Soulsick & Skindeep

30.03.2009 um 01:52 Uhr

Lass mich zerbersten

von: skindeep   Kategorie: insomniac

Sie sitzt mir gegenüber, das dunkle Haar fällt ihr ins Gesicht, sie hält die Arme eng um den Körper geschlungen, zittert. In der verregneten Scheibe hinter ihr ist ein Sprung. Die kleinen Hände sind zu Fäusten geballt und die Zähne fest aufeinander gebissen, sie hält sich an sich selber fest, um nicht zu zerbersten. Die Nägel ihrer Finger bohren sich tief in die Haut, doch sie spürt nichts, nur die Welt, die schwer auf ihrer Schulter sitzt und sie nach unten zieht. Aus den geschlossenen Fäusten dringen langsam und wabernd rote Fäden nach außen, bilden formlose Wölkchen und tropfen dann zu Boden. 

In ihren Augen explodiert etwas. Die Fensterscheibe knackst unnatürlich laut in eisiger Stille. Sie versucht mich anzulächeln, doch ihr schönes Gesicht verzieht sich zu einer hässlichen Fratze. Ich ging ein Stück zu weit. Ich hätte nicht... Ihre Tränen tropfen widerhallend auf den kalten Stein, verdampfen auf dem Weg. Innen wird außen und die roten Schlieren bilden Muster auf dem kalten Boden, werden Blumen und Dornen, werden unfassbar.

Lautlos rollt die Welt ihr von den Schultern, die Last zu schwer. Inmitten des Karmesin und Purpur tut sich ein Abgrund auf und die Welt fällt ins Bodenlose. Ich kann nichts tun, ich starre auf die graue Scheibe hinter ihrem Rücken und beobachte die kleinen Risse, größer werdend. Die Wände rücken näher und das rot kriecht an ihnen hinauf. Ich ertrage die Haltlosigkeit nicht. Starre reglos, während sie vor mir zerbirst. Gift-raum, feuerrot.

21.02.2009 um 01:02 Uhr

Für ein Lied

von: skindeep   Kategorie: insomniac

~
 From my heart to your ears
Transforming words to tears
As vibrations of a string become a sound
I realize we're frail
Burned out and pale
(Apoptygma Berzerk - Lost in translation)
~

Ich wollte niemals wieder schreiben. Wollte mich mit leeren Augenhöhlen in eine Ecke kauern und mit den Zähnen knirschen. Laut und unangenehm. Verrückt spielen, ver-rückt sein.

Doch die Worte sind größer und ich kann nichts dagegen tun. Sie bedecken alles, was ich war und formen sich zu einem einzigen lautlosen Schrei. Allgegenwärtig. Es schwirrt in meinem Kopf. Urban overload deluxe. Kleine bunte Männchen fahren Achterbahn zwischen Gedankensynapsen und Nervensträngen. Es blitzt schmerzhaft grell, viel zu viel, viel zu eng. It's gettin‘ hard to concentrate.

Ein Schwarm großflügliger Fliegen. Wortfetzen. Ein Lied, dass du einst sangst. Vorbeirauschende Gesichter ohne Identität. Jemand springt hysterisch lachend vor einen Zug. In mir tanzen sechs Milliarden Menschen einen wirren Reigen, sie haben tollwütigen Schaum vor dem Mund. Laufen durch enge Gassen zwischen grauen Betonriesen. Ich schlage den Kopf gegen die Wand, oder vielleicht die Wand gegen den Kopf. I can't get no sleep. Ich wäre gern ab- und aufgedrehter, wenn das nötig ist, um zu bestehen. Das Pulsieren hört nicht auf.

Nimm mir die Worte, wenn du gehst, nimm sie mit. Ich habe schon zu viel gesagt.

Vielleicht wird es ja ein gutes Lied.  

29.01.2009 um 22:46 Uhr

Nothing left to say

von: skindeep   Kategorie: insomniac

Into the blue. Deeper. Slightly the worlds collide.

Over. and done.

Wenn und aber und vielleicht. Nicht mehr und viel zu viel. Ich brauche ein ganz oder gar nicht. Sing mich in den Schlaf. Ich bin müde, ausgelaugt. Ich hab' es satt. Richte mich auf und werfe mich nieder, Spielkind. Start again, start again. Nichts mehr zu verlieren. Nothing left to loose, nothing left to say.

17.11.2008 um 23:58 Uhr

Blaue Stunden

von: skindeep   Kategorie: insomniac

Was reißt ihr aus meinen blassen, blauen
Stunden mich in der wirbelnden Kreise
wirres Geflimmer?
Ich mag nicht mehr euren Wahnsinn schauen.
Ich will wie ein Kind im Krankenzimmer
einsam, mit heimlichem Lächeln, leise,
leise - Tage und Träume bauen.
(Rainer Maria Rilke)

Was sagen dir die kleinen runden Buchstaben auf den weißen Tagebuchseiten? Denkst du manchmal darüber nach?
Mir gehen nicht nur die Worte, sondern auch die Gedanken aus. Lass mich bleiben, lass mich sein in meiner Stille. Ich brauche die laute Welt nicht, nicht heute und auch nicht morgen. Störende Menschengeräusche, wie kauen und gehen und atmen. Bevölkern, belagern, geben niemals Ruhe. Die Nacht wird kaum dunkel, der Tag selten ganz hell. Es purzelt durcheinander in mir. Tag und Nacht, hell und dunkel, schlafen und wachen.

