'zu groß', 'zu bunt' und 'zu frei'. Wie sehr sie dir die Kraft rauben kann im Alltag, mit regnerischem Wetter und grauen Häuserfronten.
Große weite Welt. Allein in einer Stadt, die viel zu groß ist für jemanden wie mich. Und ich habe sie doch erobert. Ich bin allein durch die Straßen gegangen, gesäumt von wuchtigen Hochhäusern. Ich habe mich allein in den Bus gesetzt und mich mehr als einmal in die gottverlassendsten Gegenden verfahren. Ich bin allein von Geschäft zu Geschäft gelaufen, von Menschen nur so überquellend und fühlte mich beizeiten fehl am Platze. Ich weiß noch wie mein Zimmer roch, nach einer Mischung aus suspektem Desinfektionsmittel für meine Piercings aus dem Laden um die Ecke und Patchouliöl. Ich habe verdammt lästige Männer kennengelernt und mein Hauptnahrungsmittel waren Cornflakes und Cheeseburger. Ich stand weinend am Flughafen und habe alles und jeden der mir in die Quere kam verflucht.
Und doch. Es gab so viele Orte an denen es ruhig war, sonnig, warm. Ich habe mir in meinem neuen Mantel eine riesige Schachtel Erdbeeren gekauft und sie am Ufer des Camden Canal gegessen. Ich habe mir die Schauspieler bei ihren Proben im New Globe Theater angesehen und wusste wie Shakespeare sich gefühlt haben muss. Ich habe viel nachgedacht und dabei eine Welt für mich entdeckt. Ich war zwar nie so allein, aber auch selten so frei wie dort. Never tired of London.
Quelle: www.doenerali.homelinux.org/~dennis3484/blog/wp