Du bist Ruhe, ich weiß. Leg sie ein wenig über die Welt. Das Rascheln der Blätter im Wind darf bleiben. Leiser drehen, Augen in dir schließen.

25.10.2008 um 00:28 Uhr

Maybe in April...

von: skindeep   Kategorie: insomniac

Musik: Rufus Wainwright - Hallelujah

Es soll frieren. Vielleicht diese Nacht, vielleicht nächste oder übernächste. Inhale. Ich atme tief die eisige Abendluft ein, die bereits in der Lunge schmerzt, Atemwege erstarren lässt. Und freue mich auf den Raureif, der dann über dem Garten liegen wird. Exhale.

Zweifel sind da, an der Sinnhaftigkeit meines Tuns und Richtigkeit meines Weges. Aber immerhin habe ich einen, auch wenn er sich schleppend zieht und ich gern noch soviel zur gleichen Zeit machen würde. Momentane Trägheit. Ich warte auf Aufwind der Überwindung schafft. Ich habe schon einmal darauf vertraut, dass die Zeit auf meiner Seite ist und wurde enttäuscht. Zeit ist eine schlammverschmierte Hure. Nun bleibt nichts ausser dem Jetzt, in dessen Hände ich mich gebe und versuche die Pläne in Taten umzusetzen.
Träume. Ich kann mich wieder freuen. Ich habe alles, was ich mir nur wünschen kann und seien es nur ein paar wundervolle Stunden inmitten einer anstrengenden Woche. Früher war alles irgendwie überschwappender, explodierender, auch die Worte. Etwas geht immer verloren. Dafür habe ich nun mehr Halt. Weniger Absturz. Die Sehnsüchte werden konkreter und bleiben doch unerreichbar. Die Ozeane dazwischen sind nur gefühlter Art.

Maybe there's a god above...

Alte Worte machen konfus, die roten Buchstaben auf dem vergilbten Pergament. Ich hatte vergessen, in welche Richtung die Welt sich dreht. Ein Jahr ist an mir vorbeigeflogen und ich kann kaum sagen, was geschehen ist. Was soll ich dir erzählen, wenn du fragst? Ich könnte berichten von den Orten, die ich gesehen, und den Gerüchen, die ich aufgesaugt habe. Von den Menschen, die noch immer bei mir sind, und jenen die sich dazugesellt haben. Vom gar nicht so kalten Winter, einem einsamen Frühling, Sommer voller Wahnsinn und den Anfängen eines wunderschönen Herbsts. Ich könnte versuchen, die Träume zu beschreiben und erzählen wie ich mich fühle, aber die Worte dieser Sprache reichen nicht aus. Es hat sich nicht viel verändert und doch mehr als ich sagen kann. Ich bin ein wenig erwachsener geworden, auf eine gute Art und Weise, hoffentlich. Sicher weisst du all das bereits, in welcher Hinsicht auch immer. Du hast das Herz dafür.

Ich bin nicht gut im Geschichtenerzählen. Ich höre lieber zu.
Ich gehe noch einmal barfuss über die Wiese, die letzten Blätter. Inhale. Die Pläne müssen konkretisiert werden, nun endlich, es wird Zeit. Ich will nicht wieder im falschen Moment fort sein und jemanden im Stich lassen. Klarer, eisiger Nachthimmel. Exhale.

...But you don't really care for music, do you?

20.10.2008 um 21:27 Uhr

Insecure

von: skindeep   Kategorie: insomniac

Und nur ein Lachen werd' ich schreien
Und nur ein Weinen werd' ich mir verzeihen
Und nur ein Sehnen werd' ich warten
(Lacrimosa - Alles Lüge)

Loch, Loch, Loch. Schwarz. Warum ist bloß niemand dort unten im Dunkel um mich aufzufangen? Es gibt nichts mehr, wo ich hingehen könnte, doch Flucht erscheint mir als einzig verbleibender, süßer Ausweg. Denn hier sind die Wände schwarz vor schreienden Ängsten. Erdrückend gewohnter Anblick. Schlieren an den Fensterscheiben mischen sich mit denen vor meinen Gedanken. In der Schwebe zwischen Zufriedenheit und Untergang, Vorfreude und Zurückhaltung, zwischen Wollen und Nichtkönnen oder vielleicht auch andersherum.

Ich hätte gern Ruhe, so gern. Spaziergänge am Nachmittag, Fernseher am Abend. Beschaulichkeit. Ewig verteufeltes Spießerdasein, ich bin froh, dass es so nicht ist und sehne mich trotzdem danach. Natürlich gibt es so etwas wie Alltag. Aber alles dazwischen ist eher unvorhersehbar, schwer unter Kontrolle zu bringen.

Die Flügel gehen in Flammen auf. Probably survive. Immer, immer kommt es anders als gedacht. Manchmal schlechter, aber zum Glück beizeiten auch sehr viel besser.
Wäre ja langweilig, würde es genauso kommen, wie man es sich vorgestellt hat. Schreien der verhaltene Mut und das spontane Chaos in mir.
Aber es würde Sicherheit geben, flüstert die glasige Zerbrechlichkeit. Und die könnte ich gerade verdammt gut brauchen.